• Donnerstag, 13. Dezember 2018

Instant Payment: Sparkassen ermöglichen Echtzeit-Überweisungen

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Wer kennt es nicht: Ein Zahlungstermin wurde fast übersehen und nun ist eine schnelle Überweisung notwendig. Das Problem: Bis vor Kurzem war diese schnelle Überweisung gar nicht so einfach möglich. Stattdessen mussten die Bankhäuser die Überweisungen erst einmal an die Bundesbank weiterleiten. Hier wurden die Aufträge gesammelt und anschließend zusammen an die jeweiligen Banken überwiesen. Es war also nahezu unmöglich, das Geld innerhalb von nur einem Werktag vom Absender zum Empfänger zu übermitteln. Bei den Sparkassen in Deutschland ist das jedoch jetzt anders. Hier können sich die rund 40 Millionen Kunden nun auf das Instant Payment freuen, mit dem die Zahlungen in Echtzeit abgewickelt werden können.

Instant Payment: Rasantes Bezahlen per Klick

Die HypoVereinsbank war Ende 2017 in Deutschland der Pionier des Instant Payments. Das Unternehmen ermöglicht seinen Kunden bereits seit November letzten Jahres die Echtzeit-Überweisungen und kann damit als besonders innovativ bezeichnet werden. Gleichzeitig wächst der Druck auf die anderen Bankhäuser in Deutschland auch dadurch, dass zahlreiche digitale Unternehmen in den Finanzsektor einsteigen. Ein Beispiel hierfür wäre zum Beispiel der Suchmaschinenriese Google, der mit seinem Bezahldienst Google Pay gerade erst in Deutschland gestartet ist. Jetzt also ziehen auch die 385 Sparkassen der Bundesrepublik nach und bieten ihren rund 40 Millionen Kunden die Möglichkeit, Sofortzahlungen abzuwickeln. Bezeichnet werden diese auch als Instant Payment, da der gezahlte Betrag innerhalb von wenigen Sekunden beim Empfänger ankommt. Das lange Warten auf die erfolgreiche Übermittlung einer Überweisung gehört damit also der Vergangenheit an.

Ganz neu ist das Verfahren bei den Sparkassen allerdings nicht. Genutzt werden konnte dies von den Kunden bereits mit Hilfe der App „Kwitt“, mit dem innerhalb der Sparkassen-Konten in sekundenschnelle Geld überwiesen werden konnten. Jetzt allerdings wird es erstmals möglich sein, dieses Verfahren auch beim Onlinebanking oder in der regulären App der Sparkassen einzusetzen.

Wie genau funktioniert die Zahlungsabwicklung?

Der große Unterschied zwischen den Instant Payments und den regulären Überweisungen liegt vor allem in der Verarbeitung der Aufträge. Wie bereits erwähnt, wurden die Überweisungen bis vor einiger Zeit noch bei den Zentralbanken gesammelt, ehe diese dann alle Überweisungen auf einen Schlag durchführten. Jetzt allerdings werden die Buchungen über eine zentrale Plattform gesteuert, welche jede einzelne Transaktion sofort ausführt. Dadurch kann die Wartezeit vermieden werden, die bisher bei den Bankgeschäften angefallen ist. Wenig überraschend kommt dieses System bei den Bankkunden gut an. Einer Umfrage von ibi research in Zusammenarbeit mit van den Berg und der ING-DiBa zur Folge halten 96 Prozent aller Befragten das Instant Payment für „manchmal nützlich“, immerhin ein Drittel erklärte, dass die Sofortüberweisungen „sehr nützlich“ seien.

Diese positive Bewertung stammt natürlich nicht von Ungefähr. In der Praxis ergeben sich für die Verbraucher durch die neuen Sofortzahlungen selbstverständlich einige Vorteile. Hierzu gehört zum Beispiel, dass der Kontostand transparenter abgerufen werden kann. Wohl jeder Bankkunde kennt es: Auf den ersten Blick scheint auf dem Konto noch ausreichend Geld vorhanden zu sein. Erst auf den zweiten Blick ist dann aber eine Abbuchung zu erkennen, die noch aussteht. Derartige Zwischenfälle können durch die Sofortzahlungen vermieden werden, da der Kontostand natürlich ebenfalls immer in Echtzeit dargestellt wird. Selbstverständlich sind auch die Geschwindigkeit und die Flexibilität zwei wesentliche Vorteile der Instant Payments. Überweisungen und Bezahlvorgänge können deutlich schneller abgewickelt werden, so dass der Druck durch mögliche Fristen nicht allzu groß ausfällt. Ganz nebenbei wird so eventuell auch die Eröffnung eines Kontos bei einem Drittanbieter für Zahlungsabwicklungen unnötig. Diese hatten bisher nämlich immer vor allem den Vorteil in der Hinterhand, dass sie mit einer schnellen Abwicklung überzeugen konnten. Dieser Vorteil ist jetzt jedoch nicht mehr gegeben. Im privaten Bereich lässt sich übrigens mit den Instant Payments auch schneller im Freundeskreis Geld verleihen und zurückzahlen.

Wer online gerne shoppt, kommt durch die Sofortzahlungen in den Genuss einer schnelleren Auftragsabwicklung. Wird also beispielsweise etwas in einem Shop bestellt, erhält der Verkäufer sofort die Benachrichtigung eines Geldeinganges und kann dementsprechend auch sofort den Versand der Ware einleiten. Praktisch kann das neue Verfahren zudem auch am Flughafen sein, wenn kurz vor der Reise vielleicht noch schnell eine Versicherung für den Urlaub gebucht werden soll. Es gibt also durchaus viele gute Argumente dafür, diesen Service als Bankkunde in Anspruch zu nehmen.

Und gibt es auch Nachteile?

Neben den zahlreichen Vorteilen vor allem in der Geschwindigkeit gibt es hier und da vielleicht auch den einen oder anderen Nachteil. Die Bedienung der Apps muss zum Beispiel noch kontrollierter und überlegter erfolgen. Ist die Zahlung erst einmal auf Reisen, ist der Betrag auch erst einmal weg. In diesem Fall könnte sich der Wiederbeschaffungsprozess als aufwendig herausstellen, da normalerweise ein Überweisungsrückruf durchgeführt werden muss. Die Verbraucher sind bei dieser Technologie also durchaus auch ein wenig selbst gefragt: Vor jedem Auftrag sollten die Zahlungsinformationen genau geprüft werden. So lassen sich Fehler vermeiden, die im Nachhinein für viel Ärger und Frust sorgen könnten.

Banken verlangen für Instant Payments Zusatzkosten

Als einen weiteren Nachteil werden einige Kontoinhaber sicherlich auch aufführen, dass der Service bei den Banken mit Zusatzkosten verbunden ist. Angesichts des enormen Fortschritts ist das allerdings keine große Überraschung. Darüber hinaus sollte sich jeder Kontoinhaber im Klaren darüber sein, dass er seine Sofortüberweisungen jederzeit durchführen kann – auch an Sonn- und Feiertagen. Und das rund um die Uhr. Einheitliche Preismodelle lassen sich bei den Sparkassen bisher allerdings noch nicht entdecken. Stattdessen ist es so, dass die Kosten für eine schnelle Überweisung an das jeweilige Kontomodell gebunden sind. Wer beispielsweise eine Zahlung bei der Berliner Sparkasse in Auftrag gibt, zahlt Gebühren zwischen 0,25 Euro und 0,50 Euro. Bei der Münchener Sparkasse liegen die Gebühren wiederum bei allen Modellen bei 0,50 Euro. Ebenfalls wichtig zu beachten ist aus Sicht der Verbraucher zudem, dass die Sofortzahlungen an ein Maximum gebunden sind. Dieses liegt aktuell bei 15.000 Euro.

Gute Nachrichten gibt es in diesem Zusammenhang auch für alle Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken. Diese haben nämlich bereits angekündigt, in der nahen Zukunft ebenfalls ein Modell für schnelle Zahlungen anzubieten. Im ersten Schritt ist hier vermutlich nur das Empfangen von Geldern notwendig, im kommenden Jahr sollen dann auch Sofortzahlungen möglich gemacht werden Dass ein gewisser Bedarf hierfür existiert, ist zumindest auf europäischer Ebene schon länger bekannt. Die Europäische Zentralbank zum Beispiel hatte sich in der Vergangenheit mehrfach dafür ausgesprochen, die Geschwindigkeit bei SEPA-Überweisungen künftig zu erhöhen. Ein entsprechendes Verfahren wurde auch bereits umgesetzt, allerdings ist die Teilnahme aus Sicht der Unternehmen freiwillig. Wer übrigens denkt, dass Deutschland in dieser Hinsicht besonders fortschrittlich unterwegs ist, der irrt. Tatsächlich wird nämlich bereits von 22 Banken in 12 EU-Ländern die Sofortzahlung angeboten. Zu diesen Ländern gehören unter anderem Spanien, Estland, Lettland, die Niederlande, Österreich oder Italien.

Kauflaune könnte weiter gesteigert werden

Trotz der möglichen Zusatzgebühren für die Sofortzahlungen geht auch der Handel davon aus, dass sich der neue Service positiv auf die Kauflaune der Bürger auswirken kann. Die ist aktuell ohnehin groß, da die Zinsen gering und das Wirtschafswachstum zumindest robust sind. So erklärte der Schufa-Chef Michael Freytag jüngst: „Die Menschen leben immer länger und sind immer länger fit. Auch über 70-Jährige investieren heute in größere Anschaffungen, zum Beispiel in eine neue Küche“. Das zeige sehr gut, dass die Deutschen durchaus bereit sind, Geld auszugeben. Zur Not auch mit Hilfe von Krediten. Hierzu betonte Freytag allerdings, dass die Verbraucher trotz des Zinstiefes ihre Verschuldungen gut im Blick haben und nur äußerst rational handeln. Das sei auch ein Grund dafür, weshalb 2017 97,8 Prozent aller Kredite zurückgezahlt wurden. Freytag fasst zusammen: „Die Verbraucher haben sich in den vergangenen Jahren sehr rational verhalten. Wir sehen gute Chancen, dass sich die Entwicklung in absehbarer Zeit so fortsetzt.

Interessanterweise greift ein Großteil aller Bundesbürger laut einer Forsa-Umfrage aber noch immer am liebsten auf die Rechnung zurück, wenn online etwas bestellt wird. Eine Umfrage unter mehr als 2.000 Nutzern ergab, dass 71 Prozent aller Käufer ihre Ware auf Rechnung bestellen. Immerhin 66 Prozent gaben an, dass sie hierfür Bezahldienste wie PayPal oder ähnliche nutzen. Genau hier könnte das Instant Payment jetzt ansetzen und für den Marktführer PayPal zu einem echten Problem werden. Die Kreditkartenunternehmen geraten ebenfalls ein wenig unter Druck, da immerhin 49 Prozent aller Online-Shopper auf diesen Bezahlweg zurückgreifen. Nur 41 Prozent der Befragten nutzen laut der Umfrage das Lastschriftverfahren.

Eine echte Bezahlrevolution steht bevor

Für Banken, den Handel und die Verbraucher ist das Instant Payment unterm Strich eine sinnvolle und vor allem wertvolle Neuerung. Die Käufer können sich künftig zum Beispiel auf schnellere Abwicklungen ihrer Bestellungen verlassen, gleichzeitig hofft der Handel durch die einfachere Bezahlung auf noch mehr Umsätze als ohnehin schon. Die Sparkassen machen mit ihrem großen Kundenkreis jetzt also einen wichtigen Schritt und dürften dafür sorgen, dass andere Bankhäuser in Deutschland nachziehen. Experten sprechen im Zusammenhang mit den Instant Payments daher bereits von einer echten Bezahlrevolution, die neben Deutschland auch zahlreiche andere Länder innerhalb der EU erreicht hat. In wie weit das neue Bezahlsystem die alteingesessenen Konkurrenten von PayPal und Co. aber wirklich herausfordern kann, bleibt erst einmal abzuwarten. In der Vergangenheit wurden schließlich schon einige ähnliche Angriffe gestartet, die aber oftmals erfolglos wieder in der Versenkung verschwunden sind.

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