• Donnerstag, 17. Januar 2019

Kartenzahlung: Verschwindet die Unterschriften-Zahlung?

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Jeder Inhaber eine Girokarte kennt es: Während im Supermarkt um die Ecke eben noch per PIN-Eingabe gezahlt werden konnte, muss an der Tankstelle vielleicht eine Unterschrift unter die Zahlung gesetzt werden, damit diese ausgeführt wird. Schon seit Jahren ist es in Deutschland so, dass zwischen diesen beiden Varianten in der Kartenzahlung unterschieden wird. Doch jetzt kommt wieder einmal Bewegung in den Fall. Die Kartenzahlung soll in Zukunft nämlich ausschließlich über die PIN-Eingabe abgewickelt werden. Doch wozu das Ganze?

ELV ist immer stärker abgemeldet

Der große Unterschied zwischen einer PIN-Eingabe und der Zahlung mit der Unterschrift liegt vor allem darin, dass verschiedene Gebühren und Risiken für die Unternehmen vorhanden sind. In den letzten Jahren waren stets beide Möglichkeiten für Kartenbesitzer relevant, künftig dürfte die Zahlung ausschließlich über die PIN-Eingabe abgewickelt werden. Das ehemals hochgelobte elektronische Lastschriftverfahren (ELV) scheint sich damit wiederum immer stärker vom Markt zu verabschieden. Ursprünglich eingeführt wurde das ELV, um die Dominanz der Banken auf den Zahlungsmarkt zu durchbrechen. Mit großem Erfolg, allerdings auch mit einigen Problemen. Immerhin bringt das ELV für den Handel durchaus gewisse Risiken mit sich, wie zum Beispiel einen Zahlungsausfall. Auf diesen Kosten würde das Unternehmen sitzenbleiben, wenn das Konto eines Kunden nicht ausreichend gedeckt wäre. Gleichzeitig hat das ELV aber auch enorme Vorteile gebracht, da keinerlei Gebühren an die Banken gezahlt werden müssen.

Genau da lag auch wiederum das große Plus gegenüber der Zahlung mit der PIN. Dieses Verfahren hat sich die Bank zu Nutze gemacht, um von den Händlern am Umsatz beteiligt zu werden. Für jede mit einer PIN autorisierte Zahlung mussten so Gebühren in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes gezahlt werden – das Minimum lag und liegt bei 0,08 Euro. Das klingt erst einmal nicht dramatisch, allerdings kommen bei Milliardenumsätzen im Handel so auch Millionenbeträge für die Banken zusammen.

EU-Kommission hat Bewegung in die Zahlungen gebracht

Mittlerweile allerdings gestaltet sich der Blick auf die Abwicklung der Kartenzahlungen ein bisschen anders. Die EU-Kommission hat in diesem Zusammenhang einen wichtigen Weg beschritten und dafür gesorgt, dass die Gebühren für Giro- und Kreditkartenzahlungen eingedämmt werden. Wie das EHI Retail Institute laut Angabe der „FAZ“ erklärt, zahle ein Händler jetzt lediglich 0,185 Prozent für die Abwicklung einer PIN-Transaktion. Diese Angabe gilt wohlgemerkt aber nur für kleinere Unternehmen. Echte Giganten auf dem Markt dürften hier noch einmal von deutlich vergünstigen Zahlungen profitieren. Die Argumente der Befürworter des elektronischen Lastschriftverfahrens sind dadurch natürlich deutlich gemindert worden. Gleichzeitig machen sich immer mehr Unternehmen daran, aufgrund der Komplexität ausschließlich auf die PIN-Zahlung zu setzen. Das ELV ist immerhin enorm langsam an der Kasse, so dass zum Beispiel für den Bondruck und die Unterschrift enorm viel Zeit aufgebracht werden müssen. Bürokratische Hürden sind ebenfalls vorhanden, da sämtliche Bons mindestens ein Jahr lang vom Handel aufbewahrt werden müssen.

Ein weiteres Argument für die Abschaffung der Zahlungen mit der Unterschrift liefert zudem die Digitalisierung. Immer mehr mobile Bezahlsysteme werden ins Leben gerufen, die in der Regel auf dem Prinzip der PIN-Zahlung aufbauen. Für einen Händler wären es somit vermeidbare Kosten, hier auch noch ein zweites Zahlungssystem zur Verfügung zu stellen.

Wird eine Kettenreaktion ausgelöst?

Mittlerweile wird die ELV-Zahlung bei immer mehr Unternehmen aus dem Portfolio verbannt. Ein prominentes Beispiel hierfür ist zum Beispiel die Tankstellenkette Aral, welche vor einigen Jahren noch maßgeblich daran beteiligt war, dass das ELV überhaupt zu einem echten Trend geworden ist. Immerhin war es ausgerechnet Aral, welche vom PIN-Verfahren auf ELV umstieg und so den Druck auf die Banken und ihre Gebühren erhöhte. Letztendlich so stark, dass diese ihre Gebühren im Sinne der Attraktivität wieder deutlich senken mussten. Neben Aral sind aber noch andere bekannte Marken dabei, ihre Zahlungsmöglichkeiten umzustellen. Rewe beispielsweise hat ganz individuelle Konditionen für seine PIN-Zahlungen ausgehandelt, welche deutlich unter den angesprochenen 0,185 Prozent liegen dürften. Darüber hinaus sind auch Aldi, Lidl oder Edeka schon seit geraumer Zeit dabei, dass ELV abzustellen. Wie deutlich der Einbruch in diesem Bereich ausfällt, lässt sich auch anhand einiger Zahlen erkennen. So wurden im letzten Jahr nur zehn Prozent des Einzelhandels-Umsatzes mit einer Unterschriften-Zahlung aufgebaut. Bei den Zahlungen mit der Girocard und PIN-Eingabe sind es wiederum gut 25 Prozent. So attraktiv die Ausgangslage für den Handel dadurch geworden ist, so sehr drängt auch die Zeit. Die Unternehmen tun gut daran, möglichst frühzeitig Kontakt zu den Banken aufzunehmen und individuelle Konditionen auszuhandeln. Immerhin lässt sich das ELV aktuell noch als Druckmittel einsetzen. Sollte dies aber ganz vom Markt verschwunden sein, hat der Handel nicht mehr unbedingt viele Argumente in der Hinterhand.

Bargeldzahlungen in Deutschland weiterhin die Eins

Trotz aller Bewegungen bei den Zahlungsabwicklungen lässt sich zumindest für Deutschland festhalten, dass die Barzahlungen weiterhin die Nummer Eins sind. Nur zu gern nehmen die Deutschen Scheine oder Münzen in die Hand, um hiermit ihre Zahlungen abzuwickeln. So zeigt eine Studie, dass nur rund jede 20. Zahlung in Deutschland überhaupt mit der Kreditkarte abgewickelt wird. Zumindest statistisch gesehen lagert jeder Deutsche zudem rund 2.000 Euro im Kopfkissen bzw. dem Sparstrumpf. Aktuell scheint es in der Bundesrepublik also noch nicht möglich zu sein, komplett auf die Barzahlungen zu verzichten – trotz der zunehmenden Bedeutung der digitalen Zahlungen. Dass es aber auch deutlich anders geht, zeigt ein Blick ins skandinavische Land Schweden. Hier nimmt die Kreditkarte bzw. das digitale Zahlen mittlerweile den Markt komplett für sich ein, auf Bargeld verzichten die Schweden größtenteils.

Selbst kleinere Zahlungen, wie zum Beispiel ein Brötchen beim Bäcker oder ein Kaffee an der U-Bahn, werden in Stockholm und anderen Städten für gewöhnlich mit der Karte bezahlt. Wer dies in Deutschland versucht, stößt regelmäßig auf das Problem, dass eine Kartenzahlung erst ab einem bestimmten Mindestbetrag erlaubt ist. Ein paar parallelen sind allerdings trotzdem zu Deutschland erkennbar. So wurde in Schweden mit der App Swish gerade ein Zahlungsdienst eingeführt, der von den sieben schwedischen Großbanken entwickelt wurde. Der Sinn dahinter ist, dass Geld noch schneller auf ein Bankkonto bei einer teilnehmenden Bank überweisen zu können. In Deutschland haben die Sparkassen mit der App „Qwitt“ ein ganz ähnliches System eingeführt. Genutzt wird bei Swish überwiegend die Handynummer, mit welcher sich die Überweisung dann in Echtzeit durchführen lässt. Nicht wenige Schweden sind deshalb der Meinung, dass auf die Zahlungen mit Bargeld in den nächsten Jahren ganz verzichtet werden kann.

Bargeldloses Zahlen birgt auch Risiken

Einer der vielen Gründe für die Beliebtheit des bargeldlosen Zahlens findet sich in der Tatsache, dass eine geringere Verlustgefahr besteht. Bargeld kann schnell verloren gehen, das eigene Smartphone fällt hingegen nicht so leicht aus der Tasche. So müssen beim Ausgehen nur das Handy, der Schlüssel und wahlweise eine Karte eingesteckt werden. Gleichzeitig birgt das bargeldlose Zahlen aber auch ein paar Gefahren, wie zum Beispiel eine fehlende Übersicht. Wer seine Karte ansieht, kann nicht sehen, wie viel Geld noch auf dem Konto vorhanden ist. Ein Blick in die Geldbörse hingegen zeigt binnen Sekunden, ob für die Schuhe oder die neue Hose noch genügend Bargeld vorhanden ist.

Abhilfe sollen in diesem Zusammenhang mobile Apps schaffen. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Menschen nicht gerade einen gesunden Überblick darüber haben, wofür sie ihr Geld monatlich genau ausgeben. Mit der App „Moneyou Go“ zum Beispiel, welche von der ABN Amro Bank ins Leben gerufen wurde. Angesprochen werden sollen mit der App vor allem junge und technikaffine Menschen, welche so einen besonders guten Einblick in ihre Finanzen gewinnen sollen. Auch dann, wenn mehrere Konten genutzt werden. Dies passt wunderbar mit den Aussagen zahlreicher Finanzexperten zusammen, welche bereits seit mehreren Jahren erklären, dass Gelder für unterschiedliche Zwecke auch auf unterschiedlichen Konten gelagert werden sollen. Der große Vorteil der App: Die Nutzer können direkt hier ein Girokonto eröffnen und dieses dann in unterschiedliche Wallets aufteilen. So könnte zum Beispiel ein Wallet speziell für die Rechnungen, ein Wallet für das Einkaufen und ein Wallet für Freizeitaktivitäten eingerichtet werde. Die Nutzer genießen dann nicht nur den Überblick über ihren Kontostand, sondern erfahren auch gleich, wie viel Geld für welche „Rubrik“ noch ausgegeben werden kann. „Moneyou Go“ ist dabei natürlich nicht die einzige App auf dem Markt, hat allerdings noch eine Besonderheit in der Hinterhand: Guthaben auf den Wallets bzw. in der App wird nämlich mit einem Zinssatz von 0,3 Prozent verzinst.

Wandel ist nicht aufzuhalten

Auch wenn Deutschland als eines der wenigen Länder Europas noch überwiegend auf das Bargeld setzt, ist der Wandel rund um die Kartenzahlungen kaum aufzuhalten. Immer mehr digitale Bezahlmethoden finden ihren Weg in den Alltag und erhalten auf diese Art und Weise natürlich auch immer größeren Zuspruch. Allerdings hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass die Deutschen trotz aller modernen Mittel ihr Bargeld bis zum Schluss verteidigen wollen. Vorschläge, zum Beispiel den 500-Euro-Schein abzuschaffen und nach und nach ganz auf Bargeld zu verzichten, stießen in Deutschland auf regen Widerstand. Aber vielleicht ändert sich diese Einstellung, wenn erst einmal alle Vorzüge und Möglichkeiten der elektronischen Zahlungen bekannt sind.

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