• Donnerstag, 17. Januar 2019

Kontogebühren: Warum wechseln so wenige Girokontenbesitzer?

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Beim Zusammenstellen von Gebühren waren die Banken schon immer äußerst kreativ. Mittlerweile allerdings hat diese Situation in so manchem Bankhaus die Grenzen zwischen gut und böse längst überschritten, so dass teilweise abstruse Gebührenmodelle ins Leben gerufen werden. Denn: auch trotz saftiger Gebühren entscheiden sich nur wenige Kontobesitzer für einen Wechsel, obwohl dieser möglicherweise mehrere hundert Euro Ersparnis im Jahr einbringen kann.

Gesetzgeber auf Seite der Bankkunden

Nachdem in den letzten Jahren stetig und beharrlich immer neue Gebühren auf Seiten der Banken ins Leben gerufen wurden, hat sich mittlerweile auch der Gesetzgeber eingeschaltet und hier zumindest einen regulatorischen Riegel vorgeschoben. Das gilt zwar nicht für alle Gebühren, eine erhöhte Transparenz und Aufklärung kann der Gesetzgeber mit seinen Vorgaben aber durchaus vorweisen. So wurde mittlerweile zum Beispiel untersagt, Bearbeitungsgebühren für reguläre Ratenkredite ins Leben zu rufen. Diese wurden in der Vergangenheit einfach noch einmal als zusätzliche Gebühren auf den Zinssatz aufgeschlagen. Mittlerweile allerdings sind die Bankhäuser dazu verpflichtet, ihren Kunden sämtliche Kosten und Gebühren in einem zusammengefassten Zinssatz zu präsentieren. Aber nicht nur das: Die Banken dürfen künftig nicht mehr nur mit dem niedrigsten Zinssatz werben, sondern müssen auch einen Durchschnittszins präsentieren, der auf zwei Drittel der Kunden in Diesem Bereich zutrifft. Hier hat der Gesetzgeber also eine Menge Klarheit geschaffen.

Ähnlich sieht es bei den Gebühren für Bargeldeinzahlungen auf das Girokonto aus. Gerade am Schalter haben viele Banken hier mit den Einzahlungsgebühren ordentlich Kasse gemacht. Auch das wird in Zukunft aber nicht mehr möglich sein. Ebenso gilt, dass sich die Bankkunden oder Kunden eines Beraters keine Gedanken mehr über verstecke Provisionen und ähnliches machen müssen. Mittlerweile ist eine sogenannte Kosteninformation Pflicht, auf der alle Preise und Gebühren detailliert ausgewiesen sein müssen. Ebenfalls interessant zu wissen: Die normalen Geschäftsvorgänge müssen bei einem Girokonto mit den Gebühren gedeckt sein. Es in der Vergangenheit durchaus vorgekommen, dass die Banken auch hier Gebühren für teils fragwürdige Leistungen ins Leben gerufen haben. Das wird künftig nicht mehr möglich sein, denn der Gesetzgeber verbietet weitere Kosten für reguläre Geschäftsvorgänge.

Angebot soll transparenter, die Konkurrenz größer werden

Wer sich heutzutage zum Beispiel nach einem neuen Girokonto umsehen möchte, findet im Internet zahllose Angebote und nicht selten stiften diese mehr Verwirrung, als das sie wirklich helfen. Genau aus diesem Grund legt der Gesetzgeber einen großen Wert darauf, dass die Kunden künftig detaillierter und genauer über die Kosten informiert werden müssen. Seit November sind die Banken dazu verpflichtet, ihren Privatkunden regelmäßig eine Aufstellung zukommen zu lassen, in welcher die exakten Kosten für das eigene Konto zu finden sind. Die Bankkunden können diese Gebühren dann mit den Angeboten anderer Banken vergleichen und so unterm Strich im besten Fall eine ganze Menge Geld einsparen. Darüber hinaus hilft der Gesetzgeber auch beim Vergleichen der Angebote. Künftig soll es eine federführende Webseite in Deutschland geben, auf welcher die unterschiedlichen Angebote der Banken miteinander verglichen werden können. Bisher ist dies jedoch nur ein theoretischer Ansatz, denn wirklich weit vorangeschritten ist die Planung hier noch nicht. Aber: Unterstützung gibt es dafür vom Gesetzgeber direkt beim Wechsel des Girokontos. Wer beispielsweise von seinem ING-DiBa Girokonto zu einem Commerzbank Girokonto wechseln möchte, ist künftig nicht mehr auf sich alleine gestellt. Stattdessen fördert der Gesetzgeber auch hier das Wohl der Kunden, da die Banken bei einem Wechsel eng zusammenarbeiten müssen. Die alte Bank muss der neuen Bank also alle wichtigen Informationen zur Verfügung stellen, so dass das neue Bankkonto ohne Nachteile und Wartezeit für den Bankkunden genutzt werden kann.

Zusätzlich dazu fördert der Gesetzgeber auch die Konkurrenz auf dem Markt. Neben den Banken dürfen nämlich künftig auch dritte Unternehmen Informationen über die Zahlungsvorgänge der Kunden einholen. Somit wird hier ein ganz neuer Markt geschaffen, auf den sich in den kommenden Monaten wohl zahlreiche Start-Ups stürzen werden. Denkbar ist es dann zum Beispiel, dass sämtliche Karten und Konten unterschiedlicher Banken in nur einer mobilen App verwaltet werden können. Der Konkurrenzdruck wächst und das dürfte sich im besten Fall auch bei den Bankkunden bemerkbar machen.

Wechselwille in Deutschland sehr überschaubar

Obwohl der Girokonto Wechsel also im Prinzip noch nie so einfach war wie jetzt, entscheidet sich ein Großteil der Deutschen dagegen. Doch warum eigentlich? Immerhin haben verschiedene Umfragen ergeben, dass die deutschen Bankkunden durchaus unzufrieden mit den Leistungen ihrer Geldinstitute sind. Das Portal „biallo“ fand zum Beispiel in einer repräsentativen Umfrage heraus, dass ganze 73 Prozent der Befragten nicht vollständig zufrieden mit ihrem Girokonto sind. Die Gründe hierfür sind ganz unterschiedlicher Natur. Einige Kunden bemängeln die Kundenbetreuung ihrer Bank, andere Klagen über Gebühren. 33 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich von ihrem Girokonto einen größeren Leistungsumfang wünschen werden. 20 Prozent erklärten, sie seien von den Gebühren für Bargeldabhebungen, Transaktionen oder der Kontoführung genervt. Sogar 64 Prozent gaben an, dass sie die niedrigen Zinsen auf ihrem Girokonto stören. Zusammengefasst lässt sich also durchaus eine gewisse Unzufriedenheit bei den Bankkunden erkennen. Gerade weil die Branche derzeit so enorm unübersichtlich ist, entflammt so ein gehöriger Kampf um die Neukunden. Diese werden zum Beispiel mit Sachgeschenken, Geldgeschenken oder ähnlichem geködert, wobei derartige Angebote nicht einfach so bedenkenlos zu empfehlen sind. Ohnehin scheinen die Kontobesitzer trotz der „Ärgernisse“ bei ihren Banken den Instituten treu zu bleiben, denn genau das erklärten 64 Prozent der Befragten.

Weiter fand die Umfrage heraus, dass vor allem ältere Personen als wenig wechselwillig bezeichnet werden können. So liegt der Anteil der Wechselwilligen bei der Altersgruppe ab 55 bei gerade einmal 34 Prozent. Schon zehn Prozent mehr sind es in der Altersgruppe von 35 bis 54. Die meisten Wechselwilligen allerdings lassen sich in der Altersgruppe von 18 bis 34 entdecken. Hier können sich immerhin 50 Prozent vorstellen, ihre Hausbank zu wechseln. Überraschend ist dieses Ergebnis nicht wirklich, schließlich sind die jüngeren Generationen schon eine vollkommen andere Marktsituation gewöhnt und tun sich daher meist nicht so schwer, zu einer neuen Bank zu wechseln. Die älteren Generationen wiederum schätzen oftmals den direkten und langjährigen Kontakt mit ihrem Bankberater und wollen daher nicht zu einem anderen Institut wechseln. Speziell für diese Altersgruppe dürfte also zum Beispiel die geplante Vergleichsseite enorm hilfreich sein, zumal die Wechsler bei ihrem Girokonto Wechsel dann auch noch von den Banken unterstützt werden müssen. Gut möglich also, dass sich der Anteil der Wechselwilligen ab 55 in den nächsten Jahren vielleicht noch einmal deutlich verändert.

2019 Geld beim Girokonto sparen

Sollte 2019 das Zahlungskotengesetz ins Leben gerufen werden, können sich die Bankkunden also auf einen deutlich leichteren und transparenteren Wechsel freuen. Das wiederum ermöglicht gute Chancen, um im neuen Jahr mit dem Girokonto richtig viel Geld zu sparen. Wer wechseln möchte, sollte sich im Vorfeld jedoch detailliert mit den unterschiedlichen Angeboten beschäftigen. Hierzu gehören natürlich in erster Linie die Gebühren und Konditionen der Unternehmen. Aufmerksame Beobachter finden bereits hier horrende Unterschiede und können dementsprechend unpassende Angebote schnell aussortieren. Hierbei sollte zudem auf die eigenen Bedürfnisse geachtet werden. Wer zum Beispiel einen Dispositionskredit benötigt, sollte hier auf den möglichen Rahmen achten und gleichzeitig die Zinsen für eine Überziehung im Blick behalten. Darüber hinaus spielen aber selbstverständlich auch die Funktionen des Girokontos eine wichtige Rolle. Überweisungen tätigen oder Lastschriftverfahren einrichten gehören zum Standard, zusätzlich sollten aber weitere Funktionen des Online-Bankings überprüft werden.

Noch immer ist es zudem so, dass die Beratung durch die Bank oder deren Mitarbeiter eine große Rolle bei der Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen spielt. Auch wenn zum Beispiel in den Direktbanken kein „echtes“ Beratungsgespräch mit einem Berater vor Ort durchgeführt werden kann, stehen normalerweise trotzdem Berater oder Hilfen im Kundensupport zur Verfügung – oder sollten es zumindest. Tauchen dann einmal Fragen oder Unklarheiten auf, können sich die Bankkunden an diese Hilfen wenden und hier Unterstützung erlangen. Unterschiede gibt es dabei vor allem bei der Erreichbarkeit des Supports, gleichzeitig aber auch bei den Kontaktmöglichkeiten. Einige Banken stellen zum Beispiel eine E-Mail-Betreuung, einen Live-Chat und eine telefonische Hotline zur Verfügung. Manche Unternehmen übertrumpfen das sogar noch mit einem Video-Chat oder ähnlichem. Wer viel Wert auf den Service legt, sollte in dieser Kategorie also immer genauestens die Angebote vergleichen. Ob die Entscheidung dann auf eine Filialbank oder Online-Bank fällt, ist ganz von den eigenen Wünschen abhängig. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass die Direktbanken normalerweise bessere Konditionen anbieten können, da mit deutlich niedrigeren Kosten kalkuliert werden kann. Wer zusätzlich etwas mitnehmen möchte, kann zudem auch einen Blick auf die möglichen Prämien der Anbieter werfen. Einige Banken belohnen die Eröffnung eines Girokontos zum Beispiel mit einem gewissen Guthaben oder schenken ihren Kunden eine andere Prämie. Aktivitätsprämien für regelmäßige Umsätze sind aber ebenfalls gängig.

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