• Samstag, 17. November 2018

Sparkassen: Auf die Kunden kommen einige Änderungen zu

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Jedes Jahr das gleich Schauspiel: Zum 1. September müssen sich die Bankkunden auf zahlreiche Änderungen bei den Geldhäusern einstellen. Besonders interessant wird es dabei für die Kunden der Sparkasse, denn diese können sich auf gleich mehrere Änderungen einstellen. So wurde nicht nur ein neues Bezahlsystem eingeführt, gleichzeitig wurden auch der Ablauf beim Geldabhaben und mögliche Strafzinsen für einen Teil der Kunden eingeführt.

Jährliches Verwahrentgelt wird erhoben

Während auf die Kunden der Sparkassen eine ganze Menge Änderungen zukommen, wartet auf die Mitarbeiter der Sparkassen vor allem eine ganze Menge Arbeit – zumindest in der größten Sparkasse Deutschlands, der Haspa in Hamburg. Hier nämlich müssen Girokontobesitzer künftig mit einem sogenannten Verwahrentgelt rechnen, welches jährlich von der Bank berechnet wird. Die Höhe wurde dabei auf 0,4 Prozent des jeweiligen Betrags auf dem Girokonto festgelegt. Betroffen sind hiervon allerdings nicht alle Kunden, wie eine Sprecherin der Sparkasse im Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“ erklärte. Stattdessen geht es vor allem um die Kunden, die viel Geld auf ihrem Girokonto lagern. Ab einer Summe von 500.000 Euro soll das Verwahrentgelt erhoben werden.

Gleichzeitig erklärte die Sparkasse, dass man zu den betroffenen Kunden Kontakt aufbauen wolle. Dabei ginge es laut der Sprecherin darum, den Betroffenen „alternative Anlageformen“ zu präsentieren. Ein kluger Schachzug der Sparkasse, denn so könnten die Gelder der Kunden für neue Investitionen und Anlagen genutzt werden. Wie viele Kunden im Detail von dieser Änderung betroffen sind, ist allerdings nicht bekannt.

Verwahrentgelt trotz satter Gebühren

Sonderlich gut ankommen dürfte das Verwahrentgelt bei den Kunden der Sparkasse in Hamburg natürlich nicht. Das Unternehmen erklärte allerdings, dass es mittlerweile kaum mehr eine andere Wahl habe, da die Europäische Zentralbank jene Strafzinsen für Unternehmen bereits seit 2014 erhebe. Die Banken müssen ebenfalls 0,4 Prozent Zinsen auf die Summen zahlen, die von ihnen bei der EZB „geparkt“ werden. Wie die Haspa-Sprecherin weiter erklärte, gehe man davon aus, dass die Zinsen während der andauernden Niedrigzinsphase in den vergangenen Jahren jeweils „hohe zweistellige Millionenbeträge“ erreicht haben.

Ganz alleine ist die Sparkasse auf dem Markt mit ihrem Vorhaben aber nicht. So wurde bereits vor langer Zeit von der Skatbank, einer Tochter der thüringischen Volksbank, ein Verwahrentgelt eingeführt. Darüber hinaus müssen auch die Kunden der Volksbank Stendal oder der Raiffeisenbank Gmund mittlerweile ab 100.000 Euro bzw. 500.000 Euro auf dem Girokonto Strafzinsen zahlen. Für besonders großes Aufsehen sorgte in den letzten Wochen zudem die Volksbank Reutlingen. Hier beschwerten sich zahlreiche Kunden darüber, dass Negativzinsen bereits ab einer Einlage von 10.000 Euro berechnet wurden. Die Kunden gingen gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen diese Gebühren vor, das Landesgericht urteilte, dass Strafzinsen auf bestehende Konten verboten seien – Girokonten sind hiervon allerdings ausgenommen. Betroffen sind so nur Tagesgeldkonten, Festgeldkonten oder Sparbücher. Damit aber nicht genug: Das Landgericht musste sich kurze Zeit später erneut mit der Bank beschäftigen. Diese hatte neben den regulären Kontoführungsgebühren nämlich Strafzinsen ab dem ersten Euro auf dem Girokonto erhoben. Und das wiederum stellte für das Landesgericht eine „unangemessene Benachteiligung der Bankkunden“ dar.

App „Mobiles Bezahlen“ wurde gestartet

Abgesehen von den für Kunden nicht unbedingt so erfreulichen Nachrichten rund um die Strafzinsen, gibt es mit der App „Mobiles Bezahlen“ eine weitere Änderung zu entdecken. Die wurde jüngst eingeführt und soll das Bezahlen mit dem Smartphone möglich bzw. deutlich einfacher machen. Die Kunden können in der neuen App der Sparkasse ihre Kreditkarte und die Girocard hinterlegen, wodurch dann anschließend mit dem Handy kontaktlos gezahlt werden kann. Allerdings ist die App bisher noch nicht überall zu bekommen, gerade Apple-Nutzer haben noch mit gewissen Problemen zu kämpfen. Apple hat die benötigte Schnittstelle für die App bislang noch nicht freigegeben, was möglicherweise in einem direkten Zusammenhang zur Tatsache steht, dass der Konzern mit seinem „Apple Pay“ demnächst ebenfalls auf dem deutschen Markt durchstarten machten. Zeitlich drängt es bei der Sparkasse aber ohnehin noch nicht, denn laut einer Studie der Bundesbank vom Anfang des Jahres nutzen gerade einmal zwei Prozent der Verbraucher ihre mobilen Endgeräte für das kontaktlose Zahlen.

Allerdings sollten die Kunden bei der Nutzung der neuen App beachten, dass die Sparkasse gewisse Gebühren erhebt. Diese werden nicht verbundweit vorgegeben, sondern obliegen stattdessen jeder einzelnen Sparkasse für sich. In einer Testphase kam dabei heraus, dass für jede hinterlegte Karte eine Gebühr von 0,25 Euro pro Monat anfällt. Macht bei zwei Karten 0,50 Euro Gebühren, im Jahr also rund sechs Euro. Ob die eigene Sparkasse ebenfalls Gebühren für die Nutzung der App verlangt, sollten die Kunden also im Zweifelsfall bei ihrem Bankberater erfragen. Möglich gemacht wird das Bezahlen durch die neue App des Unternehmens einfach im Vorbeigehen. Die Kunden müssen beim Einkauf lediglich das Display des Smartphones aktiveren und dieses nah an die jeweilige Bezahlstation halten. Anschließend ertönt ein akustisches Signal, mit welchem die Transaktion bestätigt wird. Ab diesem Zeitpunkt verläuft der Einkauf dann wie eine ganz normale Kartenzahlung. Soll heißen: Der jeweilige Zahlbetrag wird im weiteren Verlauf von der hinterlegten Karte bzw. dem dazugehörigen Konto eingezogen. Einen großen Vorteil sieht die Bank vor allem in der Geschwindigkeit, da gegenüber dem Zahlen per PIN-Eingabe rund die Hälfte der Zeit eingespart werden kann. Das liegt vor allem daran, dass die Nutzer bis zu einem Betrag von 25 Euro keinerlei Autorisierungen erledigen müssen. Erst bei größeren Transaktionen muss eine PIN eingegeben oder die Zahlung mit dem Fingerabdruck bestätigt werden.

Ablauf beim Geldabheben wird verändert

Wer in den kommenden Tagen zum Geldabhaben an einen Automaten der Sparkasse geht, wird sich ebenfalls einiges ändern. Das Unternehmen verändert nämlich den Ablauf beim Geldabheben und möchte so vor allem die Sicherheit der Kunden erhöhen. Auch hier handelt es sich wieder um ein Verfahren, welches nicht ganz neu ist. Andere Unternehmen der Branche nutzen diese Herangehensweise bereits seit mehreren Jahren. Wer bisher bei der Sparkasse Geld abheben wollte, musste hierfür zuerst seine Karte in den Automaten stecken, anschließend seine PIN eingeben und dann den jeweiligen Betrag für die Auszahlung festlegen. Jetzt wurde diese Reihenfolge etwas geändert: Nun wird zuerst die Karte in den Automaten gegeben und anschließend der gewünschte Auszahlungsbetrag angewählt. Erst im letzten Schritt erfolgt dann die PIN-Eingabe durch den Verbraucher.

Geschützt werden sollen die Kunden der Bank auf diese Art und Weise besser vor krimineller Energie. So erklärte ein Sprecher der Sparkasse: „Mit der Eingabe der PIN ist der Geldautomat freigeschaltet. Wenn es dann zu einem Handgemenge kommt, dann der Dieb selbst einen – möglichst hohen – Betrag eingeben.“ Genau dieser Diebstahl könne jetzt verhindert werden, da der Betrag eben schon vor der Eingabe der PIN festgelegt wurde. Kunden der Commerzbank kennen diesen Ablauf bereits seit gut sechs Jahren, auch die Deutsche Bank hat bereits 2015 die PIN-Eingabe hinter die Betragsauswahl geschoben. Weshalb die Sparkasse erst 2018 diesen Weg beschreitet, ist unklar. Experten sehen in diesem Schritt zwar eine Erhöhung der Sicherheit, erklärten aber auch, dass die Verbraucher trotzdem auf sich selber achten sollten. Wenn ein Täter immerhin bereits die kriminelle Energie für den Diebstahl des Geldes am Automaten aufbringe, schrecke dieser möglicherweise auch nicht davor zurück, dem Kunden das Geld nach der Entnahme am Automaten zu stehlen. Aus diesem Grund sollte gerade bei der Entnahme von größeren Summen darauf geachtet werden, immer genügend Abstand zum Hintermann zu haben.

Verbraucher sollten immer wachsam sein

Ohnehin ist der ausreichende Abstand zum Hintermann am Geldautomaten ein wichtiger Punkt. So vermeiden die Verbraucher nicht nur einen möglichen Diebstahl oder Angriff aus dem Hinterhalt, sondern auch den Diebstahl der eigenen PIN-Nummer. Wer größere Summen Bargeld von seinem Konto abheben sollte, sollte dies im besten Fall zudem nur zu den regulären Öffnungszeiten der Bank tun und sich das Geld am Schalter auszahlen lassen. Alternativ können sich zum Beispiel ältere Leute auch Unterstützung in der Familie oder bei Freunden holen, so dass die größeren Summen dann immer unter Begleitung vom Konto abgehoben werden. Sollte dann tatsächlich etwas Passieren, sollte neben der Polizei immer auch die Sparkasse informiert werden.

Alles in allem warten auf die Kunden der Sparkassen in den kommenden Monaten also zahlreiche Änderungen, welche nicht in jedem Fall für positives Feedback sorgen dürften. Gerade die Strafzinsen sind für viele Verbraucher ein heikles Thema und wurden in der Vergangenheit bereits breit diskutiert. Aufgrund des steigenden Drucks durch die Europäische Zentralbank allerdings musste sich die Sparkasse zu einem derartigen Schritt entscheiden. Es wird auch nur eine Frage der Zeit sein, bis die anderen Bankhäuser in Deutschland diesem Beispiel folgen. Immerhin ist jeder Euro, der bei der Europäischen Zentralbank gelagert wird, für die Banken bisher ein Verlustgeschäft. Ein Ende dieser Zinspolitik ist aber offensichtlich schon in Sicht, wie in Expertenkreisen vermutet wird. Schwer vorstellbar aber, dass mögliche Verwahrentgelder der Banken im weiteren Verlauf dann auch wieder zurückgestuft werden würden. Immerhin musste allein die Sparkasse laut eigener Aussage einen hohen zweistelligen Millionenbetrag aufbringen.

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