• Montag, 24. September 2018

Wirecard: Sinnbild für den Aufstieg des elektronischen Bezahlens?

Diese Seite teilen:

Wer auf der Suche nach einem echten „Durchstarter“ der Finanzbranche ist, der wird beim Unternehmen Wirecard fündig. Der Konzern stand lange Zeit nicht im ganz großen Rampenlicht und Fokus der breiten Bevölkerung, allerdings dürfte sich das jetzt ändern. Denn Wirecard steigt in die „Champions League“ der Unternehmen auf und wird definitiv ein Teil des DAX. Steht der Konzern damit nicht aber auch sinnbildlich für den Aufstieg der elektronischen Zahlungsmethoden? In gewisser Hinsicht sicherlich.

Wirecard-Aktie wurde zur heißen Option

In den letzten Jahren hat das elektronische Bezahlen für die Bevölkerung immer mehr an Bedeutung gewonnen. Nicht nur in Shops wird mittlerweile bargeldlos und elektronisch bezahlt, sondern auch beim Glücksspielanbieter oder eben sogar im realen Leben. Ein Unternehmen, welches sich in diesem Bereich bereits seit vielen Jahren einen guten Ruf aufgebaut hat, ist der Konzern Wirecard. Ganz genau allerdings dürfte der Konzern unter dem Radar der breiten Bevölkerung fliegen, da es sich vornehmlich um B2B-Geschäfte handelt, für die Wirecard bekannt wurde.

Nach einem satten Plus zur Jahresmitte in den Aktienkursen gibt es jetzt die nächste Erfolgsmeldung: Der Konzern wird definitiv ein Teil des DAX, nachdem über diesen Schritt lange diskutiert wurde. Wirecard-CEO Markus Braun erklärte überraschend, dass für ihn der DAX-Aufstieg lediglich ein Zwischenschritt sei. Der Konzern wolle weiter wachsen und das sogar deutlich stärker, als bisher. So erklärte Braun, dass die kommenden zehn Jahre alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollen.

Wie genau das Wachstum aussehen soll, ist bei Wirecard offenbar ebenfalls schon bekannt. Wie bisher, wird vor allem ein organisches Wachstum angestrebt, Zukäufe soll es nur in einem kleinen Rahmen geben. Auf die Beine gestellt werden soll dieses organische Wachstum durch namhafte Partnerschaften. Auch in dieser Hinsicht war Wirecard in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich und konnte zum Beispiel Apple oder Microsoft als Payment-Partner gewinnen. Mittlerweile ist der Konzern wertvoller als die Deutsche Bank und wird in naher Zukunft die Commerzbank aus dem DAX verdrängen.

Anleger sind sich nicht immer einer Meinung

Anleger reagieren auf die Entwicklungen rund um Wirecard mit gemischten Gefühlen. Nicht wenige Anleger vertrauen der Aktie und gehen davon aus, dass diese in der kommenden Zeit noch deutlich zunehmen wird. Hierfür gibt es durchaus einige Argumente. So lässt sich zum Beispiel die generelle Entwicklung des Zahlungsmarktes aufführen, der eine klare Tendenz Richtung der elektronischen Zahlungsmethoden aufweist.

Spürbar ist das auch bei Wirecard, denn hier werden mittlerweile auch reguläre Zahlungen in landbasierten Stores angeboten – und das vor allem in Asien. So erwirtschaftet Wirecard fast die Hälfte des gesamten Umsatzes im asiatischen bzw. pazifischen Raum. Künftig soll es zum Beispiel in allen Möbelhäusern von Ikea in Südostasien möglich sein, seine Möbel mit Wirecard zu bezahlen. Experten sehen eine große Chance des Unternehmens und der gesamten Branche zudem darin, dass noch lange nicht das gesamte Potenzial ausgeschöpft wurde.

Der Großteil aller Zahlungen wird noch immer in von Form Bargeld abgewickelt, hier gibt es für die Payment-Dienstleister also genügend Optionen, um den eigenen Kundenkreis zu vergrößern. Ein Problem für den Konzern und die restlichen „Player“ der Branche ist dabei aber die enorme Konkurrenz, durch welche die Gewinnmargen natürlich geschmälert werden.

Payment-Aktien können richtig teuer werden

Kritisch beäugt wird von Anlegern zudem die Tatsache, dass Wirecard mit dem 14-fachen des eigenen Kapitals von 1,7 Milliarden Euro bewertet wird. Anleger müssen für die Aktie des Unternehmens damit rund 60 Mal so viel bezahlen, wie der Konzern im Jahr 2018 einnehmen wird. Damit ist die Wirecard Aktie insgesamt enorm teuer und dürfte nur für Anleger mit voller Geldbörse interessant sein. Erst einmal muss das für den Konzern natürlich nichts Schlechtes bedeuten.

Allerdings bringt ein steiler Aufstieg wie bei Wirecard auch Gefahren eines tiefen Falls mit sich. Das könnte zum Beispiel dann passieren, wenn das Wachstum irgendwann einmal nicht mehr ganz so sportlich vorangetrieben werden kann. Wirecard arbeitet bisher allerdings gut gegen dieses Problem gegen an, indem jede noch so kleine Partnerschaft in Form einer Adhoc-Meldung öffentlich gemacht wird. Das freut die Anleger und die Aktie bleibt stabil.

Sollten eben jene Partnerschaften künftig aber an die Konkurrenz gehen, dürfte dies den Anlegern überhaupt nicht gut gefallen – und der Absturz wäre in gewisser Weise vorprogrammiert. Bisher allerdings läuft es für das Unternehmen hervorragend. Die Wirecard AG, die bis 2005 noch InfoGenie AG hieß, wurde im Jahre 1999 gegründet und hat ihre Wurzeln in Aschheim in der Nähe von München. Der Konzern ist durch seine Tochtergesellschaften auf allen Kontinenten dieser Erde aktiv und beschäftigt rund 4.500 Mitarbeiter.

Der Konzern bietet seinen Kunden Möglichkeiten für die Abwicklung von elektronischen Zahlungen, gibt eine eigene Kreditkarte heraus und ist im Bereich des Risikomanagements tätig. Der Konzern hält bereits seit vielen Jahren eine Banklizenz in Deutschland und gleichzeitig eine Lizenz der Kreditkartenunternehmen von Visa und Mastercard. Seit 2005 ist Wirecard börsennotiert, 2006 wurde der Konzern in den TecDax aufgenommen, am 24. September folgt nun der Sprung in den DAX.

Viele Ähnlichkeiten in den Modellen erkennbar

Selbstverständlich lässt sich dies aber nicht nur auf Wirecard beziehen, sondern auf alle Unternehmen, die mit ihren Zahlungsangeboten in den kommenden Jahren so richtig durchstarten wollen. Und Namen gibt der Markt in diesem Zusammenhang vielfältig her. Das Problem aller Unternehmen ist dabei die Tatsache, dass in den Geschäftsmodellen viele Gemeinsamkeiten erkennbar sind.

Die Konzerne werden dadurch ersetzbar und so steigt die Gefahr, dass die eigentlich rosige Zukunft aufgrund der vielen Mitbewerber doch nicht so rosig ausfällt. Worauf die Zahlungsanbieter besonderen Wert legen, ist dabei relativ schnell ersichtlich. Neben der Geschwindigkeit der Zahlung steht vor allem die Sicherheit der Kunden im Vordergrund. Die Datensicherheit muss in jedem Fall gewährleistet werden, denn kein Nutzer möchte beim Bezahlen zum „gläsernen Menschen“ werden.

In Deutschland haben die Unternehmen zudem noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Während in vielen anderen Ländern nämlich regelmäßig elektronisch bezahlt wird, setzen die Deutschen weiterhin lieber auf das Bargeld. Und das dürfte auch in den kommenden Jahren erst einmal so bleiben. Allerdings wird in der Politik bereits schon jetzt über die Abschaffung des Bargeldes diskutiert – und spätestens mit Inkrafttreten eines dazugehörigen Gesetzes dürfte sich der Zahlungsmarkt in jeglicher Hinsicht ändern.

Vorteile gegenüber Bargeld lassen sich diskutieren

Warum die Menschen beim Einkaufen auf elektronische Zahlungsdienste zurückgreifen sollten, lässt sich nicht für alle Personen gleichermaßen leicht greifen. So schätzen viele Menschen das Bargeld zum Beispiel vor allem deshalb, weil ein fester Wert in der Hand gehalten wird. Auf elektronischem Wege ist das zwar auch der Fall, dennoch halten die Menschen hier eben kein „echtes“ Geld in der Hand.

Darüber hinaus argumentieren viele Gegner einer Bargeldabschaffung damit, dass Kinder den Umgang mit Bargeld lernen sollten und nicht nur den Umgang mit elektronischen Bezahlmöglichkeiten. Gleichzeitig allerdings lässt sich auch nicht von der Hand weisen, dass zum Beispiel die Gefahr für einen Diebstahl oder Verlust deutlich gemindert wird. Gerade ältere Menschen könnten also von den elektronischen Zahlungen profitieren, auch wenn sich diese vermutlich als kompliziertester potenzieller Kundenkreis entpuppen dürften.

Online ist der Siegeszug der elektronischen Zahlungsmethoden deutlich schneller und effektiver vonstatten gegangen. Hier gibt es kaum mehr Nutzer, die bei einer Zahlung auf die klassische Banküberweisung oder das Lastschriftverfahren zurückgreifen. Natürlich gibt es hierfür auch gute Gründe. So sind bei Zahlungen mit der Banküberweisung vor allem die vielen Tage Wartezeit als Störfaktor zu bezeichnen. Wer in einem Online-Shop etwas bestellt, muss nicht selten mehrere Tage warten, bis das Geld beim Empfänger überhaupt eingegangen ist.

Bis zu einem Versand der Ware vergeht dann ebenfalls noch einmal Zeit, so dass der gesamte Prozess enorm lange dauert. Mit einer elektronischen Bezahlmethode wie PayPal, Skrill oder Neteller lässt sich die Wartezeit hingegen deutlich verkürzen. Wurde die Zahlung in Auftrag gegeben, wird diese sofort abgewickelt und der Verkäufer erhält eine direkte Bestätigung darüber, dass das Geld auf seinem Konto eingeht. Die Folge: Die bestellte Ware kann deutlich schneller geliefert werden.

Sinnbild oder nicht?

Als echtes Sinnbild für den Aufstieg kann Wirecard bisher noch nicht bezeichnet werden. Dafür sind die Entscheidungen des Konzerns in der Vergangenheit zu individuell gewesen und haben so in vielen Fällen zu viele Vorteile mit sich gebracht. Dies trifft auf andere Unternehmen in der Finanzbranche wiederum nur bedingt zu.

Wirecard ist also durchaus ein Sonderfall, wie auch die jüngsten Entwicklungen rund um die Aktie zeigen. Allerdings ist der Konzern gleichzeitig auch ein Wegweiser dafür, in welche Richtung die elektronischen Zahlungsmöglichkeiten steuern und wie wichtig diese in der Zukunft für das Leben noch werden dürften. Das allerdings unterstreicht auch ein Blick auf die bereits jetzt schon große Konkurrenz auf dem Markt.

Während die Nutzer von der großen Auswahl also profitieren, wird es für die Unternehmen immer schwieriger, sich und das eigene Geschäftsmodell gegenüber der horrenden Konkurrenz zu behaupten. Sicher ist dabei aber auch: Wirecard dürfte nicht das einzige Unternehmen sein, welches mit einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte auf sich aufmerksam machen wird. Es dürften noch einige mehr folgen.

1 vote

Andere Promivermögen