Überall dort wo sich Akteure und Institutionen austauschen, braucht es klare Regeln. Dies gilt natürlich insbesondere für den Finanzbereich, da hier auf der einen Seite für die Verbraucher sehr schwer einzusehen ist, wie solide ein bestimmtes Unternehmen tatsächlich ist. Auf der anderen Seite sind mit den Einlagen der Kunden bei einer Bank oder auch mit einer Versicherung sehr hohe individuelle Werte im Spiel. Betrug oder ein wirtschaftliches Scheitern eines Unternehmens hätte dabei weitreichende Folgen. Das gleiche gilt für die Anlage an der Börse. Während für den privaten Verbraucher im schlimmsten Fall das komplette Vermögen verloren geht, kann sich auf Grund der nationalen und auch internationalen Verflechtungen des Finanzsystems die Krise eines einzelnen Unternehmens schnell auf andere Institutionen ausweiten. Die Folge wäre ein Zusammenbrechen der gesamten Wirtschaft und dem Verlust großer Vermögen für die Verbraucher.Im folgenden Überblick stellen wir euch die wichtigsten Funktionen und die Geschichte der FCA vor.
Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht besteht also ein sehr hohes Interesse daran, ein Finanzsystem auf möglichst stabile Beine zu stellen. Der Wettbewerb zwischen den Unternehmen steht aber in einem gewissen Widerspruch zu den Stabilitätsvorgaben. Aus diesem Grunde hat es sich als sehr nützlich erwiesen, dass die Einhaltung entsprechender Regularien durch die Unternehmen im Bereich der Finanzbranche effektiv kontrolliert wird. Im Zuge der Europäisierung sowie insbesondere mit Einführung des Euros haben sich die Mitgliedsstaaten auf übergreifende Standards geeinigt. Bekanntermaßen hat Großbritannien aber den Euro nicht eingeführt und ist seit dem Votum im Juni auch auf dem Weg aus der Europäischen Union. Nichtsdestotrotz verfügt Großbritannien selbstverständlich auch über eine eigene Kontrollbehörde, welche die Unternehmen in der Finanzbranche kontrolliert. Dabei handelt es sich um die Financial Conduct Authority, kurz auch FCA genannt, die in dieser Form aber erst seit 2013 existiert. In diesem Artikel möchten wir uns einmal näher mit dieser Institution beschäftigen. Neben einem kurzen Blick auf die Geschichte so wie die Vorgängerorganisation der FCA wollen wir uns dabei vor allem mit dem konkreten Aufgabenbereich der FCA beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
Zur Geschichte der FCA
Im Jahre 2012 wurde im sogenannten Financial Service Act beschlossen, eine wirksame Kontrolle des britischen Finanzsystems umzusetzen. Mit der Gründung der Financial Conduct Authority wurde diese Vorgabe, am 1. April 2013 in Kraft gesetzt. Damit wurde erstmals ein übergreifender und verbindlicher Rahmen geschaffen, um den Finanzmarkt und dessen Akteure wirksam zu kontrollieren. Bisher war hierfür die Financial Service Authority verantwortlich. Deren Aufgabenbereich stimmte allerdings schon länger nicht mehr mit der Struktur einer Branche überein, die sich in den letzten Jahren extrem stark gewandelt hatte. Hinzu kamen, dass Großbritannien, als damaliges Mitglied der Europäischen Union dazu verpflichtet war, die europäischen Vorgaben für den eigenen Markt umzusetzen. Bei der neuen Behörde handelte es sich um eine Organisation, die durch die englische Staatsbank, die Bank of England kontrolliert wird. Neben der finanziellen Stabilität des gesamten Finanzsystems kam der Behörde insbesondere die Aufgabe zu, die Regulierung auf der Verbraucherebene und auf volkswirtschaftlicher Ebene enger zu verzahnen.
Die FCA wurde mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet, insbesondere ist sie dafür verantwortlich, die Vermarktung von Finanzprodukten zu kontrollieren. Sie ist konkret dazu berechtigt, in Bezug auf bestimmte Produktgruppen, wie etwa Aktien, Fonds oder Derivate bestimmte Standards vorzugeben, an die sich die Unternehmen bei der Konzeption ihrer Produkte halten müssen. Ziel ist dabei, wie bei den anderen europäischen Aufsichtsbehörden zur Kontrolle der Finanzsysteme auch, den Schutz der Verbraucher zu gewährleisten. Neben dem Finanzmarkt gehört auch die Kreditindustrie in den direkten Kontrollbereich der FCA. Neben der Stabilität der Banken geht es hier auch darum, durch eine Kontrolle der Kreditvergabe die Stabilität des gesamten Wirtschaftssystems sicher zu stellen. Um diese Ziele umzusetzen, ist die Behörde auch berechtigt, einzelne Personen oder bestimmte Unternehmen zu kontrollieren.
Auswirkungen auch auf deutsche Verbraucher
Für die deutschen Verbraucher sind die Auswirkungen der Aufgaben und des Wirkens der FCA durchaus von Bedeutung. Zum einen stellt natürlich die Stabilität des britischen Finanzsystems einen wichtigen Faktor für die europäische und auch deutsche Sicherheit dar. Eine Krise am Finanzplatz London hätte vermutlich massive Auswirkungen auf die Finanzbranche in Deutschland. Darüber hinaus sind die Auswirkungen auf deutsche Kunden auch konkreter Natur. Insbesondere im Bereich der Online Broker bieten hierzulande verschiedene Anbieter ihre Dienste an, die ihren Hauptsitz in London haben und die daher auch durch die britischen Behörden kontrolliert werden. Im Prinzip gilt dabei das gleiche, wie auch bei anderen europäischen Staaten, da sich die Kunden darauf verlassen können, dass europäische Vorgaben auf nationaler Ebene konsequent umgesetzt werden. So sind durch die FCA regulierte Unternehmen dazu verpflichtet, ihre Produkte im Sinne eines ausreichenden Verbraucherschutzes zu strukturieren. Das heißt konkret, dass die Bedingungen einzelner Produkte klar ersichtlich sein müssen und Kunden über Chancen und Risiken nicht getäuscht werden dürfen. Tatsächlich fehlt bei keinem der Anbieter für den Handel von CFDs oder Binären Optionen der Hinweis, dass bei entsprechenden Investitionen hohe Verluste möglich sind.
Eine zweite direkte Auswirkung besteht darin, dass die Unternehmen zu einer soliden Wirtschaftsweise angehalten sind, sowie darüber hinaus die Einlagen der Kunden effektiv zu schützen sind. So sind die Anbieter dazu verpflichtet, Kundeneinlagen separat von Firmengeldern aufzubewahren. Dabei wird in der Regel mit Banken zusammen gearbeitet, auf deren Konten die Kundengelder eingelegt werden. Auf dieser Basis können sich die Anleger auch auf einen Einlagenschutz verlassen. Im Falle von Großbritannien wird die Einlagensicherung allerdings in Pfund umgesetzt und entspricht einem maximalen Wert von etwa 100.000 Euro, also dem Wert, zu dem auch deutsche Banken verpflichtet sind. Kunden von Online Brokern mit Sitz in Großbritannien können sich also derzeit auf ein Sicherheitsniveau verlassen, welches mit dem von deutschen Instituten weitgehend gleich gesetzt werden kann. Wie sich dieses Niveau jedoch im Zuge des EU Austritts von Großbritannien auswirkt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig beurteilt werden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Briten weiterhin an der Stabilität ihres Finanzsystems interessiert sind und die Standards auf dem jetzigen Niveau erhalten werden.
Fazit – Hohes Sicherheitsniveau auch nach dem Brexit
Auch in Großbritannien gibt es eine eigene Kontrollbehörde, die die Stabilität des Finanzsystems und den Verbraucherschutz sicherstellt. Das Gegenstück zur deutschen BaFin trägt den Namen Financial Conduct Authority (FCA) und wurde in seiner jetzigen Form erst im Jahre 2013 gegründet, wobei es natürlich auch vorher eine Kontrollbehörde gab. Kunden von britischen Banken, Versicherungen oder Finanzdienstleistern können sich aber trotz Brexit bis auf weiteres auf ein sehr hohes Sicherheitsniveau sowie auf eine effektive Kontrolle der Vorgaben verlassen.