In der Finanzbranche war in den vergangenen Wochen eine ganze Menge los. Nicht immer unbedingt zum Vorteil der Kunden. So drückt die Inflation massiv auf den Geldbeutel, gleichzeitig steigen unter anderem die Zinsen für die Finanzierung von Wohneigentum. Dass es zwischendurch aber auch noch Luft für positive Nachrichten gibt, zeigt aktuell die ING. Deutschlands größte Direktbank hat gleich zwei neuartige Services für die Kunden eingeführt und möchte damit die Benutzerfreundlichkeit erhöhen. Zum einen sollen Bargeldeinzahlungen und Abhebungen im Handel umgesetzt werden. Zum anderen wird ein neues Verfahren zur Legitimierung der Kunden eingeführt.
Seit Ende November: ING Bargeld als neue Funktion in der Banking-App
Bei der ING handelt es sich um die größte Direktbank in Deutschland. Viele Kunden schätzen die Vorzüge der Direktbanken, die sich oftmals vor allem in geringeren Gebühren für verschiedene Dienstleistungen erkennen lassen. Allerdings gibt es auch den einen oder anderen Nachteil. Ein für viele Kunden störender Aspekt ist die oftmals umständliche Einzahlung von Geldern auf das Konto. Diese ist zudem nicht selten auch mit enormen Kosten verbunden. Genau um dieser Problematik entgegenzuwirken, hat die ING seit dem 29. November einen neuen Service im Programm. Dieser trägt den Namen ING Bargeld und steht seit Ende November in der Banking-App der Bank zur Verfügung.
Obwohl es sich augenscheinlich um eine kleine Erweiterung handelt, bringt diese eine Vielzahl von Möglichkeiten mit sich. Seit der Einführung können Kunden bei mehr als 12.000 teilnehmenden Partnern im Einzelhandel Gelder auf das eigene Konto bei der ING einzahlen oder abheben. Mit dabei sind laut Angaben der Bank zahlreiche große Partner wie etwa Penny, Rewe, Rossmann, DM oder auch die Baumärkte von Toom. Die Basis bildet dabei eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Viafintech aus Berlin, welches unter anderem auch die Zahlungsplattform von Paysafe betreibt.
Neuer Bargeld-Service der ING: Keine Einkäufe notwendig
Bargeld im Einzelhandel abheben? Das klingt erst einmal nicht unbedingt nach einer großen Innovation. In der Tat ist dies bei vielen Einzelhändlern schon seit einiger Zeit möglich. Allerdings kann der Bargeld-Service der ING hier mit gleich mehreren Besonderheiten punkten. So müssen Kunden zum Beispiel keinen Einkauf beim jeweiligen Einzelhändler durchführen, um Gelder abzuheben oder auf ihr Konto einzuzahlen. Darüber hinaus ist es nicht notwendig, dass die Kunden ihre Girocard bzw. Debitkarte mit sich führen. Aufgrund der Corona-Pandemie hätte sich die Zahl der Bargeldverfügungen zwar reduziert, dennoch würde man merken, dass die Kunden es schätzen, Bargeld bequem während des Einkaufs abzuheben oder einzahlen zu können, heißt es dazu von der ING.
Kunden, die diesen Service in Anspruch nehmen möchte, können jeden Tag bis zu 999,999 Euro auf das Konto einzahlen bzw. abheben. Auszahlungen sind dabei ab einem Betrag von zehn bis zu 300 Euro pro Transaktion möglich. Bei den Einzahlungen können Summen zwischen 50 und 999,999 Euro auf das Konto gebracht werden. Wichtig: Alle Auszahlungen lassen sich mit dem Bargeld-Service kostenfrei durchführen. Für die Einzahlungen fällt jedoch eine Gebühr von 1,50 Prozent des eingezahlten Betrags an.
Leichte Nutzung für die ING-Kunden
Integriert wurde die neue Funktion clever und ansprechend in die Banking-App des Unternehmens. Wer diese nutzen möchte, benötigt lediglich ein Girokonto bei der Bank und die dazugehörige Banking-App. Innerhalb dieser kann die Funktion ING Bargeld einfach ausgewählt werden. Bestimmen können die Kunden dann, ob sie Gelder auf das eigene Konto einzahlen wollen oder Gelder von diesem abheben möchten. Wurde der gewünschte Betrag eingegeben, folgt die Autorisierung über die App. Anschließend erhalten alle Kunden einen Barcode, der beim Einzelhändler einfach über die Kasse gescannt werden kann. Mit Hilfe einer Push-Nachricht wird das Ganze in der App dann noch einmal bestätigt.
Nächster Streich der ING: Neues Verfahren zu Kundenlegitimierung eingeführt
Mit dem neuen Bargeld-Service in der App hat die ING das eigene Angebot bereits spürbar erweitert. Damit ist es aber noch nicht getan. Die Bank hat nur wenige Stunden nach der Einführung der neuen App-Funktion eine weitere Neuheit vorgestellt. Auch diese kann bereits seit dem 29. November verwendet werden. Konkret handelt es sich um ein neues Verfahren für die Legitimierung der Kunden. Diese konnten sich bei der Bank bisher mittels Postident-Verfahren und Videoident-Verfahren autorisieren. Seit Ende November ist auch das sogenannte eID-Verfahren verfügbar, bei dem die Legitimation mittels Online-Ausweisfunktion erfolgen kann. Für die ING ist die Einführung dieses neuen Verfahrens ein weiterer Schritt in Richtung erhöhter Digitalisierung, die für die Kunden folglich zudem die Benutzerfreundlichkeit erhöhen soll.
Von Seiten der Bank heißt es dazu, dass man sich bei der Einführung auf Umfragewerte gestützt habe. Demnach würden viele Menschen den Online-Ausweis gerne mit ihrem Smartphone nutzen. Das Problem sei demnach der beschränkte Einsatzbereich. Mit der Einführung wolle man gerade im Bankensektor nun davon profitieren, dass mittels eID Legitimierungen schneller, bequemer und auch günstiger als auf den herkömmlichen Wegen durchgeführt werden können. Die Bank erklärt, dass die Kunden jederzeit und überall eine Legitimation durchführen könnten. Zeitlich wäre der Prozess innerhalb von weniger als einer Minute erledigt.
So funktioniert die neue Legitimation
Die Voraussetzung für die Teilnahme am neuen Legitimierungsverfahren liegt in einem sogenannten neuen Personalausweis, der über eine Online-Ausweisfunktion verfügt. Wichtig zu beachten dabei: Diese muss freigeschaltet sein. Integriert ist im Ausweis ein sogenannter eID-Chip. Die Daten des Chips können zum Beispiel über ein Smartphone oder Kartenlesegerät abgerufen werden und sind durch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt. Neben dem neuen Personalausweis sind zudem ein NFC-fähiges Smartphone, eine sechsstellige PIN (selbstgewählt) und die Postident-App der Deutschen Post notwendig.
Im ersten Schritt erhalten die Kunden der ING einen Link mit der Vorgangsnummer für die Verifizierung. Anschließend wird der Personalausweis einfach mit der Kamerafunktion in der Postident-App eingescannt. Nachdem das Ganze mit der sechsstelligen PIN bestätigt wurde, wird die Verifizierung abgeschlossen.
Ist das eID-Verfahren sicher?
Das eID-Verfahren der ING basiert auf einer Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das bedeutet, dass neben dem Besitz eines bestimmten Endgeräts auch das Wissen über eine festgelegte PIN vorhanden sein muss. Nur wer beides besitzt, kann sich mit diesem Verfahren legitimieren. Generell gilt das Zwei-Faktor-Verfahren als enorm sicher. Dennoch können auch die Bankkunden einen Teil dazu beitragen, dass die eigenen Daten und Gelder nicht in die Hände von Dritten gelangen.
So sollte als PIN für das Verfahren nie eine simple Datenreihe wie 111111 verwendet werden. Auch das Geburtsdatum oder andere persönliche Zahlenkombinationen sollten vermieden werden. Auf jeden Fall sollten diese PIN-Angaben zudem nicht an Dritte weitergereicht werden. Es empfiehlt sich zudem, diese nicht in der U-Bahn oder einem anderen Verkehrsmittel einzutragen, um so die Einsicht durch Dritte zu vermeiden. Wer sein Smartphone weiterverkauft, sollte die App und alle dazugehörigen Daten vollständig vom Gerät entfernen. Noch sicherer ist es, den Ausweis zuvor auch aus der App zu löschen und im neuen Gerät wieder zu integrieren.