Wohl selten wurde die Finanzwelt so kräftig durchgeschüttelt wie in den letzten Wochen und Monaten. In zahlreichen Ländern auf dem Globus drückt die Inflation auf die Geldbörsen der Verbraucher. Die Zentralbanken reagieren mit Anpassungen des Leitzinses. Das wiederum hat weitreichende Änderungen auf das tägliche Geschäft der Verbraucher und Banken. Privatkunden sollten das eigene Konto schleunigst auf den Prüfstand stellen und die Konditionen gründlich unter die Lupe nehmen. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, damit auch die Konditionen vieler Girokonten. Ein Wechsel könnte sich wieder richtig lohnen.
Zinswende ist da: Verbraucher sollten reagieren
Die Dynamik in der Finanzbranche sorgt derzeit dafür, dass alteingesessene Muster innerhalb kürzester Zeit wieder über den Haufen geworfen werden. Wir erinnern uns: Erst vor rund einem Jahr verärgerten viele Finanzinstitute ihre Kunden dadurch, dass diese sogenannte Verwahrentgelte für ihr Erspartes zahlen sollten. Aufgrund der nun deutlich veränderten Gesamtlage auf dem Finanzmarkt geht diese Entwicklung in eine vollkommen neue Richtung.
Alle Verbraucher sollten deshalb jetzt das eigene Girokonto gründlich auf den Prüfstand stellen und ermitteln, ob das eigene Konto noch zu den Wünschen, Bedürfnissen und Ansprüchen passt. Darüber hinaus sind vielfach die Konditionen aus Sicht der Verbraucher wieder etwas günstiger bzw. angenehmer geworden. Ein Wechsel kann so eine Ersparnis bedeuten, die vor einigen Wochen noch nicht möglich gewesen wäre.
Das bedeutet die Zinswende für das eigene Girokonto
Für das eigene Girokonto ist die Zinswende der Zentralbanken ein wichtiger Aspekt. Die größte Änderung haben wir für viele Privatkunden bereits erwähnt: Die Verwahrentgelte werden bei vielen Banken nach und nach abgeschafft. Erst im letzten Jahr wurden diese eingeführt und sorgten dafür, dass viele Bankkunden ab gewissen Sparbeträgen auf dem Girokonto Gebühren zahlen mussten. Diese Gebühren beruhten wiederum auf den Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank und den damit verbundenen Kosten für die Banken, die Gelder ihrer Kunden bei der EZB einlagerten. Banken reichten diese Kosten direkt an die Kunden weiter, nun folgte die Kehrtwende. Statt weiterhin Strafzinsen für das eigene Guthaben zahlen zu müssen, dürfen sich die Sparer mittlerweile wieder über teilweise kleine Verzinsungen des Ersparten freuen.
So etwa mit einem Tagesgeld-Konto. Diese Art der Geldanlage ist in den vergangenen Jahren fast vollständig vom Markt verschwunden und hatte aufgrund der Niedrigzinsen keinerlei Relevanz mehr. Innerhalb kürzester Zeit hat sich dies nun ein wenig geändert. Immer mehr Tagesgelder wurden wieder zum Leben erweckt und bieten zumindest eine kleine Verzinsung des flexibel angelegten Geldes. Dennoch sollten die Verbraucher hier nicht gleich in überschwänglichen Jubel ausbrechen. Immerhin sorgt die Inflation dafür, dass trotz niedriger Tagesgeldzinsen eine schleichende Entwertung des Geldes durchgeführt wird. Allerdings geht diese eben deutlich langsamer vonstatten als dies auf dem unverzinsten Girokonto der Fall wäre.
Neues Girokonto: Darauf sollten Kunden achten
Wer jetzt sein Girokonto hinterfragt und neue Angebote vergleicht, sollte dabei auf verschiedene Kriterien achten. Generell ist auf dem Markt erkennbar, dass viele Girokonten-Pakete neu zusammengesetzt werden. Dadurch ergeben sich zum Teil vollkommen unterschiedliche Tarife und Möglichkeiten. Wichtig zu beachten ist oftmals, dass zwar die Verwahrentgelte wegfallen oder verringert werden. Die Zinsen für den Dispo-Kredit jedoch im gleichen Atemzug erhöht werden. Genau darin liegt die Krux der Zinserhöhung. Das Sparen wird wieder stärker belohnt. Wer sich jedoch Geld leiht, muss dieses teurer zurückzahlen als dies noch vor ein paar Monaten der Fall war.
Verbraucher sollten somit insbesondere auf die eigenen Ansprüche achten. Wer häufig sein Konto überziehen muss, sollte auf einen niedrigen Dispozins achten und kann zumindest aktuell noch höhere Verwahrentgelte im Gegenzug in Kauf nehmen. Wer hingegen hauptsächlich auf sein Erspartes zurückgreift und keinen Kredit benötigt, sollte dementsprechend genau entgegengesetzt urteilen.
Diese Banken setzen bereits auf neue Giro-Pakete
Beim Check des Marktes zeigt sich relativ schnell, dass viele Banken schon jetzt ihre Pakete für die Girokonten angepasst und verändert haben. Warum Verbraucher genau hinsehen sollten, wird jedoch ebenfalls deutlich. Auf den ersten Blick sind die Konditionen oftmals ähnlich. Erst beim Check der Details wird dann klar, welches Konto wirklich zu den eigenen Ansprüchen passt. So bieten etwa sowohl das DKB Girokonto als auch das Top-Girokonto der Norisbank eine Nutzung ohne eine Jahresgebühr. Einen großen Unterschied gibt es dafür aber bei der Verzinsung des Dispo-Kredites. Bei der DKB liegt der Zins bei 6,58 Prozent pro Jahr, bei der Norisbank derzeit bei 10,85 Prozent. Eine deutlich niedrigere Verzinsung wiederum das HVB PlusKonto mit 2,59 Prozent pro Jahr. Auch hier müssen Verbraucher keine Jahresgebühr bezahlen.
Seit dem 1. August entfällt bei der HVB das Verwahrentgelt für das Girokonto komplett. Bei der DKB wurde dieses bereits Ende Juli abgeschafft. Die Norisbank wiederum hält aktuell noch an den Strafzinsen für das Guthaben fest und kassiert hier 0,5 Prozent pro Jahr ab einem Guthaben von 50.000 Euro. Je nach Konto müssen dabei zum Teil individuelle Vorgaben beachtet werden. So bietet die DKB ihre Konditionen in dieser Form nur für die sogenannten Aktiv-Kunden. In den ersten sechs Monaten nach der Kontoeröffnung sind dies alle Kunden. Anschließend nur noch diejenigen, die monatlich mindestens 700 Euro Geldeingang auf dem Konto verzeichnen können.
Sommerzeit ist Wechselzeit: Clever für den nächsten Urlaub wählen
Gerade jetzt kann sich der Wechsel des Girokontos aus Sicht der Verbraucher doppelt und dreifach auszahlen. Nicht nur für das Girokonto sind zum Teil angenehmere Konditionen zu finden. Mittlerweile wurde bei vielen Giro-Paketen die klassische EC-Karte auch durch eine Debitkarte ersetzt. Diese wiederum ist sehr gut für den Einsatz im Urlaub geeignet und macht die klassische Kreditkarte im Urlaubsland oftmals überfällig.
Der Clou: Verbraucher können mit einer Debitkarte zwar im klassischen Giro-Prinzip bezahlen, die Akzeptanz entspricht dabei jedoch eher der einer klassischen Kreditkarte. Soll heißen: Die Debitkarten können direkt mit dem Girokonto verknüpft werden, der gezahlte Betrag wird von diesem sofort eingezogen. Darüber hinaus ist es oftmals möglich, ein zusätzliches Guthaben auf die Debitkarte zu laden und so zum Beispiel die Reisekasse ein wenig aufzufüllen. Angenehmer Nebeneffekt: Nach dem Urlaub ist die Debitkarte auch für den Einsatz in der Heimat natürlich weiterhin bestens geeignet.
Darauf sollten Verbraucher für Reisen bei Karten und Konten achten
Wer die Vorzüge von Girokonten und Debitkarten auf Reisen vollends nutzen möchte, sollte bei der Wahl des passenden Kontos auch hier genau hinsehen. Heutzutage sind viele Länder technologisch in einigen Bereichen weiter entwickelt als Deutschland. Digitale und kontaktlose Zahlungen sind problemlos möglich – und sollten dementsprechend auch mittels eigener Debitkarte und Konto abgewickelt werden können. Darüber hinaus sollten die Verbraucher darauf achten, dass von der eigenen Bank möglichst keine Fremdwährungsgebühren für Zahlungen im Ausland erhoben werden. Wer lediglich im Euro-Raum reist, muss auf diesen Punkt natürlich etwas weniger achten als Urlauber mit exotischeren Reisezielen. In beiden Fällen gleichermaßen von Bedeutung ist aber, dass mit der eigenen Karte möglichst auch jederzeit kostenlos Bargeld abgehoben werden kann. Wer die Augen offen hält, kann für die schönste Zeit im Jahr aber heutzutage mühelos passende Karten und Konten entdecken.