• Donnerstag, 29. Januar 2026

Amazon Girokonto und neue Kartentechnologie: Das ist los in der Finanzwelt

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Bahnt sich ein echter Paukenschlag in der Finanzwelt rund um das Girokonto an? Der US-Konzern Amazon plant offenbar, künftig mit einem eigenen Girokonto an den Start zu gehen. Gespräche mit Banken soll es laut Insidern bereits geben. Entdeckt der Markt-Gigant jetzt einen neuen Geschäftsbereich für sich oder handelt es sich hierbei am Ende um eine komplette Fehleinschätzung der Ausgangslage?

Amazon als Bank?

Beim ersten Hinhören klingt es etwas komisch: Ein Girokonto von e-Commerce-Riesen Amazon? Doch wer sich in den letzten Jahren mit dem Konzern aus den USA beschäftigt hat, weiß, dass ein nimmersatter Unternehmer an der Spitze steht, der durchgängig auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern und Chancen zum Ausbau seines Imperiums ist. Und eine Chance wird dabei offenbar in einem eigenen Girokonto gesehen. So berichtet das US-amerikanische „Wall Street Journal“, welches in diesem Bereich als bestens informiert gilt, dass sich Amazon bereits in Gesprächen mit mehreren US-Banken befinde, um ein eigenes Girokonto auf den Weg zu bringen. Doch würde Amazon damit automatisch zu einer Bank werde und den angestammten Größen ihre Geschäftsfelder streitig machen? Nicht wirklich, denn der Handelsriese würde noch immer ein E-Commerce-Unternehmen bleiben. Der Konzern strebt keine eigenen Bankenlizenz an und ist deshalb auch auf die Partnerschaft mit den US-Banken angewiesen. Und es kursieren durchaus einige große Namen. Wie das „Wall Street Journal“ weiß, steckt Amazon offenbar unter anderem in Gesprächen mit der J.P. Morgan Bank.

Gleichzeitig stellt die Zeitung unter Berufung auf Insider klar, dass die Verhandlungen zwischen Amazon und den Banken offenbar noch nicht weit vorangeschritten sein. Tatsächlich sei man noch ganz am Anfang und die Gespräche könnten jederzeit scheitern, heißt es. Darüber hinaus soll es auch noch keine genauen Vorstellungen und Pläne geben, wie das Girokonto von Amazon aussehen soll. Offen ist also beispielsweise, ob mit diesem Konto tatsächlich Geld am Automaten abgehoben werden soll – also, ob es sich um ein voll funktionsfähiges Girokonto handeln wird.

Win-Win-Situation für den US-Konzern?

Was für Amazon-Kunden auf den ersten Blick vielleicht überraschend ist, stellt für Branchenkenner und Tech-Insider keine wirkliche Neuigkeit dar. Bereits seit mehreren Jahren wurde darüber spekuliert, dass Amazon als nächsten Schritt im Finanzsektor tätig werden könnte. Für den Konzern könnte sich auf diese Art und Weise immerhin eine Win-Win-Situation ergeben. Hinter vorgehaltener Hand wird gesagt, dass Amazon mit seinem Girokonto vor allem junge Menschen und Menschen, die bislang noch kein Girokonto besitzen, ansprechen möchte. Sollten die Konditionen stimmen, könnte der Handels-Gigant auf diese Art und Weise also sicherlich zahlreiche junge Menschen davon überzeugen, dieses Girokonto in Anspruch zu nehmen und diese so noch stärker als ohnehin schon an den Konzern zu binden. Darüber hinaus stellt ein großer Kostenpunkt bei Amazon die Gebührenzahlung an die Zahlungsanbieter dar, welche mit der Einführung eines eigenen Girokontos bequem umgangen werden könnte.

Dass der US-Riese bereits seit geraumer Zeit mit derartigen Gedanken spielt, zeigt ein Blick auf die jüngere Vergangenheit. Erst im letzten Jahr testete Amazon in Großbritannien einen neuen Dienst, mit dem Kredite bzw. Finanzierungen an kleine Händler des Marktplatzes vergeben werden können. Gerade kleine und junge Unternehmen tun sich oftmals schwer damit, bei Banken eine Finanzierung zu erhalten. Erst Recht, wenn beispielsweise noch keine ausreichende BWA-Vergangenheit aufgewiesen werden kann. Genau da möchte Amazon ansetzen. Der Konzern kann die möglichen Risiken deutlich besser beurteilen als die Bank, da er einen Einblick in die komplette Geschäftsentwicklung des Händlers hat. Der Konzern weiß also ganz genau, welche Finanzierung realistisch sein kann. Aber nicht nur das: Immerhin hat der US-Riese auch den direkten Blick auf die Konkurrenz und kann das Risiko unterm Strich optimal einschätzen. Und: Es gibt für den Marktplatz immer noch eine große Hintertür. Sollte ein Händler seinen Kredit nicht zurückzahlen, könnten dessen Erlöse einfach eingefroren werden. Ein wirkliches Risiko, wie es die Banken bei diesen jungen Unternehmen tragen müssten, bestünde für Amazon somit nicht.

Aussichten für Amazon blendend

Die Argumentationskette für den US-Riesen, sich gerade mit dieser Strategie auf die kleinen Händler zu stürzen, lässt sich weiterführen. So lässt sich klar sagen, dass die Unternehmen von den Banken und Kreditunternehmen in den letzten Jahren zu wenig Beachtung bekommen haben – eben weil deren Historie nicht ausreichend lang war oder belegt werden konnte. Der große Vorteil für Amazon: Der Markt lechzt nach derartigen Finanzierungsangeboten und so wird sich der Konzern wohl auch im Falle von erhöhten Zinsen über einen reißenden Absatz freuen dürfen. Es könnte für die Banken also richtig eng werden, wenn sich der Dienst in Deutschland erst einmal durchsetzen kann. Die Konzerne täten also gut daran, möglichst schnell zu reagieren und nicht zuzusehen, wie sich Amazon wohlmöglich zunächst an die kleineren Händler heranwagt, dann aber irgendwann auch auf die großen Konzerne abzielt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten  die Banken nämlich ein richtig großes Problem, welches sich dann wohl auch nicht mehr so einfach aus der Welt schaffen lassen würde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Finanzbranche zunehmend unter Druck gerät. In der Vergangenheit wurde oftmals das Vertrauen der Kunden verspielt, was angesichts der fehlenden Konkurrenz jedoch lange Zeit vollkommen unproblematisch war. Das hat nun ein Ende, denn bekannte Unternehmen drängen immer stärker in den Finanzsektor. Abgesehen von Amazon hat sich zum Beispiel vor allem PayPal in den letzten Jahren als Zahlungsdienstleister hervorgetan, ein ähnlich großes Potenzial rechnen sich Experten auch für den Zahlungsdienste Apple Pay von Apple aus.

Bezahlung hat sich verändert

Auch wenn die Spekulationen um das mögliche Girokonto von Amazon sicherlich als interessantestes Gerücht bzw. Thema der Woche bezeichnet werden können, ist in der Finanzbranche in der letzten Zeit noch deutlich mehr los gewesen. Verbraucher werden festgestellt haben, dass sich das Bezahlen vielerorts geändert hat. Die Banken und Kreditkartenanbieter haben ihre Karten und Terminals mit neuen Technologien ausgestattet, welche das Bezahlen einfacher und schneller machen sollen. Im Detail heißt das, dass zum Beispiel bei Zahlungen von unter 25 Euro keine PIN mehr eingegeben werden muss. Darüber hinaus muss die Karte nicht mehr in das Lesegerät eingesteckt werden, sondern lässt sich stattdessen auch darüber oder daneben halten. Der Sinn: Warteschlangen und Wartezeiten sollen so deutlich verkürzt werden, da die Zeit pro Person beim Bezahlen gesenkt wird. Eine Erkenntnis, die in Deutschland recht spät eintritt. In Schweden, Großbritannien oder Hong Kong wird auf diese Art und Weise bereits seit mehreren Jahren in sekundenschnelle gezahlt.

Unmittelbar nach der Einführung der neuen Zahlungstechnologie hatte es jedoch erst einmal große Unsicherheit bei den Verbrauchern gegeben. Diese wurde durch verschiedene Beiträge befeuert, in denen behauptet wurde, dass Kriminelle im Vorbeigehen mit den passenden Geräten schon Geldsummen abbuchen könnten. Das allerdings gilt als enorm unwahrscheinlich, da für die Abwicklung einer solchen Zahlung ein vollständiger Datensatz benötigt wird. Dazu gehören auch sämtliche Daten des Geldempfängers, so dass sich der Geldfluss im Zweifelsfall schnell nachvollziehen lassen würde. Darüber hinaus greifen natürlich auch sämtliche üblichen Sicherheitsvorkehrungen aus dem Zahlungsverkehr, weshalb das kontaktlose Bezahlen insgesamt als sicher bezeichnet werden kann.

Wandel unübersehbar

Der Blick auf die Finanzbranche lässt einen unübersehbaren Wandel erkennen, der angestammte Bankhäuser wie die Commerzbank in einen enormen Handelsdrang versetzt. Angefangen von der Beratung der Kunden bei ihren Investitionen bis hin zur Kreditvergabe oder der Eröffnung eines Girokontos hat sich in den letzten Jahren eine immer stärker werdende Konkurrenz gebildet, die den Banken gehörige Probleme bereitet. Die Konzern agieren in der Regel auf mehreren Geschäftsfeldern und können so bei den Finanzprodukten günstigere Konditionen als die Banken anbieten. Kunden greifen also lieber zu den neuen Alternativen, zumal sie wie im Falle von Amazon, auch noch das Eine mit dem Anderen verbinden könnten. Auch in der Beratung von Anlagekunden haben die Banken in den letzten Jahren den Druck deutlich zu spüren bekommen. Zahlreiche Anleger fokussieren sich auf die Online-Angebote und meiden die Filialbanken. Nicht zuletzt deshalb, weil diese in der Vergangenheit viel von dem entgegengebrachten Vertrauen missbraucht haben. Dieser Trend darf sich nicht fortsetzen, denn ansonsten drohen den Banken horrende Folgen, die vor allem bei der jüngeren und wechselwilligeren Kundschaft zu spüren sein dürften.

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