• Donnerstag, 29. Januar 2026

Bankkunden: Es droht ein harter Winter

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Bankkunden in Deutschland würden in diesen Wochen nur allzu gerne aus ihrer Haut fahren. Die finanziellen Belastungen scheinen in diesen Tagen kein Ende zu nehmen. Neben einer wahren Inflationswelle sorgen auch zahlreiche Unstimmigkeiten im Bereich der Sparkassen und Banken für Unmut. Weiterhin gibt es großen Ärger bei der Rückzahlung der überhöhten Gebühren. Mittlerweile hat sich auch die Verbraucherzentrale massiv eingeschaltet. Zusätzlich dazu beharrt die EZB weiterhin auf Ihrer Niedrigzins-Politik und startet so einen wahren Großangriff auf die Ersparnisse der Bankkunden. Eine weitere Problematik: Immer mehr Banken verabschieden sich von der kostenlosen Girocard.

Rückzahlung der Gebühren: Verbraucherzentralen erhöhen Druck auf die Banken

Bankkunden in Deutschland mussten in den vergangenen Jahren zahlreiche Erhöhungen auf Seiten der Banken in Kauf nehmen. Wie der Bundesgerichtshof vor rund einem halben Jahr urteilte, wurden viele dieser Gebühren unrechtmäßig erhoben. Üblicherweise wurden diese einfach über Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen erhöht. Dieser Vorgang ist laut des Urteils jedoch nicht zulässig. Stattdessen müssen die Banken die Kunden explizit um die Erhöhung der Gebühren bitten. Aber nicht nur das: Die Geldhäuser sind seit dem auch zur Rückzahlung der Gebühren verpflichtet. Der gesamte Prozess geht allerdings weitaus schleppender voran als es den Bankkunden und auch der Verbraucherzentrale lieb ist. In Baden-Württemberg erhöht diese deshalb nun den Druck auf die Banken. In gleich zwei Fällen lässt die Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg prüfen, ob die Entscheidung des Bundesgerichtshofs von den Banken auch engagiert genug umgesetzt wird.

Wie mehrere Medien berichten, soll die Verbraucherzentrale bereits Ende September eine Klage gegen die Sparda-Bank Baden-Württemberg eingereicht haben. Anfang Oktober folgte dann eine Klage gegen die Volksbank Welzheim. Letztere möchte diese aber offenbar nicht auf sich sitzen lassen und klagte bereits selbst gegen die Verbraucherzentrale, die die Bank zuvor abgemahnt hatte. Vorgeworfen wird der Sparda-Bank von der Verbraucherzentrale ein maximal kundenunfreundliches Vorgehen.

Banken wehren sich

So stellt die Bank ihre Kunden vor die Wahl aus drei Optionen. Die Kunden könnten die Gebühren akzeptieren und weiterhin fünf Euro pro Monat für das Girokonto zahlen. Oder aber diese fordern die Gebühren zurück, müssen dann jedoch 7,50 Euro pro Monat zahlen. Die dritte Option: Die Rückerstattung aller Gebühren und die Kündigung. In den Augen der Verbraucherzentrale wird so ungerechtfertigt Druck auf die Verbraucher ausgeübt. Ein demnach rechtswidriger Vorgang. Die Sparda-Bank streitet das Vorgehen jedoch ab und erklärte, dass alle Kunden seit dem 1. Oktober Gebühren von 7,50 Euro pro Monat zahlen müssten. Die zeitlich begrenzte Rabattierung auf fünf Euro sei lediglich ein Anreiz für die Kunden, auf die Rückerstattung zu verzichten. Darüber hinaus betonte die Bank, dass sie allen Rückzahlungsforderungen nachkommen würde.

Ähnlich kritisch betrachtet die Verbraucherzentrale das Vorgehen der Welzheimer Volksbank. Diese führte Anfang 2020 eine Kontogebühr in Höhe von fünf Euro pro Monat ein. Im Sommer machte die Bank den Kunden das Angebot, auf die Rückerstattung der Gebühren zu verzichten und das Konto so garantiert bis 2022 für fünf Euro behalten zu können. Wer hier nicht bis Mitte Oktober zustimmte, wurde von der Volksbank gekündigt.

Niedrigzinsen gehen ans Ersparte

Ein weiteres Problem für die deutschen Sparer liegt nicht auf Seiten der Banken begründet, sondern auf Seiten der Europäischen Zentralbank. Wie bekannt, erhöht diese mit ihrer anhaltenden Niedrigzinspolitik weiterhin den Druck auf die Sparer. Ein Ende dieser Zinspolitik ist nicht in Sicht. Gerade in Kombination mit der anhaltenden und sogar steigenden Inflation ein massives Problem für alle, die ihr Geld noch immer auf einem Konto bei der Bank lagern. Erst jüngst warnte auch Helmut Schleweis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes vor möglichen Vermögensverlusten auf Seiten der Sparer. So erklärte der Präsident, dass die öffentliche Hand angesichts der bevorstehenden Investitionen natürlich ein Interesse an niedrigen Zinsen oder gar Negativzinsen habe. Allerdings betonte Schleweis auch, dass dies gegenüber den Kleinanlegern nicht fair sein würde. Immerhin würde diese ungefragt dazu gezwungen werden, die eigentlich der öffentlichen Hand zufallenden Kosten zu tragen.

Dass die EZB ihre Zinspolitik in diesem Jahr anpassen wird, gilt allerdings als ausgeschlossen. Den Staaten hilft diese Politik, da sich diese so vergleichsweise günstig finanzieren können. Ernüchternd ist die Politik hingegen für die privaten Sparer und die Banken, die Kosten für das Einlagern des Geldes direkt an ihre Kunden weitergeben. In den Augen von Schleweis sei es deutlich besser, den Sparern das Wertpapiersparen schmackhaft zu machen. So könnten diese die möglichen Chancen durch die Finanzierung einer Transformation freiwillig ergreifen und würden nicht hierzu genötigt werden.

Tschüss, kostenlose Girocard? Debitkarten rücken in den Fokus

Zusätzliche Kosten drohen auf Seiten der Verbraucher nun auch rund um die eigentlich kostenlose Girocard. Immer mehr Direktbanken in Deutschland gehen dazu über, diese aus ihrem Produktkatalog zu streichen. Jüngst führte zum Beispiel die ING Deutschland eine neue Gebühr für die Girocard ein. Ab Anfang März 2022 sollen die Kunden künftig 0,99 Euro pro Monat für ihre Girocard zahlen müssen. Von Seiten der Bank heißt es, dass man ganz bewusst auf die Debitkarte von Visa setze. Diese sei flexibel einsetzbar und könne weltweit genutzt werden. Zudem würde die Debitkarte von vielen Händlern akzeptiert werden und sei auch für das mobile Bezahlen geeignet. Ein weiterer Vorteil für die Verbraucher ist in den Augen der Bank zudem, dass die Kunden an fast allen Geldautomaten in Deutschland ab einem Betrag von 50 Euro kostenlos Geld abheben könnten. Bestandskunden müssen der Änderung der Bank zustimmen. Die Neukunden werden mit dieser Belastung ab Anfang April in Kontakt gebracht.

Aber: Die ING Deutschland ist keinesfalls die einzige Bank, die hier an der Gebührenschraube dreht. Die DKB Bank bietet künftig kostenlos ebenfalls die Visa Debitkarte an. Jeder, der zusätzlich als Neukunde eine kostenlose Girokarte verwenden möchte, muss künftig 0,99 Euro hierfür bezahlen. Bestandskunden sind davon zunächst ausgenommen. Für diese bleibt die Girokarte erst einmal kostenlos. An die Bestandskunden sollen die Visa Debitkarten ab dem ersten Halbjahr 2022 verschickt werden. Eine weitere Bank, die auf die zusätzlichen Kosten für die Girokarte setzt, ist die Consors Bank. Seit dem 27. März müssen die Neukunden pro Monat einen Euro für die Girocard bezahlen, wenn sie diese nutzen möchten. Die Debitkarte von Visa gibt es hingegen kostenlos. Bei der Comdirect gibt es die kostenfreie Visa Debitkarte ebenfalls seit einigen Monaten. Allerdings können die Kunden hier ihre Girocard weiterhin ohne zusätzliche Kosten nutzen.

Immerhin: Neue Regeln für das Pfändungsschutzkonto verbraucherfreundlich

Zumindest eine positive Entwicklung gibt die Finanzbranche für die deutschen Verbraucher aber doch noch her. Ab Dezember greifen neue Regeln für das sogenannte Pfändungsschutzkonto, auch P-Konto genannt. Der Freibetrag, der hier als Pfändungsgrenze gilt, soll im Dezember ein wenig erhöht werden. Statt derzeit 1.252,64 Euro für eine Einzelperson soll dieser dann bei 1.260 Euro liegen. Wer unterhaltspflichtig ist oder Sozialleistungen entgegennimmt genießt derzeit einen Freibetrag von 1.724,08 Euro im Monat. Ab dem 1. Dezember soll dieses auf 1.731,44 Euro pro Monat steigen. Verbessern sollen sich darüber hinaus die Ansparmöglichkeiten mit dem P-Konto. Verbraucht ein Kontoinhaber das geschützte Guthaben nicht komplett, konnte dies bisher nur für einen Monat übertragen werden. Künftig soll der Zeitraum auf bis zu drei Monate steigen.

Weitere Annehmlichkeiten soll es für die Betroffenen auch bei der Einrichtung des Kontos geben. Bislang gab es Streitigkeiten darüber, ob Banken die Umwandlung auch bei einem Minus auf dem Girokonto akzeptieren müssten. Künftig müssen sie dies, wobei der negative Saldo auf einem separaten Konto geführt wird.

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