Obwohl die Finanzbranche über fehlende Innovationen in den letzten Jahren nicht klagen kann, wirkte das angestammte Bild der deutschen Banken doch etwas eingeschlafen. Wirklich viel Bewegung war für die breite Masse nicht zu erkennen. Nun allerdings kommt zum Jahresende noch einmal Schwung auf den Markt. Seit Mitte Oktober können Verbraucher aus Deutschland zwischen insgesamt drei unterschiedlichen Modellen für ein Girokonto wählen. Hellhörig macht dabei vor allem ein komplett kostenloses Modell, welches demnach an auch an keine weiteren Bedingungen gebunden sein soll.
C24 Bank: Kostenloses Smartkonto als Zugpferd für den Markt?
Der Trend in Deutschland ist eindeutig. Wer ein komplett kostenloses Girokonto nutzen möchte, muss sich um dieses immer stärker bemühen. Nach und nach verabschieden sich immer mehr Geldhäuser vom komplett gebührenfreien Girokonto für die Verbraucher und knüpfen dieses zumindest an Bedingungen wie einen Mindestgeldeingang. Zu beobachten war dies in den letzten Monaten zum Beispiel bei der ING-DiBa. Diese veränderte die Bedingungen für das komplett kostenlose Girokonto, so dass hier fortan ein Mindestgeldeingang von 700 Euro pro Monat erforderlich ist. Nur dann fallen die Gebühren für das Konto wirklich komplett weg. Eine Entscheidung mit Signalwirkung. Nach der ING entschieden sich zahlreiche weitere Unternehmen, einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Bei der Commerzbank folgte der Schritt im Oktober. Seit jenem Monat sind auch hier mindestens 700 Euro monatlich als Geldeingang notwendig. Andernfalls kommen für die Nutzung des Girokontos monatlich 9,90 Euro Gebühren auf die Verbraucher zu. Gute Nachrichten gibt es immerhin für Bestandskunden. Wer schon vor dem Oktober Kunde war, ist vor der Anpassung erst einmal geschützt. Neukunden können sich um diese jedoch nicht drücken und auch eine Garantie für Bestandskunden, dass dies so bleiben wird, gibt es nicht.
Zusammenfassend lässt sich also erkennen, dass es für Verbraucher mehr und mehr schwierig geworden ist, ein Girokonto ganz ohne zusätzliche Gebühren zu entdecken. Zumindest bis vor Kurzem. Jüngst startete mit der C24 Bank nämlich ein Unternehmen auf dem Markt, welches den Verbrauchern genau dieses Kontomodell anbieten möchte. Das sogenannte Sparkonto verspricht, für alle Kunden der Bank ohne irgendwelche Bedingungen kostenlos zu sein. Alternativ stellt die Bank mit dem C24 Plus und dem C24 Max noch zwei weitere Kontomodelle zur Verfügung.
C24 könnte den Nerv der Zeit treffen
Dass viele Experten von einem gewissen Potenzial bei der neuen Bank ausgehen, lässt sich mit gleich mehreren Aspekten begründen. Die Bank könnte genau den Nerv der Zeit treffen, denn neben dem kostenlosen Kontomodell spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Wie die Bank selbst erklärt, biete man die einzigen klimapositiven Girokonten in Deutschland. Alle Co2-Emmissionen würden vollständig wieder ausgeglichen werden, was zum Beispiel durch Aufforstungsprojekte möglich gemacht wird, welche die C24 Bank unterstützt. Zusätzlich dazu möchte das Unternehmen ganz offensichtlich mehr als nur eine Bank sein. Der Konzern bietet zum Beispiel eine eigene App an, die als echtes Multi-Talent bezeichnet werden kann.
Jeder Verbraucher kann die kostenlose C24 Banking App verwenden, die auch als Open-Banking-App bezeichnet werden kann. Heißt: Verbraucher können ihre Konten bei anderen Banken, Depots oder auch Bausparverträge allesamt in dieser App bündeln. Weitaus innovativer ist allerdings die Ausgabenanalyse der App. Mit Hilfe dieser können die Verbraucher ihre Strom-, Gas- oder Versicherungsverträge überprüfen und kontrollieren. Anschließend werden automatisch die Sparpotenziale untersucht und via App direkt mögliche Alternativen vorgeschlagen. Cleverer Schachzug des Mutterkonzerns, denn Check24 vergleicht bekanntlich zahlreiche Tarife und profitiert von jedem Abschluss über die eigenen Kanäle.
Smartkonto: Kostenloses Girokonto der C24 Bank
Das für die meisten Verbraucher interessanteste Kontomodell im Angebot der Bank dürfte das komplett kostenlose Sparkonto sein. Die Bank verspricht, dass alle Kontoinhaber nach der Kontoeröffnung eine Mastercard erhalten, die zum Beispiel auch für Zahlungen mittels Google Pay oder Apple Pay verwendet werden kann. Darüber hinaus sollen Verbraucher mit der Karte vier Mal im Monat gebührenfrei Geld abheben können. Hierfür sind insgesamt 57.000 Geldautomaten in Deutschland verfügbar, weltweit können Kunden an allen Automaten mit einem Mastercard-Logo ihr Bargeld abheben. Wichtig: Damit die Abhebungen gebührenfrei sind, muss das Konto „aktiv“ genutzt werden. Das heißt für die Kunden, dass mindestens zwei Verträge mit monatlicher Lastschrift-Abbuchung über jenes Konto laufen müssen. Das können zum Beispiel die Kosten für den Stromvertrag, aber auch die monatlichen Gebühren für das Fitnessstudio oder den Tennis-Verein sein. Wie hoch diese Abzüge ausfallen, spielt keine Rolle. Wichtig allerdings: Die Zahlungen mit der Mastercard werden im Sinne der aktiven Nutzung nicht gewertet.
Auf sich aufmerksam machen möchte C24 natürlich auch mit den Verbindungen zur Vergleichsplattform Check24, so dass Verbraucher auch im Smartkonto ihre Verträge einfach wechseln können. Punkten möchte die Bank bei diesem Kontomodell allerdings auch mit einem Sofortdispo in Höhe von 400 Euro, den jeder Bankkunde bei finanziellen Engpässen sofort in Anspruch nehmen kann. Wer noch mehr möchte, kann dann entweder über die App auf die Vergleichsplattform zurückgreifen und einen Kredit suchen oder den Dispositionskredit der C24 Bank nutzen. Bei allen drei Kontomodellen verlangt die Bank hierfür einen Dispozins in Höhe von 6,99 Prozent pro Jahr.
Plus- und Max-Konto wollen mit Cashback überzeugen
Wer gerne Geld ausgibt und trotzdem sparen möchte, kann sich an die Plus-Variante und die Max-Variante des C24 Kontos herantrauen. Diese beiden beide ein Cashback-Programm, mit welchem sogar die monatlichen Gebühren von 5,90 Euro beim Pluskonto wieder reingeholt werden können. Konkret erhalten Verbraucher hier ein Cashback für alle Zahlungen mit der Mastercard. Bis zu zehn Prozent des Kaufpreises gibt es zurück, wodurch sich monatlich bis zu 10 Euro als Cashback einkassieren lassen. Insgesamt würden Verbraucher also fast das Doppelte als Cashback erhalten, wie für die Kontoführung fällig wird. Nutzen Verbraucher das Maxkonto mit einem monatlichen Grundpreis von 9,90 Euro, sind bis zu 30 Euro als Cashback mit der Mastercard möglich. Zusätzlich dazu erhöht die Bank bei diesen beiden Kontomodellen auch den Sofortdispo. Beim Plus-Konto können Verbraucher bis zu 600 Euro als Sofortdispo nutzen, beim Max-Konto sind es bis zu 800 Euro.
Darüber hinaus verspricht die Bank allen Inhabern eines Plus-Kontos, dass diese bis zu sechs Mal im Monat gebührenfrei Geld abheben können. Wer ein Max-Konto besitzt, kann bis zu acht Mal im Monat kostenfrei Geld abheben und gleichzeitig weltweit kostenlos seine Zahlungen mit der Mastercard abwickeln.
Kritik an Check24: Vergleichsplattform und Konto zugleich?
Für Check24 verliefen die letzten Monate also enorm interessant und vor allem gut. Das Unternehmen wurde als offizielle Vergleichs-Homepage für Bankkonten in der Bundesrepublik ausgezeichnet und bringt nun mit seinem C24 Konto sogar ein ganz eigenes Angebot auf den Markt. Und genau da liegt das Problem. Wettbewerbsschützer kritisieren, dass Check24 hier sowohl als Vergleichsplattform tätig ist, als auch ein eigenes Angebot auf den Markt bringt. Das wäre in etwa so, als dürfte Autobauer BMW bewerten, welche Autos in Deutschland am attraktivsten sind. Die Gefahr dieser Umstände liegt also auf der Hand. Bislang allerdings gibt es rechtlich noch keine Einschränkungen gegenüber Check24. Es. Ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die Debatte in den kommenden Monaten weiter an Fahrt gewinnt. Speziell natürlich dann, wenn die Bankhäuser tatsächlich Kunden an den neuen Konkurrenten verlieren.