Viele Verbraucher haben es schon länger geahnt: Die Zeiten, in denen Bankgeschäfte kostenlos durchgeführt werden können und auch die Kontoführung vollständig von Gebühren befreit ist, neigen sich dem Ende zu. Dies hat auch eine repräsentative Untersuchung der Verbraucherzeitschrift Finanztest ergeben. Doch es gibt auch durchaus noch Angebote von Banken, bei denen die Bankkunden auch am Ende des Jahres eine Null in die Position Kosten und Gebühren eintragen können. Ab wann sich ein Wechsel lohnt und wie Bankkunden die Kosten bei ihrem aktuellen Konto in den Griff bekommen können, möchten wir in den folgenden Abschnitten zeigen.
Die Kosten steigen auf breiter Front – aber noch gibt es kostenlose Modelle
Die Ergebnisse der Studie der Verbraucherzeitschrift Finanztest sind eindeutig: das Angebot im Bereich kostenloser Girokonten hat sich in den letzten Jahren deutlich gelichtet. Innerhalb der letzten beiden Jahre wurden fünf vollständig kostenlose Girokonten vom Markt genommen. Und auch die Anzahl der Kontomodelle, bei denen die kostenlose Kontonutzung von einem bestimmten monatlichen Geldeingang abhängig war, ist deutlich zurückgegangen. Nach 38 Kontomodellen im Jahr 2014 sind es heute nur noch 33. Und es ist davon auszugehen, dass sich auch von den verbleibenden Banken noch einige dazu entschließen werden, ihre kostenlosen Angebote zu überarbeiten. Daher bringt ein Wechsel häufig nur einen kurzfristigen Kostenvorteil.
Die Begründung, mit der die Institute ihre bisher kostenlosen Angebote vom Markt nehmen, gehen dabei stets in die gleiche Richtung: die Zinsen sind auf einem rekordverdächtig niedrigen Niveau, so dass eine bisher wichtige Einnahmequelle der Banken bis auf weiteres versiegt ist. Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Viele Banken haben es in den vergangenen Jahren versäumt, ihre Strukturen effizienter zu gestalten und werden von der aktuellen Entwicklung kalt erwischt. Während die klassischen Filialbanken und auch die Sparkassen versuchen, mit Entlassungen und Filialschließungen ihre Kosten in den Griff zu bekommen, zeigen zahlreiche Direktbanken, dass es auch anders geht. Und letztere Institute sind es auch, bei denen sich die Kunden nach kostenlosen Kontoangeboten umschauen können. Doch zwischen kostenlosen Girokonten und gebührenpflichtigen Angeboten gibt es durchaus auch Unterschiede bei Leistungen und Service. Die Kunden sollten sich also genau überlegen, ob sie auf eine Gebührenerhöhung sofort mit einem Wechsel reagieren. Denn es gibt durchaus auch andere Möglichkeiten, die Kosten für die privaten Bankgeschäfte zu optimieren.
Nicht immer muss es sofort der Wechsel sein
Die Grundargumentation vieler Banken, die ihren Kunden eine Gebührenerhöhung ankündigen, ist durchaus nachvollziehbar. Es wird eine konkrete Leistung angeboten, für die die Kunden bitte auch einen fairen Preis bezahlen sollen. Dass es bisher viele Girokonten zum Nulltarif gab, lag dagegen vor allem daran, dass diese Produkte dazu eingesetzt worden sind, neue Kundengruppen zu gewinnen. Wenn dann einige dieser neuen Kunden auch andere Produkte des Hauses in Anspruch nahmen, etwa einen Kredit oder eine private Rentenversicherung, lohnte sich das kostenlose Girokonto zumindest in der Gesamtbilanz. Und das gesamte Angebot einer Bank kann auch durchaus als Kriterium gewertet werden, ob es sich lohnt, bei einem bestimmten Institut zu bleiben, auch wenn das Girokonto etwas teurer wird. Viele sehen es darüber hinaus als wichtigen Vorteil an, einen festen Ansprechpartner zu haben, auf dessen Urteil sie sich bei wichtigen finanziellen Entscheidungen verlassen können und der auch bei technischen Problemen seine Hilfe anbietet. Vor diesem Hintergrund sollten die Kunden möglichst genau abwägen, was ihnen dieser Service konkret wert ist. Ausgeschlossen werden kann dagegen, dass eine persönliche Beratung auch bei einem kostenlosen Girokonto möglich ist. Und auch auf eine Filiale, in der Bankgeschäfte wie Überweisungen oder Einzahlungen vorgenommen werden können, muss bei einem kostenlosen Girokonto bei einer Direktbank verzichtet werden. Doch auch wenn persönliche Beratung und Filialservice ihren Preis haben, gibt es Schmerzgrenzen. Bei jährlichen Kosten jenseits von 50 Euro sollten Kontoinhaber anfangen darüber nachzudenken, ob es auch kostengünstigere Alternativen gibt.
Auch Veränderungen des Verbraucherverhaltens können die Kosten drücken
Für eine Kostenoptimierung müssen sich die Kunden nicht zwingend bei der Konkurrenz umsehen. Häufig reicht auch ein Wechsel zu einem anderen Kontomodell des Hauses. Hierzu sollte das Verhalten anhand der Kontoauszüge der letzten Monate genauer analysiert werden. Eine gute Bank unterstützt den Kunden hierbei auch. Darüber hinaus kann auch durch bestimmte Verhaltensweisen die Kostenbilanz des Girokontos verbessert werden. Überweisungen sollten nach Möglichkeit per Online Banking durchgeführt werden. Am teuersten ist dieser Vorgang dagegen, wenn ein handschriftlich ausgefüllter Überweisungsträger genutzt wird. Und dass das Abheben von Geld am Automaten der Konkurrenz mit hohen Kosten verbunden ist, sollte sich mittlerweile auch herumgesprochen haben. Ein weiterer selbst verursachter Kostentreiber ist der Dispo. Wer dieses Angebot der Bank langfristig und ausgiebig in Anspruch nimmt, fährt Im Vergleich mit einem Verbraucherkredit deutlich ungünstiger. Haben die Kunden allerdings den Eindruck, weder mit einem internen Wechsel noch mit einer Verhaltensänderung die Kosten drücken zu können, sollte auch die Möglichkeit eines Anbieterwechsels berücksichtigt werden.
Fazit – Hohe Bankkosten ohne Gegenleistung müssen nicht sein
Viele Verbraucher waren in den letzten Wochen und Monaten von Preiserhöhungen für ihre Girokonten betroffen. Solange diese Erhöhungen in einem vertretbaren Rahmen stattgefunden haben, sollten Bankkunden ehrlich abwägen, was ihnen der bisherige Service und die Leistungen ihres Kontos wert sind. Mitunter können auch ein interner Wechsel sowie ein verändertes Verhalten zu einer gewissen Ersparnis führen. Steigen die Gesamtkosten jedoch in die Höhe, ohne dass dafür eine entsprechende Gegenleistung in Anspruch genommen wird, sollte auch ein Wechsel zu einem kostenlosen Girokonto in Erwägung gezogen werden.