• Donnerstag, 29. Januar 2026

Entwicklung und Prognose der Girokonto Gebühren

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Wenn in diesem Jahr die Kunden Post von ihrer Bank erhalten haben, dann war der Inhalt des Schreibens selten besonders erfreulich auch wenn die Nachricht zumeist in warme Worte gebettet wurde. Den Kontoinhabern wurde dabei freundlich mitgeteilt, dass das aktuelle Gebührenmodell den modernen Ansprüchen angepasst würde, oder dass bestimmte Modelle einfach nicht mehr angeboten werden könnten. Im Endeffekt lief es darauf hinaus, dass das kostenfreie Girokonto fortan nicht mehr zur Verfügung steht, nun also monatliche Gebühren in Rechnung gestellt werden. Doch tatsächlich erfolgte dieser Schritt ausschließlich im Interesse der Bank. Insbesondere die Zinsen, die sich derzeit auf einem historisch niedrigen Niveau befinden, zwingen die Banken dazu, neue Einnahmequellen zu erschließen. Girokonten, die bisher häufig kostenlos angeboten wurden, sind dabei vielfach nicht mehr drin. Viele Kunden fragen sich nun, wie es hier nächstes Jahr weitergehen wird. Sehr wahrscheinlich ist dabei vor allem eines: Das kostenlose Girokonto auf breiter Front wird sicher nicht so schnell zurückkommen. Wie Bankkunden trotzdem sparen können und auf welche Kosten neben den Grundgebühren außerdem geachtet werden sollte, erfahren Sie in den nun folgenden Abschnitten.

Warum ist die Zeit der kostenlosen Girokonten vorüber?

In den letzten zehn Jahren hatten sich Bankkunden in Deutschland an eine ausgesprochen bequeme Situation gewöhnt. Die meisten Institute hatten zumindest ein vollwertiges Kontomodell, welches kostenlos oder zu einem sehr überschaubaren Entgelt zur Verfügung stand. Dass dieser Trend spätestens in diesem Jahr ein abruptes Ende gefunden hat, wird von Fachleuten vor allem auf die Entwicklung der Zinsen zurückgeführt. Dadurch, dass sich die Zinsen auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau befinden, fehlt den Banken eine Einnahmequelle, die bisher das wichtigste Standbein in ihren Geschäftsmodellen darstellte. Das Geld, welches die Kunden auf ihren kostenlosen Girokonten verwalten ließen, konnte in Form von Krediten an Unternehmen oder private Verbraucher weitergereicht werden. Bei Zinsen oberhalb von fünf Prozent ergab sich dabei eine ansehnliche Marge für die Banken. Geld, welches nicht als Kredit ausgereicht werden konnte, wurde zum Leitzins bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eingelegt. Die Zinspolitik der EZB hat nun aber zur Folge, dass hierfür mittlerweile negative Zinsen fällig werden, die Banken also ihrerseits Geld bezahlen müssen, wenn sie es der EZB überlassen. Mit den Gebühren, die nun für viele Girokontenmodelle verlangt werden, soll nun ein Teil dieser Kosten aufgefangen werden. Dabei waren die kostenlosen Girokonten auch vorher nicht unbedingt die „Cash Cows“ der Banken. Vielmehr wurden die kostenlosen Modelle als Ankerprodukte eingesetzt, um Kunden zu binden oder neue zu gewinnen. Die Bank hoffte dann, in der Folge mit anderen Produkten zusätzliches Geschäft zu generieren. Dabei galt eine Gebührenerhöhung lange als Tabu, da viele Banken fürchteten, auf dieses Weise viele Kunden zu verschrecken. Viele Gebührenerhöhungen wurden daher auch durch die Hintertür durchgeführt, etwa indem andere Leistungen mit Gebühren belegt wurden.

Nicht nur die Gebühren für die Kontoführung sind entscheidend

Um mit dem Girokonto Einnahmen zu generieren, haben einige Banken eine ungeahnte Kreativität entwickelt. Den Anfang machten Gebühren, die für beleghafte Überweisungen verlangt wurden. Damit sind Überweisungen gemeint, die mit einem klassischen Formular beauftragt werden, welches in der Bank eingereicht und von einem Mitarbeiter oder auch einer Maschine bearbeitet werden. Zumindest Online Kunden konnten diese Gebühr aber leicht umgehen. Andere Wege für neue Einnahmen bestanden in Zusatzleistungen, wie exklusiv bedruckte Bankkarten, Sicherheitspakete rund um das Konto oder auch Gebühren für das Versenden von Kontoauszügen. Mittlerweile ist es aber bei vielen Kontomodellen gang und gäbe, dass auch für online durchgeführte Transaktionen Entgelte in Rechnung gestellt werden. Andere Modelle sind als Pauschalangebote konzipiert, bei denen diese Kosten mit einer monatlichen Gebühr abgegolten werden. Verbraucherschützer haben dabei die Empfehlung herausgegeben, dass ein normales Konto jährlich nicht mehr als 60 bis 70 Euro kosten sollte. Dabei hängt es aber eben auch von der konkreten Nutzung ab, welche Kosten bei welchem Modell entstehen. Mitunter ist es nämlich auch ausreichend, wenn einfach auf ein anderes Modell beim gleichen Institut umgestellt wird.

Gebührenfreiheit nur bei höheren Einkommen

Eine weitere Strategie der Banken kann darin gesehen werden, dass kostenlose Konten nur noch Kunden mit einem höheren regelmäßigen Geldeingang zur Verfügung gestellt werden. Dies klingt vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen zwar zunächst widersinnig, da die Banken das Geld der Kunden selber kaum sinnvoll anlegen können. Dahinter steckt aber auch hier das Kalkül, dass bei solventen Kunden eine höhere Chance besteht, zusätzliche Produkte, wie etwa ein Wertpapierdepot, einen Immobilienkredit oder eine Versicherung an den Mann zu bringen. So gibt es etwa bei der Postbank seit dem ersten November das kostenlose Konto nur noch ab 3.000 Euro monatlichem Geldeingang. Ein Schritt, der für einiges Aufsehen gesorgt hatte. Doch auch Kunden, die ein entsprechend hohes Einkommen nicht mitbringen, sind dieser Gebührenpolitik nicht schutzlos ausgeliefert. Denn es gibt nach wie vor Girokontenmodelle, die gebührenfrei genutzt werden können und die an keine besonderen Bedingungen geknüpft sind.

Es gibt weiterhin günstige Modelle

Zwar hat sich die Auswahl in den letzten Jahren deutlich verringert, doch prinzipiell lassen sich immer noch Girokonten finden, die kostenlos genutzt werden können. Zu den Modellen, die prinzipiell auch ohne regelmäßige Geldeingänge oder andere Bedingungen kostenlos sind, gehört unter anderem das Girokonto der comdirect. Weder Kontoführungsgebühren noch weitere Gebühren werden hier berechnet. Zum Leistungsspektrum gehört außerdem eine Kreditkarte, mit der im Ausland kostenlos Bargeld abgehoben und auch bargeldlos bezahlt werden kann. Auch die DKB verfügt mit dem DKB Cash über ein bedingungslos kostenloses Girokonto, zu dem ebenfalls eine Kreditkarte von VISA gehört. Ab einem Geldeingang von 700 Euro im Monat wird der Kontoinhaber zum Aktiv-Kunden und kann von einigen zusätzlichen Leistungen profitieren. Hierzu gehört etwa ein Online-Tresor, ein umfangreiches Online Cash Back Programm oder ein Notfall Paket für das Ausland.

Fazit – Kostenlose Girokonten werden seltener

Auch wenn Experten erwarten, dass der Tiefpunkt bei der Zinsentwicklung erreicht ist, kann wohl nicht davon ausgegangen werden, dass im nächsten Jahr generell mit günstigeren Kosten für das Girokonto gerechnet werden kann. Kunden, bei denen die Gebühren noch nicht erhöht wurden, müssen wohl damit rechnen, dass ihre Bank demnächst nachzieht. Doch die Kunden sind längst nicht dazu verurteilt, diesem Treiben tatenlos zuzusehen. Es gibt durchaus noch kostengünstige oder gar kostenlose Alternativen. Um zu wechseln, braucht dabei kein besonders großer Aufwand befürchtet zu werden und Banken sind mittlerweile dazu verpflichtet, die Kunden dabei zu unterstützen. Ein kostenloses Konto ist also weiterhin möglich, scheitert aber häufig einfach an der Trägheit vieler Kunden.

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