• Freitag, 1. Mai 2026

Giro-News: Der Trend geht zu Premium Kontomodellen

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In der Bankenbranche ist zur Zeit einiges in Bewegung. Viele Institute ordnen ihr Geschäft neu und krempeln dabei auch das Angebot an Girokonten gründlich um. Ein wichtiger Trend, der dabei zu beobachten ist, besteht darin, das kostenlose Modelle mehr und mehr aus dem Programm genommen werden. Demgegenüber steht aber auch eine andere Entwicklung: Mit sogenannten Premium Angeboten sollen den Kunden bestimmte Kontomodelle schmackhaft gemacht werden, für die zwar regelmäßig Kosten anfallen, für die sie aber auch eine Reihe von Leistungen erwarten können. Nicht immer fällt dabei die Gesamtbilanz wirklich zum Vorteil der Kunden aus. In jedem Fall sollten sich die Bankkunden vorher genau anschauen, was sie bei einem Kontomodell konkret erwartet. Und entscheidend ist natürlich auch die Frage, was man als Bankkunde eigentlich wirklich benötigt. Was hinter der Strategie der Banken steckt und welche Möglichkeiten die Kunden jetzt haben, wollen wir in den folgenden Abschnitten zeigen.

Banken brauchen neue Einnahmequellen

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass es um die Ertragslage vieler Banken nicht besonders gut bestellt ist. Hintergrund ist vor allem die aktuelle Niedrigzinsphase, mit der die Europäische Zentralbank (EZB) das Ziel verfolgt, die Inflationsrate auf ein als wirtschaftlich sinnvoll angesehenes Maß von zwei Prozent zu bringen, sowie der Wirtschaftsentwicklung in Europa positive Impulse zu geben. Für die Banken in Deutschland hat dies aber vor allem zur Folge, dass lange sicher geglaubte Einnahmequellen wegbrechen. War es also für die Banken lange ein gutes Geschäft, hohe Einlagen ihrer Kunden zu verwalten, indem diese wiederum bei der EZB angelegt worden, verursacht dies heute ausschließlich Kosten. Denn für Gelder, die von den Geschäftsbanken bei der EZB eingelegt werden, wird mittlerweile ein Strafzins fällig. So wird auch das bewährte Geschäftsmodell kostenloser Girokonten für die Gewinnung neuer Kunden für viele Banken zur Kostenfalle. Denn die Girokonten selber bringen keine Einnahmen, während die Einlagen auch noch Kosten verursachen. Vor diesem Hintergrund waren und sind viele Banken dazu gezwungen, sich etwas einfallen zu lassen. Am häufigsten haben Banken dadurch reagiert, in dem kostenlose Angebote gestrichen oder in ihrem Leistungsumfang deutlich eingeschränkt wurden. Außerdem wurden auch für bisher günstige Kontomodelle die Gebühren zum Teil kräftig angehoben. Doch noch eine zweite Entwicklung ist zu beobachten: Dabei werden Kontomodelle entwickelt, die echte oder auch nur vermeintliche Zusatzleistungen für die Kunden bieten. Verbunden sind diese Angebote natürlich mit zusätzlichen Gebühren sowie der Bezeichnung Premium. Nicht immer können die Kunden uneingeschränkt davon profitieren.

Was versprechen Premium Konten?

Viele Banken setzen also zunehmend auf Premium Konten, wenn es darum geht, Kunden bestimmte Kontomodelle besonders schmackhaft zu machen. Die Strategie, die dahintersteht, ist relativ simpel. Den Kontoinhabern soll suggeriert werden, dass sie ein besonders hochwertiges und dabei attraktives Gesamtpaket erhalten, in dessen Rahmen sie die Möglichkeit auf zahlreiche Zusatzfunktionen haben. Dabei sollten sich die Kunden aber zum einen fragen, ob sie bestimmte Zusatzfunktionen überhaupt benötigen. Zum anderen erweist sich bei genauerem Hinschauen, dass im frisch geschnürten Premium Angebot vor allem Leistungen enthalten sind, die bisher kostenlos zur Verfügung standen.

Worauf sollten Kunden besonders achten?

Ein Beispiel sind etwa Kontomodelle, bei denen weiterhin ohne zusätzliche Gebühren Überweisungen getätigt und Zahlungen in Empfang genommen werden können. Während beim Standardkonto hierfür nun Gebühren zu entrichten sind, kann der Kontoinhaber eines Premium Modells diese Leistungen weiterhin kostenlos nutzen. Demgegenüber steht aber eine zum Teil sehr hohe monatliche Gebühr. Ein weiteres Beispiel sind Dispozinsen: dabei können Kunden einiger Premium Modelle von etwas niedrigeren Dispozinsen profitieren, was sich angesichts entsprechender Gebühren in der Gesamtbilanz aber wenn überhaupt nur minimal auswirkt.

Ebenfalls kritisch sind Angebote zu sehen, bei denen den Kunden zusätzliche Leistungen in Form von scheinbar exklusiven Einkaufsmöglichkeiten und Rabattgelegenheiten in Aussicht gestellt werden. So erhalten Kunden besonders günstigen Zugang zu Reisebuchungen oder zu bestimmten Internetshops. Inwieweit es sich dabei wirklich um dauerhaft günstigere Angebote handelt, kann dabei nur schwer geprüft werden. In jedem Fall sollten die Kunden beachten, dass die Rabatte nur bei einigen ausgewählten Anbietern in Anspruch genommen werden können. Ob diese dann das beste Angebot haben, steht auf einem anderen Blatt.

Auch interessante Angebote verfügbar

Doch generell sollten die speziellen Angebote der Banken im Bereich Premium auch nicht verteufelt werden. Denn es lassen sich durchaus auch attraktive Formate identifizieren. Ein Beispiel ist etwa das Premiumkonto der Commerzbank, welches Kunden derzeit für monatlich neun Euro zur Verfügung steht. Zu den Basisleistungen gehört eine Kreditkarte und der kostenlose Zugang zu Bargeld im In- und Ausland. Der Disposatz liegt bei 8,50 Prozent pro Jahr. Dazu kann ein recht umfangreiches Versicherungspaket genutzt werden, welches unter anderem Kosten für Reiserücktritt und Abbruch absichert. Außerdem erhält der Kontoinhaber einen 50 Euro Gutschein für Amazon Prime. Ein zweites Bespiel ist das ExclusivKonto der Hypovereinsbank, welches für einen monatlichen Grundpreis von 14,90 Euro angeboten wird. Neben einem Disposatz von 10,89 Prozent p.a. bietet dieses Konto zwei Gold Kreditkarten inklusive Auslandskrankenversicherung und Autoschutzbrief. Bei Reisebuchungen gibt es zudem fünf Prozent Rabatt. Und auch das Girostar der Santander bietet für einen Grundpreis von 7,99 Euro einige interessante Zusatzleistungen, wie etwa eine Kreditkarte für jährlich 50 Euro. Diese enthält dann eine umfassende Auslandskrankenversicherung sowie einen zinsfreien Dispo in Höhe von 500 Euro. Ab einem Kartenumsatz von 4.000 Euro jährlich wird die Gebühr außerdem zurückerstattet. In die gleiche Richtung geht auch das Bestkonto der Deutschen Bank. Der Dispozins liegt zwischen 7,9 Prozent und 10,9 Prozent und auch zwei Gold Kreditkarten sind in der monatlichen Gebühr von 9,99 Euro abgedeckt. Zu einer Auslandsreisekrankenversicherung kommt auch eine Warenversicherung für das Ausland. Zudem gibt es sechs Prozent Rabatt bei Reisebuchungen.

Fazit – Bei Premium Angeboten gilt es genau hinzuschauen

Die Veränderungen, die derzeit im Rahmen der Angebotsstruktur vieler Banken stattfinden, bedeuten zunächst vor allem eines: höhere Gebühren für die Kunden. Um die Kunden allerdings nicht komplett zu verschrecken, sind die nun kostenpflichtigen Kontomodelle in vielen Fällen mit dem Attribut Premium sowie einigen zusätzlichen Leistungen garniert. Zu diesen Leistungen gehören etwas günstigere Dispozinsen, höherwertige Kreditkarten oder Rabattmöglichkeiten bei Reisebuchungen oder Online Einkäufen. Ob die Rechnung am Ende aber für den Kunden aufgeht, steht keineswegs fest. Es hängt wohl in erster Linie vom Einzelfall und dabei vom Nutzungsverhalten ab. Für Kunden mit hoher Reisetätigkeit kann ein umfassender Reiseversicherungsschutz im Rahmen der Kreditkarte durchaus Vorteile bringen. Vor diesem Hintergrund gilt es also, zunächst genau zu prüfen, welche Leistungen tatsächlich genutzt werden können und welche davon eigentlich benötigt werden. Im Zweifel fahren Kunden aber deutlich besser, wenn sie sich für eines der nach wie vor verfügbaren kostenlosen Angebote entscheiden. Neben der DKB Bank hat auch die Volkswagen Bank und die comdirect ein solches Modell in ihrem Programm.

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