
Dass sich nun mehr und mehr Banken dazu entschließen, kostenlose Girokonten aus dem Programm zu nehmen, hat vor allem eine Ursache: Vor dem Hintergrund des derzeit extrem niedrigen Zinsniveaus sind die Ertragsmöglichkeiten der Banken stark geschrumpft. Insbesondere werden die Einlagen, die sich auf den Konten der Kunden befinden, zunehmend zur Last. Findet die Bank nämlich nicht genügend Möglichkeiten, dieses Geld in Form von Krediten weiter zu reichen, muss das Geld bei der Europäischen Zentralbank eingelagert werden, wobei hierfür mittlerweile negative Zinsen zu entrichten sind. Faktisch verlieren also viele Banken mit den Einlagen ihrer Kunden auf dem Girokonto sogar Geld. Gleichwohl ist der Schritt zur Gebührenerhöhung, wie ihn die Postbank gegangen ist, für viele Institute ein schwieriger Balanceakt. Zwar gelten Bankkunden in Deutschland traditionell als eher träge Kunden, die nicht so schnell das Institut wechseln. Doch ab welchem Punkt die Grenze überschritten ist, lässt sich nicht so genau bestimmen. Und auf der anderen Seite gibt es durchaus noch eine Reihe von Bankinstituten, die dieselbe Dienstleistung nach wie vor zum Nulltarif anbieten. Insbesondere Direktbanken stellen ihren Kunden ein Girokonto mit allen Funktionen nicht nur kostenlos zur Verfügung, sondern locken oft noch mit zusätzlichen Leistungen wie einer Kreditkarte oder einer Willkommensprämie.
Das neue Gebührenmodell der Postbank
Bei der Postbank wurde die Gebührenerhöhung daher auch eher sensibel vorgenommen. Für einen Teil der Kundengruppe ergeben sich aus dem neuen Kostenmodell sogar etwas niedrigere Gebühren. Wirklich kostenlos bleibt das Girokonto der Postbank allerdings nur bei Kunden mit einem überdurchschnittlichen Einkommen. Konkret sieht das neue Gebührenmodell folgende Sätze vor: Ein Online Konto kostet danach monatlich 1,90 Euro. Legt der Kunde darüber hinaus Wert darauf, seine Bankgeschäfte auch in der Filiale ausführen zu können, wird eine monatliche Gebühr von 3,90 Euro fällig. In dieser Gebühr sind dann aber alle Transaktionen, die rund um die Kontoführung anfallen, enthalten. Es müssen also weder für Überweisungen, noch für Auszahlungen am Automaten oder für die Einrichtung von Daueraufträgen zusätzliche Gebühren entrichtet werden. Eine Ausnahme stellen dagegen die sogenannten beleghaften Überweisungen dar, bei denen die Kunden einen Überweisungsträger handschriftlich ausfüllen und in der Filiale einreichen können. Hierfür werden derzeit jeweils 99 Cent berechnet.
Zum Produktspektrum der Postbank gehört außerdem ein Premium Konto, für welches eine monatliche Gebühr von 9,90 Euro gilt. Dabei können die Kunden mit einigen Vorzügen, wie etwa einer persönlichen Beratung und verschiedenen Zusatzleistungen rechnen. Gleichwohl ist es weiterhin möglich, auch bei der Postbank ein kostenloses Girokonto zu führen. Wie viele andere Institute auch, bietet die Postbank zunächst jungen Kunden ihr Girokonto gebührenfrei an. Bis zum Alter von 22 Jahren fallen weder für Transaktionen noch für die Kontoführung selber irgendwelche Gebühren an. Im ersten Jahr der Nutzung gibt es zudem eine Kreditkarte von VISA kostenlos dazu. Darüber hinaus kommen auch Kunden mit einem überdurchschnittlichen Einkommen weiterhin in den Genuss eines kostenlosen Girokontos bei der Postbank. Ab einem monatlichen Geldeingang von 3.000 Euro stellt das Institut den Kunden das Girokonto weiterhin kostenfrei zur Verfügung. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Banken mit größeren Geldbeträgen eigentlich Verluste machen, erscheint diese Strategie auf den ersten Blick etwas verwunderlich. Hintergrund ist aber vor allem, dass die Postbank, wie auch andere Banken, ein starkes Interesse daran hat, Kunden mit hohem Einkommen zu gewinnen bzw. zu halten. Dahinter steckt die Erwartung, dass sich mit diesen Kunden eine Reihe von weiteren Bankgeschäften abwickeln lassen. Angefangen von der Finanzierung von Wohneigentum über den Abschluss von Versicherungsdienstleistungen bis hin zur Altersvorsorge und Kapitalmarktanlage ergeben sich aus Sicht des Instituts zahlreiche lukrative Perspektiven.
Für die Kunden selber heißt es nun, genau abzuwägen, ob sie der Postbank weiter die Treue halten möchten bzw. sich als neuer Kunde für diese Bank entscheiden. Vorteil ist in jedem Fall ein breit gestaffeltes Filialnetz. Bankkunden, die weiter an einer soliden Beratung und einem persönlichen Kontakt interessiert sind, liegen bei der Postbank sicher weiterhin nicht falsch. Denn auch bei anderen Banken wird es den persönlichen Service ganz sicher nicht zum Nulltarif geben. Wer jedoch keine Gebühren bei der Führung seines Girokontos zahlen möchte, sollte sich bei einer der zahlreich vorhandenen Direktbanken umschauen.