• Donnerstag, 29. Januar 2026

Giro-News: Flatex führt Negativzins für alle ein

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Flatex NegativzinsenIm Prinzip passt der Schritt von Flatex in die Entwicklung, von der die Bankenbranche derzeit bestimmt wird. Denn mit der Einführung von negativen Zinsen für alle Kunden versucht auch dieser Online Broker nichts anderes, als die Kosten auf die Kunden abzuwälzen, die dem Institut selber für die Verwaltung von Bareinlagen entstehen. Darüber hinaus sehen viele Branchenbeobachter diesen Schritt aber auch als einen wichtigen Tabubruch an. Bisher mussten deutsche Kunden noch bei keiner Bank negative Zinsen auf Einlagen ab dem ersten Euro bezahlen. Hinzu kommt, dass es sich bei Flatex um einen Online Broker aus der Gruppe der Fintechs handelt, die sich mit ihrer günstigen Gebührenpolitik gerne von den etablierten Banken abgrenzen. Was der Schritt für die Kunden bedeutet und welche Reaktionsmöglichkeiten es gibt, zeigt der nun folgende Artikel.

Wofür und wieviel müssen die Kunden bei Flatex konkret zahlen?

Mit diesem Schritt hat der Online Broker Flatex in der Szene für einiges an Aufsehen gesorgt. Seit März werden für Einlagen auf dem Konto bei dem Online Broker negative Zinsen berechnet. Damit reagiert das Unternehmen auf die nun schon mehrere Jahre währende niedrige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ab dem ersten Euro müssen die Kunden für sämtliche Bareinlagen einen negativen Zins in Höhe von 0,4 Prozent je Jahr zahlen, was exakt dem Satz entspricht, der wiederum durch die EZB für kurzfristige verfügbare Einlagen berechnet wird. Damit ist der Online Broker, der ansonsten für ausgesprochen günstige Gebühren im Handel von Börsenprodukten bekannt ist, dazu übergegangen, die Kunden direkt an den Verwaltungskosten für Bareinlagen zu beteiligen. Hierzu ist allerdings zu sagen, dass es sich bei dem entsprechenden Konto nicht um ein Girokonto handelt, sondern lediglich um das Verrechnungskonto, über das die Börsentransaktionen abgewickelt werden.

Wer an einer Börse eine Aktie, einen ETF oder einen Investmentfonds kaufen möchte, muss zunächst Guthaben auf das entsprechende Verrechnungskonto überweisen. Die Kosten, die im Zuge des Kaufes entstehen, werden dann von diesem Verrechnungskonto abgebucht. Neben den Kosten für die Wertpapiere sind dies im Falle von Flatex relativ geringe Gebühren. Werden Aktien oder andere Produkte verkauft, so wird der entsprechende Betrag abzüglich der Gebühren dem Verrechnungskonto gutgeschrieben. Für die Zeit, in der das Geld auf diesem Verrechnungskonto liegt, werden die negativen Zinsen in Rechnung gestellt. Solange das Verrechnungsskonto nicht dazu genutzt wird, um Liquidität langfristig zu parken, halten sich die Zinskosten in sehr engen Grenzen. Liegt etwa ein Betrag von 20.000 Euro für etwa eine Woche auf dem Konto, zieht dies Zinskosten in Höhe von rund drei Euro nach sich. Je Tag entstehen also Kosten in Höhe von rund 20 Cent. Wird das Geld dagegen über das komplette Jahr auf dem Konto von Flatex geparkt, muss der Inhaber mit Zinskosten in Höhe von 80 Euro rechnen. Mit den Zinsen will Flatex also vor allem verhindern, dass dieses Konto als Auffangbecken für nicht genutzte Liquidität genutzt wird. Solang also das Geld in Aktien investiert wird, oder es schnell vom Konto abgezogen wird, muss im Prinzip mit keinen wesentlichen Kosten gerechnet werden.

Der Schritt ist typisch für die Gesamtbranche aber nicht für Direktbanken

Auch wenn die Zinskosten bei einer entsprechenden Nutzung kaum ins Gewicht fallen, stellt der Schritt der Flatex eine gewisse Besonderheit dar. Darüber hinaus kann aber konstatiert werden, dass es sich um eine Anpassung der Geschäftsbedingungen handelt, die im Einklang mit der Branche steht. Diese etwas widersprüchliche Bewertung hängt damit zusammen, dass es sich bei Flatex um ein modernes Fintech handelt, das gerne für sich in Anspruch nimmt, gegen den Strom zu schwimmen. Grundsätzlich versuchen aktuell die allermeisten Institute, durch neue Gebührenmodelle zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Neben Kontoführungsgebühren, Gebühren für Bargeldverfügungen oder auch Gebühren für Transaktionen rund um die Kontoführung sind einige wenige Banken auch dazu übergegangen, negative Zinsen zu erheben. Allerdings galt dieser Schritt ausschließlich für größere Vermögen ab mindestens 100.000 Euro. Somit waren sogenannte Kleinsparer bisher noch nicht von negativen Zinsen betroffen. Bei dem Verrechnungskonto von Flatex ist dies zwar prinzipiell der Fall. Bei Lichte betrachtet muss aber dem Institut zu Gute gehalten werden, dass es nahezu vollständig den Kunden überlassen wird, ob Kosten entstehen oder nicht. Bei vielen Banken, die etwa eine Grundgebühr einführen oder diese erhöhen, besteht diese Wahlmöglichkeit nicht.

Verantwortlich ist auch hier die EZB

Identisch sind allerdings die Begründungen, die für die Einführung von negativen Zinsen oder Gebühren ins Feld geführt werden. Alle Institute richten ihren Finger dabei auf die EZB. Diese hat den Einlagezins für die Geschäftsbanken in den negativen Bereich gesenkt. Dies hat zur Folge, dass den Banken ihrerseits kontinuierlich Kosten für überschüssige Liquidität entstehen. Dies hat unter den Banken zu einer Art Negativwettlauf geführt, bei dem sich die Institute dagegen zu schützen versuchen, mit dem Geld der Kunden quasi überschüttet zu werden. Denn mit jeder Bank, die negative Zinsen einführt, suchen die betroffenen Kontoinhaber nach verbleibenden Kontomodellen, wo noch keine Gebühren oder negative Zinsen fällig werden. Offenbar kann hier auch ein wichtiger Grund dafür gesehen werden, warum Flatex diesen Schritt gegangen ist. Auch wenn unklar ist, ob einige Kunden bereits von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, liegt es durchaus nahe, ein Verrechnungskonto bei einem Online Broker als günstige Parkgelegenheit für gerade nicht benötigtes Geld zu nutzen. Immerhin gilt hier die solide deutsche Einlagensicherung bis mindestens 100.000 Euro.

Wie können die Kunden reagieren?

Für Kunden, die ein Depot bei Flatex haben und dieses für die Verwaltung ihrer Wertpapiere nutzen, dabei aber keinerlei Guthaben auf dem Verrechnungsskonto haben, hat dieser Schritt keinerlei Konsequenzen. Doch es gibt durchaus Fälle, in denen der neue negative Zins zu Nachteilen führen kann. So gibt es eine Reihe von Anlegern, die größere Beträge auf ihrem Flatex-Verrechnungsskonto vorhalten, um etwa auf eine günstige Gelegenheit für den Einstieg zu warten. Wird das Geld hierfür auf einem separaten Girokonto gehalten, kann aber nicht unmittelbar investiert werden. Denn bis das Guthaben vom Girokonto auf das Verrechnungsskonto überwiesen wurde, dauert es in der Regel mindestens zwei bis drei Werktage. Und auch kurzfristig orientierte Anleger, die mehrfach in kurzer Zeit Aktien kaufen und wieder verkaufen, sind auf eine verfügbare Liquidität auf dem Verrechnungskonto angewiesen. Die zusätzlichen Kosten durch die negativen Zinsen müssen dabei wohl einfach einkalkuliert werden. Gerade vor dem Hintergrund der ansonsten sehr günstigen Gebühren für den Handel dürfte sich diese Strategie aber im Vergleich mit anderen Brokern langfristig durchaus rechnen.

Grundsätzlich soll wohl mit den negativen Zinsen für Einlagen auf dem Verrechnungsskonto auch bewirkt werden, dass die Kunden ihr Geld in den Kapitalmarkt investieren und nicht auf dem Konto liegenlassen. Für langfristig ausgerichtete Kunden ist vor allem ein möglichst vorausschauendes und koordiniertes Handeln wichtig. Soll in ein Produkt investiert werden, sollte das Geld rechtzeitig auf das Verrechnungskonto überwiesen werden. Anders herum ist es einfach nur notwendig, Erträge aus entsprechenden Verkäufen so schnell wie möglich vom Verrechnungsskonto abzuziehen. Als weitere Möglichkeit können die Kunden auch alternative Kapitalmarktprodukte nutzen, um ihre Liquidität möglichst flexibel zwischenzuparken. Hierfür kommen etwa Geldmarktfonds oder solide Anleiheprodukte in Frage. Allerdings lohnt sich eine solche Strategie erst, wenn höhere Beträge investiert werden, da ansonsten die Gebühren für Kauf und Verkauf unverhältnismäßig stark zu Buche schlagen.

Fazit – Die Kunden haben es in der Hand

Der Schritt des Online Brokers Flatex, negative Gebühren für private Anleger ab dem ersten Euro einzuführen, hat für einiges an Aufsehen gesorgt. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass dieser Schritt sowohl im Einklang mit der allgemeinen Branchenentwicklung steht und darüber hinaus auch den Kunden gegenüber durchaus als fair bewertet werden kann. Zunächst ist auch Flatex dazu gezwungen, die eigene Kostenstruktur im Blick zu behalten. Entsprechende Kosten, die für die Verwaltung von Bargeld in Form von negativen Einlagezinsen bei der EZB entstehen und dann an die Kunden weitergegeben werden, sind im Sinne einer soliden Betriebsführung nur folgerichtig. Fair für die Kunden ist dieser Schritt aber vor allem deshalb, weil diese die Chance haben, diesen negativen Zinsen ohne Probleme zu entgehen. So betreffen die negativen Zinsen lediglich das Verrechnungsskonto, welches bei Kauf und Verkauf von Börsenprodukten nur kurzfristig genutzt werden muss. Insbesondere für langfristig orientierte Anleger ändert sich im Prinzip also überhaupt nichts. Kurzfristig orientierte Anleger sollten darauf achten, dass ihr Geld nicht allzu lange auf dem Verrechnungskonto liegt.

Für überschüssige Liquidität müssen die Anleger außerdem nicht zwangsläufig Kapitalmarktprodukte nutzen, sondern finden auch bei einigen Direktbanken nach wie vor interessante Angebote. Neben kostenlosen Girokonten, die immer noch am Markt verfügbar sind, locken diese Banken auch mit moderaten Zinsen für Tagesgeld. Ein Beispiel hierfür ist die deutsche Kreditbank (DKB). Mit ihrem Girokonto, welches unter dem Namen DKB Cash vertrieben wird, bietet das Institut den Kunden ein vollständig kostenloses Produkt an, zu dem sogar noch eine Kreditkarte gehört. Dabei ist es nicht notwendig, dass Bedingungen an einen regelmäßigen Gehaltseingang erfüllt werden. Gehen allerdings in Summe mehr als 700 Euro auf dem Konto monatlich ein, kann von zusätzlichen Leistungen profitiert werden. Hierzu gehört derzeit auch ein höherer Einlagezins fürs Tagesgeld. Ein kostenloses Girokonto bietet zudem die comdirect. Auch hier müssen keine Bedingungen an einen regelmäßigen Geldeingang erfüllt sein. Mit der Kreditkarte ist zudem ein kostenloser Zugang zu Bargeld gegeben. Ein weiteres Institut, welches ein kostenloses Girokonto im Programm hat, ist die ING DiBa. Auch hier können die Kunden über das dazugehörige Tagesgeldkonto von positiven Zinsen profitieren. Allerdings wird dieses Girokonto nur vergeben, wenn ein regelmäßiges Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung auf dem Konto eingeht. Bei allen genannten Banken handelt es sich um Direktbanken, d.h., es werden keine Filialen betrieben und die Konten werden ausschließlich online geführt.

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