Wird aktuell in den Medien über Banken berichtet, dann geht es sehr häufig um neue, höhere Gebühren. Lange Zeit konnten sich die Bankkunden in Deutschland darauf verlassen, dass ihr Girokonto zu vergleichsweise günstigen Konditionen zur Verfügung stand und dass es auch dabei blieb. Doch seit etwa zwei Jahren kündigt ein Institut nach dem anderen an, die Gebühren für die Führung des Girokontos zu erhöhen. Auch andere Leistungen rund um das Girokonto werden zunehmend mit zusätzlichen Kosten belegt. Dabei ist längst noch nicht geklärt, ob diese Gebührenerhöhungen im Einklang mit den Gesetzen stehen. Verschiedene Verbraucherzentralen haben Klage eingereicht und das letzte Wort ist hier noch lange nicht gesprochen. Doch für den Bankkunden, der von einer entsprechenden Maßnahme seines Instituts betroffen ist, nützt dies zunächst wenig. Doch auch er ist bei weitem nicht machtlos. Ein Wechsel zu einem günstigeren Institut ist einfacher als viele denken. Im Wesentlichen wird der Umzug zu einem anderen Konto sogar vollständig automatisch und darüber hinaus kostenlos abgewickelt. Doch nur jeder fünfte Bankkunde weiß über diese Möglichkeit überhaupt Bescheid.
Hohe Gebühren und mäßiger Service – das muss nicht sein!
Ein Girokonto gehört für ein normales Leben heute ganz selbstverständlich dazu. Lange Zeit konnten die Kunden auch davon ausgehen, dass ein Girokonto zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung stand. Doch mittlerweile mussten viele Inhaber von Girokonten eine andere Erfahrung machen. Ohne dass sich die Serviceleistungen rund um das Girokonto wesentlich verbessert hätten, wurden Erhöhungen der Gebühren angekündigt. So waren es viele Kunden bisher gewöhnt, im Rahmen der Kontoführung bei ihrer Hausbank auch persönliche Beratung in Anspruch nehmen zu können. Das Kalkül der Bank lag darin, dass über den Vertrieb hauseigener Produkte trotzdem genug Gewinn erwirtschaftet werden konnte. Außerdem stellte auch das Kreditgeschäft eine stabile Einnahmequelle dar. Das Girokonto konnte so seitens der Banken faktisch unter Wert angeboten werden. Doch diese Zeiten scheinen sich mittlerweile dem Ende zuzuneigen. Viele Banken sind in den letzten Jahren den logischen Schritt gegangen und haben ihre Angebotsstruktur neu geordnet. Herausgekommen ist in vielen Fällen ein Programm nach folgendem Muster: zunächst gibt es ein einfaches Basiskonto, welches zu einem vergleichsweise günstigen Preis angeboten wird, welches jedoch keinerlei zusätzliche Leistungen bietet. Mitunter sind dabei auch einzelne Leistungen, wie die Einrichtung von Daueraufträgen und deren Löschung oder auch jede einzelne Buchung mit separaten Gebühren belegt. Wirklich lohnenswert waren solche Modelle nur dann, wenn das Konto nur sehr selten genutzt wurde. Bei intensiver Nutzung summierten sich die Beiträge schnell zu stattlichen Posten. Dem gegenüber standen Kontomodelle, die etwas mehr Service in der Filiale bieten sollen. Hier haben die Kunden etwa die Möglichkeit, am Schalter um Rat zu fragen und sich bei einzelnen Transaktionen unterstützen zu lassen. Hierfür berechneten die Banken von nun an aber deutlich höhere Gebühren, die im Monat schon einmal bei über zehn Euro liegen können.
Wechselbereitschaft der Deutschen trotz hoher Gebühren gering
Die Welle von Gebührenerhöhungen kann auch deshalb so reibungslos rollen, weil die Kunden ganz offenbar in der Mehrzahl mitspielen. Denn die Zahlen der Wechsel zu einem günstigeren Konto zeigen, dass nur sehr wenige Kunden diesen finalen Schritt wirklich gehen. Gerade einmal zwei Prozent aller Bankkunden sind laut einer Umfrage innerhalb des letzten Jahres mit ihrer Hauptbankverbindung umgezogen. Die Banken können sich bei einer Gebührenerhöhung im Prinzip darauf verlassen, dass der größte Teil der Kunden bei der Stange bleibt. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich und wohl auch noch nicht vollständig erforscht. In vielen Fällen sind die Kunden aber nach wie vor im Großen und Ganzen mit ihrer Bank zufrieden. Das mag zum Teil auch an der persönlichen Beziehung zwischen Kunde und Berater liegen. Ein wichtiger Grund für die fehlende Wechselbereitschaft dürfte aber auch ganz einfach in der Unwissenheit vieler Kunden liegen. Der Wechsel der Kontoverbindung wird von vielen als schwieriger und langwieriger bürokratischer Prozess angesehen, bei dem kleine Fehler zu viel Ungemach führen können. Bis vor einigen Jahren war diese Vermutung durchaus richtig, doch mittlerweile hat sich auch hier einiges geändert. Auch der Gesetzgeber hat dazu beigetragen, dass der Wechsel der Kontoverbindung mittlerweile sehr einfach ist und in wenigen Wochen über die Bühne gebracht werden kann.
Banken sind gesetzlich zur Unterstützung beim Kontowechsel verpflichtet
Ein gewisser Vorteil aus Sicht der Banken war es lange Zeit, dass der Wechsel zu einem anderen Institut für die Kunden mit gewissen Hürden verbunden war. Gerade wenn das Konto seit vielen Jahren genutzt wurde, war mit dem Wechsel ein Aufwand verbunden, der eine mögliche Kostenersparnis kaum gerechtfertigt hätte. So müssen alle Zahlungspartner von der neuen Kontoverbindung unterrichtet werden. Neben dem Arbeitgeber, dem Fitnessstudio oder etwa der Rentenkasse gehören hierzu auch Finanzamt oder andere Behörden, die regelmäßig Geld vom Konto abbuchen. Fehler oder Versäumnisse bei der Übermittlung der neuen Kontoverbindung konnten schnell dazu führen, dass teure Stornierungsgebühren fällig wurden. Doch seit einigen Jahren bieten viele Banken ihre direkte Unterstützung an, wenn es darum geht, den Wechsel zu einem neuen Girokonto zu erleichtern. Federführend waren hier die jungen Direktbanken, die mit kostengünstigen oder sogar kostenlosen Kontomodellen um neue Kunden warben. In Kooperation mit sogenannten Fintechs konnten diese Institute ihren Neukunden einen vollwertigen Wechselservice anbieten. Voraussetzung war dabei natürlich, dass auch die bisherigen Hausbanken der Kunden mitspielten. Und weil dabei mitunter die alten Institute versuchten, den Wechselprozess zu behindern, um den Kundenschwund in Grenzen zu halten, etwa indem Informationen zum Konto und den Zahlungspartnern nicht herausgegeben wurden. Im letzten Jahr hat nun der Gesetzgeber die Banken verpflichtet, die Kunden bei einem Wechsel aktiv zu unterstützen. Seitdem brauchen bei einem Kontowechsel keine Schwierigkeiten mehr erwartet werden.
So funktioniert der Wechsel zum günstigen Bankkonto
Konkret wird der neue Kunde bei einem Kontowechsel gefragt, ob er den Kontowechselservice nutzen will. Denn dafür ist es notwendig, dass sich ein Programm in das bisherige Online Konto einloggt. Hierfür müssen die Zugangsdaten für das Online Banking angegeben werden. Alle Kontodaten, also die Verbindungen von Zahlungspartnern, aber auch Lastschriften und Daueraufträge werden dann automatisch ausgelesen. Der Kunde kann dann in einer Übersicht entscheiden, welche Kontoverbindungen einfach übernommen werden sollen bzw. welche Zahlungspartner über die neue Kontoverbindung schriftlich informiert werden sollen. Die Umstellung und die Information der Zahlungspartner werden dann durch den Wechselservice übernommen. Das gleiche gilt für die Kündigung des alten Girokontos. Der Zeitpunkt für die Kündigung kann dabei vom Kunden selber festgelegt werden. Es ist dabei zu empfehlen, das alte Konto und das neue Konto einige Wochen parallel laufen zu lassen, um etwa fehlgeschlagene Abbuchungen zu vermeiden. Auch wenn Zahlungspartner rechtzeitig informiert werden, erfolgt die Umstellung nicht immer unmittelbar. Wann das Konto konkret aufgelöst wird, hängt natürlich auch von der Kündigungsfrist ab. Am Ende erfolgt dann der Übertrag des alten Saldos auf das neue Konto. Der Aufwand für die Umstellung des Kontos lässt sich in weniger als einer halben Stunde bewältigen. Der Wechsel selber sollte sich in ein bis zwei Monaten komplett erledigen lassen.
Der Wechselservice, der mittlerweile von sehr vielen Direktbanken aber auch von verschiedenen klassischen Banken angeboten wird, kostet die wechselwilligen Kunden keinen Cent. Aus dieser Sicht spricht also wenig dagegen, mit dem Wechsel des Girokontos lange zu zögern, wenn die Gebühren erhöht wurden. Denn mit einem Wechsel zu einem günstigen oder gar kostenlosen Girokonto kann eine ganze Menge Geld gespart werden. Die Kosten für ein durchschnittliches Girokonto summieren sich mittlerweile auf durchschnittlich 70 bis 90 Euro im Jahr. Allerdings sollten die Kunden auch auf einige andere Aspekte achten, als nur auf die Gebühren für die Kontoführung. Wichtig ist etwa, dass auch für andere Dienstleistungen, also etwa Versand von Kontoauszügen oder Einrichtung von Daueraufträgen keine Gebühren fällig werden. Außerdem sollte ein kostengünstiger oder am besten kostenloser Zugang zu Bargeld möglich sein. Gerade bei Direktbanken kann es durchaus vorkommen, dass im Wohnumfeld des Kunden keine entsprechenden Geldautomaten zur Verfügung stehen. In einem solchen Fall sollte geprüft werden, ob Alternativen möglich sind. Diese können etwa in einer kostenlosen Kreditkarte bestehen. Auch das Geldabheben an der Supermarktkasse oder an der Tankstelle gewinnen zunehmend an Verbreitung.
Fazit – Aufwand für Kontowechsel stellt keine Hürde dar
Viele Banken sind in den letzten Monaten den Schritt gegangen und haben Gebühren rund um die Nutzung des Girokontos erhöht. Als Begründung wurde immer wieder auf die niedrigen Zinsen bei der EZB verwiesen. Die Gründe liegen aber teilweise auch in einer ungünstigen Kostenstruktur und einer verfehlten Produktpolitik der Banken. Dass es nach wie vor möglich ist, ein Girokonto günstig oder gar kostenlos anzubieten, zeigen viele Direktbanken. Hier wird die Kontoführung ausschließlich online vom Kunden selber erledigt. Filialen stehen nur in sehr kleiner Zahl oder überhaupt nicht zur Verfügung. Die Kunden sind dem Treiben der Banken also keineswegs schutzlos ausgeliefert, da sie jederzeit zu einem günstigeren Modell wechseln können. Umso einfacher ist dies, da mit einem Wechselservice der Aufwand sehr geringen bleibt. Leider wissen nur die wenigsten Kunden von dieser Möglichkeit. Zu den kostenlosen Girokonten, die auch einen vollwertigen und kostenlosen Wechselservice anbieten, gehören etwa die Angebote der DKB sowie der Comdirect. Beide Konten werden ohne Bedingungen an einen regelmäßigen Geldeingang angeboten. Zum Leistungsspektrum gehört außerdem eine Kreditkarte, mit der im Inland aber auch im Ausland Bargeld abgehoben werden bzw. bargeldlos bezahlt werden kann. Wer als Kunde der DKB monatlich über einen Geldeingang von mindestens 700 Euro verweisen kann, erhält zudem den Status Aktivkunde, was mit weiteren Vergünstigungen verbunden ist. Ein kostenloses Girokonto bietet außerdem die 1822direkt, die Direktbanktochter der Frankfurter Sparkasse. Hier gibt es zwar nicht automatisch eine Kreditkarte, jedoch kann mit der Bankkarte an allen Sparkassenautomaten in Deutschland kostenlos Bargeld abgehoben werden.