Wer in den letzten Monaten die Meldungen in den Medien zum Thema Girokonto verfolgt hat, konnte sich in aller Regel auf den immer wieder gleichen Inhalt einstellen. Die Kosten der Banken steigen, während die Einnahmen auf Grund der niedrigen EZB Leitzinsen zurückgehen, so dass die Gebühren für das Girokonto erhöht werden bzw. kostenlose Kontoangebote aus dem Programm genommen werden. Im Endeffekt musste man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass kostenlose Girokonten, wie sie vor noch nicht allzu langer Zeit fast schon die Regel statt der Ausnahme zu sein schienen, mittlerweile zu einer aussterbenden Spezies gehören. Doch Verbraucherzentralen haben sich zuletzt die Mühe gemacht, nach Exemplaren dieser seltenen Art einmal Ausschau zu halten. Und dabei sind sie durchaus fündig geworden. Immerhin noch 23 Angebote sind auf dem deutschen Markt verfügbar, bei denen im Rahmen der Kontoführung konsequent auf die Erhebung von Gebühren verzichtet wird. Wir zeigen, welche Institute unter diesen Anbietern sind und warum auch ein Vergleich zwischen prinzipiell kostenlosen Girokonten lohnen kann.
Es gibt immer noch eine Auswahl bei den kostenlosen Girokonten
Es ist ein schleichender Prozess. Vor rund zehn Jahren gab es bei fast jeder Bank zumindest ein Girokonto, welches vollständig kostenlos war, oder wo zumindest nur eine sehr geringe Jahresgebühr zu entrichten war. Um am normalen Zahlungsverkehr teilnehmen zu können, waren also, wenn überhaupt, kaum Ausgaben von über 15 Euro im Jahr nötig. Als erstes wurden dann die sogenannten beleghaften Überweisungen mit zusätzlichen Kosten belegt. Wer also mit einem echten Überweisungsträger seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen wollte, konnte mit Kosten im Bereich von ein bis zwei Euro rechnen. Damit sollten die Kunden dazu bewegt werden, sich stärker für das kostenlose Online Banking zu interessieren. Dabei handelt es sich um Online Konten, bei denen Beratung und Unterstützung am Schalter nicht vorgesehen sind. Diese entwickelten sich dann zu den Kontomodellen, die nach wie vor kostenlos blieben. Klassische Girokonten wurden Schritt für Schritt in sogenannte Premiumkonten umgewandelt, für die die Banken dann aber kräftig zur Kasse baten. Und seit spätestens zwei Jahren geht es nun auch Schritt für Schritt den bislang kostenlosen Online Konten an den Kragen.
Eine Bank nach der anderen nimmt das entsprechende Angebot aus dem Programm. Zwar ist es aus Sicht der Bank immer noch am besten, wenn die Kunden ihre Bankgeschäfte online vom eigenen Rechner aus erledigen. Kostenlos ist dies in vielen Fällen allerdings schon lange nicht mehr. Angefangen von einzelnen Überweisungen, über das Abheben von Bargeld bis hin zum Versand von Kontoauszügen wurden die unterschiedlichsten Dienstleistungen mit Gebühren versehen, die sich in Summe zu stattlichen Beträgen auftürmen. In vielen Fällen wurde auch gleich eine regelmäßige Gebühr für die Kontoführung eingeführt. Für die Kunden blieb häufig nur die Wahl, entweder die Kosten zu akzeptieren oder zu einer anderen Bank zu wechseln. Genau vor diesem Schritt sind aber viele Kunden lange zurückgeschreckt, da sie Probleme und einen hohen bürokratischen Aufwand fürchteten. Zu Unrecht, wie wir in den nächsten Abschnitten noch zeigen werden.
Kostenlos ist nicht immer gleich kostenlos
Auf jeden Fall gibt es noch ausreichend Auswahl, wenn es darum geht, ein kostenloses Girokonto zu eröffnen. Insgesamt haben die Verbraucherzentralen 23 Institute bzw. Kontomodelle identifizieren können, die als kostenlos ohne Wenn und Aber bezeichnet werden können. Dies heißt aber nicht, dass es keine Unterschiede zwischen diesen Modellen gibt. Die wichtigsten Modelle und Kostenfaktoren möchten wir nun vorstellen.
Vergeblich werden die Kunden unter den Anbietern kostenloser Girokonten bekannte Institute wie Sparkasse oder Deutsche Bank finden. Doch letztendlich sind auch diese mit Tochterunternehmen durchaus vertreten. Denn ganz und gar können sich auch die etablierten Institute dem Drang vieler Kunden zu günstigen Kontomodellen nicht entziehen. Hierzu gehört etwa die 1822direkt, die zur Frankfurter Sparkasse gehört. Auch die Noris Bank, die ebenfalls ein kostenloses Girokonto anbietet, hat mit der Deutschen Bank eine bekannte Mutter. Das gleiche gilt für die Comdirect, bei der es sich um eine Tochter der Commerzbank handelt. Unter den Instituten mit kostenlosen Girokonten sind aber auch zahlreiche ausländische Banken, wie etwa die spanische Santander, welche gleich mit zwei Modellen vertreten ist. Neben der PSD Niederbayern – Niederpfalz und der Sparda Hessen handelt es sich dabei sogar um echte Filialbanken. Auch wenn das Netz an Niederlassungen nicht annähernd so dicht ist, wie etwa bei Sparkasse, Deutsche Bank und Co, bietet sich Kunden, die auch einen persönlichen Kontakt zu einem Mitarbeiter der Bank wünschen, durchaus die Möglichkeit, auch dies mit einem kostenlosen Girokonto in Einklang zu bringen. Weitere Banken, die ein kostenloses Girokonto anbieten, sind etwa die DKB, der Internetpionier N26, die Consorsbank oder die Edeka Bank. Auch die Bankabteilung der Bausparkasse wüstenrot ist mit einem kostenlosen Girokonto am Start.
Vor dieser Auswahl bleibt also für Bankkunden, die keine Gebühren zahlen wollen, nur die Frage, für welches dieser Institute sie sich entscheiden. Und hier gibt es durchaus noch einige Dinge zu beachten. Ganz oben steht dabei die Frage, ob und wie der Zugang zu Bargeld gewährleistet ist. Hier gibt es unterschiedliche Ansätze der Anbieter. So können etwa Tochterunternehmen von größeren Banken auch auf das entsprechende Automatennetz zurückgreifen. Kunden, die ein Girokonto bei der Deutsche Bank Tochter Norisbank eröffnet haben, können etwa bei allen Automaten der Mutterfirma sowie des dazugehörigen Verbundes kostenlos abheben. Das gleiche gilt für Kunden der 1822direkt, die auf das Automatennetzwerk der Sparkasse zurückgreifen können. Andere statten das Girokonto gleich mit einer Kreditkarte aus. Auch diese Kreditkarte ist dann vollständig kostenlos und berechtigt an fast allen Automaten in Deutschland zum gebührenfreien Geldabheben. Auch für Aufenthalte im Ausland sind die Inhaber solcher Kreditkarten bestens vorbereitet, auch wenn dies nicht immer kostenlos ist. Im Falle der DKB werden aber zum Beispiel eventuell entstehende Gebühren für das Geldabheben im Ausland komplett ersetzt. Voraussetzung ist in diesem Fall aber, dass man den Status eines „Aktiv-Kunden“ innehat, das heißt, mindestens 700 Euro je Monat auf dem Konto eingehen. Doch auch ohne Geldeingang kann das Girokonto bei der DKB prinzipiell kostenlos genutzt werden. Und genau hier liegt ein wichtiges Unterscheidungskriterium. Denn einige Banken, wie etwa die ING-DiBa machen einen regelmäßigen Gehaltseingang zur zwingenden Voraussetzung für ein kostenloses Girokonto. Doch wie leicht ist es nun, zu einem solch kostenlosen Girokonto zu wechseln?
Wechsel stellt heute keinen nennenswerten Aufwand mehr dar
Fast alle Bankkunden werden diese Situation kennen: nichts ahnend wird ein Brief der Hausbank geöffnet. Schnell zeigt sich, dass die Bank nicht nur ihr Angebot umstrukturiert hat und darüber informieren möchte, sondern vor allem, dass das bisherige günstige oder kostenlose Konto leider aus dem Programm genommen wird. Nicht selten gipfelt ein solches Schreiben der Bank in der Behauptung, dass dieses Konto nicht mehr dem Nutzungsverhalten der Kunden entspricht. Tatsächlich entspricht es wohl nicht mehr den Anforderungen der jeweiligen Bank, die dringend auf neue Einnahmequellen angewiesen ist. In jedem Fall sollte ein solcher Schritt zum Anlass genommen werden, auf die Suche nach einem neuen, günstigeren Angebot im Bereich Girokonto zu gehen. Und wie wir gerade gezeigt haben, gibt es dabei durchaus noch eine beachtliche Auswahl. Nicht wenige Banken übernehmen für ihre neuen Kunden dabei auch den kompletten Aufwand, der für den Wechsel erforderlich ist. Denn gerade dann, wenn das bisherige Girokonto bereits längere Zeit besteht, laufen nicht selten mehr als 20 Daueraufträge und Lastschriftmandate über dieses Konto. Vor dem Aufwand, dies alles von Hand umzustellen und dabei möglicherweise Fehler zu begehen, schrecken viele Bankkunden zurück und bleiben lieber bei der bisherigen teureren Variante. Doch tatsächlich dauert es im Idealfall nicht viel länger als 10 bis 20 Minuten, bis der Wechsel organisatorisch in die Wege geleitet ist. Viele Direktbanken arbeiten mit Dienstleistern zusammen, die den Wechsel auf Wunsch mehr oder weniger automatisch abwickeln. Daueraufträge werden dabei einfach übernommen, genauso wie Überweisungsvorlagen. Bisherige Zahlungspartner, die per Lastschrift das Geld eingezogen haben, werden zudem per Post und für den Kontoinhaber vollständig kostenfrei über die neue Kontoverbindung informiert. In vielen Fällen muss dann lediglich noch ein neues Lastschriftmandat erteilt werden, wobei die Kunden noch einmal separat dazu aufgefordert werden. Es spricht also prinzipiell wenig dagegen, sich aktiv auf die Suche nach einem günstigen bzw. kostenlosen Girokonto zu machen.
Fazit – Gutes Banking muss nicht teuer sein
Unter den zahlreichen Banken, die in Deutschland ihre Dienste für private Kunden anbieten, ist der Trend zum gebührenpflichtigen Konto unübersehbar. Während noch vor einigen Jahren ein kostenloses Girokonto zum Standardrepertoire vieler Banken gezählt werden konnte, hat sich dieses Bild mittlerweile komplett geändert. Fast alle Institute haben nicht nur ihr kostenloses Girokonto aus dem Programm genommen, sondern auch für die übrigen Kontomodelle die Gebühren teilweise kräftig erhöht. Bis zu achtzig Euro und mehr werden nun in Summe je Jahr fällig. Die Verbraucherzentralen nennen dagegen einen Wert im Bereich zwischen 60 und 70 Euro als gerade noch vertretbar.
Doch es geht auch noch deutlich günstiger. Auch dies haben die Verbraucherzentralen zuletzt deutlich gezeigt, in dem sie sich nämlich auf die Suche nach Girokontomodellen gemacht haben, die weiterhin als konsequent kostenlos bezeichnet werden können. Immerhin 23 solcher Kontomodelle gibt es aktuell am deutschen Markt. Doch auch hier gibt es einige Unterschiede. Besonders attraktiv ist etwa das Modell des Girokontos der DKB. Auch die DKB hat einige wenige Filialen mit Schwerpunkt in Ostdeutschland, so dass in den entsprechenden Städten die DKB auch als klassische Filialbank genutzt werden kann. Das Konto ist auch dann konsequent kostenlos, wenn keine regelmäßigen Geldeingänge zu verzeichnen sind. Dies gilt auch für die Kreditkarte von VISA, die in jedem Fall dazugehört. Allerdings müssen Kunden, die nicht den Aktiv-Status haben, auf einige Sonderleistungen verzichten. Anders sieht es bei dem Girokonto der ING-Diba aus. Auch hier sind alle Leistungen rund um das Girokonto kostenlos, inklusive Kreditkarte, so dass auch der Bargeldzugang im In- und Ausland gewährleistet ist. Allerdings ist die Vergabe des Kontos an ein regelmäßiges Einkommen gebunden.