• Freitag, 30. Januar 2026

Giro-News: Kurioser Fall: Iraner wird Kontoeröffnung verweigert

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Eigentlich sind die Banken in Deutschland über jeden neuen Kunden froh. Denn seit jeher herrscht ein reger Wettbewerb in der Bankenbranche, der durch die Gebührenwelle in den letzten Jahren noch einmal an Dynamik gewonnen hat. Umso überraschender ist es, dass es einige Kunden offensichtlich besonders schwer haben, bei einer Bank als Kunde unterzukommen und ein einfaches Girokonto zu eröffnen. So geschehen im Fall eines Iraners. Diesem wurde die Eröffnung eines Girokontos verweigert. Als Begründung musste das Wirtschaftsembargo gegenüber dem Iran herhalten. Dieses ist allerdings schon seit einiger Zeit aufgehoben. Doch dieser Vorgang ist offensichtlich längst kein Einzelfall, wie etwa der Verein für Flüchtlingshilfe zu berichten weiß.

Kein Konto aus „geschäftspolitischen Gründen“

Der Fall, der sich kürzlich in einer Filiale der Commerzbank in München abspielte, klingt schon reichlich kurios. Ein iranischer Staatsbürger, der außerdem über einen amerikanischen Pass verfügt, und der seit rund vier Jahren in Deutschland lebt, wollte ein einfaches Girokonto eröffnen. Die erforderlichen Unterlagen, also ein persönliches Dokument nebst gültigem Aufenthaltstitel konnte er vorlegen. Trotzdem wurde ihm der Wunsch nach einem Girokonto verweigert. Vom Mitarbeiter selber musste der 27-jährige iranische Staatsbürger erfahren, dass seinem Wunsch leider nicht entsprochen werden könne. Dies sei in diesem Haus leider nicht möglich, so die Begründung im Original. Doch der Iraner gab sich nicht mit dieser Absage zufrieden, sondern wendete sich an einen Verein für Flüchtlingshilfe. Dieser wiederum machte den Vorgang öffentlich und wendete sich direkt an das Kreditinstitut. Von dort war dann zu hören, dass geschäftspolitische Gründe dagegensprechen, einem iranischen Staatsbürger den Wunsch nach einem Girokonto zu erfüllen. Über die genauen Hintergründe kann also nur spekuliert werden. Es wird aber vermutet, dass die lange Zeit gültigen internationalen Sanktionen gegen den Iran dahinterstecken könnten. Das Land stand bis vor kurzem auf einer internationalen Embargoliste. Für die Unternehmen bedeutete dies, dass sie keinerlei Geschäfte mit diesem Staat und seinen Staatsbürgern unterhalten duften.

Für Bürger im Ausland hatte dies zum Teil gravierende Folgen. Unter anderem wurden ihnen die Eröffnung und die Führung eines eigenen Girokontos verweigert. Besonders kurios ist dieser Fall aber deshalb, weil das Embargo seit einiger Zeit Aufgehoben wurde. Offenbar sind hiervon aber längst nicht alle Mitarbeiter in Kenntnis gesetzt worden. Dies liegt sicher auch daran, dass es vergleichsweise selten vorkommt, dass ein iranischer Staatsbürger ein Konto eröffnen möchte. Fakt ist aber, dass rein gesetzlich nichts dagegenspricht, einem iranischen Staatsbürger ein Girokonto zur Verfügung zu stellen. Offenbar sind aber die Institute in Deutschland und ihre Mitarbeiter nach wie vor unsicher und wollen es tunlichst vermeiden, Fehler zu begehen. Für den Iraner, der in München als Webdesigner arbeitet, ist dies mehr als ärgerlich. Denn ohne ein eigenes Konto ist es nahezu unmöglich, ein normales Leben zu führen. Allerdings muss die Ablehnung bei einer Bank noch lange nicht heißen, dass ihm auch bei jeder anderen Bank in Deutschland die Eröffnung eines Kontos verweigert wird. Dass der hier geschilderte Fall durchaus von einiger Relevanz ist, zeigen die Zahlen, die die Flüchtlingshilfe vorgelegt hat. Zu Zeiten, als das Embargo noch Bestand hatte, wurden etwa viertausend bis fünftausend Fälle bekannt, bei denen die Eröffnung eines Kontos verweigert wurde. Aktuell sind es immer noch 50 bis 60 Fälle jedes Jahr. Für die Betroffenen bedeutet dies zumeist einen deutlich erhöhten Aufwand. Auf ein Konto verzichten müssen sie allerdings nicht. Denn es gibt durchaus Alternativen.

Welche Alternativen gibt es für Kunden aus dem Iran?

Wenn einem iranischen Staatsbürger die Eröffnung eines Kontos verweigert wird, muss dies nicht bedeuten, dass er in Deutschland dauerhaft ohne Girokonto bleiben muss. Zunächst besteht natürlich jederzeit die Möglichkeit, es bei einer anderen Bank zu versuchen. Bei mehr als 2.000 Instituten in Deutschland sollte sich auf jeden Fall ein Anbieter finden. Darüber hinaus kann aber auch versucht werden, auf die entsprechende Bank einzuwirken. Immerhin hat es sich auch in dem hier dargestellten Fall um eine Fehlinformation seitens der Mitarbeiter gehandelt. Betroffene sollten sich also an einen entsprechenden Verein, wie etwa die Flüchtlingshilfe oder auch an eine Verbraucherzentrale wenden. Im Zweifelsfall kann die Eröffnung eines Girokontos auch auf dem Rechtsweg durchgesetzt werden. Denn laut Gesetz steht in Deutschland jedem Bürger das Recht zu, ein eigenes Girokonto zu führen. Dieses Gesetz wurde eigentlich eingeführt, um sozial schwachen Menschen und Obdachlosen zu einem eigenen Girokonto zu verhelfen. Es gilt aber etwa auch für Flüchtlinge. Hiervon könnte der iranische Staatsbürger im konkreten Fall profitieren. Ärgerlich ist der Fall für die Betroffenen allemal. Bedeutet es doch immer in der Regel einen deutlich höheren Aufwand bei der Suche nach einem passenden Konto. Zudem fühlen sich die entsprechenden ausländischen Mitbewohner durch ein solches Geschäftsgebaren schikaniert und als Bürger zweiter Klasse.

Viele Banken sind auf der Suche nach neuen Kunden

Verwunderlich ist der Fall aber auch aus einem weiteren Grund. Deutsche Banken und auch die Commerzbank kämpfen derzeit händeringend um neue und zahlungskräftige Kunden. Der 27-jährige Iraner, der offenbar am Beginn seiner beruflichen Karriere steht, dürfte dabei dem Idealbild eines Neukunden entsprechen. Denn unter deutschen Kreditinstituten ist ein Konkurrenzkampf entbrannt, den die Branche in dieser Intensität bisher nicht kannte. Hierfür gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Ursachen. Zunächst ist da die Politik der niedrigen Zinsen seitens der Europäischen Zentralbank. Die Banken verweisen immer wieder darauf, dass es ihnen angesichts dieser Situation kaum noch möglich ist, ausreichend Gewinne zu erwirtschaften. Daher sind sie in den letzten Jahren Schritt für Schritt dazu übergegangen, für einstmals kostengünstige oder gar kostenlose Kontomodelle Gebühren zu verlangen. Während sich einige Kunden diese Gebührenerhöhungen gefallen lassen, und ihren Instituten treu bleiben, ist auch eine Abwanderungsbewegung in Richtung der sogenannten Direktbanken zu beobachten. Bei Direktbanken handelt es sich um Institute, die Serviceleistungen auf ein Minimum beschränken. Häufig werden keinerlei Filialen unterhalten, so dass Kommunikation und Abwicklung der Bankdienstleistungen ausschließlich über das Internet erledigt werden. Der Kundenschwund in Richtung dieser Direktbanken setzt vielen angestammten Instituten mit umfangreichen Filialnetzen zu. Umso verwunderlicher ist es, dass, wie im hier dargestellten Fall, einem solventen und jungen Kunden die Eröffnung eines Kontos verweigert wird.

Nach welchen Kriterien sollte ein Konto ausgewählt werden?

Unabhängig davon sollten sich junge Bankkunden stets die Frage stellen, bei welchen Institut Sie ihr Konto eröffnen und welches Kontomodell dabei gewählt werden soll. Ob ein deutscher Pass vorliegt oder ein ausländischer, spielt dabei eigentlich keine entscheidende Rolle. Klar ist aber, dass, wer langfristig in Deutschland lebt, auch ein Konto bei einem deutschen Institut benötigt, um seinen Alltag effizient zu bewältigen. Fakt ist auch, dass alle notwendigen Leistungen auch mit einem kostenlosen Girokonto erledigt werden können. Voraussetzung ist allerdings, dass man über einen Internetanschluss und einen internetfähigen Rechner verfügt. Einige Banken bieten darüber hinaus sogar an, alle Bankgeschäfte über das Smartphone mit einer App zu erledigen. Nur bei diesen Angeboten der Direktbanken ist es möglich, bei der Kontoführung auf Gebühren weitgehend zu verzichten. Wer dagegen Wert auf ein Girokonto bei einer Filialbank legt und dabei auch nicht auf den persönlichen Service in der Filiale verzichten möchte, wird um regelmäßige Gebühren nicht herumkommen. Doch auch hier sind die Unterschiede zwischen den Angeboten bei den Banken in Deutschland erheblich. Seitens der Verbraucherzentrale wurde ein Betrag von etwa 70 Euro im Jahr als fairer Wert angegeben. Dabei sollten die Kunden allerdings nicht allein auf die Gebühren achten, die für die Führung des Kontos berechnet werden. Ebenso haben weitere Gebühren einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtbilanz, die etwa für einzelne Leistungen berechnet werden. So verlangen einige Banken etwa Gebühren, wenn Buchungen auf dem Girokonto vorgenommen werden. Egal ob eine Überweisung stattfindet oder Geld auf dem Konto eingeht, jeweils wird eine entsprechende Gebühr berechnet. Auch das Abheben von Geld ist längst nicht bei jedem Girokonto kostenlos möglich. Hier sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob entsprechende Automaten in der Nähe verfügbar sind, oder ob alternative Möglichkeiten für das Geldabheben angeboten werden. So bieten einige Banken etwa zusätzlich eine Kreditkarte an, mit der auch im Ausland der Zugang zu Bargeld ermöglicht wird. Auch das Abheben von Bargeld im Supermarkt kann eine kostengünstige Alternative zum Geldautomaten sein.

Fazit – Auch für Iraner sollte günstiges Konto möglich sein

Wenn man sich die Werbekampagnen vieler Bankinstitute anschaut, so kann man den Eindruck gewinnen, dass die Eröffnung eines neuen Kontos überhaupt kein Problem sein sollte. Offenbar gilt dies aber längst nicht für alle Bürger. Dies hat unlängst der Fall eines Iraners gezeigt, dem durch die Commerzbank in München die Eröffnung eines eigenen Kontos verweigert wurde. Die „geschäftspolitischen Gründe“, die von der Bank auf Nachfrage hervorgebracht wurden, könnten in dem internationalen Embargo gegenüber dem Iran liegen. Ob dabei allerdings ein Informationsfehler in der Bank vorlag, oder eher aus Vorsicht gehandelt wurde, lässt sich nicht endgültig beurteilen. So ärgerlich, wie dieser Vorgang für die Betroffenen ist: ohne Konto müssen sie vermutlich nicht bleiben. Die Chancen, bei einem anderen Institut ein Konto zu erhalten, stehen durchaus gut. Mit der richtigen Auswahl des passenden Girokontos ist es zudem möglich, eine Menge Geld zu sparen. Denn auch wenn allenthalben von höheren Gebühren für das Girokonto die Rede ist, so gibt es nach wie vor vollständig kostenfreie Girokontomodelle. Hierzu gehört etwa das Girokonto der DKB. Das Berliner Institut verlangt hierfür noch nicht einmal einen regelmäßigen Geldeingang und bietet zusätzlich sogar noch eine Kreditkarte. So ist der Bargeldzugang im In- und Ausland stets gewährleistet. Ein vergleichbares Modell hat auch die Comdirect in ihrem Programm. Einen etwas anderen Weg geht die ING DiBa. Ein Girokonto inklusive Kreditkarte erhält hier nur, wer ein regelmäßiges Einkommen vorweisen kann.

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