Negative Zinsen galten lange Zeit nicht nur bei den Sparkassen in Deutschland als Tabu. Nun hat mit der Sparkasse Köln Bonn das erste Institut den Rubikon überschritten und negative Zinsen auch für private Kunden eingeführt. Da der negative Zinssatz aber zunächst nur für sehr große Vermögen gilt, brauchen sich private Kunden mit mittleren und kleinen Einlagen zunächst keine Sorgen machen. Kostenlos sind ihre Girokonten dagegen auch ohne negative Zinsen nicht. Warum negative Zinsen gerade jetzt eingeführt werden, wen diese konkret betreffen und was private Sparer prinzipiell tun können, um Kosten bei der Kontoführung zu sparen, zeigen wir in diesem Artikel.
Negative Zinsen sind auf dem Vormarsch
Negative Zinsen sind schon seit längerer Zeit auf dem Vormarsch, allein private Anleger mit normalen Beträgen auf ihren Konten waren bisher davon nicht betroffen. Die gute Nachricht lautet, dass dies auch bis auf weiteres so bleiben dürfte. Einzig sehr hohe Vermögen werden in naher Zukunft stärker mit negativen Zinsen belegt werden. Hintergrund für diese Entwicklung ist die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Um die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflationsrate auf den Zielwert von rund zwei Prozent zu heben, hat sie seit einigen Jahren die Leitzinsen nicht nur auf null gesenkt, sondern sogar in den negativen Bereich gedrückt. Die Leitzinsen gelten dabei zunächst nur für die Banken, die ihrerseits das Geld der Sparer bei der Zentralbank hinterlegen. Banken, denen es nicht gelingt, das Geld der Sparer in Form von sicheren Krediten an Unternehmen oder auch private Kreditnehmer weiterzureichen, sind im Prinzip dazu gezwungen, die Einlagen bei der EZB zwischenzuparken. Große Kunden wie Unternehmen oder auch Stiftungen oder Kommunen sind daher schon länger in der Situation, bei einigen Banken negative Zinsen auf ihre Einlagen zahlen zu müssen. Dass nun auch private Kunden mit hohen Vermögen zunehmend von diesem Phänomen betroffen sind, ist aus der Sicht der Banken nur folgerichtig. Denn sie reichen die Kosten, die ihnen bei EZB für die Einlage des Geldes entstehen, nur an die Kunden weiter. Darüber hinaus wollen sich die Banken durch einen negativen Zinssatz auch davor schützen, plötzlich mit großen Mengen an Liquidität praktisch überschüttet zu werden. Denn mit jeder Bank, die negative Zinsen einführt, suchen sich einige Kunden einfach eine neue Bank, bei der noch keine negativen Zinsen verlangt werden. Hier dürfte auch ein wesentlicher Grund dafür liegen, warum die Sparkasse Köln Bonn sich zu diesem Schritt entschlossen hat.
Negative Zinsen für private Sparer bisher nur für größere Vermögen
Auch wenn bisher keine Details über den Schritt der Sparkasse aus dem Rheinland genannt wurden, ist die Richtung diese Maßnahme klar. Es dürfte um Beträge gehen, die deutlich über der Schwelle von 100.000 Euro liegen. Nach den Äußerungen der Verantwortlichen bei den Sparkassen ist es auch nicht das Ziel, die Kunden loszuwerden. Vielmehr sollen die Kunden dazu animiert werden, über alternative Anlagemethoden für Ihr Geld nachzudenken. Dabei geht es nur um eine sehr kleine Gruppe von Kunden der Sparkasse. Insgesamt sollen dem Vernehmen nach nicht mehr als 20 Kontoinhaber von der Maßnahme betroffen sein. Auch wie hoch der neu eingeführte negative Zins tatsächlich ist, wurde durch die Bank nicht verkündet. Für private Kunden hat dieser Schritt ohnehin keine Folgen. Einlagen unter 100.000 Euro sind bisher weder bei der Sparkasse Köln Bonn noch bei einem anderen Institut mit negativen Zinsen belegt. Dies dürfte nach Einschätzung von Branchenexperten auch bis auf weiteres so bleiben. Denn abgesehen von dem Bestreben, sich durch negative Zinsen vor sehr hohen Einlagen zu schützen, sind die Banken weiterhin an Privatkunden interessiert. Negative Zinsen für kleinere Einlagen, so die Befürchtung vieler Institute, würde die Kunden dazu veranlassen, zur Konkurrenz zu wechseln.
Was viele Kunden allerdings weitgehend ausblenden, ist der Umstand, dass für die Verwaltung ihres Geldes schon länger Kosten fällig werden. Auch wenn keine negativen Zinsen erhoben werden, haben die die Gebühren, die etwa für die Kontoführung oder auch für andere Dienstleistungen rund um das Girokonto verlangt werden, letztendlich den gleichen Effekt: sie lassen das Vermögen schrumpfen. Und hierbei haben viele Banken in den letzten Jahren deutlich an der Schraube gedreht. Um ein Girokonto möglichst kostengünstig zu führen, kommt es gar nicht darauf an, auf eventuelle negative Zinsen zu achten. Worauf es stattdessen ankommt, zeigen wir im nun folgenden Abschnitt.
Gebühren haben den gleichen Effekt wie negative Zinsen
Die Politik der niedrigen Zinsen der EZB hat vor allem dazu geführt, dass die Banken mit den Einlagen ihrer Kunden kein erträgliches Geschäft mehr machen können. In der Folge sind die Gewinne der Banken zusammengeschrumpft wie Schnee in der Sonne. Um den schwindenden Erträgen entgegenzuwirken, sind viele Banken dazu übergegangen, Gebühren zu erhöhen bzw. neue Gebühren einzuführen. Viele Kunden wurden in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren von ihrer Bank mit neuen Kontomodellen überrascht. Das kostenlose Online Konto wurde häufig gestrichen oder auch an Bedingungen geknüpft. Und wenn noch ein kostenloses Girokonto möglich war, so werden die Kontoinhaber fortan für einzelne Transaktionen wie Überweisungen oder Abhebungen zur Kasse gebeten. Im Durchschnitt summieren sich die Kosten, die im Zusammenhang mit einem Girokonto auftreten, auf mehr als 70 Euro im Jahr. Bei einem durchschnittlichen Guthaben von 5.000 Euro auf dem Konto würde dies einem negativem Zinssatz von 1,4 Prozent entsprechen.
Um bei der Kontoführung möglichst günstig zu fahren, sollten die Kunden also nicht nur auf Kontoführungsgebühren achten, sondern auch auf weitere Kosten und Gebühren. Viele Banken haben dabei Transaktionen wie Überweisungen, Daueraufträge aber auch Geldeingänge mit Gebühren belegt. Für Konten, über die nur sehr selten Transaktionen durchgeführt werden, fällt dies möglicherweise kaum ins Gewicht. Im Falle eines vollwertigen Girokontos kann sich dieser Posten aber zu einem stattlichen Gesamtbetrag summieren. Gebühren können zudem entstehen, wenn Bargeld benötigt wird. Gerade kleine Banken verfügen nicht über ein engmaschiges Filialnetz. In einigen Fällen gibt es überhaupt keine Automaten. Bargeld kann dann nur bei den Automaten anderer Institute abgehoben werden, wobei unter Umständen sehr hohe Gebühren fällig werden. Ein weiterer Posten, bei dem mitunter völlig unnötig Geld verschenkt wird, ist der Dispokredit. Viele Kontoinhaber gehen diesbezüglich zu sorglos mit ihren Finanzen um und zahlen so auch für kleinere Dispobeträge in der Summe deutlich höhere Kosten, also etwa bei einem regulären Verbraucherkredit. Bei den Zinsen, die für den flexiblen Kredit verlangt werden, gibt es zwischen den Instituten außerdem deutliche Unterschiede.
Fazit – Negative Zinsen sind nur die Spitze des Kostenberges
Die Einführung von negativen Zinsen für private Kunden stellt zwar einen Tabubruch dar. Für private Sparer mit normalem Vermögen hat dieser Schritt jedoch zunächst keinerlei Konsequenzen. Dem Vernehmen nach sind bei der Sparkasse Köln Bonn, die nun als erstes Institut negative Zinsen für private Sparer eingeführt hat, nur einige, sehr vermögende Kunden betroffen. Einlagen unter dem Betrag von 100.000 Euro dürften auch in Zukunft bis auf weiteres von negativen Zinsen verschont bleiben. Dies heißt aber nicht, dass die Kunden durch die Wahl des richtigen Girokontos kein Geld sparen könnten. Die vielen Banken in Deutschland bieten viele unterschiedliche Kontomodelle an. Soll es dagegen ein kostenloses Girokonto sein, wird die Auswahl schnell sehr übersichtlich.
Unter anderem bietet aktuell die Deutsche Kreditbank (DKB) den Kunden ein kostenloses Girokonto an. Im Leistungsumfang inbegriffen ist dabei eine Kreditkarte, die bargeldloses Bezahlen sowie Bargeldbezug kostenlos ermöglicht. Inwieweit dies auch im Ausland kostenlos ist, hängt vom Status des Kunden ab. Ab einem Geldeingang von 700 Euro im Monat wird der Kunde zum Aktivkunden und kann zahlreiche Zusatzleistungen in Anspruch nehmen. Neben dem kostenlosen Bargeldzugang im Ausland gehören hierzu auch eine Kaskoversicherung für Verluste beim Online Banking oder ein Cashback Programm. Prinzipiell kann das Konto aber auch ohne regelmäßigen Geldeingang kostenlos genutzt werden. Ähnlich sieht das kostenlose Girokonto der Comdirect aus. Ohne die Bedingung eines Geldeingangs kann das Girokonto inklusive Kreditkarte genutzt werden. Ein anderes Modell finden die Kunden bei der ING DiBa. Wer hier in den Genuss eines kostenlosen Girokontos kommen will, braucht ein regelmäßiges Einkommen aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.