• Donnerstag, 29. Januar 2026

Giro-News: Negativzinsen beim Girokonto

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Die deutschen Verbraucher gelten in vielerlei Hinsicht eigentlich als ausgesprochen preissensibel. So stehen etwa im Bereich der Lebensmittel die günstigen Discounter bei sehr vielen hoch im Kurs und kein Weg scheint zu weit, um ein günstiges Schnäppchen zu machen. Etwas anders scheint es im mit Blick auf das Banking auszusehen. Lange Zeit waren hier die Verbraucher zwar ebenfalls ausgesprochen günstige Konditionen gewohnt. Nicht selten gehörte das kostenlose Girokonto zum Standardangebot vieler Banken. Doch die in den letzten Jahren rollende Welle von Gebührenerhöhungen für Girokonten hat bis langen noch keine massenhafte Flucht in deutlich günstigere Angebote von Direktbanken geführt. Nun hat zuletzt eine Umfrage ergeben, dass deutsche Bankkunden durchaus sensibel auf Veränderungen der Konditionen reagieren könnten. Während höhere Gebühren offenbar nicht unmittelbar als anstößig empfunden werden, werden die Verbraucher bei dem Wort negative Zinsen ganz offenbar hellhörig. Etwa 60 Prozent würden bei der Einführung negativer Gebühren über einen Wechsel nachdenken, so ein Ergebnis der Befragung. Dabei sollte aber die Frage erlaubt sein, ob es zwischen Gebühren und negativen Zinsen überhaupt einen nennenswerten Unterschied gibt. Diese und andere Fragen möchten wir in diesem Artikel beantworten.

Was bedeuten negative Zinsen eigentlich?

Mit Zinsen verbinden die meisten Deutschen den Betrag, der ihnen jährlich als Belohnung für ihre Sparanstrengungen gezahlt wird. Dem gegenüber stehen Zinsen, die zu entrichten sind, wenn ein Kredit aufgenommen wurde. Die entscheidende Größe ist in diesem Zusammenhang der Zinssatz. Schon viele Jahre ist es her, als es auf das klassische Girokonto noch Zinsen gab. Und auch die Zinsen, die für Guthaben auf anderen Sparangeboten wie Tagesgeld- oder Festgeldkonten geboten werden, sind aktuell kaum der Rede wert. Während es hier zumindest noch Zinsen im Bereich von 0,1 bis vielleicht 0,5 Prozent zu holen gibt, liegt der Zinssatz für Girokonten in aller Regel bei 0 Prozent. Dass es dabei auch noch tiefer gehen könnte, passt jedoch nicht in die Vorstellungswelt des normalen deutschen Bankkunden. Doch negative Zinsen gab es auch in der Vergangenheit schon immer mal Und auch derzeit sind negative Zinsen durchaus schon Realität. Unternehmen oder auch vermögende Kunden sehen sich seit einiger Zeit mit diesem Phänomen konfrontiert. Gelten also für ein bestimmtes Konto negative Zinsen, so erhält der Kunde nicht regelmäßig einen Zins, sondern muss diesen an die Bank entrichten. Andersherum würden etwa Schuldner, die einen Kredit bedienen müssen, sogar eine Gutschrift erhalten.

Tatsächlich hatte etwa der deutsche Staat zuletzt immer wieder die Möglichkeit, Kredite in Form von Anleihen zu negativen Zinssätzen zu begeben. Der Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland konnte also zeitweise mit den Schulden sogar Geld verdienen. Doch auch wenn für private Kunden die Kreditzinsen auf einem sehr niedrigen Niveau liegen, sind negative Zinssätze derzeit nicht in Sicht. Das gleiche gilt auch für private Kontoinhaber. Für Einlagen in moderater Höhe hat bisher noch keine Bank negative Zinsen eingeführt. Anders sieht es dagegen bei höheren Einlagen von 100.000 Euro an aufwärts aus. Wie eine aktuelle Umfrage unter deutschen Verbrauchern nun gezeigt hat, würden viele Bankkunden negative Zinsen zum Anlass nehmen, ihr Konto zu wechseln. Dabei sind negative Zinsen im Endeffekt gar nichts anderes als Gebühren. Und Gebühren sind bei vielen Girokonten bereits Realität. Doch wo liegen die Unterschiede zwischen Zinsen und Gebühren?

Gibt es überhaupt einen Unterschied zu Gebühren?

Gebühren und negative Zinsen sind natürlich nicht das gleiche, auch wenn sie sich im Endeffekt sehr ähnlich äußern, nämlich in höheren Kosten für das Girokonto. Im Gegensatz zu den Gebühren, die in der Regel unabhängig von der Höhe der Einlagen pauschal eingezogen werden, würden im Falle von negativen Zinsen die Kosten je nach Kontostand variieren. Dass Bankkunden bei der Befragung so allergisch auf negative Zinsen reagiert haben, ist vor diesem Hintergrund allerdings mindestens verwunderlich. Denn auf dem Girokonto sollten ohnehin keine großen Vermögen angelegt werden. Im Übrigen verlieren die Sparer auch im Falle von geringen Zinsen reales Geld. Denn die Zinsen müssen stets mit der aktuellen Inflationsquote abgeglichen werden. Liegt diese, wie derzeit bei etwa 1,5 Prozent, schrumpft das Vermögen der Sparer selbst bei einem Zinssatz von einem Prozent. Tatsächlich benachteiligt ein negativer Zinssatz Bankkunden mit geringem Guthaben. Während bei ihnen nämlich die monatliche Gebühr auch bei einem Kontostand von 100 Euro fällig wird, muss ein anderer Bankkunde, der etwa über 10.000 Euro Bankguthaben verfügt, die gleiche Gebühr zahlen. Beträgt diese Gebühr etwa im Jahr 50 Euro, so bedeutet dies für den ersten Bankkunden einen negativen Zins von sage und schreibe 50 Prozent, während der Kunde mit dem höheren Bankguthaben lediglich 0,5 Prozent negative Zinsen zu entrichten hat. Hätte sich die Bank für einen negativen Zins von 0,5 Prozent entschieden, bliebe für den Bankkunden mit 10.000 Euro alles beim Alten, während der Sparer mit dem durchschnittlichen Guthaben von 100 Euro lediglich 50 Cent entrichten müsste. Vor diesem Hintergrund müssten Verbraucher die Einführung von negativen Zinsen den Gebühren eigentlich vorziehen.

Warum steigen die Kosten für das Girokonto?

Unabhängig davon, ob negative Zinsen eingeführt werden oder neue Gebühren – die Kosten für die Bankkunden dürften in Summe so oder so steigen bzw. haben sie in den letzten Monaten bereits deutlich angezogen. Als Begründung zeigen die Banken einmütig auf die Europäische Zentralbank (EZB). Denn zunächst sind es die Banken selber, die von der EZB zur Kasse gebeten werden. Denn bereits seit drei Jahren liegt der Zinssatz für täglich verfügbare Einlagen unter null Prozent. Das heißt, die Einlagen der Kunden bringen in der Regel zusätzliche Kosten mit sich, wenn sie durch die Bank bei der EZB angelegt werden. Hinzu kommt, dass durch das aktuell niedrige Zinsniveau auch im klassischen Kreditgeschäft deutlich weniger Gewinne erwirtschaftet werden, als es noch vor etwa zehn Jahren der Fall war. Im Endeffekt stehen die Banken mit deutlich geringeren Einnahmen, dafür aber höheren Kosten da und versuchen diese nun auf die Kunden abzuwälzen. Die Einführung von Gebühren ist dabei auch aus Sicht der Banken häufig die lukrativere Lösung.

Wie finde ich das passende Girokonto?

Für die Kunden selber ergibt sich hieraus die Frage, wie auf diese Entwicklung zu reagieren ist. Für viele Besitzer von Girokonten lautete die Antwort häufig: gar nicht! Wenn also die Bank die Kosten drastisch erhöht, warten viele Kunden erst mal ab, wie sich die Konditionen bei anderen Instituten entwickeln. Häufig setzt dann ein Gewöhnungseffekt ein und die Kunden bleiben ihrem bisherigen Institut treu. Dabei kann ein Wechsel eine ganze Menge Geld sparen. Zwischen den günstigsten Angeboten und den teuersten Angeboten liegt auf Sicht von einem Jahr nicht selten ein Unterschied von 200 Euro. Zunächst sollten sich Kunden aber überlegen, worauf sie im Rahmen eines Girokontos überhaupt Wert legen. Denn ein kostenloses Girokonto, wie es bei einigen Direktbanken nach wie vor angeboten wird, ist auch mit gewissen Einschränkungen verbunden. So steht etwa keine Filiale mehr zur Verfügung und auch eine persönliche Beratung vor Ort gehört nicht mehr zum Leistungsspektrum. Bankdienstleistungen werden ausschließlich online abgewickelt und der Support findet entweder online oder auch per Telefon statt. Wer dagegen weiterhin durch einen persönlichen Berater seiner Bank und dazu vor Ort betreut werden möchte, wird um regelmäßige Gebühren kaum herumkommen. Verbraucherzentralen haben ausgerechnet, dass ein jährlicher Preis von etwa 60 Euro als angemessen und fair angesehen werden kann. Dabei sollten aber neben der Grundgebühr auch mögliche weitere Gebühren, etwa für das Abheben von Geld oder für Überweisungen eingerechnet werden.

Wie einfach ist der Wechsel?

Eine gute Nachricht für alle Kontoinhaber ist aber der Umstand, dass ein Wechsel selber deutlich einfacher zu bewerkstelligen ist, als gemeinhin angenommen. Dies liegt zum einen daran, dass viele Direktbanken mit Dienstleistern zusammenarbeiten, die alle Wechselformalitäten übernehmen. Per Gesetz sind zudem auch die Banken verpflichtet, ihre wechselwilligen Kunden beim Umzug des Kontos zu unterstützen. Tatsächlich können die Formalitäten, die für den Wechsel notwendig sind, häufig in weniger als 10 bis 20 Minuten erledigt werden. Hierzu werden die Daten aus dem bisherigen Konto elektronisch ausgelesen und ganz einfach auf das neue Konto übertragen. Es müssen also weder Daueraufträge neu erstellt werden, noch muss der Kontoinhaber aktuelle Zahlungspartner, wie Arbeitgeber oder Vermieter über die neue Kontoverbindung informieren, denn auch dies wird automatisch und kostenlos erledigt.

Fazit – Egal ob Zinsen oder Gebühren: beim Banking gibt es Sparpotential

Wenn es um Gebührenerhöhungen für das Girokonto ging, haben die deutschen Bankkunden bisher einen beeindruckenden Gleichmut an den Tag gelegt. Auch wenn kostengünstige Direktbanken kontinuierlich an Kunden gewinnen, ist die große Abwanderung bisher ausgeblieben. Dabei schauen die Bankkunden dem Treiben der Banken durchaus aufmerksam zu und sind unter Umständen auch zu Konsequenzen bereit. So hat eine repräsentative Befragung unter deutschen Sparern ergeben, dass mit der Einführung von negativen Zinsen eine Grenze überschritten wäre. Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, nach der Einführung negativer Zinsen auch einen Wechsel des Kontos in Erwägung zu ziehen. Warum hingegen steigende Gebühren weitgehend klaglos hingenommen werden, bleibt ungeklärt. Dabei sind gerade für Kontoinhaber mit geringen Guthaben negative Zinsen sogar die gerechtere weil günstigere Lösung.

Am besten fahren dagegen Kunden, die über ein Girokonto verfügen, bei dem gar keine Gebühren erhoben werden. Auch hiervon gibt es nämlich nach wie vor noch eine ordentliche Auswahl. Mit der spanischen Santander ist darunter sogar ein Institut, welches über ein relativ dichtes Filialnetz verfügt. Kostenlos sind zudem die Girokonten klassischer Direktbanken. Hierzu gehört etwa die 1822direkt, ein Tochterinstitut der Frankfurter Sparkasse. Die Kunden können alle Leistungen rund um den Giro Zahlungsverkehr kostenlos in Anspruch nehmen und für den Zugang zu Bargeld auch auf das Automatennetzwerk der Sparkasse zurückgreifen. Über keinerlei Filialen verfügt dagegen die Comdirect, die ebenfalls ein kostenloses Girokonto anbietet. Zum Leistungsumfang gehört dabei eine Kreditkarte, mit der im Inland an sehr vielen Automaten kostenlos Bargeld abgehoben werden kann. Und auch im Ausland haben die Kunden umfassenden Zugang zu Bargeld, auch wenn hier zum Teil Gebühren fällig werden. Weder bei der 1822direkt noch bei der Comdirect ist die Vergabe des kostenlosen Girokontos an einen regelmäßigen Geldeingang gebunden. Dagegen wird bei der Santander ein regelmäßiger Gehaltseingang vorausgesetzt.

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