Wenn Nachrichten aus der Bankenbranche in den letzten Monaten und Jahren die Runde gemacht haben, waren diese für die Bank selber auch für die Bankkunden selten besonders erfreulich. Nach dem die Skandale und die Finanzkrise ausgestanden waren, machten die Institute vor allem mit neuen Gebührenmodellen auf sich aufmerksam. Die etablierten Häuser wie Sparkasse und die Volksbanken leiteten eine Welle von Gebührenerhöhungen ein und gingen dabei längst nicht immer vollständig gesetzeskonform vor. Verschiedene Schritte einzelner Banken mussten nach Klagen von Verbraucherschützern wieder rückgängig gemacht werden. Vor diesem Hintergrund konnte eine Gruppe von Banken an Bedeutung hinzugewinnen: die sogenannten Online Banken oder auch Direktbanken. Bereits seit über 20 Jahren gibt es diese Gruppe von Banken, die auf Filialen weitgehend verzichten und ihre Dienstleistungen ausschließlich telefonisch bzw. verstärkt online anbieten. Für die Kunden heißt dies vor allem mehr Wahlfreiheit. Denn hohe Gebühren für ein Girokonto sind absolut vermeidbar.
Online Banken können ihren Marktanteil deutlich steigern
Die Zahl wirkt auf jeden Fall beachtlich: auf rund 18 Millionen Kunden kommen die Online Banken nach einer aktuellen Marktstudie mittlerweile. Bis zum Jahre 2020 soll die Zahl der Kunden nach aktuellen Prognosen um weitere vier bis fünf Millionen steigen. Unabhängig davon, ob dieses optimistische Ziel auch erreicht wird, zeigt sich sehr deutlich, dass das Online Banking klar auf dem Vormarsch ist. Noch im Jahre 2000 konnten Online Banken auf eine Kundenzahl von gerade einmal knapp vier Millionen verweisen. Der Vorteil der Online Banken liegt dabei klar auf der Hand: für die Leistungen rund ums Girokonto verlangen sie deutlich geringere Gebühren als die althergebrachte Konkurrenz. In vielen Fällen wird das Girokonto inklusive Kreditkarte vollkommen kostenlos angeboten. Während aber die alten Platzhirsche lange Zeit diesen Trend nicht ernst nahmen bzw. selber mit kostengünstigen Kontomodellen zu reagieren versuchten, zeigen sich mittlerweile die Unterschiede zwischen klassischen Filialbanken und Direktbanken immer deutlicher. Denn spätestens seitdem die Europäische Zentralbank in (EZB) ihre Leitzinsen auf ein Rekordtief gesenkt hat, haben die Filialbanken ein veritables Kostenproblem. Lange Zeit haben sie ihre sicher geglaubten Einnahmen in das Filialnetz gesteckt, welches ihnen nun vielfach wie ein Mühlstein um den Hals hängt. Denn von vielen Kunden wird der Filialservice so gut wie nicht mehr genutzt. Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich aus Sicht vieler Kunden die Frage, warum für eine Dienstleistung bezahlt werden muss, die am Ende gar nicht In Anspruch genommen wird.
Davon abgesehen stand die Beratung, die von vielen Filialbanken ihren Kunden angeboten wurde, schon länger in der Kritik. Verbraucherschützer monierten, dass weniger die Anforderungen der Kunden als vielmehr die Geschäftsinteressen der Banken im Vordergrund standen. Dies hat sich mittlerweile besonders bei jungen und internetaffinen Verbrauchern herumgesprochen, die sich eigenständig über Möglichkeiten und Angebote der Geldanlage informieren. Bankdienstleistungen sowie insbesondere die Konditionen für Girokonten werden von dieser Gruppe ebenfalls ganz rational mit Blick auf Kosten und Leistungen verglichen. Die Angebote von Online Banken gehen dabei ganz offensichtlich immer häufiger als Sieger vom Platz.
Besonders junge Kunden wechseln den Anbieter für das Girokonto
Für die klassischen Anbieter wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist diese Entwicklung sehr problematisch – jedoch kaum aufzuhalten. Zwar reagieren diese schon seit längerer Zeit durch Kosteneinsparungsprogramme. Es werden Mitarbeiter abgebaut und Filialen geschlossen. Doch gegenüber den auf Kosteneffizienz getrimmten Online Banken kommen sie damit nicht an. Denn nach wie vor müssen sehr umfassende und kostenintensive Filialnetze aufrechterhalten werden. Hinzu kommt, dass diese Banken häufig im ländlichen Raum vertreten sind. Im Gegensatz zu gut besuchten Filialen in den Metropolen können die Niederlassungen in der Peripherie kaum kostendeckend ausgelastet werden. Besonders schmerzlich für die alten Banken dürfte aber sein, dass insbesondere junge und gut ausgebildete Kunden den Anbieter wechseln. Damit geht genau die Zielgruppe zur Konkurrenz, mit der später noch viel Geld verdient werden könnte. Dies ist besonders ärgerlich, da viele Häuser einen vergleichsweise hohen Aufwand betreiben, Kunden bereits frühzeitig zu binden. So werden etwa für Kinder und Schüler nach wie vor kostenlose Kontomodelle angeboten. Das Kalkül besteht vor allem darin, dass diese dann nach dem Wechsel in das Berufsleben ganz automatisch der bisherigen Bank die Treue halten. Doch diese Hoffnung hat sich vielfach als falsch herausgestellt. Viele Gebührenmodelle sehen etwa vor, dass mit dem ersten Gehaltseingang nach der Ausbildung oder nach dem Studium zu einem gebührenpflichtigen Kontomodell gewechselt wird. Gerade die Kundengruppe der Berufseinsteiger zeigt sich in dieser Phase aber sehr flexibel und wechselt in Scharen zur günstigeren Online-Konkurrenz. Doch warum erhöhen die Sparkassen überhaupt ihre Gebühren, wird sich so mancher vor diesem Hintergrund fragen.
Sparkasse und Co. sind zu Gebührenerhöhungen gezwungen
Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: weil sie dazu gezwungen sind. Neben den bereits erwähnten Filialnetzen, die hohe Summen für Miete, Instandhaltung und Personal verschlingen, sind den Banken auf der anderen Seite auch wichtige Einnahmequellen weggebrochen. Neben einem rückläufigen Vertrieb von überteuerten Finanzprodukten kann auch mit dem herkömmlichen Kreditgeschäft kaum noch Geld verdient werden. Schuld hat auch hier die Zinspolitik der EZB. Hinzu kommt außerdem, dass auch die Einlagen der Kunden für viele Banken zu einem Kostenproblem werden. Werden diese Einlagen nämlich bei der EZB zwischengelagert, werden auch hierfür negative Zinsen berechnet, was zu zusätzlichen Kosten führt. Vor diesem Hintergrund könnte es unter Umständen sogar in der Absicht einiger Banken liegen, Kunden mit hohen Einlagen zur Konkurrenz zu treiben. Langfristig dürfte es sich dabei aber um eine wenig erfolgversprechende Strategie handeln. Denn spätestens dann, wenn die Zinsen wieder steigen, ergibt sich aus dem Abfluss von Kundenguthaben ein neues Ertragsproblem.
Viele Banken sitzen also in einer Zwickmühle. Einerseits müssen sie Kosten einsparen und neue Ertragsquellen über die Einführung von unterschiedlichen Gebühren erschließen. Andererseits muss dabei möglichst vorsichtig vorgegangen werden, um nicht zu viele Kunden zur Konkurrenz zu treiben und damit das Geschäft von morgen zu verlieren. Wie diese Entwicklungen für die klassischen Filialbanken ausgehen wird, kann nicht klar prognostiziert werden. Es wird wohl auch darauf hinauslaufen, dass weitere Filialen schließen und kleinere Institute aufgeben bzw. fusionieren. Andere Institute suchen einen Ausweg darin, sie sich auf besondere Gruppen zu konzentrieren, wie etwa Kunden mit besonders hohem Einkommen oder Vermögen. Die Deutsche Bank oder auch die Commerzbank polieren zu diesem Zweck derzeit einige ihrer Filialen auf oder eröffnen sogar sogenannte Flagship-Stores in gefragten Innenstadtlagen.
Ein Wechsel bedeutet kaum Aufwand
Für die Kunden bedeutet diese Entwicklung aber vor allem eine größere Wahlfreiheit. Erhöht die derzeitige Hausbank die Gebühren, so bedeutet dies nicht, dass dieser Schritt klaglos hingenommen werden muss. Mit einem Wechsel zur Online-Konkurrenz können in aller Regel erhebliche Kosten eingespart werden. Bevor jedoch zu einem Direktanbieter gewechselt wird, sollten sich die Kunden bei ihrer bisherigen Hausbank nach einem möglicherweise günstigeren Kontomodell umsehen. Auch sollten sie sich die Frage stellen, ob auf eine persönliche Betreuung in der Filiale Wert gelegt wird oder ob darauf verzichtet werden kann. Konkret sollten sich die Kunden die Frage stellen, wie oft sie innerhalb des letzten Jahres eine Bankfiliale besucht haben. Wird diese Frage mit nie beantwortet, steht einem Wechsel zu einem Girokonto bei einer Online Bank eigentlich nichts im Wege. Auch der eigentliche Umzug zu einem neuen Konto stellt keinen besonders großen Aufwand dar. Hierfür hat u.a. auch der Gesetzgeber gesorgt, der die Banken dazu verpflichtet hat, Kunden beim Wechsel zu einem neuen Institut nicht zu behindern. Der wesentliche Aufwand im Zusammenhang mit dem Kontoumzug wird dann normalerweise von der neuen Bank übernommen. Von Seiten des Kunden muss lediglich entschieden werden, welche Zahlungspartner von der neuen Kontoverbindung informiert werden sollen und welche Daueraufträge zu übernehmen sind. In der Regel dauert es tatsächlich nicht viel länger als etwa eine halbe Stunde, um den Wechsel abzuwickeln. Und auch die Kündigung des alten Kontos sowie die Übertragung des Restguthabens werden vollständig durch das neue Institut übernommen. Es spricht also wirklich nichts dagegen, im nach wie vor umfangreichen Angebot nach dem passenden Girokonto zu suchen und somit langfristig Gebühren zu sparen.
Fazit – Wachstum des Online Bankings ist Chance für gebührengeplagte Kunden
Ein wichtiger Trend innerhalb der Bankenbranche ist der Aufstieg der Direktbanken. Diese Institute, die ihre Dienste nahezu ausschließlich online anbieten und so gut wie keine Filialen betreiben, haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Aktuellen Zahlen zufolge haben rund 18 Millionen Deutsche bereits ein Konto bei einer solchen Direktbank. Diese Entwicklung geht vor allem zu Lasten der klassischen Filialbanken. Denn in Folge der niedrigen Zinsen sehen diese sich zunehmend einem Kostenproblem gegenüber und müssen die Gebühren für Dienstleistungen rund um das Girokonto erhöhen. Dies treibt insbesondere junge und gut ausgebildete Kunden zu den deutlich kostengünstigeren Online Banken. Es ist also trotz aller Meldungen über höhere Gebühren für Bankdienstleistungen nach wie vor möglich, ein kostenloses Girokonto zu erhalten. Ein gutes Beispiel ist die ING-DiBa, die weder eine Kontoführungsgebühr erhebt, noch Gebühren für das Abheben von Geld oder andere Leistungen verlangt. Allerdings gilt ein regelmäßiges Einkommen aus einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit als Voraussetzung für ein solches Konto. Dabei sollten im Monat mindestens 1.000 Euro auf dem Konto eingehen. Doch auch für Verbraucher ohne Einkommen bietet sich nach wie vor die Möglichkeit, von einem kostenlosen Girokonto zu profitieren. So bietet etwa die Deutsche Kreditbank (DKB) ein kostenloses Girokonto an, welches an keinerlei Bedingungen hinsichtlich des Geldeingangs geknüpft ist. Wie beim Kontomodell der ING-DiBa gehört auch hier eine kostenfreie Kreditkarte zum Leistungsumfang. So ist der Zugang zu Bargeld jederzeit gewährleistet. Auch die 1822direkt, eine Tochter der Frankfurter Sparkasse bietet ein kostenloses Girokonto an. Zwar gibt es hier keine kostenlose Kreditkarte. Für den Bargeldzugang kann aber auf das gut ausgebaute Automatennetzwerk der Sparkassen zurückgegriffen werden.