• Montag, 16. März 2026

Giro-News: Postbank verliert zehn Prozent ihrer Kunden

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Deutsche Bankkunden galten lange Zeit als ausgesprochen treu. Dass sich das nun ändern könnte, zeigt die Entwicklung bei der Postbank. Die Tochter der Deutschen Bank hatte nach der Umsetzung einer umfassenden Gebührenerhöhung insgesamt etwa 10 Prozent ihrer Bestandskunden verloren. Durch die Akquise von Neukunden konnte dieser Verlust nur teilweise ausgeglichen werden, wie das unabhängige Rechercheportal finanz-szene.de berechnet hat. Die Postbank bestreitet die Zahlen auf Nachfrage nicht, wertet die Entwicklung insgesamt aber trotzdem als Erfolg. Erfahren Sie, warum sich ein Kundenschwund nicht unbedingt negativ für die Bank auswirken muss und wie Sie als Bankkunde bei einer Gebührenerhöhung Ihres Instituts reagieren.

Die Entwicklung bei der Postbank

Banken werden mitunter kleinlaut, wenn es darum geht, über die genaue Entwicklung der Kundenzahlen zu berichten, insbesondere dann, wenn ein veritabler Rückgang zu verzeichnen ist. So war es auch bei der Postbank, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank. Erst durch Berechnungen auf Grundlage der Geschäftsberichte der letzten Jahre bzw. Quartale wurde bekannt, dass dem Institut ein nicht gerade unerheblicher Teil seiner Kundschaft abhandengekommen ist. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, da diese im direkten Zusammenhang mit einer Umstrukturierung der Gebührenordnung stattgefunden hat. Wenn Banken in den letzten Jahren von einer neuen Struktur der Gebühren gesprochen haben, dann konnten die Kunden eigentlich fast immer sicher sein, dass es sich um eine Erhöhung der Gebühren handelte. So auch im Falle der Postbank. Diese gilt ohnehin als Pionier, wenn es darum geht, Gebühren zu erhöhen und kostenlose Kontomodelle einzudampfen. Mit dem neuen Gebührenmodell standen den Kunden nun unterschiedliche Kontomodelle zur Verfügung, die im Falle des günstigsten Online Kontos monatlich mit 1,90 Euro zu Buche schlugen und beim Premium Konto mit diversen Extras und Filialservice sogar bis zu einem Preis von monatlich 9,90 Euro reichten.

Für viele Kunden war dies offenbar eine Nummer zu viel. Die Bank, die noch vor einem Jahr auf einen Kundenstamm von 5,3 Millionen verweisen konnte, verzeichnete binnen Jahresfrist einen deutlichen Rückgang. Wie hoch dieser konkret ausgefallen ist, hängt auch davon ab, inwiefern neue Kunden berücksichtigt werden. Insgesamt verlor die Bank nach der Gebührenerhöhung wohl mehr als eine halbe Million Kunden, was einem Verlust von stattlichen zehn Prozent entspricht. Werden jedoch die neu gewonnenen Kunden berücksichtigt, bleibt Netto ein Verlust von etwa 300.000 Kunden, was etwas mehr als fünf Prozent sind. Interessant ist diese Entwicklung vor allem auch deshalb, weil Banken bis dato eine solche Dynamik nicht kannten. Deutsche Bankkunden galten seit jeher als ausgesprochen treu und ließen sich auch durch zum Teil satte Gebührenerhöhungen nicht zu einem Wechsel zu einem günstigeren Kontomodell bei der Konkurrenz bewegen. Da die Postbank mit Ihrem Schritt längst nicht alleine steht, sondern auch viele andere Banken derzeit unterschiedliche Gebühren einführen, könnte der Bankenlandschaft im Privatkundengeschäft in den nächsten Jahren noch einige Dynamik bevorstehen.

Auch andere Banken drehen an der Gebührenschraube

Zwar gilt die Postbank als das Institut, welches als erstes mit einer Gebührenerhöhung auf veränderte Marktbedingungen, unter anderem bei den Zinsen der Zentralbank reagiert hat. Mittlerweile haben jedoch zahlreiche andere Geldhäuser, die im Privatkundengeschäft aktiv sind, entsprechend nachgezogen. Das Besondere im Falle der Postbank war jedoch, dass diese lange Zeit mit einem konsequent kostenlosen Girokonto geworben hatte. Dass dann trotzdem nicht nur Gebühren eingeführt wurden, sondern das bisher kostenlose Kontomodell ersatzlos gestrichen wurde, hatte für einiges Aufsehen gesorgt. Und wie die Zahlen der Kundenentwicklung zeigen, ist dies auch nicht gänzlich ohne Folgen geblieben. Bei den Gebührenerhöhungen, die bei unterschiedlichen Instituten in den letzten Monaten stattgefunden haben, war stets ein ähnliches Prinzip zu beobachten. Zumeist wurde ein Basiskonto erhalten, welches zu geringen Gebühren, oder auch kostenlos angeboten wird. Hier erfolgt die Kontoführung in aller Regel komplett online und ein Filialservice ist nicht möglich. Für Zusatzleistungen, wie den Ausdruck von Kontoauszügen, Überweisungen und Geldeingänge sowie teilweise auch das Abheben von Bargeld wurden dann Gebühren erhoben, die sich insgesamt zu nicht unbeträchtlichen Gesamtbeträgen summierten. Demgegenüber stehen sogenannte Komfortangebote, bei denen alle diese Leistungen sowie zum Teil auch persönliche Beratung inbegriffen sind. Inwieweit ein Kundenschwund durch die Institute bewusst einkalkuliert oder sogar gewollt ist, lässt sich schwer beurteilen. Es ist aber denkbar, dass es sich für eine Bank durchaus lohnen kann, sich auf eine bestimmte Gruppe von Kunden zu konzentrieren. Auch die Postbank hat die Entwicklung der Kundezahlen dahingehend kommentiert, dass eine geringe Zahl von zahlenden Kunden deutlich wertvoller sei, als eine große Zahl von Kunden mit kostenlosen Konten. Welches Modell sich aus Sicht des Kunden letztendlich lohnt, hängt davon ab, wie intensiv das Konto tatsächlich genutzt wird und welcher Beratungsbedarf besteht. Gerade ältere Kunden möchten auf den persönlichen Kontakt zu einem Mitarbeiter bei der Bank nicht verzichten und entscheiden sich daher für die kostenintensiven Modelle. Im Prinzip ist es aber in vielen Fällen möglich, weiterhin kostengünstig Bankdienstleistungen in Anspruch zu nehmen, ohne die Bank wechseln zu müssen.

Was steckt hinter dieser Entwicklung?

Berechtigt ist vor dem Hintergrund dieser Entwicklung die Frage, warum gerade jetzt die Gebührenwelle rollt. Die Banken verweisen dabei gern auf die Politik der Europäischen Zentralbank, die ihrerseits die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt hat. Auf dieser Basis, so die Argumentation der Banken, lassen sich mit dem herkömmlichen Geschäft kaum noch ausreichende Gewinne erwirtschaften. Dies ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Insbesondere die großen Filialbanken, wie etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Sparkassen oder aber auch die Postbank haben lange Zeit vor allem auf den Ausbau ihrer Filialnetze gesetzt. Damit haben sie aber einen wichtigen Trend verpasst, wonach viele Kunden auf eine intensive Betreuung vor Ort gar keinen Wert legen. Ergebnis ist, dass viele Banken, die in der Fläche mit vielen Filialen vertreten waren, diese mittlerweile kaum noch kostendeckend unterhalten können. Seit Jahren erlebt Deutschland eine Welle von Filialschließungen. Neben den Kosten, die so eingespart werden, versuchen die Banken aber eben auch, über neue Gebühren ihre Ertragsseite zu stärken. Doch ein Konto mit hohen Gebühren ist längst nicht alternativlos. Wie Sie als Kunde reagieren können, wenn Ihnen das Konto zu teuer wird, zeigen wir im anschließenden Kapitel.

Wie sollten die Kunden reagieren?

Die Banken, die eine Gebührenerhöhung ankündigen, verweisen sicherlich nicht zu Unrecht darauf, dass sie mit einem Girokonto eine Dienstleistung anbieten, für die sie auch Geld verlangen dürfen. Dies ist absolut nachvollziehbar, doch sollte man sich als Kunde stets fragen, welche konkreten Leistungen tatsächlich benötigt und in Anspruch genommen werden. Auf dieser Basis kann dann bereits innerhalb des Angebotes einer Bank das entsprechende Modell ausgewählt werden. Wie bereits erwähnt, haben die allermeisten Institute zumindest ein einfaches und kostengünstiges Modell im Programm. Ist dies nicht der Fall, können aber auch die Fühler in Richtung anderer Anbieter ausgestreckt werden. Hier stehen sich in Deutschland grob gesagt zwei Konzepte gegenüber. Der klassischen Bank mit ihrer Filiale auf der einen Seite, setzen sogenannte Direktbanken ein deutlich kostengünstigeres Angebot entgegen. Diese Anbieter verfügen zumeist über nur sehr wenige oder gar keine Filialen mehr. Der komplette Service wird online abgewickelt. Die Kunden rufen die Kontoauszüge über ihren Account ab, stellen online Daueraufträge ein oder überprüfen den Eingang von Zahlungen über das Internet. Ein wichtiger Punkt, über den sich die Kunden in jedem Fall ausreichend Gedanken machen sollten, ist der Zugang zu Bargeld. Insbesondere kleine Direktbanken verfügen in aller Regel nicht über eigene Geldautomaten. Einige Direktbanken sind jedoch in größere Verbünde integriert, so dass kostenlos auf die Geldautomaten anderer Banken zurückgegriffen werden kann. Andere Anbieter verfolgen das Konzept, bei dem zum Girokonto eine kostenlose Kreditkarte gehört, mit der gebührenfrei an Automaten vieler anderer Institute Geld abgehoben werden kann. Ein zusätzlicher Vorteil liegt hier darin, dass mit der Kreditkarte auch ein problemloser Zugang zu Bargeld im Ausland möglich ist. Und auch der Wechsel zu einem neuen Girokonto bei einem anderen Institut stellt heutzutage kein großes Problem dar. Da die Direktbanken aktiv um neue Kunden werben, machen Sie diesen den Einstieg so einfach wie möglich und übernehmen den wesentlichen Aufwand. Per Gesetz sind aber auch die Altinstitute verpflichtet, ihre Kunden beim Wechsel zu unterstützen.

Fazit – Entwicklung bei der Postbank könnte erst der Anfang sein

Mit dem Schritt einer umfassenden Gebührenerhöhung hat die Postbank vor mehr als einem Jahr für einiges Aufsehen gesorgt. Mittlerweile zeigt sich, dass die Bankkunden längst nicht mehr so lethargisch auf neue Gebühren reagieren, wie lange vermutet. Rund 10 Prozent der Stammkunden haben innerhalb des letzten Jahres dem Institut den Rücken gekehrt. Auf der anderen Seite kamen aber auch einige neue Kunden hinzu, so dass unter dem Strich ein Verlust von rund fünf Prozent bleibt. Für eine Bank muss dies nicht unbedingt von Nachteil sein, wenn die Neukunden vor allem aus einer Klientel bestehen, die den Service der Bank in Anspruch nehmen und dafür auch gerne zahlen. Für die Kunden bedeutet dies auf der anderen Seite, dass sie sich genau überlegen sollten, was sie von ihrer Bank und von ihrem Girokonto erwarten.

Denn auch wenn die Gebührenerhöhung der Postbank längst kein Einzelfall ist, sondern mittlerweile viele Nachahmer gefunden hat, so bietet die Bankenlandschaft in Deutschland nach wie vor die Möglichkeit, ein Girokonto mit allen notwendigen Leistungen kostenlos zu führen. Beispiele hierfür sind etwa die DKB oder die Comdirect. Bei beiden Instituten handelt es sich um Direktbanken, die ihren Kunden ein reines Online Konto anbieten. Dabei werden für die Vergabe des Kontos auch keine Bedingungen an ein regelmäßiges Einkommen gestellt. Zum Leistungsumfang gehört außerdem eine Kreditkarte, mit der ein komfortabler Zugang zu Bargeld stets gewährleistet ist. Auch die ING DiBa hat ein kostenloses Girokonto im Angebot, zu dem auch eine Kreditkarte gehört. Allerdings wird hier ein regelmäßiger Geldeingang aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung vorausgesetzt.

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