• Donnerstag, 29. Januar 2026

Probleme der Sparkassen mit der HSH Nordbank

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Wenn’s ums Geld geht Sparkasse – so lautete lange der Slogan, mit denen die Institute mit dem roten „S“ im Logo um das Vertrauen der Kunden warben. Und nach wie vor gelten die Institute vielen deutschen Sparern nach wie vor als Inbegriff der Solidität und Seriosität. Immerhin sind die Sparkassen vergleichsweise gut durch die letzten Finanzkrisen gekommen, ohne dass es staatliche Hilfen brauchte. Wie jedoch ein aktueller Bericht des Wirtschaftsmagazins Wirtschaftswoche deutlich macht, sind auch nicht Sparkassenkunden vollständig gegen die Gefahren immun, die das Finanzgeschäft immer wieder mit sich bringt. Hauptgrund für die Gefahr, die dem Sparkassenverband und den Kunden der einzelnen Institute droht, ist die skandalgeschüttelte HSH Nordbank. Wo das Problem genau liegt und welche Konsequenzen für private Kunden drohen könnten, zeigen wir in den folgenden Abschnitten.

Wo liegt das Problem?

Probleme mit der HSH Nordbank gibt es schon länger. In den Büchern der Hamburgisch Schleswig-Holsteinischen Nordbank, so der vollständige Name, befinden sich faule Kredite in Milliardenhöhe, besonders aus dem Bereich Schiffskredite. Für die Bank, die 2003 durch eine Fusion der Landesbanken von Hamburg und Schleswig-Holstein entstand, wurden schon 2013 detaillierte Rettungspläne ausgearbeitet, in denen verschiedene Szenarien für den Umgang mit der wirtschaftlichen Schieflage aufgezeichnet werden. Tatsächlich befindet sich das Institut bereits seit 2008 mehr oder weniger in der Dauerkrise. Für die Sparkassen stellt die Zuspitzung der Problematik vor allem ein Problem dar, da viele Institute direkt oder indirekt bei der HSH Nordbank beteiligt sind. Zunächst ist die Sparkasse Schleswig-Holstein mit immerhin fünf Prozent direkt an der HSH Nordbank beteiligt. Deutlich schwerer wiegt allerdings, dass auch viele Sparkassen darüber hinaus mit ihren Einlagen bei dieser Bank engagiert sind. Nach dem Bericht der Wirtschaftswoche sind davon vor allem Sparkassen in Ostdeutschland und in Süddeutschland betroffen. Und noch ein weiterer Gesichtspunkt könnte noch äußerst brisant werden. Viele Sparkassen haben Anleihepapiere der HSH Nordbank ihren Kunden als absolut sichere Investitionsmöglichkeiten verkauft. Im schlimmsten Falle werden diese Papiere bei einer Abwicklung der Bank mehr oder weniger wertlos.

Was wären die Folgen?

Für die Sparkassen würden sich hieraus nicht nur Ersatzverpflichtungen gegenüber den Kunden in erheblichem Ausmaß ergeben, sondern auch ein enormer Verlust an Vertrauen wäre die Folge. Doch es geht längst nicht mehr nur um die Reputation der Institute, sondern nach Ansicht der Experten ist im schlimmsten Fall die gesamte Stabilität des Systems der Sparkassen in Gefahr. Denn auch die Institute, welche nicht durch Beteiligungen oder Einlagen in der HSH Nordbank engagiert sind, können sich im Endeffekt der finanziellen Verantwortung nicht entziehen. Selbst wenn die Fachleute aktuell noch darüber streiten, ob im Falle einer Insolvenz der HSH Nordbank die Sicherungssysteme der Sparkassen greifen oder nicht, sind die Folgen in jedem Fall gravierend. Ein direkter Haftungsfall wurde die Sicherungssysteme der Sparkassen extrem belasten. Ob danach die Einlagensicherungssysteme der Sparkassen noch als zuverlässig angesehen werden können, sprich, ob konkret die Einlagen der Kunden bis zu 100.000 Euro wie vorgeschrieben geschützt werden können, ist dabei sehr fraglich. Doch eine Abwicklung der Bank stellt nur die Ultima Ratio dar. Vorher sind die Verantwortlichen dazu verpflichtet, alle alternativen Möglichkeiten zu prüfen. Erst wenn diese gescheitert sind, kommt es zur Abwicklung und zur möglichen Inanspruchnahme der Sicherungssysteme. Als alternative Möglichkeit wird zunächst vor allem ein Verkauf geprüft. Angeblich liegen verschiedene Angebote für das Institut vor, jedoch wird von Fachleuten bezweifelt, dass es sich hierbei um wirklich realistische und akzeptable Angebote handelt. Denn nach wie vor befinden sich in den Bilanzen der HSH Nordbank unkalkulierbare Risiken, auch wenn ein Teil der faulen Kredite bereits ausgelagert wurde.

Was haben Sparkassenkunden konkret zu befürchten?

Was bedeutet aber dieses Szenario konkret für die Kunden der Sparkassen? Gelingt der Verkauf der HSH Nordbank, dürfte sich für die Sparkassen und ihre Kunden das Problem mehr oder weniger erledigt haben. Gelingt es den Verantwortlichen dagegen nicht, einen zuverlässigen Käufer zu finden, bleibt das Problem akut. Letztendlich müssen sich die Sparkassen entscheiden, ob sie die Bank retten oder ob es zu einer geordneten Abwicklung des Instituts kommen soll. Beides hat für die Sparkassen prinzipiell negative Auswirkungen. Eine Rettung würde eine enorme finanzielle Belastung darstellen, aber auch bei einer Abwicklung würden einzelne Institute sowie das gesamte System extrem belastet. Mit Blick auf die Kunden muss deutlich zwischen kurzfristigen und langfristigen Folgen differenziert werden. Zumindest mit Sicht auf die nächsten Wochen und Monate sind keine negativen Auswirkungen zu befürchten. Auch langfristig ist nicht davon auszugehen, dass private Kunden der Sparkassen nun um ihre Einlagen fürchten müssen. Anders sieht es natürlich bei den Käufern der Anleihen der HSH Nordbank aus, die durch die Sparkasse vermittelt wurden. Ob sich entsprechende Entschädigungsansprüche wirklich durchsetzen lassen, halten Fachleute für eher ungewiss. Deutlich gravierender dürften die Folgen auf lange Sicht sein. Egal wie die Bewältigung der Probleme der HSH Nordbank ausgeht, die finanziellen Belastungen werden alles in allem enorm sein. Diese Kosten werden früher oder später auf die Kunden abgewälzt. Mit weiteren Erhöhungen der Gebühren ist also bei den Sparkassen in diesem Fall zu rechnen. Noch viel schlimmer dürfte sich aber auswirken, dass die Sparkassen einen enormen Verlust an Vertrauen zu verzeichnen haben werden. Dies hätte dann sogar weitreichendere Folgen für den Finanzstandort Deutschland.

Warum sind die Sparkassen so wichtig?

Im schlimmsten Fall wenden sich viele Kunden von den Sparkassen ab, was zu einer weiteren Schwächung führen würde. Das wäre im Grunde kein Problem, wenn es sich bei den Sparkassen nicht um ein besonderes Element im deutschen Bankensystem handeln würde. Das deutsche Bankensystem besteht aus drei Säulen, nämlich den klassischen Geschäftsbanken, den Genossenschaftsbanken und eben den Sparkassen. Letztere haben seit jeher eine wichtige Rolle als Stabilitätsfaktor gespielt. Die Sparkassen sind größtenteils in kommunalem Besitz und dabei vor allem den privaten Verbrauchern und der regionalen Wirtschaft verpflichtet. Zudem treten die Sparkassen auch als gesellschaftliche Akteure auf, die vor Ort Projekte finanzieren und Vereine unterstützen. Mit ihrem umfassenden Filialsystem sind die Sparkassen zudem auch in kleineren Städten präsent und sorgen für eine flächendeckende Versorgung mit Bankdienstleistungen. All dies sind Vorzüge, die viele andere Länder in dieser Form nicht (mehr) zu bieten haben. Mit einer massiven Schwächung der Sparkassen würde auch diese deutsche Besonderheit zur Disposition stehen.

Fazit – Sparkassen stehen vor einem Dilemma

Für viele private Verbraucher ist die Sparkasse nach wie vor ein Inbegriff an Zuverlässigkeit und auch die Verantwortlichen vergessen bei keiner Gelegenheit, diesen Aspekt hervorzuheben. Einen großen Schatten wirft momentan die seit vielen Jahren anhaltende Krise um die HSH Nordbank auf dieses Bild. Mittlerweile kann nämlich nicht mehr ausgeschlossen werden, dass dieses Institut abgewickelt werden muss, sollte sich kein Käufer finden. Da einige Sparkassen direkt, darüber hinaus viele aber über Einlagen indirekt an der HSH Nordbank beteiligt sind, droht eine Schieflage des gesamten Systems der Sparkassen, einer wichtigen Säule im deutschen Finanzsektor. Im Prinzip stehen die Sparkassen vor den beiden schlechten Alternativen, die Bank zu retten oder eine Abwicklung einzuleiten. Beides wäre mit enormen finanziellen Belastungen sowie mit einem möglichen Vertrauensverlust verbunden. Folgen könnte eine Schwächung aller Sparkassen sein und darüber hinaus eine weitere Verschlechterung der Konditionen in Form von steigenden Gebühren. Generell haben die Sparkassen die kostenlosen Girokonten weitgehend aus dem Programm genommen. Kunden, die auf den Service in der Filiale gut und gerne verzichten können, stehen aber nach wie vor kostenlose Alternativen zur Verfügung. Nach wie vor bietet die DKB ein komplett kostenloses Girokonto, zu dessen Leistungsumfang auch eine Kreditkarte gehört. Und auch die comdirect hat ein vergleichbares Modell im Programm. Bei beiden Angeboten gelten keinerlei Bedingungen hinsichtlich eines regelmäßigen Geldeingangs.

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