• Montag, 16. März 2026

Giro-News: Raiffeisenbank verzehnfacht Gebühren

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Da sage noch mal einer, die deutschen Banken würden immer nur kleckern und nicht klotzen. Um sage und schreibe 900 Prozent hat die Raiffeisenbank Oberursel zuletzt die Gebühren für das Girokonto erhöht und zwar von bisher drei Euro auf nun 30 Euro. Doch auch wenn dieser Schritt besonders heftig erscheint, so befinden sich die Kunden dieser Raiffeisenbank in bester Gesellschaft. Denn auch viele andere Banken haben die Gebühren für das Girokonto zuletzt kräftig angehoben. Waren die Bankkunden in Deutschland lange Zeit eine Kostenloskultur gewohnt, so scheinen sich diese Zeiten nun langsam dem Ende zuzuneigen. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Entwicklung? Erfahren Sie außerdem, wie sie als Kunde der rollenden Kostenlawine entkommen können.

Die Kostenloskultur beim Girokonto ist vorerst vorbei

Es ist noch gar nicht so lange her, da schien Deutschland wie ein Paradies für Bankkunden. Viele Banken warben mit kostenlosen Kontomodellen und lockten die Kunden sogar noch mit attraktiven Startguthaben. Wer also ein Konto eröffnete, konnte sich nicht nur auf den vollen Service zum Nulltarif freuen, sondern bekam sogar noch Bares als Bonus. Die Gründe für diese aus Sicht der Bankkunden komfortable Situation sind auf verschiedenen Ebenen zu finden. Zum einen gab es eine lebhafte Konkurrenz um neue Kunden. Mit Sparkassen, Genossenschaftsbanken und den Geschäftsbanken gab es drei verschiedene Gruppen von Instituten mit insgesamt etwa knapp 2.000 unabhängigen Banken. Darüber hinaus standen diese Banken einer robusten Kreditnachfrage gegenüber und konnten damit angesichts solider Zinsen auch kontinuierliche Gewinne erwirtschaften. Girokonten wurden dabei häufig einfach quersubventioniert und als Instrument für die Kundenakquise und Kundenbindung eingesetzt. Das Geschäftsmodell vieler Häuser sah also folgendermaßen aus: Kunden wurden mit attraktiven Konditionen für das Girokonto angelockt, in der Hoffnung, diese langfristig an das Institut zu binden. Später, so das Kalkül, sollten die Kosten über den Vertrieb anderer Produkte, also von Krediten, Sparformaten oder Versicherungen wieder hereingeholt werden.

Das alte Modell der Banken ist an seine Grenzen gestoßen

Lange Zeit hat dieses Modell auch recht gut funktioniert. Profitiert haben davon natürlich auch diejenigen Kunden, die keine zusätzlichen Produkte oder Beratungsdienstleistungen in Anspruch genommen haben. Doch mit der letzten Finanzkrise ist dieses Modell an seine Grenzen gestoßen. Zunächst haben verschiedene Skandale und damit einhergehende Verluste von Privatkunden das Vertrauen in die Institute und deren Beratung arg beeinträchtigt. Zudem verfolgt die Europäische Zentralbank zur Stimulierung der Wirtschaft seit mehr als fünf Jahren eine Politik der extrem niedrigen Zinsen. Für viele Banken ist also der Vertrieb gewinnträchtiger Produkte ins Stocken geraten, während gleichzeitig die Gewinne aus dem Kreditgeschäft weggebrochen sind. Hinzu kam, dass viele Banken recht aufwendig in ihre Filialnetze investiert hatten. Diese Filialen sowie das notwendige Personal sorgen nun zusätzlich für Kosten, die auch irgendwie erwirtschaftet werden müssen. Dabei war es nur eine Frage der Zeit, bis die vielfach kostenlosen Girokonten in den Fokus gerückt sind. Interessant war vor allem zu beobachten, wie lange viele Institute mit diesem Schritt gezögert haben. Denn nach wie vor ist die Angst der Institute groß, mit einer Gebührenerhöhung zu viele Kunden zu verschrecken und niemand wollte der erste sein. Doch seit nun etwa zwei Jahren ist die Welle der Gebührenerhöhungen für das Girokonto in vollem Gang, nachdem einige große Institute in die Offensive gegangen waren. Der Schritt, den zuletzt die Raiffeisenbank Oberursel gegangen ist, stellt Im Rahmen dieser Entwicklung nur ein besonders markantes Beispiel dar.

Schritt der Raiffeisenbank Oberursel besonders drastisch

Da werden sich wohl einige Kunden der Raiffeisenbank Oberursel verwundert die Augen gerieben haben, als sie durch das Schreiben ihres Instituts über die Neuerungen in Kenntnis gesetzt wurden. Manch einer mag auf einen Druckfehler gehofft haben, bei dem sich eine null zu viel in das Schreiben geschlichen hat. Doch die Erhöhung der Grundgebühr für das Girokonto von drei Euro auf zukünftig 30 Euro war voller Ernst. Natürlich hat die Bank ihren Kunden diesen Schritt nicht als schnöde Gebührenerhöhung verkauft, sondern als Neustrukturierung des Angebotes. Dabei handelt es sich bei dem betroffenen Kontomodell, welches zum stolzen Preis von 30 Euro geführt werden kann, um ein Full-Service-Angebot. Während also früher für viele Leistungen, wie etwa das Abheben von Bargeld, die Einrichtung von Daueraufträgen, dass Überweisen von Geld oder auch das Versenden von TANs für das Online Banking separate Gebühren berechnet wurden, sind nun alle Leistungen rund um das Konto inklusive. Ob es sich für die Kunden aber als ein besseres Angebot erweist, ist sehr fraglich. Der Bank muss man aber gleichwohl zu Gute halten, dass auch eine attraktive Alternative angeboten wird. Entscheidet sich der Kunde für das reine Online Banking, kann er sogar sein Konto ohne Grundgebühr nutzen. Zusatzkosten fallen allenfalls für Dienstleistungen an, die direkt in der Filiale in Anspruch genommen werden.

Ärgerlich ist der Schritt aber trotzdem vor allem für Kunden, denen der Schritt zum Online Banking schwerfällt oder sogar unmöglich ist, insbesondere den Senioren. Darüber hinaus dürfte die Angebotsstruktur der Raiffeisenbank Oberursel auch exemplarisch dafür stehen, wie sich die gesamte Bankenlandschaft in den nächsten Jahren entwickeln könnte.

Wie geht es weiter? – Aufspaltung der Bankenlandschaft wahrscheinlich

Bei der Raiffeisenbank Oberursel haben die Kunden nun die Möglichkeit, sich zwischen einem teuren Kontomodell mit vollen Service oder einem ausschließlich online basierten Angebot zu entscheiden. Tatsächlich scheint sich auch die gesamte Bankenbranche in Deutschland in Richtung dieser beiden Modelle zu entwickeln. Auf der einen Seite stehen dabei die klassischen Banken wie Sparkasse oder auch Deutsche Bank, die mit ihren Filialen und Mitarbeitern einen umfangreichen und vor allem persönlichen Service bieten können. Demgegenüber stehen die vergleichsweise jungen Direktbanken, die auf teure Niederlassungen in den Innenstädten verzichten und ihre Leistungen fast ausschließlich online anbieten. Mit verschiedenen Tochterinstituten sind auch die großen deutschen Institute längst auf diesen Zug aufgesprungen. Mit der 1822direkt wirbt etwa eine Tochter der Frankfurter Sparkasse um kostenbewusste junge Kunden. Die Deutsche Bank ist mit der norisbank vertreten und die Commerzbank schickt seit Jahren die Comdirect ins Rennen. Für die Kunden heißt es vor diesen Hintergrund, sich zu entscheiden, ob die Bankgeschäfte größtenteils in eigener Regie und online ausgeführt werden sollen, oder ob weiterhin der Besuch einer Filiale favorisiert wird. Auch wenn es in beiden Bereichen starke Unterschiede bei Angebot und Kosten gibt, sind die wirklich günstigen oder gar kostenlosen Kontomodelle ausschließlich im Bereich der Direktbanken zu finden.

Welche Möglichkeiten bleiben für die Kunden?

Nicht immer bleibt bei der Neuausrichtung des Gebührenmodells einer Bank für die Kunden die Möglichkeit, weiterhin auf ein kostenloses Girokonto auszuweichen, bei denen die Geschäfte eigenständig online abgewickelt werden und ein eingeschränkter Service zur Verfügung steht. Denn viele Banken haben zuletzt die kostenlosen Angebote komplett aus dem Programm genommen. Doch wie können die Kunden auf eine solche Maßnahme ihrer Bank reagieren? Zunächst besteht immer die Möglichkeit, dem Schritt der Bank schriftlich zu widersprechen. In einigen Fällen ist die Änderung der Konditionen auch mit Formfehlern einhergegangen, so dass juristisch dagegen vorgegangen wurde. Damit lassen sich die neuen Gebühren aber bestenfalls verschieben, nicht jedoch langfristig verhindern. Ist also kein attraktives Kontomodell mehr im Angebot, sollte der Blick auf andere Institute erweitert werden. Dabei sollten allerdings nicht ausschließlich die Gebühren in den Vergleich einbezogen werden. Am Anfang der Suche nach einem passenden Girokonto sollte stets die Frage stehen, was man sich als Bankkunde überhaupt wünscht. So sollten Bankkunden überlegen, wie oft sie innerhalb der letzten Jahre eine Filiale besucht und persönliche Beratung in Anspruch genommen haben. War dies selten oder gar nicht der Fall, ist eine Direktbank vermutlich die bessere Alternative. Zu prüfen ist außerdem, wie man bei dem neuen Institut an Bargeld kommt. Ein kostenloses Girokonto nützt wenig, wenn für die Fahrt zum nächsten Geldautomaten lange Strecken zurückgelegt werden müssen oder durch die Nutzung von fremden Automaten neue Gebühren drohen. Berücksichtigt werden kann dabei aber auch, dass es mittlerweile auch unkonventionelle Möglichkeiten des Bargeldbezuges gibt, etwa durch Abhebungen im Supermarkt oder an Tankstellen.

Fazit – Gebührenerhöhung der Raiffeisenbank nur ein Stein im Mosaik

Dass die Zeit eines flächendeckenden kostenlosen Angebots bei Girokonten dem Ende entgegengeht, ist aus Sicht von Experten schon länger klar. Der jüngste Schritt der Raiffeisenbank Oberursel, bei dem die Gebühr kurzerhand von drei Euro auf 30 Euro im Monat verzehnfacht wurde, ist im Rahmen dieser Entwicklung nur ein besonders drastisches Beispiel, letztlich aber nur ein einzelner Stein im Mosaik. Tatsächlich haben nämlich fast alle Banken in Deutschland mittlerweile ein veritables Kostenproblem. Die Filialen sowie das dort beschäftigte Personal lasten schwer auf den Bilanzen. Gleichzeitig sind durch die niedrigen Zinsen im Kreditgeschäft lange sicher geglaubte Einnahmen weggebrochen. Auch mit den Einlagen der Kunden lässt sich durch den negativen Einlagezins der EZB kein Gewinn mehr erzielen. Im Gegenteil kostet es die Banken sogar zusätzlich Geld. Die Einnahmeausfälle sollen nun vor allem durch neue Gebühren für Girokonten und deren Nutzung erwirtschaftet werden. Demgegenüber stehen aber Angebote von Direktbanken, die ihre Leistungen ohne Filialen ausschließlich online anbieten. Hier mischen die großen Institute mit ihren Tochterinstituten ebenfalls mit.

Die Kunden haben so weiterhin die Möglichkeit, von kostenlosen Girokonten zu profitieren. Ein Beispiel ist etwa die Comdirect, die neben dem Girokonto auch noch eine Kreditkarte zur Verfügung stellt. Die Vergabe des Girokontos ist dabei an keinerlei Bedingungen bezüglich des regelmäßigen Einkommens geknüpft. Ein vergleichbares Modell bietet auch die Deutsche Kreditbank (DKB). Mit der Santander gibt es sogar noch eine Filialbank, die ein kostenloses Girokonto ohne Wenn und Aber im Programm hat. Allerdings kann dieses Konto nur dann genutzt werden, wenn ein regelmäßiges Einkommen vorhanden ist und auch auf dem Konto eingeht.

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