• Donnerstag, 29. Januar 2026

Giro-News: Sparda Bank Berlin Girokonto nicht mehr kostenlos

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Mit der Sparda Bank Berlin hat nun ein weiteres Institut sich von seinem kostenlosen Girokonto verabschiedet. Dieser Schritt reiht sich in eine ganze Serie von Gebührenerhöhungen für Girokonten ein. Während bis vor einigen Jahren das kostenlose Girokonto eher die Regel als die Ausnahme war, ist die Auswahl an Girokonten ohne Gebühren mittlerweile sehr übersichtlich. Doch wie sieht das neue Gebührenmodell bei der Sparda Bank konkret aus und was genau steckt hinter dieser Entwicklung? Die gute Nachricht: Es gibt immer noch günstige Alternativen!

Mit der Sparda Bank nimmt ein weiteres Institut sein kostenloses Girokonto aus dem Programm

Lange Zeit gehörte ein kostenloses oder zumindest ausgesprochen günstiges Girokonto zum Geschäftsmodell sehr vieler Banken. Das Kalkül hinter diesen Angeboten war denkbar einfach. Mit einem kostenlosen Girokonto sollten Kunden angelockt und an das Unternehmen gebunden werden. Langfristig, so die Hoffnung der Banken, würde sich dies irgendwann auszahlen, wenn die Kunden dann andere Produkte und Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Tatsächlich hat dieses Prinzip über viele Jahre hinweg funktioniert. Die Banken nahmen es dabei hin, dass sie mit dem Girokonto allein in vielen Fällen einen Verlust machten, so lange die Einnahmen in anderen Bereichen reichlich sprudelten. Dies war etwa der Fall im Kreditgeschäft oder auch bei der Vermittlung von Geldanlagen oder Versicherungen. Und auch mit staatlich finanzierten Rentenprodukten, wie insbesondere der Riester-Rente, konnten die Banken lange Zeit gutes Geld verdienen. Doch dieses Geschäftsmodell ist in den letzten Jahren zunehmend an seine Grenzen gestoßen. Dass die Banken so lange an den kostenlosen Angeboten festgehalten haben, lag vor allem an der großen Anzahl von Instituten in Deutschland und der entsprechend großen Konkurrenz um die Kunden. Kein Institut wollte den ersten Schritt gehen und das bestehende kostenlose Girokonto aus dem Programm nehmen. Zu sehr hatten sich die Kunden an diese Angebote gewöhnt, so dass befürchtet werden musste, dass sie in Scharen abwanderten.

Erst nachdem einige große Institute, wie etwa die Postbank den ersten Schritt machten und dabei für einen großen Aufschrei in den Medien sorgten, kam eine Art Lawine in Gang. Nach und nach schlossen sich immer mehr Unternehmen an und strukturierten ebenfalls ihr Angebot um. Gleichwohl war dabei ein klares Muster zu erkennen. Vor allem große Institute mit umfangreichen Filialnetzen waren unter den Anbietern, die zuerst die Gebühren erhöhten. Demgegenüber standen die Direktbanken, die über eine deutlich günstigere Kostenstruktur verfügten und daher weiter kostenlose Girokonten anbieten konnten. Auch die Sparda Bank zählte lange zu denjenigen Banken, die vor allem für eine günstige Kostenstruktur und niedrige Gebühren bekannt war. Daher kann dem Schritt der Sparda bank auch eine so hohe Bedeutung beigemessen werden. Entsprechend drastisch waren auch die Worte der Geschäftsleitung, die von einer Zeitenwende sprach. Was genau im Gebührenmodell verändert wurde, zeigen wir im folgenden Abschnitt.

So sieht das neue Gebührenmodell der Sparda Bank aus

Mit der Umstrukturierung ihres Angebotes hat die Sparda Bank zunächst einmal das kostenlose Girokonto für jedermann gestrichen. Ab Oktober kostet das einfache Online Konto nun 1,50 Euro pro Monat. Damit können online alle Buchungen, also Daueraufträge, Überweisungen aber auch Geldeingänge ohne zusätzliche Gebühren genutzt werden. Kontoauszüge gibt es ausschließlich über die digitale Postbox und können grundsätzlich nicht am Automaten in der Filiale ausgedruckt werden. Sogenannte beleghafte Überweisungen kosten bei diesem Kontomodell jeweils drei Euro. Daneben gibt es das Girokonto Plus, bei dem die Abholung von Kontoauszügen am Drucker in der Filiale bis zu zwei Mal im Monat im Preis inbegriffen ist. Zu beiden Kontomodellen gehört außerdem eine Karte, mit der an den Automaten des Instituts kostenlos Bargeld abgehoben werden kann. Für dieses Modell werden monatlich immerhin 3,90 fällig. Allerdings gelten diese Bedingungen nur dann, wenn der Kontoinhaber Mitglied bei der genossenschaftlich organisierten Bank ist und über ein regelmäßiges Einkommen verfügt, welches zudem auf dem entsprechenden Konto eingeht. Ist dies nicht der Fall, müssen für das Girokonto mindestens 11,90 Euro berappt werden. Zudem müssen bei allen Kontomodellen auch Zusatzkosten eingeplant werden, etwa für die Ausgabe einer zweiten Karte oder für das Versenden von mobilTANs. Nur zwei TANs je Monat sind kostenlos, jede zweite kostet 0,19 Euro. Kostenlos bleiben allerdings die Kontomodelle für Schüler, Wehrdienstleistende oder Studierende, für die das Girokonto Jugend konzipiert wurde.

Was steckt hinter den Gebührenerhöhungen?

Doch warum, so werden sich viele Bankkunden fragen, steigen gerade jetzt die Gebühren für die Girokonten auf breiter Front an? Schließlich hat es in den letzten Jahren doch auch bei so vielen Banken funktioniert. Die Wirtschaft läuft gut, es gibt einen Boom bei den Immobilienkrediten und wesentliche Änderungen bei den Zinsen hat es zumindest in den letzten zwei Jahren nicht gegeben. Tatsächlich, so die Meinung von Insidern, dürfte die Entwicklung Teil eines großen Umwälzungsprozesses in der Bankenbranche sein. Ein wichtiger Grund sind zunächst die Leitzinsen der EZB, die nun seit fast schon sieben Jahren auf extrem niedrigem Niveau sind. Seit drei Jahren wird sogar ein negativer Leitzins erhoben. Mit diesem Schritt will die EZB vor allem die Wirtschaft in der Eurozone ankurbeln. Für die Banken bedeutete dies aber, dass zum einen die Gewinnspannen im Kreditgeschäft deutlich zurückgegangen sind und darüber hinaus die Einlagen der Kunden statt Zinsen abzuwerfen nun Kosten verursachen. Denn die Einlagen der Kunden werden seit jeher in einem gewissen Umfang bei der EZB zwischengelagert. Bei einem negativen Einlagezins müssen dafür Gebühren gezahlt werden. Viele Banken, die aufgrund umfangreicher Filialnetze und vielen Mitarbeitern über eine ungünstige Kostenstruktur verfügen, geraten dadurch an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit. Den Ausweg suchten sie auch in höheren Gebühren für das Girokonto. Demgegenüber stehen aber die sogenannten Direktbanken, die ihr Geschäft vorrangig oder sogar ausschließlich über das Internet betreiben. Ohne Filialen verfügen diese über einen riesigen Kostenvorteil. Dementsprechend gibt es nach wie vor noch eine gewisse Auswahl von Banken, die auch kostenlose Girokonten anbieten können.

Welche Möglichkeiten bleiben den Kunden?

Auch wenn das Angebot im Bereich kostenloser Girokonten in den letzten Jahren deutlich zusammengeschrumpft ist, so gibt es noch nach wie vor eine ausreichende Auswahl. Insgesamt 23 kostenlose Kontomodelle konnten zuletzt durch die Verbraucherzentralen identifiziert werden. Für die Kunden heißt das vor allem, dass sie nach wie vor die Möglichkeit haben, ihre Bankgeschäfte weitgehend gebührenfrei zu erledigten. Hierfür ist aber die Bereitschaft notwendig, zu einer Direktbank zu wechseln, bei der das Girokonto ausschließlich online geführt wird. Überweisungen oder das Abholen von Kontoauszügen in der Filiale sind bei diesen Modellen nicht vorgesehen, genauso wie eine persönliche Beratung. Der Service wird bei diesen Instituten häufig telefonisch oder auch online abgewickelt. Die Kunden sollten sich also zunächst die Frage beantworten, ob sie grundsätzlich bereit sind, auf entsprechende Angebote in der Filiale zu verzichten.

Ein zweites wichtiges Kriterium ist zudem die Versorgung mit Bargeld. Gerade viele kleine Direktbanken verfügen über kein eigenes Automatennetz. Das Abheben von Bargeld kann dann unter Umständen sehr teuer werden, wenn nämlich die Automaten der Konkurrenz genutzt werden müssen. Darüber hinaus experimentieren die Banken auch zunehmend mit alternativen Angeboten, wie etwa dem Abheben von Bargeld im Supermarkt im Rahmen des Einkaufs. In jedem Fall sollte vor einem möglichen Wechsel geklärt werden, wie und zu welchen Kosten der Bargeldbezug möglich ist. In vielen Fällen kostenloser Girokonten gehören auch Kreditkarten zum Leistungsumfang. Damit kann dann an fast allen Automaten in Deutschland kostenlos Bargeld bezogen werden. Zudem bietet eine solche Kreditkarte auch im Ausland deutlich größere Spielräume bei der Bargeldversorgung sowie beim bargeldlosen Bezahlen. Unkompliziert ist dagegen der Wechsel zu einer solchen Direktbank. In fast allen Fällen wird ein sogenannter Wechselservice angeboten. Nach dem sich der Nutzer online registriert und entweder per Video oder auch per Postident legitimiert hat, wird auf Wunsch die Umstellung aller Kontoverbindungen, wie Daueraufträge und Überweisungsvorlagen durch eine Software übernommen. Auch bisherige Zahlungspartner, die per Lastschrift Geld vom Konto abbuchen, werden automatisch über die neue Kontoverbindung informiert. Der Aufwand, der für den Wechsel notwendig ist, umfasst auch bei bisher stark genutzten Girokonten mit vielen Transaktionen häufig nicht mehr als 10 bis 20 Minuten.

Fazit – Sparda Bank ist mit der Einführung von Gebühren nicht allein

Mit dem Wort Zeitenwende hat der Vorstand der Spada Bank Berlin den Schritt seines Institutes kommentiert, das kostenlose Girokonto aus dem Programm zu nehmen. Seit über 25 Jahren hat das kostenlose Girokonto zum festen Bestandteil des Angebotes dieser Bank gehört. Doch mit dem Schritt befindet sich die Sparda Bank Berlin in bester Gesellschaft. Ein Großteil der Institute hat sich in den letzten Monaten und Jahren zu einer Einführung bzw. Erhöhung von Gebühren entschlossen, und kostenlose Girokontenmodelle gestrichen. Zur Begründung werden die niedrigen Zinsen genannt, die den Banken die Gewinne im Kreditgeschäft verhageln. Demgegenüber steht aber natürlich auch ein Kostenproblem. Viele Banken verfügen über teure Filialnetze, die sie nicht kostendeckend auslasten können. Gewinner dieser Entwicklung sind daher die sogenannten Direktbanken, also Institute, die über keine oder nur sehr wenige Filialen verfügen.

Girokonten können bei diesen Instituten ausschließlich per Online-Banking geführt werden. Unter diesen Banken finden sich nach wie vor viele Anbieter von kostenlosen Girokonten. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Deutsche Kreditbank (DKB). Die Vergabe des kostenlosen Girokontos wird dabei nicht an einen regelmäßigen Geldeingang geknüpft. Zusätzlich zum Girokonto und der Bankkarte erhält der Kunde auch eine Kreditkarte von VISA, mit der deutschlandweit aber auch im Ausland kostenlos Geld abgehoben werden kann. Zusätzliche Leistungen erhalten die Kunden bei der DKB als „Aktiv-Kunden“. Hierfür müssen mindestens monatlich 700 Euro auf dem Konto eingehen. Auch die Comdirect hat ein vergleichbares Angebot. Ohne Bedingungen können die Kunden Girokonto, Bankkarte und Kreditkarte kostenlos nutzen. Ein etwas anderes Modell verfolgt dagegen die 1822direkt. Die Tochter der Frankfurter Sparkasse bietet ihren Kunden ebenfalls ein kostenloses Girokonto für das Online Banking. Eine Kreditkarte gibt es dabei jedoch nicht. Stattdessen können die Kunden aber mit ihrer Bankkarte das umfangreiche Automatennetz der Sparkassen in Deutschland gebührenfrei nutzen.

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