• Donnerstag, 29. Januar 2026

Giro-News: Sparkasse drängt Kunden Paydirekt-Angebot auf

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Da haben die Sparkassen mit Paydirekt endlich mal ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht, und schon wieder gibt es damit nur Ärger. Nach dem sich die Nutzungszahlen in den letzten Jahren und Monaten nur ausgesprochen schleppend entwickelten und deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben, haben nun auch schon wieder die ersten Geschäftskunden ihre Zusammenarbeit beendet. Und auch der Versuch, die Kunden faktisch zwangsweise zu beglücken, ging aus Sicht der Sparkassen nicht reibungsfrei über die Bühne. Verbraucherschützer zeigten sich über die Praxis empört, jedem Sparerkassenkunden automatisch ein eigenes Paydirekt-Konto einzurichten und die entsprechenden Daten automatisch weiterzuleiten. Auf Kritik stieß dabei vor allem die Art und Weise, in der die Kunden über diesen Schritt informiert wurden. Wir wollen zunächst zeigen, worum es bei dem Angebot Paydirekt überhaupt geht und warum sich die Sparkassen derzeit so schwer damit tun, dieses Angebot unter die Leute zu bringen.

Was ist Paydirekt?

Bei dem Anbieter Paydirekt handelt es sich um ein online basiertes Zahlungssystem, welches zusätzlich zum klassischen Zahlungsverkehr über das Girokonto oder etwa auch zur Kreditkarte angeboten wird. Theoretisch können Kunden hiermit unkompliziert bei Online Shops einkaufen oder auch andere kostenpflichtige Angebote im Internet nutzen. Hierzu können etwa Streaming-Dienste, Medienangebote oder auch Online Broker gehören. Mit dem Angebot von Paydirekt wollten die deutschen Banken, allen voran die Sparkassen ein alternatives und dabei besonders sicheres Verfahren anbieten. Denn entsprechende Dienste, die genau diese Funktion erfüllen, gibt es schon seit geraumer Zeit. Der weltweit führende Zahlungsanbieter ist der Online Dienst PayPal, der nach eigenen Angaben in Deutschland mittlerweile mehr als 16 Millionen Kunden hat. Der Vorteil, mit dem die Sparkassen ihren innovativen Online-Dienst in Stellung bringen wollten, war die direkte Verbindung mit dem bestehenden Girokonto. Demgegenüber handelt es sich bei den herkömmlichen Angeboten von Unternehmen wie PayPal um externe Zahlungsanbieter, bei denen eine zusätzliche Schnittstelle notwendig wird, was unter Umständen ein Sicherheitsrisiko darstellen kann.

Doch dieser vermeintliche Vorteil konnte bisher nur sehr wenige Kunden davon überzeugen, ein Konto für den Bezahldienst Paydirekt einzurichten, geschweige denn, damit auch zu bezahlen. Und obwohl Experten diesem neuen Dienst eine hohe technische Qualität und auch ein exzellentes Sicherheitsniveau bescheinigen, blieben die Nutzungszahlen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Den Sparkassen, die federführend hinter diesem Projekt stehen, läuft nun offenbar die Zeit weg. Nur so ist es zu erklären, dass sie nun mit etwas zweifelhaften Methoden in die Offensive gehen.

Warum gehen die Sparkassen mit Paydirekt in die Offensive?

Bei Dienstleistungen, wie Bezahlsystemen, handelt es sich um Angebote, die erst wirtschaftlich betrieben werden können, wenn eine ausreichend große Reichweite und damit auch eine umfassende Nutzung stattfindet. Doch je stärker sich bereits andere Anbieter etabliert haben, desto schwieriger ist es für Neueinsteiger, in diesem Markt vorzudringen und Anteile zu erkämpfen. Vor genau diesem Problem steht aber Paydirekt derzeit. Um die Technik entsprechend auszulasten, und die Investitionskosten zu erwirtschaften, müssen nach Schätzungen mindestens fünf bis zehn Millionen Kunden gewonnen werden, die diesen Dienst regelmäßig nutzen. Von dieser Schwelle ist Paydirekt aber noch meilenweit entfernt. Gibt es aber zu wenig Nutzer, die sich für ein bestimmtes System entscheiden, ist auch der Handel nicht bereit, dieses Bezahlsystem anzubieten. Denn für die Bereitstellung der Technik müssen entsprechende Gebühren entrichtet werden. In den letzten Monaten ist bekannt geworden, dass sich einige Großkunden bereits wieder verabschiedet haben. Um den Anschluss nicht vollständig zu verlieren, haben die Sparkassen nun eine etwas robustere Gangart gegenüber ihren Kunden eingeschlagen. Wie das Portal t3n zuletzt berichtete, wurde allen Sparkassenkunden praktisch zwangsweise ein Paydirekt Konto eingerichtet. Besonders pikant an diesem Vorgehen ist aber der Umgang mit den Daten der Kunden. Zwar wurden die Kunden durch die Sparkassen schriftlich über den Schritt informiert. In diesem Schreiben wird auch auf das Recht auf Widerspruch hingewiesen. Bleibt dieser schriftliche Widerspruch durch den Kunden aus, werden auch vertrauliche Daten der Kunden an Paydirekt weitergeleitet. Die Sparkasse ist der Auffassung, dass dieses Vorgehen sowohl durch die allgemeine Gesetzeslage als auch durch ihre eigenen AGB gedeckt ist. Als Beschwichtigung heben die Vertreter der Sparkassen vor allem der Umstand hervor, dass es sich lediglich um ein zunächst nur vorregistriertes Paydirekt-Konto handelt. Demnächst werden sich wohl die Behörden oder sogar Gerichte mit diesem Fall befassen.

Was kommt auf die Kunden zu und wie sollten sie reagieren?

Für die betroffenen Kunden, nach Angaben des Portals tn3 soll es sich um immerhin 2,6 Millionen Kontoinhaber bei der Sparkasse handeln, heißt dies zunächst, sich mit dem Schreiben genauer auseinanderzusetzen. Grundsätzlich sollte aber natürlich auch darüber nachgedacht werden, ob zukünftig auch auf Paydirekt als Zahlungsdienstleister gesetzt werden soll. Fachleute sehen es durchaus als wichtig an, dass in Deutschland ein funktionierender alternativer Zahlungsdienst zur Verfügung steht, der dem amerikanischen Platzhirschen PayPal Paroli bieten kann. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines drohenden Handelskrieges könnten etwa auch Zahlungsdienste von möglichen Sanktionen betroffen sein, so dass die deutsche Industrie bzw. der deutsche Handel plötzlich ohne eine echte Alternative dastehen könnte. Für die Kunden selber sollte aber nicht aus Patriotismus entschieden, sondern vor allem rational abgewogen werden, ob auch auf Paydirekt gesetzt wird, oder nicht. Das dem Anbieter dann auch entsprechende Kontodaten sowie weitere persönliche Informationen übermittelt werden müssen, liegt auf der Hand. Dies ist aber bei anderen Zahlungsanbietern letztlich genauso der Fall. Gerade wer häufig im Internet einkauft oder Online-Dienstleistungen nutzt, kann mit einem Paydirekt Account seine Möglichkeiten zukünftig durchaus erweitern. Wer dies jedoch nicht wünscht, sollte dem Vorschlag der Sparkassen schriftlich widersprechen. Hierfür wurde den betroffenen Kunden eine Frist bis zum 6. November eingeräumt.

Gibt es auch Alternativen zum Konto bei der Sparkasse?

Auch wenn die Sparkassen sich mit dem Onlinebezahldienst Paydirekt als innovative Finanzdienstleister gegenüber den Kunden in Stellung bringen wollen, ist es durchaus sinnvoll, das Gesamtangebot eines Girokontos in den Blick zu nehmen und möglichst gründlich zu vergleichen. Das Online-Bezahlangebot Paydirekt ist dabei nur ein Faktor von vielen. Kunden sollten wissen, dass es sich hierbei längst nicht um ein Angebot handelt, welches den Kunden der Sparkassen exklusiv zur Verfügung steht. Tatsächlich sind auch viele andere deutsche Institute an diesem Projekt beteiligt, unter anderem die beiden weiteren großen Deutschen Häuser Commerzbank und Deutsche Bank, die Genossenschaftsbanken, aber auch zahlreiche weitere Banken. Und spätestens dann, wenn die Nutzerzahlen steigen, werden sich auch die meisten anderen Banken für dieses System interessieren. Fakt ist aber auch, dass die Kunden derzeit nicht auf Paydirekt angewiesen sind. Ausschlaggebend für die Wahl der passenden Hausbank bzw. des passenden Girokontos sollten daher vor allem Leistungen und Gebühren sein. Und gerade hier schneiden viele Sparkassen in einem direkten Vergleich nicht besonders gut ab. Viele Sparkassen haben in den letzten Jahren versucht, sich als beratungsstarke Dienstleister zu positionieren, die ihren Kunden in der Filiale einen überdurchschnittlichen Service bieten. Dafür wurden aber hohe Gebühren rund um das Girokonto berechnet, ob die Kunden die Beratung nun nutzen oder nicht. Angefangen von Kontoführungsgebühren über Gebühren für die Ausführung von Buchungen aller Art bis hin zum kostenpflichtigen Geldabheben blieben kaum einzelne Dienstleistungen kostenfrei.

Als Alternative gibt es in Deutschland jedoch eine Vielzahl von Direktbanken, die die Nutzung des Girokontos nach wie vor kostenlos anbieten. Verzichten müssen die Kunden hier allerdings auf die persönliche Beratung in der Filiale. Der Kundenservice muss aber trotzdem nicht schlecht sein und wird häufig online oder auch telefonisch abgewickelt. Ein wichtiges Kriterium sollte bei der Wahl des passenden Angebotes auch der Zugang zu Bargeld sein. Einige Anbieter verfügen über kein oder nur ein sehr kleines Netz an Automaten. Muss dann häufiger an fremden Automaten Geld abgehoben werden, ist der erwünschte Spareffekt schnell wieder dahin. Einige Direktbanken mit kostenlosen Girokonten statten ihre Kunden zusätzlich mit Kreditkarten aus, mit denen sie an fast allen Geldautomaten in Deutschland kostenlos Geld abheben können. Zudem ist auch die Bargeldversorgung im Ausland gesichert. Und auch einige Direktbanken bieten Paydirekt an, wie etwa die ING-Diba.

Fazit – Günstiges Banking ist mit oder ohne Paydirekt möglich

Mit dem Online-Bezahlservice Paydirekt versuchen die deutschen Banken, allen voran die Sparkassen, verlorenes Terrain gegenüber dem führenden Anbieter PayPal zurückzugewinnen. Rein technisch wird Paydirekt eine hohe Qualität bescheinigt. Allerdings hapert es nach wie vor bei der Marktdurchdringung. Da sich die Nutzerzahlen nur sehr schleppend entwickeln, stellt sich auch der Handel eher zögerlich auf dieses neue System ein. Um die Entwicklung etwas zu beschleunigen, haben sich die Sparkassen zu einem Schritt entschlossen, der aus Sicht der Verbraucherschützer sehr kritisch zu bewerten ist. Den Kunden soll automatisch ein entsprechender Account für Paydirekt eingerichtet werden, wobei auch sensible Stammdaten an den neuen Anbieter übermittelt werden. Auf diese Vorgehensweise wird zwar in einem Schreiben hingewiesen, in dem auch auf ein Widerspruchsrecht aufmerksam gemacht wird. Aus Sicht der Verbraucherschützer ist dies aber deutlich zu wenig.

Wie sich der Online-Dienst Paydirekt in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist ebenfalls nicht abzusehen. Ein echtes Kriterium für die Auswahl des passenden Girokontos ist es jedenfalls nicht. Hier sollten kostenbewusste Verbraucher vor allem auf Gebühren und angebotene Leistungen achten. Und nach wie vor gibt es kostenlose Girokonten, die ein vollwertiges Leistungsspektrum zu bieten haben. Hierbei handelt es sich um Angebote von sogenannten Direktbanken, die über keine bzw. nur sehr wenige Filialen verfügen. Hierzu gehört etwa auch die DKB, die ein Girokonto inklusive Bankkarte und Kreditkarte bietet. Das Konto ist zudem an keinerlei Bedingungen bezüglich einem regelmäßigen Geldeingang gebunden. Ein ähnliches Modell bietet die comdirect. Kostenlos ist auch das Girokonto der 1822direkt, einer Tochter der Frankfurter Sparkasse. Hier gibt es allerdings keine kostenlose Kreditkarte. Stattdessen können die Kunden auf das sehr umfangreiche Automatennetzwerk der Sparkassen zurückgreifen, um kostenlos an Bargeld zu gelangen.

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