Für Kenner der Branche ist es eigentlich schon ein üblicher Vorgang: in einem Schreiben kündigt die Bank eine Anpassung der Kostenstruktur an die Bedürfnisse der Kunden an. Dahinter verbirgt sich bei genauerem Hinsehen allerdings nichts anderes als eine Preiserhöhung. Auch die Sparkasse München wollte sich auf diese Weise zusätzliche Einnahmen verschaffen. Allerdings intervenierten Behörden sowie Interessenvertreter für sozial Schwache, die einen Preisnachlass für Geringverdiener einforderten. Dieser wurde zwar auch gewährt, allerdings wissen nur die allerwenigsten Betroffenen darüber Bescheid. So zahlen zahlreiche sozial schwache Bankkunden unnötigerweise einen überhöhten Preis für ihr Konto. Wie sich der Fall bei der Sparkasse München genau abspielte und wie Betroffene konkret reagieren können, zeigen wir in den nun folgenden Abschnitten.
So genannte „Anpassung an Bedürfnisse“ entpuppt sich als dreiste Preiserhöhung
Wenn Kunden dieser Tage Post von ihrer Bank erhalten, dann ist der Inhalt in den seltensten Fällen besonders erfreulich. Denn seit mehr als einem Jahr rollt über die Bankkunden in Deutschland eine Welle von Gebührenerhöhungen hinweg. Solche Änderungen müssen den Kunden aber schriftlich mitgeteilt werden. Aus Angst, die Kunden mit einem solchen drastischen Schritt zu verprellen, werden diese Maßnahmen häufig in blumiger Sprache angekündigt. So hat auch die Sparkasse München den Kunden eröffnet, dass die Preisstruktur und die Auswahl der Girokonten an die sich wandelnden Bedürfnisse angepasst würden. Bei den Bedürfnissen dürfte die Sparkasse in der bayerischen Landeshauptstadt aber vor allem die eigenen Interessen im Blick gehabt haben. Denn hinter der Anpassung steckt bei genauerem Hinsehen nichts Anderes als eine der Erhöhung der Kontogebühren. Konkret wurde die monatliche Gebühr für die Führung des Online Girokontos von bisher 2,30 Euro auf nunmehr 2,90 Euro angekündigt. Auf den ersten Blick kein großer Schritt, doch zusätzlich wurden durch das Kreditinstitut eine Reihe weiterer Gebühren eingeführt. So muss fortan für jeden einzelnen Buchungsvorgang eine Gebühr entrichtet werden. Und auch bei der Ausgabe von Bankkarten langt die Bank noch einmal extra hin. Im Endeffekt steht ein deutlich höherer Gesamtbetrag für die Nutzung des Kontos zu Buche. Als Alternative wurde den Kunden eine Art „All inklusive“ Lösung angeboten, bei der monatlich aber mindestens 7,95 Euro fällig werden sollten.
Weder Kunden noch Verbraucherschützer waren von dieser Maßnahme besonders angetan. Auf die Initiative verschiedener Institutionen konnte aber zumindest erreicht werden, dass sozial Schwache Bankkunden von dieser Preiserhöhung ausgenommen werden und eine Art Rabatt beantragen können. Auf den neuen Monatspreis für die Kontoführung in Höhe von 7,95 Euro konnte nun ein Nachlass von drei Euro beantragt werden, solange das monatliche Nettoeinkommen unter 1.500 Euro liegt. Für die Betroffenen könnte das eine wichtige Erleichterung darstellen, wenn sie denn von dieser Möglichkeit erfahren würden.
Möglichkeit für Preisnachlass wird nur unzureichend bekannt gemacht
Dass sich die Sparkasse München nicht gerade freiwillig zu dem Schritt durchgerungen hat, den sozial schwachen Kunden einen Preisnachlass zu gewähren, wird auch dadurch deutlich, dass mit dieser Möglichkeit alles andere als offensiv umgegangen wird. Ganz im Gegenteil: selbst auf Nachfrage wurde vielen Betroffenen diese Möglichkeit nicht offeriert. Journalisten der Süddeutschen Zeitung haben in verschiedenen Filialen der Münchener Sparkasse nach der Möglichkeit eines Preisnachlasses für sozial schwache Kunden gefragt und wurden in den meisten Fällen abgewiesen. Für Kunden, die auf Grund ihres geringen Einkommens jeden Euro mehrmals umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben, stellt die Gebührenerhöhung also einen deutlichen Einschnitt in ihr Budget dar. Auf Rechtsmittel zur Durchsetzung des ihnen eigentlich zustehenden Rabatts wird in aller Regel aber wohl eher verzichtet. Und auch ein Wechsel zu einer anderen Bank mit einem günstigeren Kontomodell ist nach Erfahrung vieler Betroffener nicht so einfach möglich. Wenn die Betroffenen nämlich der Preiserhöhung widersprochen haben und daraufhin das Konto gekündigt wurde, stellt dies nicht selten ein Ausschlusskriterium bei der neuen Bank dar. Mittlerweile hat der Fall für einiges Aufsehen gesorgt und die Chancen, in den Genuss dieses Preisnachlasses zu kommen, sollten deutlich besser stehen. Zumindest hat die Sparkasse München Besserung gelobt. Trotzdem könnte hinter dieser Masche ein gewisses System stecken. Denn tatsächlich sind Kreditinstitute nur bedingt daran interessiert, Kunden mit geringem Einkommen in ihrem Kundenstamm zu halten.
Sparkasse München ist leider keine Ausnahme
Die Sparkasse München ist mit ihrer Maßnahme gewiss keine Ausnahme. Fast alle Bankkunden haben zuletzt die Erfahrung gemacht, dass ihre Banken mit einem neuen Gebührenmodell ihnen mehr Geld aus der Tasche ziehen wollen und keine kostengünstige Alternative mehr bereitstellen. Als Ursache wird von Seiten der Banken immer wieder auf das niedrige Zinsniveau verwiesen. Die Banken seien so nicht mehr in der Lage, ausreichend Erträge aus dem Kreditgeschäft zu erzielen und müssten so die Ertragsseite auch über Kontoführungsgebühren stärken. Tatsächlich dürfte die Rechnung vieler Banken aber noch etwas anders aussehen. Intern gelten Kunden mit einem geringen verfügbaren Einkommen als wenig lukrativ. Mit einem klassischen Girokonto lässt sich aus Sicht der Bank kaum Geld verdienen. Bei Bankkunden, die über ein hohes Einkommen verfügen, besteht zumindest die Aussicht, das über weitere Finanzprodukte oder auch Beratungsdienstleistungen kontinuierliche Einnahmen erzielt werden können. Widersprechen also Kunden mit niedrigen Einkommen einer angekündigten Gebührenerhöhung, stellt dies offenbar für viele Institute einen willkommenen Anlass dar, diese loszuwerden.
Tatsächlich befinden sich die klassischen Banken, neben der Sparkasse auch die mit vielen Filialen im Land vertretenen Genossenschaftsbanken sowie die Deutsche Bank oder die Commerzbank in einen harten Konkurrenzkampf gegenüber den neu aufkommenden Direktbanken. Da die Direktbanken kein teures Filialnetz unterhalten müssen, haben sie eine deutlich günstigere Kostenstruktur und können demzufolge auch ihre Dienstleistungen, wie etwa das Girokonto zu deutlich günstigeren Konditionen anbieten. Dagegen haben die klassischen Filialbanken lange Zeit auf die Strategie gesetzt, moderne Filialen in teuren Innenstadtlagen zu errichten um hier die Kunden in gediegener Atmosphäre persönlich beraten zu können. Diese Strategie ist allerdings nur bedingt aufgegangen. Viele Kunden orientieren sich mittlerweile in Richtung der Direktbanken oder organisieren ihre Geldanlage auf eigene Faust. Zu den hohen Kosten kommt für die klassischen Filialbanken also auch ein empfindlicher Kundenschwund. Für die Kunden heißt dies aber, dass es im Prinzip mit Blick auf Girokonten nach wie vor eine sehr breite Auswahl gibt. Wer also von einer Gebührenerhöhung betroffen ist, muss sich dies nicht einfach so gefallen lassen. Auch dann nicht, wenn ein eher geringes Einkommen vorliegt.
Welche Möglichkeiten haben die Kunden?
Kunden die durch ihre Bank von einer Gebührenerhöhung informiert werden, haben mehrere Möglichkeiten, zu darauf zu reagieren. Der Fall der Stadtsparkasse München hat etwa gezeigt, dass öffentlicher Druck durchaus dazu führen kann, dass Anpassungen vorgenommen werden, die es einzelnen Gruppen möglich machen, ein Girokonto zu günstigeren Konditionen zu führen. Für den einzelnen Kunden heißt dies, sich zunächst möglichst gründlich kundig zu machen, welche Kontomodelle es gibt und ob eventuelle Sonderregelungen etwa für einkommensschwache Kunden angeboten werden. Wie der Fall der Sparkasse München ebenfalls zeigt, sollte die Bank selber dabei nicht der einzige Ansprechpartner sein. Es lohnt sich durchaus, auch bei einer Verbraucherzentrale oder entsprechenden Vereinen nachzufragen. Darüber hinaus besteht aber auch stets die Möglichkeit, bei anderen Banken nach einem günstigen Kontomodell Ausschau zu halten. Dabei sollte auf keinen Fall zu lange gewartet werden. Wurde das Konto erst einmal gekündigt, so die Erfahrung, wird es mitunter schwierig, bei einem neuen Kreditinstitut unterzukommen. Für die Auswahl des passenden Girokontos sollten zudem nicht nur die eigentlichen Kontoführungsgebühren in den Blick genommen werden. Genauso wichtig ist eine Analyse der Kosten, die bei der alltäglichen Benutzung des Girokontos entstehen. Neben den Gebühren für einzelne Buchungen sowie den Kosten für die Ausgabe von Kontoauszügen sollte vor allem die Möglichkeit für das Geldabheben in den Blick genommen werden. Ein günstiges Konto nützt am Ende wenig, wenn der Zugang zu Bargeld mit hohen Kosten oder langwierigen Anfahrtswegen verbunden ist. Gerade kleine Direktbanken verfügen nicht über ein entsprechendes Netz an Geldautomaten. Als Alternativen werden Kreditkarten angeboten oder auch die Möglichkeit, beim Einkauf im Supermarkt Geld abzuheben.
Fazit – Hohe Kontogebühren müssen nicht sein!
Es gibt in Deutschland wohl kaum noch Kunden, die von einer umfassenden Preiserhöhung verschont geblieben sind. Auf Grund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus und den sinkenden Einnahmen aus dem Kreditgeschäft sehen sich die Banken dazu gezwungen, neue Ertragsquellen zu erschließen. Insbesondere Bankkunden mit niedrigen Einkommen kann eine solche Gebührenerhöhung hart treffen. Wie der Fall der Sparkasse in München zeigt, kann aber öffentlicher Druck dazu führen, dass für einzelne Gruppen, wie etwa sozial Schwache oder Rentner Rabatte angeboten werden. Da dies durch die Bank sehr widerwillig umgesetzt wurde und kaum über den Preisnachlass informiert wurde, kommt es auch auf die Kunden an, die immer wieder aktiv nachfragen sollten, um so ebenfalls Druck auf die Institute auszuüben. Mit einem einfachen Widerspruch gegen die Gebührenerhöhung ist es dagegen nicht getan. Viele Banken reagieren dann mit einer Kündigung des Girokontos. Dies kann zur Folge haben, dass die Suche nach einem neuen Girokonto bei einem anderen Institut sehr schwierig wird.
Besser ist es, von einem bestehenden Girokonto aus zu wechseln. Alternativen gibt es viele, einige sind sogar komplett kostenlos. Ein Beispiel ist etwa die DKB. Das Girokonto wird ohne Bedingungen an einen regelmäßigen Geldeingang vergeben. Zum Modell gehört außerdem eine Kreditkarte, mit der eine kostenlose Bargeldversorgung stets gewährleistet ist. Wer außerdem das Konto zu seiner Hauptbankverbindung macht und dabei mindestens 700 Euro monatlich eingehen, kann zusätzlich von weiteren Vorzügen profitieren. Dazu gehören etwa ein interessantes Bonusprogramm oder die Erstattung von Gebühren, die bei Geldabhebungen im Ausland entstehen. Auch bei der Comdirect gibt es ein Girokonto ohne Bedingungen inklusive Kreditkarte. Wer dagegen ein kostenloses Girokonto bei der ING DiBa eröffnen möchte, muss ein regelmäßiges Einkommen nachweisen können.