Auf dem Markt für Bankdienstleistungen, insbesondere für Girokonten, ist derzeit einiges in Bewegung. Die meiste Bewegung findet dabei aber im Bereich der Gebührenmodelle statt. Deutlich ruhiger geht es dagegen auf der Seite der Kunden zu. Auch wenn es prinzipiell jederzeit möglich ist, die Bank sowie das Girokonto zu wechseln, machen von dieser Möglichkeit nur wenige Kunden tatsächlich Gebrauch. Die Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich. Verschiedene Forschungsinstitute sind diesen Phänomenen nun einmal genauer auf den Grund gegangen. Die Ergebnisse sind nur zum Teil wirklich überraschend. Für jeden einzelnen ist es aber trotzdem wichtig, die Konditionen des Girokontos regelmäßig zu überprüfen. Denn auf lange Sicht lassen sich so beträchtliche Summen einsparen. Wie Sie herausfinden, ob sich der Wechsel zu einem anderen Kontomodell oder gar einem anderen Institut lohnt, zeigen wir Ihnen jetzt.
Trotz Gebührenwelle zeigen die Kunden hohe Verbundenheit zu ihren Banken
Es ist durchaus ein besonderes Phänomen: die Beziehung zu dem Bankinstitut hält in vielen Fällen länger als die Ehe. Es ist durchaus keine Ausnahme, dass das Konto praktisch von der Wiege bis zur Bahre bei der gleichen Bank genutzt wird, ohne dass in der Zwischenzeit ein Wechsel stattfindet. Dementsprechend hat sich die Kundenakquise der Banken lange Zeit auch auf junge Kunden, insbesondere die Kinder gerichtet. Konnten erst einmal die Eltern überzeugt werden, für ihren Nachwuchs ein entsprechendes Konto einzurichten, war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Beziehung ein langes Leben lang hielt. Neben dem Girokonto wurde dann auch eine Altersvorsorge angeboten oder etwa die Finanzierung einer Immobilie umgesetzt. Dieses Geschäftsmodell basierte aber auch auf einem weiteren sehr einfachen Prinzip. Das Girokonto wurde zu sehr günstigen Konditionen, nicht selten sogar kostenlos angeboten. Trotzdem konnten die Kunden bei Bedarf in der Filiale vorbeischauen und sich im direkten Gespräch mit dem Mitarbeiter beraten lassen. Auch Unterstützung bei einfachen Bankgeschäften oder bei der Nutzung der Überweisungsterminals in den Filialen gehörte zum selbstverständlichen Service. Doch dieses Modell ist seit einigen Jahren ganz offensichtlich an seine Grenzen gestoßen. Die Banken können oder wollen es nicht länger hinnehmen, ihre Dienstleistungen rund ums Girokonto kostenlos anzubieten und darauf zu hoffen, dass auf dieser Basis ein zusätzliches Geschäft mit den Kunden abfällt.
In vielen Fällen sind die Institute nämlich dazu übergegangen, die kostenlosen Girokonten schrittweise aus dem Angebot zu nehmen und durch gebührenpflichtige Modelle zu ersetzen. Dies geschieht auf zwei unterschiedliche Wege. Der erste besteht darin, dass einzelne Dienstleistungen, wie etwa der Abruf von Kontoauszügen oder die Einrichtung von Daueraufträgen mit Gebühren belegt werden. Je nach Nutzung des Kontos kommt dann am Ende des Monats ein bestimmter Betrag als Gebühr zusammen. Demgegenüber steht das Modell eines Girokontos mit einer festen Gebühr. Darin sind dann bestimmte Leistungen bereits enthalten. Häufig haben sich die Kunden die Einführung dieser neuen Gebührenordnungen ganz offensichtlich gefallen lassen. Denn über alle Institute hinweg betrachtet ist die Dynamik beim Wechsel von Banken und Kontomodellen nach wie vor auf einem eher bescheidenen Niveau. Gerade einmal zwei Prozent der Bankkunden haben laut einer Umfrage innerhalb des letzten Jahres ihre Hauptbankverbindung gewechselt. Auch in einer anderen Befragung lag die Quote deutlich unter 10 Prozent. Die Gründe für diese ausgesprochen hohe Treue gegenüber dem angestammten Bankinstitut sind dabei recht unterschiedlich.
Die Gründe für die Treue sind unterschiedlich
Die Forschungsinstitute haben nicht nur versucht zu ermitteln, wie hoch die Dynamik beim Wechsel der Kontomodelle ist, sondern auch, wo die Motive dafür liegen, ob ein anderes Kontomodell gewählt wird oder nicht. Wenig überraschend: die entscheidenden Parameter sind demnach die Zufriedenheit mit dem bisherigen Institut auf der einen Seite, sowie Unzufriedenheit und ein ungünstiges Preisniveau auf der anderen Seite. Eine wichtige Ursache dürfte aber vor allem die Trägheit der Kunden sein. Dies wird nicht selten auch durch die Banken ausgenutzt. Gebührenerhöhungen werden etwa schrittweise umgesetzt und als Neustrukturierung deklariert. Ein weiterer Grund, der vor allem bei älteren Bankkunden zum Tragen kommt, ist tatsächlich eine intensive Beziehung zwischen Bankkunden und dem Berater in der Filiale. Viele Kunden trauen sich es dabei einfach nicht zu, ihre Bankgeschäfte komplett alleine in die Hand zu nehmen. Denn wenn ein Wechsel stattgefunden hat, dann ging dieser fast immer in Richtung Online Konto bzw. zu einer Direktbank. Dabei können die Kunden nicht mehr auf einen umfassenden Service inklusive Beratung in der Filiale bauen. Vielmehr stellt nun ein Online Portal die wichtigste Verbindung zwischen Kunde und Bank dar. Über diesen Account werden dann die Kontoauszüge abgerufen, Buchungen überprüft sowie Überweisungen in Auftrag gegeben. Eine Beratung findet allenfalls telefonisch statt. Da diese Direktbanken in vielen Fällen über keinerlei Filialen verfügen, stellt insbesondere der Zugang zu Bargeld einen heiklen Punkt dar. Bankkunden, die mit einem Wechsel liebäugeln, sollten im Vorfeld genau prüfen, zu welchen Konditionen der Bargeldzugang möglich ist. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass viele Banken hier zu neuen Methoden übergegangen sind. So ist etwa das Abheben von Bargeld mittlerweile vielfach auch im Rahmen des Einkaufs im Supermarkt möglich. Das Fehlen eines passenden Automaten muss also nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium sein.
Wann ist ein Girokonto wirklich günstig?
Die Frage, ob ein Girokonto wirklich günstig ist, kann nicht per se und allgemeingültig beantwortet werden. Hier kommt es in allererster Linie auf die Ansprüche der Kunden selber an. Dabei ist es durchaus legitim, auf eine persönliche Beratung und die Möglichkeit einer direkten Unterstützung in der Filiale Wert zu legen. Kunden sollten aber eben auch wissen, dass hierfür ein entsprechender Preis fällig wird. Nachdem geklärt wurde, ob Filialservice notwendig ist oder nicht, sollte vor allem überprüft werden, für welche konkreten Leistungen Gebühren fällig werden. Neben Kontoauszügen und Buchungen sind hier durchaus weitere kostenpflichtige Posten denkbar. So haben einige Banken etwa dafür Gebühren verlangt, wenn eine Bankkarte herausgegeben wurde. Auch der Preis für Zusatzleistungen, wie etwa eine Kreditkarte ist ein wichtiges Kriterium. Insgesamt gibt es in Deutschland zahlreiche Institute und noch mehr Kontomodelle. Die Vielfalt ist dabei nach wie vor so groß, dass für jeden Anspruch ein passendes Angebot dabei sein sollte. Bevor auf die Angebote anderer Institute geschaut wird, lohnt es sich aber durchaus, einen Blick auf die Auswahl von Kontomodellen bei der bisherigen Bank zu werfen. Häufig kann bereits eine Menge Geld gespart werden, wenn innerhalb des Institutes zu einem günstigeren Modell gewechselt wird. Ist dies dagegen nicht möglich, ist der Wechsel des Institutes der folgerichtige Schritt. Vor dem Aufwand, der mit dem Wechsel der Kontoverbindung verbunden ist, brauchen sich die Kunden dagegen nicht zu fürchten.
Wie kann das Girokonto gewechselt werden?
Der Wechsel der Kontoverbindung stellt mittlerweile keinen großen Aufwand mehr dar. Hierfür hat auch der Gesetzgeber gesorgt. Dieser hat nämlich die Banken dazu verpflichtet, ihre Kunden bei einem Wechsel der Bankverbindung aktiv zu unterstützen. Mit dieser Regelung soll vor allem dafür gesorgt werden, dass im Bereich der Girokonten so etwas wie ein echter Markt entsteht, bei dem die Kunden sich das für sie am besten passende Produkt heraussuchen können. Und tatsächlich ist der Wechsel der Hauptbankverbindung schnell erledigt. Den wesentlichen bürokratischen Aufwand übernimmt nämlich in der Regel das neue Institut. Bisherige Zahlungspartner werden von der neuen Bankverbindung automatisch und für den Kunden kostenfrei informiert. Vorlagen für Überweisungen und Daueraufträge werden direkt übernommen. Auch die Übertragung des alten Kontosaldos geschieht automatisch. Und nicht zuletzt übernimmt das neue Institut auch die Kündigung des alten Kontos. Die Stiftung Warentest konnte feststellen, dass der Wechsel im Regelfall sehr gut funktioniert. Nach dem dann das alte Konto und das neue Konto eine Zeit lang parallel geführt werden, ist der Wechsel spätestens nach einem bzw. zwei Monaten komplett erledigt.
Fazit – Bankkunden verschenken bei Verzicht auf Wechsel Geld
Deutsche Bankkunden bleiben ihren Instituten in der Mehrzahl treu. Auch wenn einzelne Fälle das Gegenteil zu zeigen scheinen, scheint diese Aussage nach wie vor Bestand zu haben. Fälle, wie der der Postbank, wo nach einer umfassenden Gebührenerhöhung sogar 10 Prozent der Kunden zu einem anderen Institut wechselten, scheinen bisher eher die Ausnahme zu sein. Neben dem Grund, dass viele Kunden wohl tatsächlich mit den Leistungen der bisherigen Bank zufrieden sind und dafür auch bereit sind, die höheren Gebühren zu zahlen, dürfte auch die Trägheit vieler Kunden eine wichtige Rolle spielen. Die Strategien der Banken, die bei ihren Gebührenerhöhungen zum Teil sehr vorsichtig vorgehen, scheinen auch genau darauf abzuzielen. Für die Kunden, die nicht bereit sind, für Dienstleistungen rund ums Girokonto immer tiefer in die Tasche greifen zu müssen, heißt dies, bei den Gebühren genau hinzuschauen. Als fairer Wert wurde durch die Stiftung Warentest ein jährlicher Preis von etwa 70 bis 80 Euro für ein Konto angegeben.
Diese Empfehlung richtet sich aber an Kunden mit einem Girokonto bei einer Filialbank. Deutlich günstiger geht es dagegen, wenn man sich für ein Girokonto bei einer Direktbank entscheidet. Hier ist es nach wie vor möglich, ein Girokonto zum Nulltarif zu führen. Ein Beispiel ist etwa die 1822direkt, die Tochter der Frankfurter Sparkasse, die das Girokonto ohne Bedingungen komplett kostenlos anbietet. Der Bargeldzugang ist dabei dadurch sichergestellt, dass das Automatennetz der Sparkassen genutzt werden kann. Auch die ING DiBa gehört zu den Instituten, die nach wie vor ein kostenloses Girokonto im Programm haben. Voraussetzung ist allerdings ein regelmäßiges Einkommen, welches auf dem Konto eingehen muss. Für den Bargeldzugang kann zudem die kostenlose Kreditkarte eingesetzt werden. Kein regelmäßiger Geldeingang wird dagegen beim Girokonto der DKB vorausgesetzt. Auch dieses Konto umfasst eine Kreditkarte. Ab einem Geldeingang von 700 Euro können dann zusätzliche Leistungen in Anspruch genommen werden, wie etwa die Erstattung von Auslandsentgelten.