Es dürfte mittlerweile eigentlich niemanden mehr überraschen, wenn darüber berichtet wird, dass die Gebühren für das Girokonto kontinuierlich ansteigen. Nach und nach haben in den letzten Monaten und Jahren immer mehr Institute ihre Gebührenmodelle neu strukturiert. In den allermeisten Fällen bedeutete dies konkret, dass kostenlose Kontomodelle aus dem Programm genommen, einzelne Dienstleistungen neu bepreist und Gebühren für die Kontoführung eingeführt bzw. deutlich angehoben wurden. Doch nicht immer sind die Banken dabei so vorgegangen, dass den Kunden auch voll umfänglich klar war, was die angekündigte Programmänderung konkret bedeutete. Dies wurde zuletzt vermehrt durch Verbraucherschützer kritisiert. Klar ist aber, dass die Banken mit einem Girokonto eine Dienstleistung anbieten, für die auch Geld verlangt werden darf. Wichtig ist aber Transparenz, so dass die Verbraucher auch wissen, wie viel sie am Ende für ein bestimmtes Angebot zu zahlen haben. Wir wollen zeigen, worauf Sie als Kunde achten sollten, um sich ein klares Bild über die komplette Gebührenstruktur zu verschaffen. Wird das Kontomodell zu teuer, gibt es aber auch noch andere Auswege.
In der Summe dürften die Gebühren weiter steigen
In der Bankenbranche ist mit Blick auf die Girokonten für Privatkunden derzeit einiges in Bewegung. Übergreifend betrachtet kann diese Entwicklung damit zusammengefasst werden, dass die Gebühren für die private Kontoführung weiter steigen. Zur Begründung zeigen die Banken immer wieder auf die Europäische Zentralbank (EZB), die mit ihrer seit einigen Jahren verfolgten Politik der niedrigen Zinsen ein wichtiges Standbein für die Banken zerstört hat. Die EZB hat die Einlagenzinsen auf einen negativen Wert gesenkt. Dies heißt konkret, dass die Banken, wenn sie ihre Einlagen bei der Zentralbank parken, keine Zinsen bekommen, sondern selber Zinsen zahlen müssen. Wichtige Einnahmen, die lange Zeit als sicher galten, sind somit weggefallen. Neben dem Umstand, dass die Einlagen der Kunden derzeit nur Kosten verursachen, wirft auch das klassische Kreditgeschäft kaum noch Erträge ab. Die Banken sind nun händeringend auf der Suche nach neuen Ertragsquellen. Dabei sind zunächst vor allem neue Gebühren für Privatkunden in den Fokus gerückt.
Die Banken stehen dabei aber auch vor dem Problem, dass sie in den letzten Jahrzehnten eine Art Gratis-Kultur im Bereich des Girokontos etabliert haben. Die Kunden waren es gewöhnt, für ein einfaches Online Konto keine Gebühren zahlen zu müssen. Die Banken hofften mit dieser Strategie, zunächst einen soliden Kundenstamm aufzubauen und dann mit anderen Produkten ein gewinnträchtiges Geschäft zu machen. Unter anderem eine wachsende Skepsis der Kunden gegenüber der Bankberatung sowie den dabei angebotenen Produkten sowie eine wachsende Angebotsvielfalt im Internet hat dazu beigetragen, dass die traditionellen Vertriebswege an Zugkraft verlieren. Bleibt also nur noch der Weg, die Girokonten selber mit Gebühren zu belegen und so neue Einnahmequellen zu erschließen. Verbraucherschützer kritisieren nun aber, dass diese an sich legitimen Gebührenerhöhungen mitunter sehr intransparent vollzogen werden. Für die Kunden ist so häufig nicht klar, wie viel tatsächlich am Ende des Jahres für die Nutzung eines Girokontos gezahlt werden muss.
Gebührenmodelle von Banken werden zunehmend intransparent
Die Argumentation der Banken ist klar und nachvollziehbar: ein Girokonto stellt eine Dienstleistung dar, für die auch ein angemessener Preis verlangt werden kann. Soweit so gut. Doch in vielen Fällen ist genau dieser Preis eben nicht so klar ersichtlich, wie bei anderen Dienstleistungen. Dies liegt auch daran, dass die Banken Angst haben, mit einer Gebührenerhöhung zu viele Kunden zu verschrecken. Die Schritte werden dann als Neustrukturierung oder Anpassung an neue Anforderungen bezeichnet. Den Kunden soll damit signalisiert werden, dass sich im Prinzip kaum etwas ändert. Vor allem soll wohl in vielen Fällen ganz einfach vermieden werden, dass die Kontoführungsgebühren als unangemessen hoch wahrgenommen werden. Aus diesem Grund wird etwa versucht, weiter auf eine solche Gebühr zu verzichten, dafür dann aber andere Dienstleistungen und Aktivitäten, die im Zusammenhang mit der Kontoführung üblich sind, mit einer Gebühr zu belegen. Die Bankkunden werden so im Glauben gelassen, weiter über ein sehr günstiges Kontomodell zu verfügen, Jedoch summieren sich die Einzelkosten über die Monate zu einem stattlichen Gesamtbetrag. So sind sehr viele Banken schon länger dazu übergegangen, beleghafte Überweisungen mit einer entsprechenden Gebühr zu versehen.
Daneben sind vielerorts aber mittlerweile auch andere Buchungsvorgänge über das Girokonto kostenpflichtig. Egal ob ein Dauerauftrag eingerichtet bzw. ausgelöst wird, eine Rechnung überwiesen wird oder Geld auf dem Konto eingeht – jedes Mal wird eine für sich genommen geringe Gebühr fällig, die aber über längere Zeit betrachtet durchaus einen beachtlichen Betrag ausmachen kann. Auch Kontoauszüge gehören seit längerem zu den Leistungen, für die sich die Banken gerne entlohnen lassen. Schon länger war es üblich, dass für die postalische Versendung der Kontoauszüge eine feste Gebühr berechnet wurde. Doch auch, wer sich seine Kontoauszüge am Drucker in der Filiale abholt, kommt um eine Gebühr häufig nicht mehr herum. Einzig der Abruf der Kontoauszüge über den Online-Account ist in den allermeisten Fällen nach wie vor kostenfrei. Eine weitere Kostenfalle sind dagegen sogenannte Verwahrentgelte oder direkte negative Zinsen für Guthaben der Kunden. Immerhin knapp 20 Institute haben entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt. Allerdings greifen diese erst bei höheren Guthaben von einer Größenordnung ab 100.000 Euro. Hinzu kommen möglicherweise Gebühren für die Nutzung einer Bank-Card, für das Abheben von Geld selber oder auch für das Ausstellen von Jahresendabrechnungen für die Steuer am Ende des Jahres. Und selbst vor einer Gebühr für die Nutzung des Online-Accounts sind die Kunden nicht mehr sicher. Eine entsprechende Gebühr wurde von der betreffenden Bank nach Klagen von Verbraucherschützern jedoch wieder zurückgenommen. Doch wie sollten sich Kunden nun konkret verhalten?
Wie sollten sich die Kunden verhalten?
Für Kunden ist es zunächst wichtig, das Kontomodell als Ganzes in den Blick zu nehmen. Es reicht nicht mehr aus, nur auf die Kontoführungsgebühren zu achten. Kündigt eine Bank die Änderung des Gebührenmodells an, so sollte das Schreiben genau studiert werden. Wichtig ist darüber hinaus aber auch, anhand der Kontoauszüge zu prüfen, wie das Verhalten des Bankkunden konkret aussieht. Denn erst wer weiß, wie oft Geld abgehoben wird, wie oft bargeldlos bezahlt wird oder wie häufig Überweisungen und Daueraufträge genutzt werden, kann sich auch einen Überblick verschaffen, wie hoch die Kosten nach der Gebührenänderung tatsächlich ausfallen werden. In vielen Fällen werden von der Bank mehrere Kontomodelle angeboten. Darunter ist häufig auch eine Art Flatrate-Modell, bei dem alle Dienstleistungen mit einer Grundgebühr abgegolten sind. Zunächst sollte daher geprüft werden, welches das günstigste Modell bei dem aktuellen Institut ist. Dann sollte überschlagen werden, welche Kosten bei diesem Kontomodell in etwa für ein komplettes Jahr anfallen werden. Als Orientierung haben Verbraucherschützer die Summe von etwa 70 Euro genannt, bis zu der von einem fairen Preis für das Girokonto gesprochen werden kann.
Liegt der erwartete Preis für das aktuelle Girokonto deutlich darüber oder soll generell ein günstigeres Girokonto genutzt werden, können sich die Kunden aber auch jederzeit auf die Suche nach einem günstigeren Kontomodell bei einem anderen Institut machen. Hier sollten aber unbedingt auch die Leistungen miteinander verglichen werden. Zunächst sollte dabei die Frage beantwortet werden, ob auf eine persönliche Betreuung in der Filiale Wert gelegt wird. Ist dies nicht der Fall und ist der Kunde bereit, die Bankgeschäfte vollständig online am eigenen Rechner zu erledigen, können auch Direktbanken in die Suche mit einbezogen werden. Ein zweites wichtiges Kriterium ist der Zugang zu Bargeld. Ein günstiges oder gar kostenloses Girokonto nützt wenig, wenn für das Abheben von Bargeld hohe Gebühren gezahlt werden müssen, weil kein entsprechender Automat des Instituts zur Verfügung steht. Muss dann auf Geldautomaten anderer Institute zurückgegriffen oder längere Fahrten in Kauf genommen werden, ist der erhoffte Kostenvorteil schnell wieder weg. Dabei können die Kunden aber auch immer häufiger daraufsetzen, dass alternative Methoden des Bargeldzugangs genutzt werden können. So bieten mittlerweile viele Supermärkte die Möglichkeit an, beim Bezahlen des Einkaufs mit Karte auch gleichzeitig Bargeld abzuheben. In jedem Fall können sich die Kunden aber darauf verlassen, dass ein Wechsel zu einem anderen Institut keinen nennenswerten Aufwand bedeutet. In aller Regel werden die meisten Formalitäten durch die beteiligten Banken erledigt.
Fazit – Nicht nur die Grundgebühr beim Girokonto ist wichtig
Bankkunden müssen sich darauf einstellen, dass die Gebühren für ihre bestehenden Girokonten steigen werden, wenn sie nicht schon von einer kräftigen Gebührenerhöhung betroffen sind. Mitunter gehen die Banken dabei aber wenig transparent vor, wie Verbraucherschützer in den letzten Jahren immer wieder beobachtet und kritisiert haben. Es soll aus Sicht der Banken in vielen Fällen vermieden werden, dass die Kontoführungsgebühr besonders hoch erscheint. Stattdessen werden viele andere Leistungen mit geringen Einzelgebühren belegt, die sich insgesamt aber ebenfalls zu beachtlichen Positionen summieren können. Für die Kunden selber bedeutet dies, dass höhere Aufmerksamkeit gefragt ist. Zunächst sollte geprüft werden, ob es beim bestehenden Institut nicht ein günstigeres Kontomodell gibt. Möglich ist aber auch stets der Wechsel zu einem anderen Institut, welches ein günstigeres oder sogar kostenloses Girokonto anbietet. Trotz des Trends zu höheren Kontogebühren gibt es nämlich nach wie vor noch Bankinstitute, die ein kostenloses Girokonto im Programm haben. Hierzu gehört unter anderem die Deutsche Kreditbank (DKB). Die Kunden erhalten hier ein Online Konto, welches nicht nur kostenlos ist, sondern auch nicht an die Bedingung eines regelmäßigen Geldeingangs gebunden ist. Außerdem gehört auch eine Kreditkarte von Visa zum Leistungsumfang. Damit kann dann deutschlandweit aber auch im Ausland Bargeld abgehoben bzw. bargeldlos bezahlt werden. Ein ähnliches Modell bietet auch die comdirect. Ein regelmäßiger Gehaltseingang wird dagegen bei der ING-DiBa von den Kunden erwartet, wenn ein kostenloses Girokonto eröffnet werden soll.