• Montag, 16. März 2026

Giro-News: Volksbanken nehmen Bargeld-Gebühren

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Volksbank GebührenerhöhungenEs vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Nachrichten darüber zu lesen oder zu hören sind, dass eine Bank wieder einmal eine Gebührenerhöhung durchgeführt hat. Nach der Meldung, dass etwa 40 Sparkassen neuerdings Geld für das Abheben von Bargeld verlangen, ist nun bekannt geworden, dass sich auch einige Volksbanken zu einem solchen Schritt entschlossen haben. Damit bezwecken die Institute vor allem zweierlei: zum einen sollen neue Einnahmequellen erschlossen werden, um der anhaltenden Ertragsschwäche zu begegnen. Zum anderen soll langfristig auch das Verhalten der Kunden beeinflusst werden. Denn ganz praktisch kostet es die Banken Geld, wenn ihre Kunden Bares abheben. Die Kunden welcher Banken konkret betroffen sind und wie diese reagieren können, zeigt der folgende Artikel. Ganz allgemein hat es aber im Endeffekt jeder Kunde selber in der Hand, ob die Führung eines Girokontos zu einem teuren Vergnügen wird oder langfristig Kosten gespart werden können.

Gleich mehrere Volksbanken haben Bargeldgebühren eingeführt

Während in den letzten Jahren die Kunden vor allem mit neuen Gebührenmodellen überrascht wurden, in deren Rahmen sie im Endeffekt deutlich mehr Gebühren zu bezahlen hatten, drehen die Institute munter weiter an der Gebührenschraube. Negative Zinsen, wie sie einige Institute für große Vermögen von mehr als 100.000 Euro eingeführt haben, sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Auch ganz normale Bankkunden, die mittlere Beträge auf ihren Girokonten haben, müssen sich mit der Situation auseinandersetzen, dass viele Aktivitäten, die bisher kostenlos zum Leistungsumfang gehören, nun mit einer Gebühr belegt werden. Zuletzt hat eine Reihe von Volksbanken angekündigt, den Zugang zu Bargeld zu verteuern. Betroffen sind u.a. die VR Banken in Muldental, in Schopfheim-Maulburg, in Neuburg-Rain, Rheinbach-Voreifel, in Spree-Neiße, in Gotha, in Ratzeburg, in Lahr und in Erding. Dabei haben die einzelnen Institute diesen konkreten Schritt durchaus unterschiedlich umgesetzt. In einigen Fällen können die Kunden weiterhin kostenlos Bargeld abheben, allerdings ist die Anzahl der Vorgänge, bei denen keine Gebühr erhoben wird, limitiert. Im Falle der VR Bank Lahr und ihrem VR Giro Privat-Konto sind im Leistungsumfang monatlich drei kostenlose Abhebevorgänge inbegriffen, einer davon auch am Schalter. Für zusätzliche Verfügungen werden dann 0,40 Euro am Automaten und sogar 0,95 Euro am Schalter fällig. Hinzu kommt eine monatliche Grundgebühr in Höhe von immerhin 7,90 Euro.

Mit den neuen Gebühren wollen die Banken vor allem zwei Ziele erreichen. Zum einen sollen neue Ertragsquellen erschlossen werden. Zum anderen sollen die Kunden aber auch zu einem Verhalten motiviert werden, welches auf lange Sicht für die Banken günstiger ist. Wird etwa weniger Geld am Schalter abgehoben, können so in Summe Personalkosten eingespart werden. Eine geringere Nutzung der Automaten könnte zumindest langfristig dazu führen, dass das entsprechende Netz etwas ausgedünnt werden kann und die Automaten seltener befüllt werden müssen. Für die Kunden sollte eine entsprechende Änderungen der Gebühren durch die Hausbank zum Anlass genommen werden, dass eigene Verhalten zu überdenken und zu prüfen, ob das aktuelle Kontomodell noch das passende ist.

Kunden sollten auf die Gesamtkosten achten

Um zu prüfen, ob das aktuelle Konto noch zeitgemäß ist, sollte in jedem Fall das Gesamtpaket in den Blick genommen werden. Als Richtwert für die Gesamtkosten, haben die Verbraucherzentralen im letzten Jahr einen Wert von 70 Euro als fair bezeichnet. Im Falle des eben beschriebenen Kontomodels der VR Bank Lahr ist diese Schwelle allein aufgrund der Kontoführungsgebühren bereits deutlich überschritten. Wird zudem das Kontingent an freien Bargeldverfügungen regelmäßig überschritten, kommen schnell Kosten von über 100 Euro zustande. Doch auch Kontomodelle mit geringeren Kontoführungsgebühren sind nicht per se günstiger. Bei vielen Girokonten mit geringen monatlichen Gebühren werden neben den Bargeldabhebungen auch alle weiteren Transaktionen mit Gebühren belegt, die sich schnell zu beachtlichen Gesamtkosten summieren. Neben der Einrichtung von Daueraufträgen werden dann auch Abbuchungen und Zahlungseingänge mit einer festen Gebühr bepreist. Bei klassischen Gehaltsgirokonten, die für die reguläre Abwicklung alltäglicher finanzieller Transaktionen genutzt werden, ergeben sich dabei ebenfalls stolze Gesamtkosten.

Liegen die Gesamtkosten im Jahr über der Schwelle von 70 Euro, sollten dies die Kunden zum Anlass nehmen, nach einem neuen Girokonto Ausschau zu halten. Zunächst kann man sich dabei durchaus bei der bisherigen Hausbank umschauen, wo häufig auch andere Modelle angeboten werden. Zum Teil gibt es reine Online Konten, die Dienstleistungen in der Filiale ausschließen. Hier ist weder ein persönliches Beratungsgespräch noch die kostenlose Nutzung des Kontoauszugsdruckers vorgesehen. Überweisungen, Einrichtungen von Daueraufträgen und der Abruf von Kontoauszügen werden durch den Kontoinhaber eigenständig und online durchgeführt. Ein heikler Punkt bleibt aber der Zugang zu Bargeld. Doch auch hier gibt es durchaus Spielraum, um die Gesamtkosten für das Girokonto in den Griff zu bekommen oder sogar auf null zu drücken.

Kunden können auch durch ihr eigenes Verhalten die Kosten beeinflussen

Ein wichtiger Faktor für die Gesamtrechnung, die einen Girokontoinhaber am Ende des Jahres präsentiert wird, ist sein eigenes Verhalten. Voraussetzung ist allerdings, dass ein Kontomodell gewählt wird, welches möglichst gut zu den eigenen Vorstellungen sowie zu den eigenen Ansprüchen passt. Die grundsätzliche Frage sollte dabei lauten, in wieweit eine Bank mit Filiale und persönlicher Beratung gefragt ist oder ob es dem Kunden ausreicht, die Bankgeschäfte vollständig online abzuwickeln. Auch Mischformen zwischen beiden Varianten sind möglich. Wirklich kostengünstige Modelle gibt es allerdings ausschließlich auf Online Basis bei einer sogenannten Direktbank.

Direktbanken halten keine Filialen vor und bieten ihre Leistungen über das Internet an. Zudem verfügen Direktbanken in der Regel nicht über ein eigenes Netzwerk von Geldautomaten. Für den Zugang zu Bargeld sind die Banken daher mitunter auf die Geräte der Konkurrenz angewiesen. In einigen Fällen kann sich dies für die Kunden zur Kostenfalle entwickeln. Denn wenn Geld bei einem Automaten einer anderen Bank abgehoben wird, werden mitunter hohe Gebühren berechnet. Gerade in Bezug auf das Bargeld ist das Verhalten des Kontoinhabers also durchaus maßgeblich für die Kosten. Bankkunden, die einen Großteil ihrer finanziellen Aktivitäten bargeldlos abwickeln, können erhebliche Kosten sparen. Zudem besteht mittlerweile auch in vielen Supermärkten die Möglichkeit, im Rahmen des Einkaufens kostenlos Bargeld abzuheben. Schon länger gab es ein ähnliches Modell unter Einbindung einiger Tankstellen. Darüber hinaus dürfte es wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich App-basierte Zahlungssysteme durchsetzen. Dann können etwa auch Einkäufe auf Wochenmärkten oder auf dem Flohmarkt unkompliziert mit dem Smartphone bezahlt werden, ohne auf Bargeld zurückgreifen zu müssen. Für Kunden, die weiter in größerem Umfang auf direkten Bargeldzugang setzen wollen, bietet sich zudem die Möglichkeit an, eine Kreditkarte zu erwerben. Eine separate Kreditkarte ist bei einigen Anbietern kostenlos Im Angebot. Damit kann nicht nur an vielen Automaten in Deutschland kostenlos Geld abgehoben werden, sondern auch im Ausland.

Was steckt hinter der Strategie der Banken?

Viele Kunden fragen sich natürlich, warum gerade jetzt so viele Banken an der Gebührenschraube drehen. Als wichtigster Grund wird immer wieder die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) genannt. Diese hat den Einlagezins für die Geschäftsbanken in Europa massiv gesenkt. Für kurzfristig verfügbare Einlagen werden derzeit sogar negative Zinsen verlangt. Das heißt, dass Banken für die Einlagen der Kunden, die sie zur Sicherheit bei der EZB hinterlegen, sogar ihrerseits Zinsen zahlen müssen. Darüber hinaus hat das allgemein niedrige Zinsniveau dazu geführt, dass das klassische Geschäft der Banken immer weniger Erträge abwirft. Weiterhin ist auch innerhalb der Bankbranche einiges in Bewegung geraten. Vor allem innovative und junge Direktbanken jagen den klassischen Filialbanken immer mehr Kunden ab und setzen deren Geschäftsmodelle unter Druck. Dabei haben die angestammten Banken wie Sparkasse und Volksbank, aber auch Deutsche Bank und Commerzbank ein gewaltiges Kostenproblem. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie sich ein umfangreiches Filialnetz aufgebaut, welches sich jetzt als ineffizienter Kostentreiber erweist. Denn längst nicht alle Kunden legen Wert auf persönliche Beratung in einer Filiale und sind erst recht nicht dazu bereit, hierfür zu bezahlen.

Fazit – Bankkosten dürften weiter steigen, doch es gibt noch günstige Alternativen

Die Einführungen von Gebühren für das Abheben von Bargeld, wie sie zuletzt durch einige Volksbanken sowie durch mehrere Sparkassen erfolgt sind, dürften nur ein Schritt von vielen sein. Im Endeffekt ist die Richtung dieser Entwicklung aber klar erkennbar. Viele Banken wollen ihre Kunden zunehmend an den Kosten beteiligen und so gegen ihre sinkenden Erträge ankämpfen. Inwieweit sich die Kunden auf diese Strategie der Banken einlassen, ist allerdings noch nicht abzusehen. Denn keineswegs stehen sie diesem Treiben machtlos gegenüber. Nach wie vor gibt es eine Reihe von kostengünstigen Kontomodellen. Und auch wenn die Auswahl von konsequent kostenlosen Girokonten in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist, gibt es diese durchaus noch. Ein Beispiel ist das Girokonto der 1822direkt, der Direktbanktochter der Frankfurter Sparkasse. Dieses Kontomodell ist ein reines Online Konto und schließt den Filialbesuch nicht ein. Dafür kann aber auf das Automatennetzwerk der Sparkassen weitgehend kostenlos zugegriffen werden.

Kostenloser Bargeldzugang ist auch bei dem Girokonto der DKB möglich. Dieses bietet das DKB Cash ohne Bedingungen an einen regelmäßigen Geldeingang an. Im Leistungsumfang inbegriffen ist eine Kreditkarte von Visa. Damit kann zunächst im Inland an sehr vielen Geldautomaten kostenlos Geld abgehoben werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Mindestbetrag derzeit bei 50 Euro liegt. In wieweit auch im Ausland kostenlos Bargeld abgehoben werden kann, hängt wiederum davon ab, ob der Kunde einen sogenannten „aktiv“ Status bekommt. Dieser wird vergeben, wenn ein monatlicher Geldeingang von wenigstens 700 Euro zu verzeichnen ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich dieser Betrag aus mehreren Summen zusammensetzt. Ein drittes Konto, für welches keine Gebühren erhoben werden, ist das Girokonto der comdirect. Auch hier werden keine Bedingungen an einen regelmäßigen Geldeingang gestellt und es kann zusätzlich eine Kreditkarte genutzt werden.

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