In der Bankenbranche ist in den letzten Jahren auch für Privatkunden einiges in Bewegung geraten. Gerade Kunden, die sich für ein günstiges oder sogar kostenloses Kontomodell entschieden hatten, mussten sich mit einer Umstellung arrangieren. Konkret hatte dies zur Folge, dass das kostenlose Girokonto aus dem Programm genommen wurde oder bestehende Gebühren deutlich erhöht wurden. Ein aktuelles Beispiel hierfür liefert die VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg. Seit Anfang Februar dieses Jahres hat sie die Gebühren für ihr klassisches Kontomodell glatt verdoppelt. Bei einem Ausgangsniveau von drei Euro je Monat kann darin schon eine stolze Kostensteigerung gesehen werden, die sich auf das Jahr hochgerechnet auf immerhin 36 Euro summiert. Mit einer jährlichen Gebühr von insgesamt 72 Euro bewegt sich die Bank damit gerade an der Grenze, bis zu der Verbraucherzentralen die Kosten für ein Girokonto als gerade noch akzeptabel bezeichnen. Doch warum erhöhen so viele Banken gerade jetzt die Gebühren? Und gibt es für die Verbraucher Möglichkeiten zu reagieren? Diese und andere Fragen möchten wir in diesem Artikel klären.
Wie sieht der Schritt der VR Bank genau aus?
Auch wenn deutsche Bankkunden traditionell als relativ treu gelten, wissen die Banken natürlich, dass sie ihren Kunden Gebührenerhöhungen nur in einem gewissen Umfang zumuten können. Entsprechend sensibel gehen die meisten Institute dabei auch vor. Begleitet werden die Maßnahmen von umfassenden Schreiben, in denen die Banken den Kunden die aktuelle Situation erklären und den Schritt wortreich begründen. Neben der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank kurz EZB, wird hierfür auch immer wieder eine Anpassung an das veränderte Kundenverhalten angeführt. Um den geplanten Schritt außerdem nicht wie ein Zwangsinstrument aussehen zu lassen, werden die Kunden vor die Alternative gestellt, zwischen verschiedenen Kontomodellen zu wählen. Im Falle der VR Bank wurden die Kunden vor die Entscheidung gestellt, das VR Konto Komfort weiter zu nutzen und dafür nun einen monatlichen Preis von sechs Euro in Kauf zu nehmen. Alternativ konnte aber auch eine günstigere Kontovariante gewählt werden, bei der die Grundgebühr stabil bleibt. Allerdings können hier normale Aktivitäten wie Überweisungen oder Buchungen von Geldeingängen nur in begrenztem Umfang ohne Aufpreis genutzt werden. Nur noch die ersten 10 Buchungen sind dabei kostenlos. Weitere Transaktionen kosten je 30 Cent. Kunden müssen also auf der Grundlage ihrer bisherigen Gewohnheiten genau prüfen, welche Kontovariante für sie die günstigere ist. Im Endeffekt bedeutet die Umstellung der Struktur für einen Großteil der Kunden de facto eine Gebührenerhöhung. Und letztendlich zielt die Bank auch genau darauf ab, mit zusätzlichen Gebühren ihre Einnahmeseite zu stärken. Warum dies gerade jetzt der Fall ist, wollen wir im nun folgenden Abschnitt zeigen.
Warum werden die Gebühren gerade jetzt erhöht?
So ärgerlich, wie die Gebührenerhöhung für den einzelnen Kunden sein mögen, angesichts der aktuellen Entwicklungen sind sie nur folgerichtig. Die Banken hatten sich an ein Geschäftsmodell gewöhnt, bei dem sie ihren Kunden kostenlose Girokonten anboten und das Geld dann mit dem Vertrieb von anderen Produkten verdienten. Wenn also der Kunde neben dem kostenlosen Girokonto noch eine Versicherung kaufte, irgendwann einen Kredit für den Bau eines Hauses aufnahm oder eine Zusatzrente abschloss, lohnte sich das Geschäft am Ende trotzdem. Doch mit den seit einigen Jahren niedrigen Zinsen sind auch die Gewinnmargen bei Produkten wie Versicherungen oder Renten geschrumpft. Hinzu kommt, dass überschüssige Liquidität bei der europäischen Zentralbank zu negativen Zinsen eingelegt werden muss, was für zusätzliche Kosten sorgt. Folglich sind vor allem die klassischen Filialinstitute, die eine kostenintensive Infrastruktur zu unterhalten haben, dazu gezwungen, sich nach neuen Einnahmemöglichkeiten umzuschauen. Viele Banken haben dabei unter anderem das Girokonto entdeckt und drehen vorsichtig an der Gebührenschraube. Bevor jedoch ein entsprechender Schritt umgesetzt werden kann, müssen die Kunden umfassend informiert werden. Sie haben dann die Möglichkeit, der Änderung der Konditionen zu widersprechen. Ändern wird dies an den Plänen der Bank indes vermutlich wenig. Daher sollten kostenbewusste Bankkunden auch prüfen, ob ein Wechsel zu einem anderen Institut in Frage kommt.
Stellt ein Wechsel eine Alternative dar?
Prinzipiell handelt es sich auch bei Finanzdienstleistungen um einen freien Markt und die Kunden sollten dies auch dahingehend nutzen, sich das für sie günstigste Modell auszusuchen. Allerdings wird dies längst nicht so umgesetzt, wie es angesichts der wachsenden Gebühren möglicherweise zu erwarten wäre. Dies mag unterschiedliche Gründe haben. Viele Kunden fühlen sich ihren Instituten eng verbunden und haben zudem eine persönliche Beziehung zum Kundenberater. Auch das regionale Engagement vieler Institute trägt vermutlich dazu bei, dass ihnen die Kunden auch bei steigenden Gebühren die Treue halten. Und nicht zuletzt ist es auch die Angst vor Veränderung sowie einfach Trägheit, die die Kunden dazu veranlasst, nichts zu unternehmen. Am Ende muss jeder für sich selber entscheiden, ob der Wechsel eine realistische Alternative darstellt. Zumindest der Aufwand, der hierfür betrieben werden muss, stellt kein Argument dar, welches gegen einen Wechsel spricht. Dafür hat auch ein Urteil aus dem letzten Jahr gesorgt, welches die Banken zu einer aktiven Unterstützung wechselwilliger Kunden sinkt. Wird also ein neues Konto eröffnet, ist die bisherige Bank dazu verpflichtet, alle relevanten Daten zu den bisherigen Kontoverbindungen weiterzugeben, so dass eine problemlose Umstellung erfolgen kann. Von den Banken, zu denen gewechselt wird, kann zudem eine sehr umfangreiche Unterstützung erwartet werden. Viele bieten einen automatischen Wechselservice an, der die wichtigsten Formalitäten, insbesondere die Informationen der bisherigen Zahlungspartner sowie die Kündigung des bisherigen Kontos und auch die Übertragung des alten Saldos vollständig übernimmt. Tatsächlich muss für den Aufwand, der im Rahmen eines Wechsels notwendig wird, nicht viel mehr als 20 Minuten Arbeit eingeplant werden.
Fazit – Gebührenerhöhungen müssen nicht hingenommen werden
Die Gebührenerhöhung, die die VR Bank aktuell vorgenommen hat, dürfte nur ein weiterer Schritt von vielen sein. Denn auch etliche andere Institute haben zuletzt deutlich an der Gebührenschraube gedreht und es ist anzunehmen, dass dies noch lange nicht das Ende dieser Entwicklung ist. Für die Verbraucher heißt es daher, genau abzuwägen, ob sich ein Wechsel lohnt. Neben den eigentlichen Konditionen für das Girokonto sollten dabei natürlich auch weitere Faktoren berücksichtigt werden, wie etwa das Engagement der Bank oder die Beratungsqualität. Vielen Kunden ist ein Beratungstermin mit einem vertrauten Berater lieber, als etwa ein Service, der nur online oder per Telefon zu erreichen ist. Günstige Kontomodelle gibt es derzeit nur noch bei Direktbanken, also Instituten, die über keinerlei Filialen verfügen und ausschließlich über das Internet agieren. Einen Nachteil bei Qualität und Service muss dies allerdings nicht bedeuten. Und auch der Aufwand für den Wechsel stellt keinen echten Hinderungsgrund dar, um zu einem deutlich günstigeren Girokonto zu wechseln. Hiervon gibt es nämlich nach wie vor eine gewisse Auswahl. Ein Beispiel ist das Girokonto der 1822direkt, einer Tochter der Frankfurter Sparkasse. Zu dem kostenlosen Konto gehört bei dieser Bank auch eine EC Karte, mit der an allen Automaten des sehr umfangreichen Sparkassen Netzes kostenlos Geld abgehoben werden kann. Kostenlos sind auch die Girokonten der DKB sowie der comdirect. Dabei gehört sogar eine Kreditkarte zum Leistungsumfang der beiden Kontomodelle. Damit kann nicht nur im Inland an fast allen Automaten kostenlos Bargeld bezogen werden, sondern die Kunden haben auch im Ausland sehr unkomplizierten Zugang zu Bargeld.