• Dienstag, 16. Juni 2026

Girokarte: Konkurrenz für die Girokarte nimmt zu

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Mehr als 100 Millionen Girokarten in Deutschland gibt es. Damit ist keine andere Karte stärker in den Haushalten der Bundesrepublik vertreten als die Karte, die erst im Jahre 2007 ihren Namen von der EC-Karte zur Girocard gewechselt hat. Ein wahrlich internationaler Name, der allerdings im internationalen Raum keine Vorteile einbringt. Denn hier geht ohne die Partner der Girocard nichts – und genau das könnte sich in naher Zukunft zu einem echten Problem für den Anbieter entwickeln.

Große Probleme: Keine Online-Zahlungen, keine Auslandszahlungen

Eine Girokarte für das eigene Guthabenkonto besitzt in Deutschland der Großteil aller Menschen. Kein Wunder, schließlich lässt sich ohne ein eigenes Girokonto bei einer Bank heutzutage kaum noch am öffentlichen Leben teilnehmen. Gehaltseingänge werden hier verbucht und Rechnungen bezahlt. Doch wie sieht es eigentlich mit den Zahlungen im Ausland aus? Genau hier wird es für die Girocard etwas problematisch. Eine Zahlung im Ausland ist mit dieser Karte nämlich rein theoretisch überhaupt nicht möglich. Wird im Auszahlung mit der EC-Karte gezahlt, wird die Zahlung nur durch einen externen Anbieter wie Mastercard oder V-Pay von Visa möglich. Keine Frage: In diesem Bereich hat die Girocard den Anschluss zur Kreditkarte verpasst und sich zu sehr auf den deutschen Markt fixiert.

Ähnlich kritisch gestaltet sich der Einsatz der beliebten Plastikkärtchen im Internet. Während mit den Kreditkarten problemlos bei fast jedem Anbieter gezahlt werden kann, steht für Zahlungen mit der Girokarte in der Regel nur die Banküberweisung oder die Lastschrift zur Verfügung. Der große Nachteil: Die Transaktionen werden nicht ansatzweise so schnell durchgeführt, wie zum Beispiel die Zahlung mit einer Kreditkarte. Eine Ausweichmöglichkeit sind Dienste wie die Sofortüberweisung (Klarna) oder Giropay. In beiden Fällen muss aber erneut auf eine externe Hilfe zurückgegriffen werden – und das ist eigentlich gerade nicht der Sinn der Sache.

Im Internet wird überwiegend die Kreditkarte angeboten

Eine weitere Ausweichmöglichkeit für die Zahlungen im Internet stellt das Unternehmen PayPal zur Verfügung. Sollte ein Kunde zum Beispiel als Kunde bei der Commerzbank oder einer anderen deutschen Bank aktiv sein, kann er sein PayPal-Konto ganz bequem mit dem Referenzkonto bei seiner Hausbank verknüpfen. Sollte das Konto beim Zahlungsdienstleister PayPal zum Zeitpunkt der Bestellung nicht gedeckt sein, wird der Betrag im Anschluss automatisch vom Bankkonto der Kunden eingezogen. Der Vorteil: PayPal springt in erster Instanz ein und übernimmt den eingezahlten Betrag. Der jeweilige Händler erhält so eine direkte Bestätigung über die Gutschrift und kann sich jederzeit sicher sein, dass der Betrag überwiesen wird. Dementsprechend schnell werden Bestellungen oder Käufe bearbeitet.

Mit all diesen Aspekten kann die Girocard aber nicht mehr mithalten – und genau das machen sich die anderen „Big Player“ jetzt zu Nutze. So werden mittlerweile reihenweise Debit-Karten angeboten,  mit denen die Kunden die Vorteile einer Kreditkarte online genießen können – ohne aber wirklich eine Kreditkarte zu besitzen. Anstatt einer Abbuchung am Ende des Monats wird bei der Debit-Karte eine sofortige Belastung des Kontos durchgeführt. Möglich wird das Bezahlen im Internet dabei durch die Kreditkartennummer auf der Debit-Karte.

Bisher sind Debit-Karten in der Bundesrepublik noch nicht weit verbreitet

Zumindest aktuell lassen sich die Debit-Karten in Deutschland allerdings noch nicht als echte Konkurrenz benennen. Die Resonanz bei den Verbrauchern ist dafür schlichtweg noch zu gering. Das wiederum hängt in erster Linie damit zusammen, dass die Banken und Unternehmen Debit-Karten oftmals nur mit Gebühren rausgeben. Während dann zum Beispiel im ersten Jahr kostenlos mit der Karten gezahlt werden kann, fallen ab dem zweiten Jahr möglicherweise Gebühren an. Und Gebühren sind ein Thema, auf das die Verbraucher spätestens seit zahlreichen Girokonten-Gebühren äußerst empfindlich reagieren. Das Problem: Die deutschen Banken wollen mit den Debit-Karten eigentlich nicht viel zu tun haben, schließlich liefert man hierzu eine Konkurrenz zur Girocard der Deutschen Kreditwirtschaft. Die Lage ist also brenzlig – und vor allem relativ aussichtslos. Während Mastercard, Visa und Co. das eigene Angebot fleißig erweitern, befindet sich die Girocard in einer echten Sackgasse. Spannend wird es nun sein zu sehen, wie sie sich hier wieder herausmanövrieren möchte.

Für Online-Zahlungen stehen unzählige Alternativen bereit

Neben den bereits angesprochenen Bezahlmethoden wie den Debit-Karten, der Sofortüberweisung oder PayPal gibt es für Abwicklungen von Zahlungen im Internet heutzutage noch zahlreiche weitere Optionen. In vielen Online Shops werden zum Beispiel auch die elektronischen Geldbörsen von Skrill und Neteller angeboten. Speziell bei Zahlungen in ausländischen Shops sind Nutzer oftmals auf derartige Alternativen angewiesen. Abgewickelt werden die Transaktionen hier ähnlich wie bei PayPal. Die Nutzer laden also ihre elektronische Geldbörse auf und können mit dieser innerhalb von wenigen Augenblicken ihre Zahlungen im Internet abwickeln. Eine weitere Möglichkeit, welche sich allerdings nicht bei einer Vielzahl von Online Shops entdecken lässt, ist die Paysafecard. In diesem Fall handelt es sich um eine Wertkarte, die an Tankstellen oder in Supermärkten erworben werden kann. Die Karte wird im jeweiligen Wert der Bezahlung ausgegeben, für das Abwickeln von Transaktionen im Internet muss dann nur noch eine 16-stellige Nummer eingetragen werden.

Datenübertragung ist einer der wichtigsten Faktoren

Eine weitere Herausforderung für die Girocard wird darin liegen, die Zahlungen im Internet möglichst ohne viele persönliche Daten der Nutzer abwickeln zu können. Der Trend zeigt ganz klar, dass die Käufer immer weniger Angaben von sich Preis geben wollen – auch, weil die Internetkriminalität in den letzten Jahren deutlich zugelegt hat. Umso wichtiger wird es für Zahlungsanbieter also, auf eine sichere Verschlüsselung der Nutzerdaten zu achten. In diesem Fall genießt die Wertkarte Paysafecard einen großen Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten. Gezahlt wird hier vollkommen ohne Übermittlung von privaten Nutzerdaten wie Bank-Daten oder der Kreditkartennummer. Stattdessen wird im Laden zum Beispiel bar gezahlt und für die Übermittlung dann lediglich die 16-stellige PIN-Nummer der Karte eingetragen. Aber auch Skrill, Neteller und PayPal können sich in dieser Hinsicht gut präsentieren. Abgewickelt werden die Transaktionen hier nämlich ganz einfach durch die Eingabe der eigenen E-Mail-Adresse und des dazugehörigen Passworts.

Kostenfaktor ist nicht zu verachten

Problematisch für die Girocard wird zudem das Thema Gebühren. Immerhin verzichten zahlreiche große Anbieter auch heute noch auf eine Kooperation mit PayPal, da ihnen die Gebühren für die Zahlungsmethode einfach zu hoch sind. Ein ähnlicher Trend lässt sich natürlich bei den Nutzern erkennen. Gebühren verlangt PayPal für Zahlungen der Verbraucher in einem Online-Shop nicht, im Allgemeinen gilt ohnehin, dass die gebührenfreien Zahlungsmethoden natürlich deutlich beliebter sind. Auch die Nutzer stecken daher oftmals in einer Sackgasse, denn Mastercard und Visa wissen in vielen Fällen um ihr Alleinstellungsmerkmal. Die Folge: Es werden zum Beispiel für Buchungen von Reisen oder Einzahlungen bei einem Glücksspielanbieter satte Gebühren verlangt. Wer sich mit einer neuen Zahlungsmethode auf dem hart umkämpften Markt behaupten möchte, hat es also keinesfalls einfach, sondern muss zahlreiche Kriterien und Stolperfallen beachten.

Wer sich als Verbraucher ein Bild von den unterschiedlichen Zahlungsoptionen für seine Internetzahlungen machen möchte, der sollte immer auf unterschiedliche Aspekte achten. Zum einen spielt natürlich die Abwicklungsgeschwindigkeit eine Rolle, in der aktuell noch eine der großen Schwächen der Girocard bzw. Banküberweisungen liegt. Am besten ist es, wenn die Zahlungen umgehend bearbeitet werden. Mögliche Bestellungen oder Käufe können dann auch vom Shop oder Verkäufer deutlich schneller bearbeitet und verschickt werden. Zusätzlich dazu sollte auf die Sicherheit bei der Zahlungsabwicklung geachtet werden. Eine SSL-Verschlüsselung ist zum Beispiel eine der wichtigsten Voraussetzungen, gleichzeitig sollten für die jeweilige Zahlungsmethode möglichst nur wenige persönliche Daten notwendig sein. Für viele Verbraucher das interessanteste Kriterium sind aber natürlich die Kosten und Gebühren. Zahlungen sollten möglichst gebührenfrei durchgeführt werden, etwaige Registrierungen oder Anmeldungen sollten ebenfalls kostenlos möglich sein.

Fazit: Der Druck auf die Girocard wächst

Die EC-Karte oder Girocard war in Deutschland lange ein absolutes Aushängeschild und so gut wie konkurrenzlos. Dann allerdings kam das Internet und mit ihr zahlreiche neue Möglichkeiten. So haben fortan Läden ihre Ware im Internet angeboten und waren natürlich auch auf neue Bezahlmöglichkeiten angewiesen. Genau hier hat die Girocard ihren Einsatz verschlafen und das Feld beinahe kampflos der Konkurrenz überlassen. Eine Zahlung im Internet ist mit der Girocard allein unmöglich. Stattdessen ist das Plastikkärtchen immer auf einen Partner wie Visa, Mastercard oder Klarna angewiesen. Ähnlich sieht es im Ausland aus, wo ohne Visa und Mastercard keine einzige Zahlung mit der Girocard durchgeführt werden könnte. Keine Frage: Zahlreiche Zahlungsanbieter haben sich mittlerweile in ein besseres Licht rücken können. Zwar wird die Girocard nicht vom Markt verschwinden, dennoch dürfte es dem Anbieter nur wenig gefallen, dass zahlreiche Märkte vollkommen unerschlossen geblieben sind. Und jetzt erst einmal wieder den Anschluss zu finden, dürfte sich schwierig gestalten. Immerhin haben die anderen Dienstleister den Fauxpas der Girocard mitbekommen und wollen selber keinen weiteren Fortschritt verschlafen. Es wird also noch interessant sein zu sehen, wie sich die Girocard neu positionieren möchte und kann.

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