• Donnerstag, 29. Januar 2026

Girokonten und Gebühren: Neuer Ärger für Bankkunden

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Wer die Hoffnungen auf ein ruhigeres Jahr 2021 hatte, dürfte diese mit Blick auf den Finanzsektor recht schnell wieder begraben haben. Bereits im letzten Jahr sorgten viele Bankhäuser für Unmut bei ihren Kunden, da neue Gebühren für die Kontonutzung oder sogar die Einlagen auf dem Konto eingeführt wurden. Auch in diesem Jahr setzt sich der Trend weiterhin fort.

Stadtsparkasse Düsseldorf kündigt mehr als 20 Kunden

Was ist denn das? Genau das dürften sich einige Kunden der Stadtsparkasse Düsseldorf gedacht haben, als diese Post von ihrem Geldhaus erhielten. Gegenüber der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ gab ein Sprecher der Sparkasse bekannt, dass man im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 1.800 Kunden mit mindestens 250.000 Euro täglich fälligen Einlagen kontaktiert habe. Das Unternehmen habe den Kunden die Optionen gestellt, das Geld zu anderen Banken umzuschichten oder eben ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent anzunehmen. Dieses berechnet sich nach dem negativen Einlagezins, der aktuell ebenfalls bei minus 0,5 Prozent liegt. Diese Kosten müssen die Banken tilgen, wenn sie Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) „parken“.

Für die Sparkasse, sind das enorme Kosten, da die Gesamtsumme der Einlagen der mehr als 1.800 Kunden laut des Sprechers bei rund 672 Millionen Euro gelegen hätte. Eine Summe, die täglich verfügbar sein müsste und dementsprechend mit dem negativen Einlagezins belastet wurde. Fast alle Kunden hätten auf die Nachricht der Sparkasse geantwortet, so der Sprecher. Allerdings gab es von 26 Kunden keine Rückmeldung. Diesen gegenüber hätte man deshalb die Kündigung zu Ende März ausgesprochen. Das Unternehmen betont aber, dass die Kunden diese Kündigung noch umgehen können, wenn sie die Verwahrentgelte doch akzeptieren.

Banken bemüht um harmonische Lösungen

Dass die Düsseldorfer Sparkasse so rigoros vorgeht, ist zwar angesichts der horrenden Kosten verständlich, aber auch überraschend. In der Regel waren die Unternehmen bislang darauf bedacht, die Kunden möglichst nicht zu verlieren. Vorgeschlagen wurden deshalb meist andere Anlagemöglichkeiten, mit denen die Verwahrentgelte umgangen werden können. Fruchtete das nicht, wurde auf die Notwendigkeit der Entgelte hingewiesen und auf das Einlenken der Kunden gehofft. In Düsseldorf hat man sich für einen anderen Weg entschieden. Ein echter Sonderfall. Auf Nachfrage des „Handelsblatt“ bestätigten gleich mehrere deutsche Banken, dass sie noch keine Kündigungen im Zusammenhang mit dem Verwahrentgelt ausgesprochen hätten.

Dennoch bleibt die derzeitige Lage für alle Finanzhäuser unangenehm. Wie der Bundesverband Deutscher Banken ermittelte, müssen die Geldhäuser in Deutschland pro Jahr rund vier Milliarden Euro an Negativzinsen zahlen. Und das nach Abzug der Freibeträge. Das klassische Girokonto, einst das Zugpferd eines jeden Bankhauses, wird dadurch für die Unternehmen zu einer enorm kostspieligen Last. Das bekommen die Kunden zu spüren. Bereits 2020 war ein deutlicher Trend dahingehend erkennbar, dass der Anteil der Banken steigt, die ihre Kundeneinlagen negativ verzinsen.

Zinsärger nicht der einzige „wunde Punkt“

Neben der negativen Verzinsung ärgert viele Bankkunden, dass mit den Kontoführungsgebühren ebenfalls reihenweise neue Gebühren in der Vergangenheit eingeführt wurden. In vielen Fällen werden diese noch als Alternative zu den Negativzinsen gesehen. Viele Banken haben aber auch schon den Weg eingeschlagen, sowohl die Kontoführungsgebühren als auch die Negativzinsen zu kassieren. Der Anteil der wirklich gebührenfreien Girokonten nimmt hingegen stetig ab. Jüngst teilte zum Beispiel auch die Comdirect mit, dass das ursprünglich mal gebührenfreie Girokonto fortan nicht mehr immer kostenlos verfügbar ist. Bislang galt dieses Girokonto als eine der wenigen erfreulichen Ausnahmen, die vollkommen ohne Gebühren genutzt werden konnte. Das wird sich ändern.

Neukunden müssen für das Konto künftig einen monatlichen Geldeingang von 700 Euro vorweisen. Andernfalls werden 4,90 Euro Gebühren pro Monat fällig. Mit dieser Anforderung folgt die Comdirect einer typischen Anforderung auf dem Markt. Einige Banken bieten ihr Girokonto bereits gebührenfrei an, wenn ein monatlicher Geldeingang in festgelegter Höhe verzeichnet wird. So etwa auch die Commerzbank und die ING-DiBa. Bei der Deutschen Kreditbank wiederum erreichen die Kunden mit dem Geldeingang in dieser Höhe den Status als „Aktivkunde“, der einige Annehmlichkeiten mit sich bringt. Während die Neukunden der Comdirect sofort mit diesen Änderungen in Berührung kommen, werden Bestandskunden diese wohl erst ab Mai auf ihrem Kontoauszug entdecken können.

Comdirect ändert einiges am Girokonto

Rund um die Gebühren lässt die Comdirect aber durchblicken, dass es noch weitere Optionen gibt, diese zu umgehen. Wer mindestens drei Mal im Monat per Apple Pay oder Google Pay bezahlt, soll demnach ebenfalls um die Kontoführungsgebühren herumkommen. Genau das Gleiche gilt, wenn das Wertpapierdepot der Bank genutzt wird. In diesem Fall müssen es auch keine Aktieninvestments sein. Auch ein Sparplan, zum Beispiel für ETFs, mit einer monatlichen Abbuchung ist ausreichend. Wer sich vom Angebot der Bank erst einmal einen Einblick verschaffen möchte, kann das Girokonto sechs Monate lang kostenlos testen.

Für Veränderungen sorgt die Bank rund um die Einführung des neuen Kontos an weiteren Stellen. Die neuen Visa-Karten sind nicht mehr als sogenannte „Charge-Karten“, also „echte Kreditkarten“ vorhanden. Stattdessen werden diese in Form von Debit-Karten ausgegeben. Die Beträge werden also nicht mehr in Form eines Kredites „vorgestreckt“ und am Ende eines Monats abgebucht. Stattdessen findet die Abbuchung umgehend statt. Allerdings nur bei ausreichender Deckung. Der Zwischenkredit entfällt. Und das könnte zum Beispiel im Falle einer Kaution für eine Autovermietung zu einem Problem werden. Wer dennoch weiter die reguläre Visa-Kreditkarte ausgestellt bekommen möchte, muss hierfür pro Monat 1,99 Euro bezahlen.

Kreditkarte bei anderer Bank kann sich lohnen

Eine Vielzahl der Comdirect-Kunden dürfte schon allein aus Gründen der Bequemlichkeit weiterhin auf die alte Visa-Karte setzen. Die deutschen Bankkunden gelten als träge, gleichzeitig aber auch als enorm verbunden zu ihrem jeweiligen Unternehmen. Mehrere Produkte werden meist bei nur einer Bank in Anspruch genommen. So also auch das Girokonto und die Kreditkarte. Dabei kann es sein, dass es sich lohnt, die Kreditkarte über eine andere Bank in Anspruch zu nehmen als das Girokonto. Die Verknüpfung ist problemlos möglich. Der Grund für diese Unterschiede liegt in den Gebühren für die Kreditkarten. Diese werden unabhängig, und damit zusätzlich, zu den regulären Kontoführungsgebühren erhoben. Bankkunden, die hier einfach aus Bequemlichkeit auf ihre Hausbank zurückgreifen, können so schnell mehrere hundert Euro pro Jahr zu viel bezahlen.

In der Tat sind auf dem Markt noch einige Angebote zu entdecken, in denen Banken kostenlose Kreditkarten zur Verfügung stellen. Mit diesen können Bankkunden oftmals rund um den Globus kostenfreie Zahlungen abwickeln, die Kreditkarte für Online-Dienste nutzen oder im nächsten Urlaub gebührenfrei Geld abheben. Auf zahlreiche Annehmlichkeiten müssen die Bankkunden also in diesem Fall nicht verzichten. Die einzige Ausnahme sind in der Regel Zusatzleistungen wie etwa eine Reiserücktrittsversicherung oder Ähnliches. Diese sind üblicherweise ausschließlich bei gebührenpflichtigen Kreditkarten zu finden.

Aktiv werden und Ärger umgehen

Auch wenn sich die Lage für Bankkunden damit weiter zuspitzt, gibt es noch Ausweichmöglichkeiten. Kontobesitzer und Kreditkartennutzer sollten möglichst selbst aktiv werden und den Markt nach attraktiven Angeboten durchforsten. Viele Unternehmen bieten mehrere Modelle und Pakete, mit denen sich die individuell erforderlichen Leistungen oftmals gut kombinieren lassen. Wer hier richtig sucht und kombiniert, kann problemlos eine Menge Sparpotenzial nutzen und das zum Beispiel lieber in den nächsten Urlaub investieren. Dort lässt sich dann auch gleich die möglicherweise gebührenfreie Kreditkarte auf Herz und Nieren prüfen.

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