Den deutschen Bankkunden wurde bereits im Jahre 2018 etwas Großes versprochen. Gemäß einer europäischen Gesetzesvorlage wurde Deutschland damals dazu „verdonnert“, eine allgemeine und zertifizierte Vergleichsplattform für Girokonten ins Leben zu rufen. Ein Auftrag, der von Beginn an für Probleme sorgte. Auch jetzt, gut drei Jahre nach dem geplanten Start, ist noch keine Plattform auf dem Markt. Ganz im Gegenteil: Die bisherigen Anläufe wirkten eher kläglich und sorgten dafür, dass die Vergleichsseite mittlerweile eine größere Herausforderung ist als gedacht. Es deutet sich an: Bankkunden werden auf diesen Service wohl noch ein wenig länger verzichten müssen.
Vergleichsplattform für Girokonten: Hat das lange Warten erst begonnen?
In den letzten Jahren hat Deutschland einige Verzögerungen von geplanten Großprojekten bestaunen können. Da wäre zum Beispiel der Pannen-Flughafen BER in Berlin. Auch die prestigeträchtige Elbphilharmonie in Hamburg hat deutlich länger gedauert als geplant. Immerhin sind diese beiden Projekte aber bereits betriebsbereit. Von der lizenzierten Vergleichsplattform für Girokonten lässt sich dies nicht sagen. Geplant war diese bereits für den Oktober 2018. Sinn und Zweck der Plattform: Den deutschen Bankkunden den Blick durch den Gebührendickicht der Branche zu erleichtern. Die Kunden sollten hier zum Beispiel die Kontoführungsgebühren, mögliche Verwahrentgelte oder Negativzinsen bequem vergleichen können und so das für sich beste Girokonto finden. In der Theorie ein toller Ansatz. In der Praxis ist das Projekt aber bislang ein echter Reinfall. Auf den ersten Blick ist das überraschend. Immerhin sind im Internet zahlreiche Vergleichsseiten für mittlerweile fast alle erdenklichen Dinge vorhanden. Es dürfte also eigentlich nicht allzu schwer sein, ein solches Portal ins Leben zu rufen.
Ist es aber offenbar doch. Einen ersten Versuch unternahm der Anbieter Check24, der als großes Vergleichsunternehmen hervorragende Voraussetzungen mitbringt. Nach nur fünf Monaten im Dienst wurde die Plattform des Vergleichsriesen bereits im Januar jedoch abgeschaltet. Check24 bekam seine Chance deshalb, weil sich die Bundesregierung gegen eine staatliche Plattform entschied und stattdessen einen privaten Anbieter entsprechend zertifizieren wollte. Für Check24 war dies laut Aussage des Unternehmens ein teurer Prozess, in den offenbar mehrere Millionen Euro investiert werden mussten.
Verbraucherzentrale Bundesverband sorgte für das Abschalten der Plattform
Dass Anfang des Jahres alle Bemühungen von Check24 zunichte gemacht wurden, lag insbesondere am Verbraucherzentrale Bundesverband. Dieser klagte nämlich gegen die Vergleichsplattform und kritisierte vor allem, dass Plattform längst nicht alle Banken auf dem Markt beinhalten würde. Zudem würden auch nicht alle Kontomodelle der unterschiedlichen Banken verfügbar sein, sondern meist nur ein repräsentatives Beispiel. Die Folge: Die Check24-Webseite ging wieder vom Netz und es entstand erst einmal ein kleines Vakuum. Genau das sollte jedoch unbedingt vermieden werden. Der neue Plan war es deshalb, die Kontenvergleichsseite der zumindest öffentlich geförderten Seite von „Stiftung Warentest“ für die Nutzer unentgeltlich freizuschalten. Bis heute hat diese Entscheidung noch Bestand, auch wenn es sich lediglich um eine Übergangslösung handeln soll.
Das Problem: Offenbar klemmt es auch hier an zahlreichen Ecken und Enden. So stellen aufmerksame Beobachter fest, dass die Abdeckung des Marktes bei „Stiftung Warentest“ noch geringer ist als zuvor bei Check24. Damals waren laut Experten mehr als 600 Konten vergleichbar. Aktuell sind es nur rund 400 unterschiedliche Konten. Das ist durchaus kurios, immerhin wurde Check24 gerade wegen der fehlenden Marktabdeckung zum Rückzug gezwungen. Von Seiten der „Stiftung Warentest“ heißt es zur Verteidigung, dass man rund 150 Banken nach verschiedenen Kriterien herausgesucht habe und dort die unterschiedlichen Kontomodelle vorstelle. Für die meisten Kunden würden ohnehin nur regionale Banken oder Sparkassen in Frage kommen. Je nach Stadt, in der die Kunden leben würden, sei die Auswahl dann auch dementsprechend groß.
Klage durch Verbraucherschutz droht jetzt offenbar nicht
Obwohl laut Kritikern das Angebot für die Verbraucher nun noch einmal schlechter geworden ist, muss sich die „Stiftung Warentest“ offenbar keine Sorgen um eine Klage durch den Verbraucherschutz machen. Dort heißt es, dass man sich dessen bewusst sei, dass der kostenlose Vergleich über die „Stiftung Warentest“ lediglich eine Zwischenlösung sei. Zudem erklärte der Verbraucherschutz, dass man sich die Zuständigkeit künftig bei der BaFin wünschen würde. Die Behörde hätte alle notwendigen Daten vorliegen und könnte diese ohne großen Aufwand übersichtlich für die Verbraucher zur Verfügung stellen. Der Haken: Im Falle einer Zuständigkeit der BaFin würde es sich doch um eine staatliche Vergleichsseite handeln. Eine schnelle Lösung scheint in dieser Sache also gewiss nicht in Sicht. Auch deshalb, weil die Einführung der Vergleichsseite ursprünglich vom Bundesfinanzminister Olaf Scholz angeschoben wurde. Der allerdings steht mittlerweile bekanntlich kurz vor dem Sprung ins Kanzleramt.
Immer mehr Gebühren: Transparenz dringend erforderlich
Dass der Bedarf nach einer solchen Webseite enorm hoch ist, zeigen die letzten Monate. Für Bankkunden wird es immer schwerer, sich bei den zahlreichen unterschiedlichen Gebühren noch zurechtzufinden. Darüber hinaus arbeiten die Geldhäuser zum Teil mit ganz verschiedenen Arten von Gebühren. Auch das macht die Sache nicht leichter. Wer nach kostengünstigen Konten schauen möchte, hat es noch einmal schwerer. Insbesondere die Strafzinsen machen den Bankkunden weiterhin das Leben schwer. Und das sogar noch stärker als noch vor ein paar Monaten. Ursprünglich wurden die Strafzinsen vor allem für große Kontenguthaben eingeführt. Sparer mit Guthaben von über 100.000 Euro auf dem Girokonto wurden zur Kasse gebeten.
Die Grenzen für die Freibeträge wurden in den letzten Monaten jedoch immer weiter nach unten gezogen. Einige Geldhäuser setzten die Gebührenschraube bereits bei 50.000 Euro Guthaben auf dem Konto an. Mittlerweile ist auch das Geschichte. Schon kleine Sparbeträge von teilweise unter 10.000 Euro sorgen bei einigen Banken mittlerweile für die Einführung der Strafzinsen. Wie eine Analyse des Anbieters „Verivox“ mit Stand September ergab, würden mittlerweile über 390 Institute in Deutschland prozentuale Gebühren erheben. Allein seit Jahresanfang sind demnach mehr als 200 Geldhäuser neu auf diese Liste hinzugekommen. Vor allem zu Jahresbeginn hätten sich die Banken demnach zur Einführung der Gebühren entschieden. Im Verlaufe des Jahres hat sich die Entwicklung dann immer mehr abgeschwächt. Dennoch warnen Experten, dass ein Ende der Negativzinsen lange nicht in Sicht ist.
Kaum Freiräume mehr für die Kunden
Wie dramatisch sich die Lage mittlerweile entwickelt hat, belegen einige krasse Beispiele aus der Bundesrepublik. Mit der Volksbank Bochum-Witten, der Volksbank Bühl oder der Degussa Bank haben mittlerweile gleich mehrere Geldhäuser eine Grenze von nur noch 5.000 Euro Freibetrag. Wer mehr als diese Summe auf dem Konto hat, muss einen Minuszins in Höhe von 0,5 Prozent tilgen. Doch damit nicht genug. Noch weiter unten liegt der Freibetrag bei der Ebase, der European Bank for Financial Services. Hier wird der Strafzins von 0,5 Prozent bereits ab einem Kontoguthaben von 1.000 Euro fällig.
Besonders dreist: Die meisten Banken und Sparkassen orientieren sich am Zinssatz von 0,5 Prozent. Immerhin ist dies der Zins, den die Banken bei der Europäischen Zentralbank für die Verwahrung der Gelder zahlen müssen. Einige Unternehmen nutzen dies jedoch als Option, um zusätzlich die eigenen Taschen zu füllen und arbeiten so mit Zinsen zwischen 0,55 Prozent oder gar 1 Prozent. Für Sparer sind die Entwicklungen besorgniserregend. Umso deutlicher wird, dass ein transparenter Überblick über die Konditionen der Banken eine Menge Geld sparen kann.