• Donnerstag, 29. Januar 2026

Girokonto: Was ist eigentlich mit der Vergleichs-Webseite?

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Viele Sparer dürften sie mit Spannung erwartet haben: Die offizielle und zertifizierte Vergleichsplattform für Girokonten. Gemäß der europäischen Gesetzeslage hätte diese eigentlich schon längst in Deutschland eingeführt werden müssen. Schon der Start gestaltete sich als enorm schwierig. Doch damit nicht genug: Mittlerweile werden die Sparer auf der Suche nach jener Vergleichsplattform gar nicht mehr fündig. Dieser wurde vom Betreiber „Check24“ bereits abgeschaltet, Verbraucher gucken in die Röhre. Ein Zustand, der so eigentlich nicht akzeptabel ist.

Vergleichsplattform für Girokonten: Schwacher Start, schneller Abgang

In der Theorie ist die Idee noch immer optimal. Girokonten-Nutzer sollen mit Hilfe einer Vergleichsplattform alle Kontomodelle der deutschen Banken vergleichen können und gemäß der Eindrücke ihrer Entscheidungen treffen. Gerade in Zeiten, in denen die Kosten für den Besitz eines Girokontos immer weiter steigen, wäre eine derartige Plattform enorm hilfreich. Das Problem: Obwohl die europäische Gesetzgebung eine solche Plattform vorschreibt, ist diese in Deutschland nicht zu finden. Oder besser gesagt: Nicht mehr. Der Betreiber, „Check24“, hat sich kurzerhand dazu entschlossen, die Plattform abzustellen. Offenbar hat der Konzern keine große Lust, sich mit zahlreichen Verbraucherschützern auseinanderzusetzen. Nach einer Klage der Verbraucherzentralen wirft der Konzern nun also die berühmte Flinte ins Korn.

Dass es rund um die Vergleichsplattform nicht ganz rund läuft, ist nichts Neues. Schon der Start der Vergleichsplattform gestaltete sich als schwierig. Mit „Check24“ konnte zwar recht schnell ein ausführendes Unternehmen gefunden werden, nicht aber ein Kontrolleur. Die Suche nach einer passenden Kontrollstelle verzögerte sich mehrere Monate. Die Folge: Erst rund ein Jahr nach der eigentlich gesetzlich geplanten Einführung fand die Vergleichsplattform ihren Weg ins Netz. Ein kurzes Vergnügen, wie mittlerweile klar ist.

Finanzministerium arbeitet mit „Hochdruck“ an neuer Vergleichsseite

Dass sich die Kontonutzer aktuell überhaupt nicht über eine zertifizierte Plattform informieren können, ist nicht zuletzt auch die Verfehlung vom Finanzministerium. Dieses wiederum möchte die angestrebte Vergleichsplattform aber weiter ins Leben rufen. Wie es heißt, arbeite man „mit Hochdruck“ daran, eine neue Seite auf den Weg bringen zu können. Demnach würde das Ministerium unterschiedliche Optionen haben. Wie groß die Anzahl der Optionen jedoch wirklich ist, ist unbekannt. Es geht das Gerücht rum, dass Scholz dieses Mal deutlich größere Probleme haben dürfte, einen Partner zu finden. Denn: „Check24“ musste laut eigenen Aussagen einen siebenstelligen Eurobetrag investieren, um die Zertifizierungen anbieten zu können. Ein „Vergnügen“, das sich nur wenige Unternehmen leisten können. Und das offenbar auch viele Unternehmen abschreckt.

Ebenfalls kontaktiert wurde auch das Vergleichsangebot von „Biallo“. Das Unternehmen bietet bereits einen großen Girokonten-Vergleich an. Für die zusätzliche Zertifizierung hätte „Biallo“ allerdings mehr als 150.000 Euro für nur drei Jahre zahlen sollen. Die Zertifizierung plus Folgekosten seien dem Unternehmen deshalb wohl zu teuer. So ergeht es zahlreichen Unternehmen, die sich die zusätzlichen Kosten für die Zertifizierung ganz einfach sparen wollen. Vor allem, wenn am Ende die Verbraucherzentrale mit Klagen wartet.

Verbraucherzentralen: Warum übernehmen sie die Webseite nicht?

Die Verbraucherzentralen selbst brachten in den vergangenen Wochen vor allem die „Stiftung Warentest“ als möglichen Betreiber einer solchen Plattform ins Gespräch. Diese erklärte, dass man das Angebot zwar interessant finde, jedoch erst einmal Kapazitäten und Ressourcen planen müsse. Doch warum übernehmen die Verbraucherzentralen die Aufgabe der Kontrolle nicht einfach selbst? Auch hier liegt die Antwort in den Kosten. So erklärte die FMH-Finanzberatung in Persona von Max Herbst gegenüber der FAZ: „Das Ende vom Lied wäre, dass sie zum Gesetzgeber laufen und sagen müssten, dass sie neben den Investitionskosten in siebenstelliger Größe entsprechend mehr Mitarbeiter brauchen und locker ein jährliches zusätzliches Budget von 200.000 Euro, um den Service des kompletten Zinsvergleiches zu pflegen.“ Ergo: Auch für die Verbraucherzentralen wird diese Aufgabe wohl nicht zu stemmen sein.

Immer wieder kam deshalb zuletzt auch die Bankenaufsichtsbehörde Bafin ins Gespräch. Was liegt näher, als der Bankenaufsichtsbehörde auch die Aufsicht über die Vergleichsplattform zu geben? Das Problem ist bei der Bafin jedoch ähnlich wie bei allen anderen Kandidaten. Auch hier wäre ein ordentlich gepflegter Vergleich nicht ohne zusätzliche finanzielle Mittel und Personal zu stemmen.

Vergleichsplattform für Girokonten abgeschaltet: Was können Bankkunden jetzt tun?

Es wird offensichtlich, dass sich das Prozedere um eine neue Vergleichsplattform sicherlich noch eine ganze Zeit lang ziehen dürfte. Ärgerlich für alle Girokontennutzer, die aufgrund der zunehmenden Gebühren möglicherweise schnell ihre Bank wechseln wollten. Von Seiten des Finanzministeriums ist in diesem Zusammenhang lediglich zu vernehmen, dass die Informationspflicht der Banken aus dem Zahlungskontengesetz weiterhin bestünde. Demnach könnten sich die Kunden auf der Webseite jeder einzelnen Bank über die verschiedenen Kontoentgelte informieren. Die Unternehmen sind verpflichtet dazu, diese offenzulegen. Der Nachteil: Bei einer intensiven Kontrolle und einem genauen Vergleich dürften hier zahlreiche Stunden Recherche notwendig sein. Zeit, die kaum ein Kontonutzer zur Verfügung hat.

Ohnehin wird die Suche nach möglicherweise günstigen Girokonten immer komplexer. Sparer müssen nicht nur auf mögliche Kontoführungsgebühren achten. Immer häufiger werden auch üppige Strafzinsen erhoben, wenn die Kontobesitzer zu viel Geld auf ihrem Konto verwahren. Waren von dieser Regelung vor einigen Jahren nur vermögende Sparer mit Rücklagen von 250.000 Euro oder mehr betroffen, fällt die Schranke mittlerweile immer früher. Ein Beispiel hierfür wäre zum Beispiel die Hamburger Sparkasse. Die hat ihren Umgang mit den Negativzinsen zuletzt deutlich verschärft. Wie das Unternehmen mitteilte, wird der Freibetrag für Sparer auf nur noch 50.000 Euro gesenkt. Wer mehr als diesen Betrag auf dem Konto liegen hat, muss mit einem Negativzins in Höhe von 0,5 Prozent planen. Das Kuriose: Die Hamburger Sparkasse begründet ihren Schritt damit, dass immer mehr andere Unternehmen zu den Strafzinsen greifen würden. Deshalb seien in der jüngeren Vergangenheit viele Bankkunden mit ihrem Ersparten zur Haspa gewechselt. Die Folge: Die Verwahrkosten für die Bank sind massiv gestiegen. Ein Domino-Effekt, der sich künftig durch die gesamte Branche ziehen könnte. Immerhin ist zu erwarten, dass zumindest ein Teil der Haspa-Kundschaft nun wieder zu einer Bank wechseln wird, bei der angenehmere Konditionen zu finden sind.

Einen Blick wert: Neue Kontenmodelle wollen auf sich aufmerksam machen

Bei traditionellen Banken allerdings werden die Kunden diese angenehmeren Konditionen immer seltener finden. Die Entwicklung der letzten Monate hat klar gezeigt, dass kaum mehr vollständig kostenfreie Girokonten mit angenehmen Freigrenzen für Erspartes zu finden sind. Das wiederum machen sich andere Unternehmen zu Nutze. In die Kritik geriet zum Beispiel jüngst „Check24“. Also das Unternehmen, das die zertifizierte Vergleichsplattform für Girokonten anbieten sollte. Die Kritik stammte daher, dass das Unternehmen mit der C24 Bank selbst ein Girokonto an den Start gebracht hat. Der ehemalige Newcomer bekommt nun aber schon wieder prominente Gesellschaft. Auch der Zahlungsanbieter Klarna möchte in den kommenden Monaten mit einem eigenen Girokonto in Deutschland an den Start gehen. Laut Unternehmen soll dieses zunächst einer kleineren Gruppe von Kunden zur Verfügung gestellt werden. Im nächsten Schritt wolle man das Angebot dann in der ganzen Bundesrepublik anbieten. Möglich macht das wiederum die Banken-Lizenz aus Schweden. Und: Klarna möchte sein Konto erst einmal kostenlos zur Verfügung stellen.

Das gilt für zahlreiche Angebote dieser Art. Bankkunden sollten sich mit diesen Optionen deshalb durchaus beschäftigen. Wer etwas Skepsis mitbringt, kann ein solches Konto erst einmal als Zweitkonto nutzen. Überzeugen Funktionen und Konditionen, lässt sich das reguläre Girokonto im traditionellen Bankhaus möglicherweise kündigen.

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