Die deutsche Bankenlandschaft ist sehr breit gefächert und geprägt durch einen harten Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern. Zunehmend versuchen kleinere und innovative Institute, den bekannten Platzhirschen, wie Sparkasse, Deutsche Bank, Commerzbank und Co. die Kunden abzuwerben. Und da gerade in diesem Bereich die Kunden als vergleichsweise träge gelten, denken sich die Konkurrenten immer wieder neue Aktionen aus, mit denen Aufmerksamkeit erzeugt werden soll. Nicht jedes Angebot ist dabei wirklich so gut, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Ein Beispiel für diese These hat gerade die GLS Bank abgeliefert. Diese wollte mit einem 0 Prozent Dispokredit den Verbrauchern glauben machen, ihnen ein unschlagbares Angebot zu unterbreiten. Zwar können die Inhaber eines entsprechenden Girokontos tatsächlich den Dispositionskredit bis zu einer Höhe von 10.000 Euro in Anspruch nehmen, ohne dass hierfür Zinsen berechnet werden. Dem stehen aber saftige Gebühren für die Kontoführung sowie weitere Dienstleistungen gegenüber. Wir wollen zunächst noch einmal auf dieses Angebot eingehen und zeigen, dass vor allem die Gesamtbilanz entscheidend ist, wenn es darum geht ein günstiges Girokonto zu finden. Prinzipiell möchten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, ob und für wen ein Dispokredit überhaupt eine sinnvolle Lösung ist und welche Alternativen es derzeit gibt.
Keine Dispozinsen – dafür stattliche Gebühren für die Kontoführung
Die Banken stehen derzeit vor mehreren Herausforderungen. Zum einen herrscht ein intensiver Konkurrenzkampf, zum anderen wird es angesichts des aktuellen Zinsumfeldes immer schwerer, kontinuierliche Erträge zu erwirtschaften. Ankerprodukte wie Girokonten, also Produkte, mit denen neue Kunden zum Institut gelockt werden sollen, müssen also nicht nur attraktiv, sondern gleichzeitig möglichst ertragreich sein. Vor diesem Hintergrund werden Pakete geschnürt, die nur auf den ersten Blick wirklich günstig sind. Im Falle des Girokontos der GLS Bank handelt es sich bei dem zinslosen Dispositionskredit zwar tatsächlich um ein Alleinstellungsmerkmal. Ob Kunden davon allerdings wirklich profitieren, ist mehr als zweifelhaft. Denn je nach Kontomodell werden monatliche Gebühren verlangt, die es durchaus in sich haben. Bereits das günstigste Kontomodell schlägt aktuell mit 3,80 Euro zu Buche – im Monat versteht sich. Zudem hat das Institut gerade angekündigt, ab Januar nächsten Jahres die Gebühren noch einmal deutlich zu erhöhen. Satte fünf Euro werden dann monatlich als GLS Beitrag zusätzlich erhoben.
GLS Bank ist eine ökologisch ausgerichtete Bank
Hierzu kann allerdings angemerkt werden, dass es sich um einen Beitrag handelt, dem die Kunden der GLS Bank mehrheitlich zugestimmt haben. Denn bei dieser Bank handelt es sich um ein Institut mit einer klaren ökologisch-ethischen Ausrichtung seiner Geschäftspolitik. Mit dem zusätzlichen Beitrag soll vor allem das einmal eingeschlagene Geschäftsmodell langfristig gesichert werden. Für Bankkunden, die mit diesen Ansprüchen auf die Suche nach einem Partner gehen, ist die GLS Bank also durchaus eine interessante Alternative. Rein rechnerisch lohnt sich ein Wechsel zu dem Institut mit Sitz in Bochum allerdings kaum. Denn im Jahr summieren sich die Gebühren für das Standardkonto auf stolze 105,60 Euro.
Ein Dispo ist nichts anderes als ein flexibler Kredit
Prinzipiell sollten sich Verbraucher fragen, ob und wozu ein Dispositionskredit überhaupt notwendig ist. Ursprünglich konzipiert wurde der Dispokredit analog zu einem Kontokorrentkredit im Unternehmensgeschäft, um den Kunden mehr Flexibilität für ihre finanziellen Angelegenheiten zu verschaffen. Konkret können damit auch Kosten beglichen werden, ohne dass das entsprechende Guthaben auf dem Konto verfügbar ist. Um den Einkauf zu bezahlen oder die Kosten für eine ungeplante Anschaffung zu begleichen, kann also auf einen flexiblen Kredit zurückgegriffen werden, ohne dass hierfür ein aufwendiger Antrag auf einen separaten Kredit gestellt werden muss. Mit den nächsten Gehaltseingängen kann der Kredit dann flexibel zurückgezahlt werden. Dafür werden dann in der Regel durch die Institute höhere Kreditzinsen verlangt, als sie etwa bei regulären Krediten üblich sind. Aktuell muss etwa mit einem durchschnittlichen Zins auf Dispokredite im Bereich zwischen sieben bis acht Prozent pro Jahr gerechnet werden. Einen Konsumentenkredit erhält man derzeit zu einem Zinssatz von vier Prozent. Vor diesem Hintergrund handelt es sich bei dem Dispokredit der GLS Bank tatsächlich um ein außerordentliches Angebot.
Das Konto der GLS Bank lohnt sich nur „theoretisch“
Doch zumindest theoretisch besteht die Möglichkeit, dass sich Kunden, die den Kreditrahmen ausgiebig ausschöpfen, ihre Gesamtkosten mindern. Wenn sich Kunden etwa entschließen, ein Konto bei dieser Bank zu eröffnen, den Kreditrahmen voll ausschöpfen um damit ein laufendes Darlehen oder auch einen anderen Dispokredit ablösen, fällt die Gesamtbilanz schon etwas anders aus und zwar in diesem Fall günstiger für den Verbraucher. Allerdings darf bezweifelt werden, dass allen Kunden sofort der volle Kreditrahmen eingeräumt wird. Insbesondere Bankkunden, die über kein regelmäßiges Einkommen in entsprechender Höhe verfügen, müssen sich mit deutlich niedrigeren Kreditrahmen zufriedengeben. Als Faustregel gilt, dass der zwei bis dreifache Betrag eines monatlichen Nettoeinkommens als Kreditrahmen zur Verfügung gestellt wird. Im konkreten Fall müssten Kunden also über ein Nettoeinkommen von etwa 3.500 Euro verfügen um das volle zinslose Kreditlimit von 10.000 Euro zu erhalten. Zudem ist alles andere als sicher, wie lange der Nullzins für den Dispokredit gilt. Denn eine weitere elementare Eigenschaft eines Dispokredites besteht darin, dass der Zins prinzipiell tagesaktuell angepasst werden kann.
Fazit – günstige Alternativen gibt es nach wie vor
Natürlich gilt auch in Bezug auf das Girokonto, dass der günstigste Weg nicht immer der einzige ist. Viele Kunden wollen mit ihrer Entscheidung für ein bestimmtes Institut auch ein Statement setzen und geben dafür etwas mehr Geld aus, als es im Vergleich zum günstigsten Konto der Fall wäre. Doch dem guten Gewissen lässt sich natürlich auch anders dienen. Genauso gut kann das durch ein günstiges Girokontomodell eingesparte Geld direkt an einen guten Zweck gespendet werden. Und günstige Girokonten gibt es nach wie vor, auch wenn die Angebote für wirklich konsequent und bedingungslos kostenlose Modelle etwas rarer geworden sind. So sind etwa viele Institute dazu übergegangen, wirklich kostenlose Kontoführung nur noch an Kunden zu vergeben, die über regelmäßige Geldeingänge in einer bestimmten Höhe verfügen. Prinzipiell soll damit die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, das später zusätzliche und für die Bank lukrative Produkte in Anspruch genommen werden.
Um ein konsequent kostenloses Konto handelt es sich dagegen bei dem Girokonto der comdirect. Dieses Modell bietet sogar noch einige Zusatzleistungen, wie etwa eine Kreditkarte oder ein Rabattprogramm. Auch die DKB Bank hat weiterhin ein kostenloses Girokonto im Programm, bei dem kein regelmäßiger Geldeingang Bedingung ist. Ab einem monatlichen Geldeingang von 700 Euro erhält der Inhaber allerdings den Status eines Aktivkunden und kann zusätzliche Leistungen, wie etwa ein Online Tresor, ein Cash Back Programm oder auch ein Auslandsnotfallpaket in Anspruch nehmen. Dafür sind die Dispozinsen dann höher als bei der GLS Bank: Die comdirect verlangt 8,96 Prozent pro Jahr. Bei der DKB werden für normale Kunden 7,5 Prozent verlangt während aktive Kunden nur 6,9 Prozent p.a. zahlen müssen.