Sind die FinTech-Unternehmen wirklich nur Kooperationspartner der Banken? Diese Fragen müssen sich die Startups wie die Banken inzwischen stellen. Nach einer Einschätzung der Unternehmensberatung SSC Management Consult könnten die FinTechs die Banken in Zukunft jährlich 3,4 Milliarden Euro an Bruttoerträgen kosten.
Von der Kooperation bis zur Konkurrenz scheint der Weg in diesem Fall kurz zu sein. Die Unternehmen der FinTech-Branche sind bereits jetzt dabei, in den Kerngeschäften der Banken fest Fuß zu fassen. Inzwischen ist dies nicht nur beim Privatkundengeschäft der Fall, sondern die FinTechs machen sich auf, um das Unternehmenskundengeschäft der Banken zu erobern. Genau an diesem aber verdienen die Geldinstitute nicht wenig ihres Geldes.
Der Wettbewerb ist härter geworden
Wie die Studie der Kölner Unternehmensberatung zeigt, haben inzwischen 103 FinTech-Unternehmen in Deutschland das Geschäftskundengeschäft der Banken ins Auge gefasst. Im B2B-Bereich sind ein Drittel der FinTechs auf Dienstleistungen und Arbeiten rund um den Zahlungsverkehr auslegt. Zwei Drittel der FinTechs im Business to Business-Bereich kümmern sich indes um Finanzierungen von Geschäftskunden.
Die Studie von SSC Management Consult wurde von Deloitte, CMS, ING-Diba und Finance-Research in Auftrag gegeben und erbringt ein Ergebnis, das so wohl nicht erwartet worden war. Anstatt Hand in Hand zu gehen, könnte aus den jetzt Noch-Kooperationspartnern eines Tages eine große Konkurrenz für die Banken erwachsen. Gerade das äußerst lukrative Geschäft mit den Geschäftskunden könnte dabei das Zünglein an der Waage sein.
Freund oder Konkurrent?
In Deutschland gibt es mittlerweile 544 Unternehmen, die in der FinTech-Branche unterwegs sind. Die Unternehmensberatung SSC Management Consult hatte im Rahmen der Studie eine Einstufung vorgenommen, wie die Fintechs aus Sicht der Geldinstitute eingeordnet werden können. Freund oder Herausforderer oder neutral, diese drei Einordnungen wurden vorgenommen. Wie die Kölner Unternehmensberater feststellten, können sie lediglich 13 der weit über 500 FinTechs als Freunde der Banken einstufen.
Dieses Ergebnis mutet seltsam an angesichts der Tatsache, dass sich die FinTech-Unternehmen selbst ganz anders einstufen. Sie sehen sich in der Hauptsache als Kooperationspartner der vorhandenen Banken. Die Welten sind damit, anders als gedacht, weit auseinander.
Konzentration auf kleinere und mittelgroße Betriebe
Wie die Studie zeigt, konzentrieren sich die FinTechs, die im Geschäftskundenbereich tätig sind, auf kleine und mittelgroße Unternehmen. „Zwei Drittel der Anbieter haben nur diese Kundenzielgruppe im Visier“, heißt es bei SSC Management Consult im Handelsblatt. Nur ein Viertel hat auch den Fokus auf Großunternehmen gerichtet, eine Konzentration auf das Geschäft mit den Großkunden hat nicht mal zehn Prozent der im B2B-Bereich tätigen FinTech-Unternehmen.
Eine besondere Herausforderung für die Banken stellen die Kreditplattformen dar. Diese vermitteln auch Kredite an mittelständische Unternehmen. In den Zeiten der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass beispielsweise Selbstständige und kleine Unternehmen, die von den Banken kaum bis gar keine Kredite mehr erhielten, auf Plattformen wie auxmoney und smava Finanzierungsmöglichkeiten fanden. Inzwischen sind Lendico und Funding Circle dazugekommen, die Kredite für Geschäftskunden für kleinere und mittelgroße Unternehmen anbieten.
Vor allem Funding Circle könnte hier ein wichtiger Player im Geschäft mit den Firmenkunden werden. Können Unternehmen hier doch Kredite direkt von Anlegern aufnehmen, ohne dass überhaupt eine Bank mit einbezogen werden muss in die Finanzierung. Eine Fremdfinanzierung von Geldgebern zu Unternehmen, die nicht nur keine Banken benötigt, sondern diese auch explizit ausschließt. Hier wird das Kerngeschäft der Bank nicht nur berührt, sondern will erobert werden. Am Ende wird sich zeigen müssen, wer in ein paar Jahren die größeren Stücke des Kuchens sein eigen wird nennen können.
FinTechs im Bereich des Factoring
Immer mehr FinTech-Unternehmen drängen auch in den Bereich Factoring. Beim Factoring werden Rechungen vorfinanziert. Ein Unternehmen oder Selbstständiger, das bzw. der die offenen Rechnungen an das jeweilige FinTech weitergibt, erhält gegen Abzug einer Gebühr den Rechnungsbetrag überwiesen. Hier ist unter anderem das Startup Bezahlt.de tätig. Die offenen Rechnungen können innerhalb der Zahlungsfrist via Factoring an das FinTech-Unternehmen übertragen werden.
Dadurch übernehmen die Unternehmen der FinTech-Branche Tätigkeiten, die gerade bei Geschäftskunden benötigt werden. Wer einmal Unternehmer oder selbstständig war, der weiß, wie schwierig manche Kunden in Sachen Bezahlen sind. Die Übertretung der Rechnung an einen externen Dienstleister kann Nerven schonen und Zeitersparnis mit sich bringen. Der Rechnungssteller muss nicht auf den Geldeingang warten, sondern ist zeitnah wieder liquide.
Vom Smartphone-Konto zum Geschäftskunden
N26, einst als Number26 und reines Girokonto für die Smartphone-Generation gestartet, hat ihre Geschäftstätigkeit mittlerweile erweitert. Bslang hatte die Bank nur ein Angebot für Privatkunden. Dies hat sich geändert, N26 bietet inzwischen auch ein Konto für Selbstständige und Freiberufler an. Die neue Ausrichtung auf beide Geschäftsfelder, die Privatkunden und die B2B-Kunden, ist nicht anders als das Kerngeschäft vieler Banken im Bereich Girokonto. Die Smartphone-Bank könnte damit früher oder später das eine oder andere Stück vom Kuchen ergattern, wenn man sich mit seiner Ausrichtung in beide Bereiche nicht verzettelt.
Sind FinTech-Unternehmen tatsächlich zukunftsträchtig?
Nicht alle Unternehmen aus der FinTech-Branche werden überleben. Einige werden gehen, andere werden kommen. In den letzten Jahren haben immer mehr FinTechs die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dies dürfte in der Zukunft vermehrt der Fall sein. Für Verbraucher und Geschäftskunden wird der Überblick dann möglicherweise schwerer sein, durch die größere Auswahl an Anbietern.
Auf der anderen Seite ist es letztlich die Konkurrenz, die das Geschäft belebt. Je mehr FinTechs es in den verschiedenen Bereichen dieser Branche geben wird, desto mehr Möglichkeiten bieten sich für die Kunden. Die Banken, deren Kerngeschäfte immer mehr angekratzt werden, dürften sich dann überlegen müssen, ob sie kundenorientiert arbeiten oder weiter die Branche sein wollen, die den Anschein hat, nur Geld und Gebühren von ihren Kunden zu wollen.
Das eine oder andere Unternehmen der FinTech-Branche wird es vielleicht in einigen Jahren nicht mehr geben. Dies ist der Lauf der Zeit. Auch einige Banken, die es früher gab, gibt es heute nicht mehr. Der Kunde hat mehr Auswahl, auch und gerade durch die Möglichkeiten des Internets. Heutzutage muss ich nicht mehr zur Bank vor Ort gehen, um ein Konto zu eröffnen, sondern kann dies binnen Minuten innerhalb des ganzen Landes machen.
FinTechs im Privatkundengeschäft
Zahlreiche FinTech-Unternehmen sind sowohl im Geschäftskundenbereich als auch im Bereich der Privatkunden zu finden. Banken wie N24 haben inzwischen beide Bereiche für sich entdeckt und bieten als Smartphone-Bank inzwischen neben dem Girokonto für Privatkunden auch ein Konto für Business-Kunden an.
Das Angebot im Bereich der Privatkunden dürfte im Laufe der Jahre immer größer werden. Aus Startups der FinTech-Branche werden Banken werden, aus kleinen Unternehmen können größere FinTechs werden, die immer mehr zur Konkurrenz etablierter Banken erwachsen dürften.
Gerade FinTechs wie auxmoney und Lendico, smava und N26 könnten den Banken weiter und vermehrt Kunden abnehmen. Bei der Kreditvergabe hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Kreditplattformen durchaus Möglichkeiten haben und bieten, die es bei der herkömmlichen Kreditvergabe gar nicht gibt. Kredite von Privatpersonen an Privatleute ist dabei ein Stichwort. Kredite von Privatpersonen an Freelancer und Selbstständige sowie kleinere Unternehmen das andere.
Das Geschäft mit den Girokonten
Ein wichtiges Geschäftsfeld der Banken ist das Girokonto. Jeder Bundesbürger über 18 Jahren benötigt ein solches Konto, um Gelder empfangen und Überweisungen tätigen zu können. Inzwischen gibt es immer mehr reine Onlinekonten. Diese funktionieren nicht anders als ein herkömmliches Girokonto, die Abwicklung der Bankgeschäfte läuft bei den meisten Anbietern voll digital.
In vielen Fällen sind solche Girokonten bei Direkbanken günstiger, als dies bei Filialbanken der Fall ist. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: die Internetbanken sparen Geld bei Miete und Personal, da sie keine Filialen halten. Diese Ersparnis wird in Form von günstigeren Angeboten wie beispielsweise einem kostenlosen Girokonto direkt an die Kunden weitergegeben.
Girokonto bei einer Direktbank eröffnen
In Deutschland bieten inzwischen zahlreiche Direktbanken Girokonten für Privatkunden und Geschäftskunden an. Die Kontoeröffnung ist einfach und oft voll digitalisiert. Das heißt, der neue Kunde muss nicht mehr zur nächsten Postfiliale, um sich mit dem PostIdent-Verfahren zu authentifizieren. Bei den meisten Internetbanken erfolgt die Legitimation über einen VideoChat, der nach den Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, der BaFin, durchgeführt wird.
Auch die Möglichkeiten, die solche Girokonten bei Direkbanken bieten, sind oft weitgefasster, als dies bei Konten bei Filialbanken der Fall ist. Manche Internetbanken bieten Neukunden eine Prämie an, andere bieten zum Girokonto ein Wertpapierdepot oder ein Tagesgeldkonto dazu.
Drei Girokonten mit attraktiven Konditionen
Bei unserer Sichtung aktueller Girokonto-Angebote sind uns drei Banken ganz besonders aufgefallen. Dies sind die Consorsbank, die ING-DiBa und die comdirect. Alle drei Direktbanken bieten ihren Kunden hervorragende Konditionen.
Die Consorsbank bietet ein kostenloses Girokonto an. Das Abheben von Bargeld ist in ganz Deutschland kostenfrei möglich. Zum Konto der Consorsbank gibt es außerdem eine kostenlose Kreditkarte (Visa Card) dazu. Neukunden können, wenn sie das Girokonto als Gehaltskonto nutzen, eine Prämie von 50 Euro erhalten.
Bei der ING-DiBa ist das Girokonto ebenfalls bedingungslos kostenfrei. Innerhalb der Eurozone kann mit dem Girokonto kostenlos Bargeld abgehoben werden. Auch zum ING-DiBa Girokonto gibt es eine kostenlose Visa Card dazu.
Das comdirect Girokonto ist das Highlight unter diesen drei attraktiven Girokonten. Die comdirect bietet nicht nur ein kostenfreies Girokonto und dazu eine kostenlose Visa Card Kreditkarte an. Darüber hinaus ist es Kontoinhabern möglich, weltweit kostenlos Geld abzugeben. Außerdem können Neukunden eine Prämie von bis zu 150 Euro erhalten.
In einem aktuellen Girokontovergleich finden Sie weitere gute Konten für Ihre alltäglichen Geldgeschäfte. Während zahlreiche Filialbanken an den Gebühren für ihre Girokonten geschraubt und das Gratiskonto vielerorts abgeschafft haben, setzen viele Direktbanken nach wie vor auf das kostenlose Girokonto.