Innerhalb der letzten Jahrzehnte haben sich die Bankkunden daran gewöhnt, dass ein kostenloses Girokonto der Normalfall ist. Fast jede Bank hatte ein entsprechendes Modell in ihrem Programm. Mitunter handelte es sich dabei um einfache Modelle, bei denen etwa keinerlei Filialdienste in Anspruch genommen werden konnten. Doch im Großen und Ganzen konnten sich die Bankkunden in Deutschland sicher sein, prinzipiell nicht oder nur sehr wenig Geld für ein reguläres Girokonto ausgeben zu müssen. Da fast alle Institute ein solches Angebot im Programm hatten, konnte es sich darüber hinaus auch kaum ein Anbieter leisten, das kostenlose Girokonto komplett zu streichen. Zu groß war die Angst, dass die Kunden scharenweise zur Konkurrenz wechseln. Dass sich diese Phase mittlerweile dem Ende zuneigt, ist nicht nur ein Gefühl vieler Bankkunden, die im letzten Jahr Post von ihrem Institut bekommen haben. Auch aktuelle Branchenuntersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass die Gebühren für ein normales Girokonto zuletzt deutlich gestiegen sind. Damit einher geht die Entwicklung, dass wirklich kostenlose Girokonten mittlerweile eine Ausnahmeerscheinung sind. Warum diese Entwicklung derzeit zu beobachten ist, wie die Kunden darauf reagieren sollten und was bei der Wahl des passenden Girokontos zu beachten ist, wollen wir in diesem Beitrag näher beleuchten.
Warum geht die Ära der kostenlosen Girokonten zu Ende?
Als Begründung dafür, warum viele Banken in den letzten Monaten an der Gebührenschraube gedreht haben und kostenlose Kontomodelle gleich reihenweise eingestellt worden sind, wird häufig die anhaltende Niedrig- bzw. Nullzinsphase ins Spiel gebracht. Dahinter steht die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die durch eine Senkung der Leitzinsen auf unter null Prozent die Inflation auf ein angestrebtes Niveau von zwei Prozent heben und so die Wirtschaft in der Eurozone ankurbeln will. Für die Banken bedeutet dies, dass im Zinsgeschäft, einer traditionell wichtigen Einnahmequelle der meisten Institute, kaum noch ausreichende Erträge erwirtschaftet werden können. Folglich haben sich die Institute auf die Suche nach neuen Einnahmequellen gemacht und sind dabei unter anderem auf das Girokonto gestoßen. Trotzdem haben viele Banken lange Zeit davor zurückgeschreckt, die Gebühren zu erhöhen bzw. bei kostenlosen Kontomodellen Gebühren erstmalig einzuführen. Denn lange Zeit galt das Girokonto in der Bankenbranche als sogenanntes Ankerprodukt.
Kunden sollten mit einem günstigen bzw. kostenlosen Girokonto an das Institut gebunden werden. Die Erträge wurden dann mit anderen Produkten, wie etwa Krediten, Versicherungen oder Anlageberatung und -vermittlung erwirtschaftet. Dieses Modell ist jedoch nicht nur durch die niedrigen Zinsen in Schieflage gekommen. Tatsächlich hat es innerhalb der Bankenbranche viel Bewegung gegeben. Viele junge und innovative Unternehmen drängen in das angestammte Gebiet der großen deutschen Filialbanken vor und jagen diesen mit ihren Angeboten immer mehr Kunden ab. Wenn sich die Verbraucher aber bei der Geldanlage an die günstigen Fintechs wenden und nicht mehr an die Hausbank, geht die Rechnung für die Bank nicht mehr auf. Ein stückweit kann der Grund für die Misere der Banken also auch diesen selber zugeschrieben werden, da sie den Wandel, der bereits seit einigen Jahren im Gange ist, mehr oder weniger verschlafen haben. Diese sitzen nun auf ihren teuren Filialnetzen und suchen händeringend nach neuen Ertragsquellen. Wie sollten sich nun aber Kunden verhalten, die ihre Bankgeschäfte weiterhin kostengünstig abwickeln möchten?
Wie sollten die Kunden reagieren?
Prinzipiell ist kein Bankkunde dazu verdammt, sich die Gebührenpolitik seiner Bank gefallen zu lassen. Dies gilt besonders dann, wenn die Gebührenerhöhung besonders unverhältnismäßig erscheint und keine konkrete Gegenleistung ersichtlich ist. Dies ist etwa der Fall, wenn ein bisher kostenloses Girokonto, welches ausschließlich als Online Konto geführt wurde, von heute auf morgen gestrichen wird und als Alternative ein Kontomodell angeboten wird, welches Kosten von knapp 100 Euro im Jahr verursacht. Insbesondere, wenn der Kunde das Konto bisher ausschließlich online nutzte und eine Filiale nur in Ausnahmefällen betrat, ist der zusätzliche Nutzen des neuen Kontomodells mehr als fraglich. Gebührenänderungen müssen dabei stets schriftlich und mindestens zwei Monate im Voraus angekündigt werden. Dem Kontoinhaber bleibt also ausreichend Zeit, darauf zu reagieren. Zunächst sollte dabei der Änderung schriftlich widersprochen werden. Zumindest wenn eine Vielzahl der Kunden von diesem Schritt Gebrauch macht, besteht zumindest eine gewisse Chance, dass der Schritt wieder rückgängig gemacht oder zumindest modifiziert wird. Im Normalfall wird sich die Bank aber nicht darauf einlassen und ihrerseits mit einer Kündigung reagieren, sollte der Kunden bei seinem Widerspruch bleiben. Ohnehin haben Kontoinhaber ein Sonderkündigungsrecht, wenn die Gebühren verändert wurden. Prinzipiell kann auch geprüft werden, ob sich im Programm der Hausbank ein alternatives, günstigeres Modell befindet. Ist auch dies nicht der Fall, bleibt dem kostenbewussten Bankkunden nichts Anderes übrig, als nach einem alternativen Girokonto zu suchen. Auch wenn das Angebot hierbei in den letzten Monaten deutlich geschrumpft ist, gibt es nach wie vor interessante Angebote, wie wir am Ende noch zeigen werden. Zunächst soll kurz erläutert werden, worauf bei der Auswahl des passenden Kontos geachtet werden sollte.
Ist kostenlos wirklich immer kostenlos?
Ein aktuelles Gerichtsurteil hat zwar entschieden, dass ein als kostenlos beworbenes Girokonto bei einer normalen Nutzung auch kostenlos zu sein hat. Gleichwohl ist bei der Suche auf wichtige Details in der Kostenstruktur des Girokontos zu achten. Bei einem wirklich kostenlosen Girokonto sollten alle üblichen Transaktionen, also Überweisungen, Einrichtung von Daueraufträgen, Abfrage des Kontostands und natürlich auch der Empfang von Zahlungen mit keinerlei Kosten verbunden sein. Darüber hinaus sollten sich die Bankkunden fragen, in welchem Umfang sie auf Bargeldzugang angewiesen sind. In einem konkreten Fall wurde bei einem kostenlosen Konto die dazugehörige Karte nur gegen Gebühr vergeben. Darüber hinaus ist natürlich nicht auszuschließen, dass aufgrund eines dünnen Netzes von Geldautomaten kein Gerät zur Verfügung steht, an dem kostenlos abgehoben werden kann. Auch dies sollte im Vorhinein gründlich geprüft werden. Keine Kosten verursacht darüber hinaus der Wechsel zu dem neuen Konto. Während die bisherige Bank gesetzlich zur Unterstützung verpflichtet ist, bieten viele Direktbanken häufig einen komfortablen Wechselservice, der den Aufwand für die Kunden auf ein Minimum reduziert.
Fazit – Einige kostenlose Alternativen bleiben
Während also noch vor wenigen Jahren eine Vielzahl von kostenlosen Kontomodellen zur Auswahl standen, ist deren Zahl mittlerweile auf knapp eine Handvoll Angebote geschrumpft. Und auch hier gibt es wichtige Unterschiede zu beachten. Einige kostenlose Girokonten werden nur gewährt, wenn regelmäßige Einkünfte zu erwarten sind. Dies ist etwa bei dem kostenlosen Girokonto der Ing DiBa der Fall. Ohne derartige Bedingungen sind kostenlose Girokonten derzeit bei der comdirect sowie bei der DKB verfügbar. Bei beiden Modellen gehört auch eine Kreditkarte zum Leistungsumfang. Somit haben die Kontoinhaber auch die Möglichkeit, im Ausland Bargeld zu beziehen und bargeldlos bezahlen zu können.