• Samstag, 17. November 2018

Kontogebühren: Geht es überhaupt noch kostenlos?

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Es ist noch gar nicht lange her, da ging ein Raunen durch die Bankenbranche. Zahlreiche Unternehmen hoben das gebührenfreie Girokonto aus den Angeln und setzten stattdessen auf Modelle mit gewissen Gebühren. Zwar gab es immer noch zahlreiche gebührenfreie Angebote, doch auch diese Anzahl verringert sich. Das jüngste Beispiel ist die Sparda-Bank, die in vielen Fällen jetzt Gebühren für die Kontofunktionen eingeführt hat. Und das, obwohl die gebührenfreien Konten so etwas wie das Aushängeschild des Unternehmens waren.

Erst die Berliner, jetzt zieht auch Düsseldorf nach

Im Oktober hat sich die Berliner Sparda-Bank dazu entschlossen, ihr kostenloses Girokonto anzupassen und hierfür unterschiedliche Gebühren einzuführen. Ein Schritt, der dem Unternehmen sichtlich schwer fand. Immerhin hat sich der Vorstand dazu durchgerungen, sich höchstpersönlich bei den Kunden zu entschuldigen und erklärte, dass der Konzern diese Gebührenfreit im Zinsertrag nicht weiter verkraften könne. Der Vizechef der Bank sagte damals, dass der Konzern seit rund 25 Jahren ein gebührenfreies Girokonto anbot, jetzt aber eine Zeitwende gekommen sei. Bei den Kunden kamen die Gebühren natürlich nicht gut an, allerdings hielten viele dem Unternehmen zu Gute, dass sich der Vorstand persönlich an die Kunden wandte.

Trotz aller Fragezeichen und widrigen Umstände hindert dies die Sparda-Bank aber nicht, jetzt beim nächsten Unternehmen nachzuziehen. Im Detail handelt es sich nun um die Sparda-Bank West, die ihren Sitz in Düsseldorf hat. Hier wurde bislang das sogenannte „Sparda-Giro“ angeboten, welches auch ohne monatlichen Gehaltseingang kostenfrei genutzt werden konnte.

Sparda-Bank ersetzt Girokonto durch zwei neue Modelle

Mitgeteilt hat die Sparda-Bank West, dass das kostenlose „Sparda-Giro“ künftig durch zwei unterschiedliche Modelle setzt wird. Zum einen wird das „Sparda-Giro Online“ angeboten, zum anderen das „Sparda-Giro Flex“. Ab dem 1. Juli sind die Modelle aktiv, wobei für das „Sparda-Giro Flex“ eine monatliche Gebühr in Höhe von 2,50 Euro zu zahlen ist. Wichtig zu beachten ist für alle Kunden allerdings: Dies gilt nur bei einem monatlichen Gehaltseingang. Auch hier hat die Sparda-Bank West also Änderungen eingeführt. Wer keinen monatlichen Geldeingang vorweisen kann, muss mit Gebühren in Höhe von fünf Euro rechnen.

Angehoben werden darüber hinaus die Kosten für die Girokarte zum Konto. Diese kostet nun nicht mehr zehn Euro im Jahr, sondern fortan zwölf Euro. Diese Gebühren bleiben auch dann identisch, wenn auf das „Sparda-Giro Online“ zurückgegriffen wird. Hierbei handelt es sich um ein reines Online-Konto, welches mit einer Gebühr von 2,50 Euro belastet ist. Diese gilt jedoch nur dann, wenn kein monatlicher Geldeingang verzeichnet wird. Wird Geld empfangen, entfallen die monatlichen Kontoführungsgebühren. Als Grund hierfür dürften vor allem die geringeren Verwaltungskosten der Bank genannt werden, schließlich ist das reine Online-Konto mit einem deutlich niedrigeren Aufwand verbunden.

Formulierung hat bereits für Probleme gesorgt

Wie die Kunden die Änderung im Angebot Angebot der Sparda-Bank West aufnehmen werden, ist bislang noch völlig unklar. Allerdings dürfte die große Freude wohl ausbleiben. Ganz nebenbei hatte das Unternehmen in der Vergangenheit auch bereits mit dem Rechtsstaat Probleme. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg hatte sich darüber beschwert, dass die Bank ihr Girokonto trotz der Einführung der Kartengebühr von zehn Euro weiterhin als „kostenlos“ beworben hatte. Sicher ist: Nach den aktuellen Änderungen sollte die Sparda-Bank diese Formulierung tunlichst vermeiden, denn ansonsten droht definitiv großer Ärger.

Banken gewöhnen Kunden immer stärker an Gebühren

Durch die Niedrigzinsphase geraten die Banken immer stärker unter Druck und zeigen dabei gleichzeitig auf, wie kreativ sie beim Festlegen neuer Gebühren seien können. So werden immer öfter Gebühren eingeführt, mit denen die Kunden langsam in Verbindung gebracht werden. Die Sparda-Bank Südwest zum Beispiel hat im letzten Jahr ebenfalls zwei Girokontenmodelle eingeführt. Allerdings in einer „Light“-Version. So kostet hier lediglich eine Überweisung am Terminal zwei Euro, die restlichen Gebühren entfallen. In einer zweiten Variante gibt es überhaupt keine Gebühren für das Konto, dafür eine Gebühr in Höhe von zwölf Euro für die Bankkarte.

Abgesehen von der Sparda-Bank führen aber auch andere Bankhäuser zusätzliche Gebühren für ihre Kunden ein. Sparer müssen sich zum Beispiel in vielen Fällen darauf einstellen, dass Beträge ab 100.000 Euro auf dem Konto mit Gebühren belegt werden. Ein sogenanntes Verwahrentgelt. Und selbst bei den Spielern langen die Unternehmen mittlerweile zusätzlich hin. Wer zum Beispiel mit seiner Kreditkarte bei einer Lotterie oder einem Wettanbieter eine Zahlung durchführt, muss dann mit einer zusätzlichen Gebühr rechnen. Wirklich wehren können sich die Kunden nicht, denn auch die kostenlosen Alternativen verschwinden nach und nach vom Markt.

Online lässt sich oftmals noch etwas sparen

Auch wenn sich die Kontoführungsgebühren nicht einfach so umgehen lassen, können die Kunden der Banken diese in einigen Fällen zumindest deutlich verringern. Möglich ist dies durch die Nutzung der Online-Varianten. Für die Bank sind diese Optionen kostengünstiger, weshalb oftmals auch günstigere Konditionen für die Kunden zur Verfügung gestellt werden können. Gerade mit Blick auf die Überweisungen kann hier oftmals gespart werden. Überweisungen am Schalter sind dann möglicherweise mit Gebühren verbunden, während die elektronischen Überweisungen am Computer gebührenfrei durchgeführt werden können. In diesem Zusammenhang ist es ratsam, die unterschiedlichen Angebote auf dem Markt genau miteinander zu vergleichen.

Kostenloses Girokonto: Gibt es das überhaupt noch?

Der eine oder andere Kontoinhaber fragt sich vermutlich, ob überhaupt noch kostenlose Girokonten in Anspruch genommen werden können. Immerhin haben sich in den letzten Monaten die Meldungen von Banken gehäuft, die verschiedene Gebühren für ihre Kunden eingeführt haben. Allerdings: Noch nicht überall sind diese Gebühren Pflicht. Stattdessen lassen sich einige Angebote entdecken die vollständig oder zumindest unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos genutzt werden können. Ein Beispiel hierfür wäre kostenlose „Top-Girokonto“ der Wüstenrot Bank. Dieses ist an keinen Geldeingang gebunden und zusätzlich mit einem Bonus in Höhe von 95 Euro verbunden. Ebenfalls ohne Kosten und Mindestanforderungen kann das Girokonto der ING-DiBa genutzt werden.

Junge Menschen haben es bei der Auswahl des Girokontos oftmals einfacher, als die älteren Kontoinhaber. Bis zum 27. Lebensjahr kann zum Beispiel das Girokonto der Volkswagen Bank genutzt werden – und das ohne monatliche Kosten. Ältere Kunden allerdings müssen bei der Bank einen monatlichen Geldeingang von mindestens 1.000 Euro vorweisen. Sollte dies nicht der Fall sein, berechnet die Bank aus Wolfsburg eine Gebühr in Höhe von 4,50 Euro pro Monat. Wem die 1.000 Euro Mindesteingang etwas zu hoch sind, kann auf die 1822direkt ausweichen. Hier steht ein Girokonto bereit, welches bis zum 27. Lebensjahr gebührenfrei genutzt werden kann. Ab dem 27. Lebensjahr ist für den Verfall der Gebühren ein monatlicher Geldeingang erforderlich. Wie hoch dieser aussehen muss, wird vom Unternehmen aber nicht vorgegeben. Kurzum: Wer sich auf dem Markt ein bisschen umsieht, kann durchaus noch das eine oder andere attraktive Angebot entdecken.

Vorsicht: Nicht jedes Angebot kann wirklich überzeugen

Wie die Diskussion zwischen der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs und der Sparda-Bank gezeigt hat, ist nicht jedes „kostenlose“ Angebot auch wirklich vollständig ohne Gebühren nutzbar. Die Kunden sollten daher keinesfalls beim erstbesten Angebot zuschlagen, sondern die unterschiedlichen Offerten genauestens vergleichen. Hilfreich ist es dabei, auch auf das „Kleingedruckte“ zu achten. Nur weil zum Beispiel keine monatliche Kontoführungsgebühr erhoben wird, bedeutet dies nicht, dass auch alle Überweisungen gebührenfrei möglich sind. Zusätzlich dazu sollte auch immer auf Extras wie eine Kreditkarte geachtet werden. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede, ob für die Aktivierung eine Gebühr erhoben wird, oder nicht.

Generell sollte also darauf geachtet werden, dass möglichst viele Funktionen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. In einigen Fällen lassen sich die Gebühren sogar vielleicht verkraften, wenn diese beispielsweise nur bei Überweisungen am Terminal anfallen – diese Überweisungen aber zuhause durchgeführt werden. Überzeugen dann die anderen Aspekte des Angebots, kann dieses vielleicht trotz der Gebühren als attraktiv bezeichnet werden.

Gebührenfreie Auswahl wird weniger

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass die Kunden der Banken wieder einmal vor neue „Probleme“ gestellt werden. Die Auswahl an kostenlosen Modellen für das Girokonto wird kleiner, da jetzt zum Beispiel auch die Sparda-Bank mit neuen gebührenpflichtigen Modellen nachzieht. Erstaunlich ist dies vor allem deshalb, weil das Unternehmen gerade mit seinen gebührenfreien Modellen jahrelang überzeugen konnte. Das zeigt, wie groß der Druck auf die Branche durch den Niedrigzins geworden ist. Die Banken allerdings müssen aufpassen, dass sie bei der Einführung der Gebühren nicht übertreiben. Einige Entgelte sind schon sehr grenzwertig und dürften sicherlich für die eine oder andere Diskussion sorgen. Fakt ist allerdings auch: So lange es zumindest noch ein paar gebührenfrei Ausweichmöglichkeiten gibt, müssen sich die Kunden keine großen Sorgen machen. Fraglich ist nur, wie lange die Unternehmen diese Modelle am Leben halten können. Positiv: Junge Menschen können sich bei mehreren Bankhäusern über spezielle Angebote freuen, bei denen bis zu einem bestimmten Alter auf zusätzliche Gebühren beim Konto verzichtet wird.

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