Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind Dinge, die im Finanzbereich lange Zeit keine wirklich große Rolle spielten. In den vergangenen Jahren hat sich dies jedoch verändert. Nachhaltige Girokonten und Geldanlagen liegen voll im Trend. Immer mehr Anleger entscheiden sich bewusst für Investments und Sparmöglichkeiten, in denen der Klimaschutz eine übergeordnete Rolle spielt. Die Nachfrage wird vom Finanzsektor mittlerweile hervorragend bedient. Doch was ist bei einem nachhaltigen Girokonto zu beachten? Und: Was kostet die Nachhaltigkeit den Verbraucher?
Der Trend ist klar: Nachhaltigkeit ist in
Mit einem guten Gefühl einkaufen, weil der eigene Co2-Fußabdruck verringert wird? Immer mehr Banken versprechen genau das. Da immer mehr Kunden einen großen Wert auf den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit legen, stellen Finanzunternehmen immer öfter passende Produkte zur Verfügung. Nachhaltige Girokonten sind nur eines dieser Produkte, welches sich jedoch einer steigenden Beliebtheit erfreut. Banken beweisen damit, dass sie sich ihrer gesellschaftlichen Aufgabe offensichtlich bewusst geworden sind. Auch Finanzunternehmen können eine Vorreiterrolle im Bereich des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit übernehmen.
In gewisser Weise sind die Konzerne dazu sogar verpflichtet. Erst letztes Jahr urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass der Staat im Sinne der Schutzpflicht seine Bürger auch vor Umweltveränderungen schützen müsse. Der vom Menschen gemachte Klimawandel gehört dazu. Und so muss eine Klimaneutralität quasi per Gesetz geleistet werden. Unterstützt wird dieses Urteil durch eine Studie der Unternehmensberater Deloitte. Diese brachte hervor, dass sich rund 58 Prozent der Verbraucher in Deutschland bereits Gedanken über das Klima gemacht hätten. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich auch das Konsumverhalten maßgeblich verändert.
Nachhaltige Girokonten nicht zwingend teurer als klassische Modelle
Ein Großteil der Verbraucher ist laut der Studie sogar bereit dazu, für die Nachhaltigkeit etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Im Supermarkt sind die Bio-Produkte aus regionalem Anbau meist teurer, ebenso zum Beispiel Tarife für Ökostrom oder Ökogas. Bei den Girokonten ist dieser Trend jedoch nicht flächendeckend zu erkennen. Stattdessen können die Verbraucher auf diesem Wege relativ einfach und ohne Mehrkosten den eigenen Co2-Abdruck weiter reduzieren. Wie konkret die Reduzierung des Co2-Abdrucks aussieht, variiert dabei von Konto zu Konto. So bieten einige Banken an, die Gebühr für Kartenzahlungen in gemeinnützige Projekte zu investieren. Mit diesen werden dann zum Beispiel Flächen im Regenwald vor der Abholzung geschützt. Viele Unternehmen bieten alternativ eine 110-prozentige Kompensation durch verschiedene Projekte. Welche genau, lässt sich auf der Webseite des Anbieters in der Regel problemlos nachvollziehen. Bei einer 110-prozentigen Kompensation wird übrigens von einem klimapositiven Geschäft gesprochen. Bei einem Ausgleich des Co2-Abdrucks wiederum von einer Klimaneutralität.
Beispiele für entsprechende Produkte finden sich auf dem Markt reichlich. So bietet das Girokonto der ING zum Beispiel einen Co2-Ausgleich über Kompensationsprodukte und setzt auf Finanzierungsprodukte, die ein Einklang mit den Nachhaltigkeitskriterien der Weltbank stehen. Ein Beispiel für ein klimapositives Girokonto findet sich zum Beispiel mit dem C24 Smartkonto, wo 110 Prozent des Co2-Ausgleichs über verschiedene Kompensationsprojekte ausgeglichen werden.
Verbraucher sollten nicht bedingungslos vertrauen
Wie ein Blick auf die verschiedenen Angebote auf dem Markt zeigt, bedeutet Nachhaltigkeit nicht für alle Unternehmen das Gleiche. An der Co2-Bilanz allein lässt sich nur schwer erkennen, wie umweltbewusst eine Bank wirklich arbeitet. So bezeichnen sich einige Konzerne als nachhaltig, investieren in Wahrheit jedoch nur einen Bruchteil in diese Projekte. Wer wirklich nachhaltige Girokonten und Finanzprodukte nutzen möchte, sollte sich deshalb gründlich mit den einzelnen Angeboten beschäftigen. Das Problem: Begriffe wie Nachhaltigkeit oder Ethik sind im Finanzbereich keinesfalls eindeutig definiert und festgelegt. Die Banken können also einen gewissen Interpretationsspielraum nutzen. Die Gefahr droht, dass dem Kunden wichtige Werte bei der Bank in der Praxis keine echte Rolle spielen. Verbraucher erfahren so meist erst bei einem genaueren Blick, wie nachhaltig die Bank wirklich arbeitet.
Ein gutes Beispiel hierfür ist das Angebot von Tomorrow Change. Die Bank investiert die Kundeneinlagen ausschließlich in nachhaltige Projekte. Bei jeder Kartenzahlung wird zudem ein Stück Regenwald vor der Abholzung geschützt. Dass ausschließlich in nachhaltige Projekte investiert wird, bedeutet in diesem Fall zum Beispiel den Verzicht auf Investments in der Rüstungsindustrie, der Kohle oder der Massentierhaltung. Investiert stattdessen in Projekte aus Bereichen wie erneuerbaren Energien, Green Bonds, oder nachhaltige Industrien. Auch sogenannte Blue Bonds, mit denen Gewässer und Küsten geschützt werden sollen, werden für die Investments genutzt. Ähnlich stark engagiert sich auch die GLS Bank, die zum Beispiel auf Investments in Atom-Projekte oder die Kohleindustrie verzichtet. Aus dem Kreditneugeschäft floßen im Jahr 2021 rund 30 Prozent der Gelder in die Förderung von sozial-ökologischen Wohnräumen, 23 Prozent in den Bereich der erneuerbaren Energien und gut 15 Prozent in die nachhaltige Wirtschaft.
Digitale Unternehmen im Vorteil
Wie groß der Co2-Abdruck eines Finanzunternehmens ist, lässt sich nur schwer genau ermitteln. Einen großen Einfluss haben zum Beispiel die Rechenzentren und Gebäude der Unternehmen. Generell gilt jedoch der einfache Grundsatz, dass digitale Unternehmen leichter nachhaltig arbeiten können als weniger digitale Unternehmen. Aus Sicht der Verbraucher ist aber vor allem gut zu wissen, dass die Nachhaltigkeit beim Girokonto mit keinen Einbußen rund um die Konditionen oder Funktionen einhergeht. Wem das noch nicht ausreicht, bieten viele Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten, die Umwelt zu schonen. So findet sich im Portfolio der Tomorrow-Bank zum Beispiel eine besondere Bankkarte aus Holz. Diese kann gegen einen Aufpreis statt der üblichen Plastikkarte genutzt werden. Angebaut wird das Holz in Österreich, es handelt sich dabei um ein sogenanntes Kirschholz.
Kosten für das Girokonten: Nicht grün ist teuer, sondern jung
Wer auf derartige Extras verzichtet, kann die Gebühren für die nachhaltigen Girokonten aber im üblichen Rahmen halten. Wie eine Untersuchung von Check24 jüngst ergeben hat, sind es stattdessen vor allem die Girokonten für junge Leute, die mit höheren Kosten für den Verbraucher verbunden sind. So zeigte die Ermittlung des Vergleichsportals, dass Kunden zwischen 18 und 29 Jahren im Bundesdurchschnitt am meisten für das Girokonto ausgeben. Im Schnitt immerhin ganze 14,92 Euro pro Jahr. Darauf folgen die 30-39-Jährigen, bei denen die Kosten bei 13,67 Euro pro Jahr liegen. Die 40-49-Jährigen zahlen im Schnitt 13,53 Euro, die Gruppe der 50-59-Jährigen nur 12,91 Euro. Am günstigsten kam laut der Studie des Portals demnach die Altersklasse der 60 bis 69-Jährigen weg. Diese zahlten im Schnitt 12,50 Euro pro Gebühren für ihr Girokonto.
Ein durchaus überraschender Blick auf die Dinge. Bislang ging man davon aus, dass vor allem jüngere Bankkunden aufgrund einer Vielzahl digitaler Angebote eher schneller zu einem kostenlosen Girokonto wechseln würden. Wie die Zahlen von Check24 zeigen, scheint jedoch das genaue Gegenteil der Fall. Die jüngste Altersklasse verweilt offenbar bei kostenpflichtigen Angeboten, während die älteren Bankkunden die Gebühren im Vergleich deutlich verringern konnten.