• Donnerstag, 29. Januar 2026

Neuer Mitspieler: Klarna startet eigenes Girokonto

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In Deutschland können die Bankkunden schon jetzt für ein eigenes Girokonto aus zahlreichen unterschiedlichen Anlaufstellen wählen. Trotz alledem sorgt die große Auswahl nicht immer auch für große Zufriedenheit bei den Kunden. Im Gegenteil: Gerade in der jüngeren Vergangenheit sind viele Banken aufgrund ihrer Kontoführungsgebühren oder anderer Strafzinsen in die Kritik geraten. Eigentlich der optimale Zeitpunkt, um mit einem frischen und neuen Produkt auf den Markt zu drängen. Das hat sich wohl auch der Zahlungsdienstleister Klarna gedacht. Das schwedische Unternehmen teilte jüngst mit, dass man ein eigenes Girokonto auf den Markt bringen wolle. Und diese Ankündigung dürfte für feuchte Hände in den Chefetagen vieler Geldhäuser sorgen. Anders als die Banken, genießt Klarna bei Nutzern nämlich einen hervorragenden Ruf.

Klarna-Girokonto mit kostenlosen Basisfunktionen

Die alteingesessenen Banken in Deutschland haben es nicht leicht. Die EZB sorgt mit ihrer anhaltenden Niedrigzinspolitik für wachsende Kosten bei den Banken und wachsenden Ärger bei den Bankkunden. Sich dagegen wehren, für die Bankhäuser eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Quasi zeitgleich steuern immer wieder neue Fintech-Unternehmen den Markt an und machen der alten Garde damit das Leben schwer. Jetzt rollt noch eine neue, zusätzliche Gefahr auf die Bankhäuser zu. Die ist keinesfalls ein Startup, sondern Europas wertvollster Techkonzern in der Finanzbranche, der nicht an der Börse zu finden ist. Die Rede ist vom schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren vorrangig einen Namen als einfacher und leicht zu bedienender Zahlungsdienst gemacht. Im Internet können Kunden mit Klarna zum Beispiel online shoppen, Essen bestellen oder sonstige digitalen Zahlungen regeln. Laut eigener Aussage liegt die Firmenbewertung von Klarna bei rund neun Milliarden Euro. In Deutschland hat sich Klarna vor allem mit der Übernahme von „Sofort“ und der dazugehörigen „Sofortüberweisung“ ins Rampenlicht stellen können.

Nun möchte der schwedische Finanzriese allerdings noch einen Schritt weitergehen. Laut Berichten der „Süddeutsche Zeitung“ arbeitet man in Skandinavien bereits fleißig an einem eigenen Girokonto für Deutschland. Das soll in den kommenden Monaten eingeführt werden und den Konkurrenzdruck auf die vorherrschenden Unternehmen noch einmal erhöhen. Auf sich aufmerksam machen möchte das Klarna-Konto demnach vor allem mit kostenlosen Basisfunktionen und einer dazugehörigen Debitkarte.

Girokonto als Erweiterung zur Klarna-App

Wie das schwedische Unternehmen mitteilte, soll das Girokonto in erster Linie die bereits vorhandene Klarna-App erweitern. Mit dieser hat der Konzern eine digitale Shopping-Welt erschaffen. Nach dem Öffnen der App befinden sich die Benutzer inmitten einer großen Einkaufswelt und können mit wenigen Klicks gewünschte Produkte erwerben. Die Kosten für die Bestellung werden anschließend einfach vom Girokonto abgebucht, welches der Kunde bei Klarna hinterlegt hat. Genau hier soll künftig das eigene Klarna-Konto ansetzen, so dass Kunden ihre Produkte mit diesem Konto bezahlen können. Und das dürfte erst der Anfang sein, denn das Unternehmen hat nach eigenen Aussagen große Pläne. Geschäftsführer Sebastian Siemiatkowsi schwebt künftig eine Multifunktions-Shopping-App vor. Ähnlich wie bei „Pinterest“ sollen die Nutzer mit der Klarna-App künftig Inspirationen sammeln und herausfinden, welchen Artikel sie eigentlich wollen. Gleichzeitig möchte Klarna als Vergleichsportal dienen und zum Beispiel wie „Idealo“ aufzeigen, wo die Nutzer ihr Produkt am günstigsten erwerben können.

Obwohl das alles auf den ersten Blick nur wenig mit einem klassischen Girokonto zu tun hat, möchte Klarna keinesfalls als zusätzlicher Anbieter aktiv bleiben. Siemiatkowski erklärt stattdessen: „Wir haben den Anspruch, langfristig zum Hauptkonto zu werden.“ Die Gefahr allerdings, dass Nutzer ihre Euros auf dem Konto lediglich parken, um diese dann zum Shoppen zu nutzen, ist durchaus vorhanden. Hierfür allerdings bietet der Konzern schon jetzt eine eigene Festgeldanlage an, mit der Nutzer aktuell 0,3 Prozent Zinsen für zwölf Monate erhalten können. So erhofft man sich, mögliche „Parker“ auf ein anderes Gleis lotsen zu können. Darüber hinaus ist Klarna auch schon jetzt mit einer eigenen Kreditkarte.

Kostspieliger und riskanter Plan

Die Pläne von Klarna sind damit beeindruckend. Große Schritte auf diesem Weg konnte der Konzern auch bereits hinter sich bringen. Dennoch bleibt das eigene Girokonto eine unsichere Angelegenheit. Geld wird Klarna mit dem Girokonto wohl zunächst nicht verdienen können. Die einzige Option ist die mitgelieferte Debitkarte, bei der das Unternehmen zumindest prozentual am Umsatz beteiligt wird. Die Hoffnungen des Konzerns liegen vor allem in einer Zunahme des digitalen Einkaufens und einer damit, so hoff es Klarna, verbundenen Loyalität der Kunden. Das muss nicht funktionieren, könnte aber. Immerhin ist Klarna mit seiner App nicht nur beliebt, sondern auf dem Vormarsch. Laut eigener Aussage wurde die App in Deutschland bislang rund sechs Millionen Mal heruntergeladen. Die Bundesrepublik ist gleichzeitig auch der wichtigste Markt für Klarna. Und bisher der einzige Markt, auf dem das Unternehmen ein eigenes Girokonto etablieren möchte. Aktiv ist der Konzern allerdings zum Beispiel auch in den USA. Hier bietet die Klarna-App eine Funktion für die sichere Benutzung einer Kreditkarte. Die Kunden können sich mit der App eine einmalig verfügbare Kreditkarte ausstellen lassen, die nur rein digital existiert. Mit dieser können dann Zahlungen in Online-Shops abgewickelt werden. Ob diese Funktion auch in Deutschland bald zur Verfügung steht, ist bislang nicht bekannt.

Klarna-Planungen dürften Banken nervös machen

Fast als sicher gilt es dafür, dass die neuen Pläne aus Skandinavien die Nervosität bei den deutschen Bankhäusern spürbar in die Höhe treiben dürften. Klarna profitiert dabei auch von der Unzufriedenheit vieler Kunden, die sich von steigenden Gebühren bei ihren Hausbanken „auf den Schlips getreten“ fühlen. In der Tat hat die Anzahl der Banken, die ihren privaten Kunden Minuszinsen in Rechnung stellen, zuletzt noch einmal deutlich zugenommen. Allein im vergangenen Monaten sind laut Untersuchungen des Verbraucherportals „Biallo“ gut 20 neue Geldhäuser dazugekommen, bei denen Minuszinsen anfallen. Insgesamt ist die Anzahl dieser Banken damit in Deutschland auf mehr als 200 gestiegen.

Erschrecken ist dabei auch die Entwicklung auf dem Markt. Im Sommer 2019 prüfte die Verbrauchsplattform den Markt schon einmal. Damals waren es laut Angaben der Plattform aber nur 30 Geldhäuser, die für hohe Einlagen der Privatkunden ein sogenanntes „Verwahrentgelt“ eingeführt haben. Seit Beginn 2020 sind wiederum mehr als 150 Banken auf diesen Zug aufgesprungen. Laut eigener Angabe hat „Biallo“ insgesamt 1.300 Geldhäuser für seine Auswertung unter die Lupe genommen.

Banken machtlos gegen die Zinspolitik der EZB

Das große Problem: Den Banken bleibt im Prinzip keine andere Wahl. Die Unternehmen leiden unter der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und müssen das eingelagerte Geld bei der EZB teuer bezahlen. Aus diesem Grund wurden zunächst vor allem die wohlhabenden Bankkunden mit Strafzinsen belegt. Mittlerweile aber treffen die Negativzinsen vor allem die Neukunden. Denn: Bestehende Verträge können von den Banken nicht so ohne Weiteres verändert werden. Neukunden müssen deshalb besonders aufpassen. Einige Bankhäuser verlangen die Strafzinsen bereits ab dem ersten Euro. Zudem gab es in der Vergangenheit bereits Berichte, in denen die Banken höhere Zinsen verlangt haben, als sie selbst an die EZB zahlen mussten. Diese Unternehmen wollten also noch ein Geschäft aus den Strafzinsen machen. Und genau derartige Verhaltensmuster öffnen Tür und Tor für neue, frische Angebote wie das Klarna-Konto.

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