• Donnerstag, 29. Januar 2026

Neustart: Girokonten-Vergleich wird jetzt von Stiftung Warentest angeboten

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Neue Hoffnung für deutsche Kontoinhaber. Bislang war der Ansatz, eine regulierte Vergleichswebseite für Girokonten zu schaffen, nicht mehr als ein Versuch. Übergeben wurde die Aufgabe zunächst an das Unternehmen von Check24. Der Konzern allerdings verabschiedete sich von dieser aufgrund von rechtlichen Unklarheiten wieder ziemlich schnell. Die Kontobesitzer guckten also zunächst wieder einmal in die Röhre. Nun soll sich das ändern. Ein neuer Girokonten-Vergleich wird aufgesetzt. Dieses Mal zuständig: Stiftung Warentest.

Stiftung Warentest übernimmt bis 2022

Gute Nachrichten für alle Girokonten-Nutzer in Deutschland. Nachdem die reguläre Vergleichsseite von Check24 offline genommen wurde, gibt es nun Neuigkeiten. Erst in der vergangenen Woche teilte die Stiftung Warentest mit, dass man künftig seinen eigenen Girokontenvergleich kostenlos zur Verfügung stellt. Die Verbraucher können so voraussichtlich noch bis zum zweiten Quartal 2022 Zugriff auf die objektive und kostenlose Vergleichswebseite haben. Nach diesem Zeitraum wird die Vergleichsseite wohl wieder in eine neue Hand übergeben. Demnach soll die Finanzaufsichtsbehörde der Bafin künftig eine staatliche Webseite für ein kostenloses Vergleichsportal betreiben. Schätzungen zufolge soll diese im zweiten Quartal 2022 startbereit sein.

Bereits vor einigen Jahren legte die EU im Zuge einer neuen Zahlungskontenrichtlinie fest, dass alle Verbraucher in der EU mindestens eine kostenlose und objektive Vergleichswebseite für Girokonten nutzen können müssen. In Deutschland ging zunächst Check24 an den Start. Das Unternehmen stellte die zertifizierte Seite aufgrund von rechtlichen Problemen jedoch ein.

Verbraucherschützer klagten gegen Check24 und seinen Vergleich

Vorausgegangen war diesem Stopp eine Klage von Verbraucherschützern. Diese klagten aufgrund unzureichender Marktabdeckung auf der Webseite gegen Check24. Im Anschluss an das Urteil erklärten die Verbraucherschützer, dass dies einem Erfolg gleichkomme. So sei das Angebot nicht dazu geeignet gewesen, den Verbraucherinnen und Verbrauchern einen Überblick über geeignete Girokonten auf dem Markt zu ermöglichen. Zwar sei die Webseite vom TÜV zertifiziert, bringe aber dennoch keine ausreichenden Leistungen. Der Verbraucherschutz erklärte damals knapp, dass die Webseite nicht die europäischen Anforderungen erfüllen würde.

Die Verbraucherschützer forderten deshalb einen neuen, unabhängigen Träger. So fiel die Wahl letztendlich auf die Stiftung Warentest und die Bafin. In der Mitteilung der Verbraucherzentrale hieß es dazu: „Es geht hier um den Überblick der Verbraucher auf einem sehr differenzierten Markt. Es ist ärgerlich, wenn Verbraucher draufzahlen, weil sich günstige und passende Angebote nur schwer finden lassen. Unabhängige Träger wie die Bafin oder die Stiftung Warentest wären besser geeignet, Verbrauchern hier ein gutes, brauchbares Angebot zu machen.“

Enormer Rückschlag für Check24

Wenig überraschend war der Konzern damals etwas anderer Auffassung. Der Konzern gab an, dass man die Weiterentwicklung des Vergleichs mit Politik und Verbraucherschutz laufend diskutiert habe. Man könne deshalb nicht verstehen, dass man für die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben verklagt werde. Der Konzern gab an, dass man für seine Arbeit eine gewisse Rechtssicherheit benötigen würde. In Deutschland wäre diese zu jenem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Laut eigenen Angaben investierte Check24 einen siebenstelligen Betrag in den Vergleich, mit dem bisher wohl aber noch kein Geld verdient wurde. Aufgeführt wurden in diesem laut Check24 die Konditionen von rund 80 Prozent aller Banken und Girokonten auf dem deutschen Markt.

Genau das war jedoch ein großer Kritikpunkt. Die Verbraucherschützer kamen zu dem Schluss, dass Check24 keinesfalls eine üppige Übersicht über den gesamten Markt anbieten würde. Von mehr als 1.700 Banken in Deutschland waren nach Auswertung der Verbraucherzentrale gerade einmal 567 Unternehmen im Vergleich dabei. Das entspricht weniger als 30 Prozent des Marktes. Zudem sei in vielen Fällen lediglich ein Girokonto-Modell der Bank aufgeführt gewesen, so dass Kunden nicht alle Angebote hätten prüfen können. Kritik musste sich Check24 auch von einigen Banken gefallen lassen. Der Grund: Erst vor einiger Zeit hatte der Konzern ein eigenes Girokonto an den Start gebracht. Die anderen Banken warfen dem Unternehmen so eine Doppelrolle als Tester und Getesteter vor. Check24 wollte von einem Interessenkonflikt jedoch nichts wissen und erklärte damals, dass auch das eigene Konto so getestet werden würde wie die Konten der Mitbewerber auf dem Markt.

Verbraucherzentrale: Leidtragende sind die Verbraucher

Dass der Verlauf diese Richtung eingeschlagen hat, scheint für Verbraucherschutz-Chef Klaus Müller keine große Überraschung. Deutschland war viel zu spät dran. Nun sind wir bereits zwei Jahre in Verzug. Von Beginn an haben wir vor einer privaten interessengesteuerten Lösung gewarnt. Die Leidtragenden sind nun die Verbraucher. Das ist beschämend, so der Vorstand der Verbraucherzentrale. Nun soll sich das ändern. Wie die Stiftung Warentest mitteilte, umfasst der hauseigene Vergleich derzeit mehr als 300 Girokontenmodelle von mehr als 130 überregionalen und regionalen Banken und Sparkassen. Demnach sollen pro Kontomodell jeweils über 50 Kriterien und Merkmale aufgeführt sein, mit denen Nutzer das passende Konto für sich entdecken können.

Wie genau der Vergleich im Anschluss über die Bafin aussehen wird, ist bislang noch nicht klar. Ein Vorteil des Ganzen dürfte aber sein, dass mit der Bafin eine vollkommen unabhängige Stelle für den objektiven Vergleich der Girokonten zuständig sein wird. Verbraucher können sich also auf eine strenge Kontrolle verlassen und müssen keine engen Verbindungen zu „eigenen“ Produkten der Bafin befürchten. Ein eigenes Girokonto der Finanzaufsichtsbehörde wird es garantiert nicht geben. Bleibt zu hoffen, dass sich der Überblick über den Markt spätestens ab 2022 für Verbraucher deutlich leichter gestalten wird.

Suche nach günstigen Girokonten wird immer komplexer

Wie wichtig ein Girokonten Vergleich für die Verbraucher ist, zeigt ein Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre. Immer mehr Banken und Sparkassen sind dazu übergegangen, die Gebührenschraube für die Kunden deutlich fester zu ziehen. Und das gleich auf mehreren Ebenen. Auf der einen Seite stehen die regulären Kontoführungsgebühren. Nur ein verschwindend geringer Anteil aller Girokonten ist für den Verbraucher wirklich kostenlos. Selbst, wer scheinbar ein Konto ohne Grundgebühren entdeckt, kann sich seiner Sache noch nicht vollständig sicher sein. Immer öfter lassen sich die Unternehmen einzelne Services und Dienstleistungen rund um das Girokonto bezahlen. Einzelne Überweisungen können dann Geld kosten, ebenso wie zum Beispiel das Ziehen von papiergedruckten Kontoauszügen. Die Unterschiede auf dem Markt sind hier mittlerweile enorm, der Überblick für Verbraucher keinesfalls einfach.

Neben den regulären Gebühren für das Girokonto setzen immer mehr Banken auch auf Negativzinsen für die Sparer. Heißt: Ab einem gewissen Betrag lassen sich die Banken das Lagern des Geldes etwas kosten. Der Grund hierfür liegt in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die Banken müssen der EZB etwas dafür bezahlen, dass die Gelder der Kunden dort gelagert werden können. Diese Kosten geben die Banken mittlerweile an die Kunden weiter. Und das immer früher. Einige Bankhäuser verlangen die Zinsen erst ab Einlagen von 100.000 Euro oder mehr. Das ist aber keinesfalls mehr der Standard. Teilweise müssen Sparer bereits ab 25.000 Euro oder 50.000 Euro Guthaben auf dem Girokonto Zinsen zahlen. Ein Sparfaktor ist nicht mehr vorhanden. Auch deshalb wenden sich viele Menschen ab von den klassischen Anlageprodukten der Banken. Immer öfter investieren Privatanleger stattdessen „auf eigene Faust“ in Aktien, Immobilien oder Fonds.

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