Zumindest für die kleine Sparkasse Soest und deren Kunden war es wohl die Meldung des Jahres. Denn dass sich die überregionale Presse für die Preispolitik eines Instituts mit gerade einmal 50.000 Kunden interessiert, stellt die absolute Ausnahme dar. Was war passiert? Bei einem bestimmten Kontomodell der Sparkasse wird ein Entgelt von einem Cent verlangt, wenn der Kontostand online abgerufen wird. Mit einer Änderung der Gebührenstruktur wurde dieses Entgelt auf nun zwei Cent verdoppelt. Aus diesem Umstand machte ein Redakteur die Meldung, dass durch diese betroffene Sparkasse für jeden Klick ein Cent bzw. bald zwei Cent verlangt werden. Dies entsprach zwar nicht den Tatsachen, sorgte aber zumindest kurzzeitig für die vom Redakteur gewünschte Aufmerksamkeit. Auch wenn sich in diesem Fall die Aufregung als deutlich übertrieben herausstellte, wird doch zumindest eines deutlich: wenn es darum geht, neue Einkommensquellen im Zusammenhang mit der Nutzung des Girokontos zu erschließen, lassen sich die Banken mittlerweile so einiges einfallen. Für die Kunden heißt dies vor allem, stets genau hinzuschauen und genau nachzurechnen, welches Kontomodell sie wie viel kostet. Wir wollen zunächst noch einmal auf den Fall der Sparkasse Soest eingehen und uns im Anschluss mit der Frage beschäftigen, welche Möglichkeiten es für Bankkunden eigentlich überhaupt noch gibt, kostengünstig ein Girokonto zu führen.
Viele Banken drehen an der Gebührenschraube
Vor allem die Entwicklung der Zinsen hat in diesem Jahr viele Institute dazu veranlasst, ihre Preis- und Gebührenstruktur zu überdenken und neu auszurichten. Denn in Folge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist den allermeisten Banken ein wichtiges Standbein ihres Geschäftsmodells abhanden gekommen. Während es bisher für die Banken finanziell lukrativ war, den Kunden kostenlose Girokonten zur Verfügung zu stellen und das darauf verwaltete Geld in Form von Krediten weiterzugeben, sind die Margen in diesem Geschäft zusammengeschmolzen wie Schnee in der Sonne. Es ist im Gegenteil sogar so, dass viele Banken praktisch im Geld schwimmen und mangels besserer Verwendungsmöglichkeiten bei der EZB einlegen müssen. Dafür werden seit einigen Jahren aber negative Zinsen erhoben. Die Banken müssen also dafür bezahlen, dass sie ihr Geld bei der EZB anlegen. Lange haben die Institute davor zurückgescheut, diese Kosten direkt an die Kunden weiterzureichen. Als regelrechtes Tabu kann nach wie vor die Einführung negativer Zinsen für Privatkunden gelten, auch wenn einige wenige Banken diesen Schritt gewagt haben. Doch zumindest für Privatkunden mit nur geringen bis mittleren Guthaben wird dieser Schritt vorerst nicht erwartet. Demgegenüber versuchen die Banken jedoch mit anderen Strategien, ihre Einnahmeseite nachhaltig zu stärken. So haben im letzten Jahr viele Banken ihre kostenlosen Girokonten abgeschafft. Teilweise wurden einfach regelmäßige Gebühren für die Kontoführung eingeführt. Andere Banken gingen den Weg, dass verschiedene Transaktionen mit festen Gebühren belegt wurden. Für Buchungen jeder Art auf dem Girokonto wird dabei von den Banken ein fester Betrag berechnet, der sich über das Jahr betrachtet ebenfalls zu stolzen Gesamtgebühren summiert. Von den allermeisten Banken werden dabei verschiedene Gebührenmodelle für die Girokonten angeboten und die Kunden können sich für die Variante entscheiden, bei der sie voraussichtlich am besten fahren.
Der Fall der Sparkasse Soest
Etwas Ähnliches muss sich auch die Sparkasse Soest gedacht haben, als sie ihr neues Gebührenmodell konzipierte. Welchen Sturm der Entrüstung sie dabei auslöste, konnte sie jedoch nicht ahnen. Denn der eingangs geschilderte Fall, bei dem für einen Klick im Rahmen des Online Bankings ein Cent gezahlt werden muss, ist nur ein Teil der Wahrheit und trifft zudem nur für einige wenige Kunden zu, wie die Bank eilig mitteilte. Fakt ist aber auch, dass sich die Bank im Rahmen einer Änderung der Gebührenstruktur dazu entschlossen hat, ein Kontomodell anzubieten, bei dem für die Nutzung des Online Bankings Gebühren berechnet werden. Eine einmalige Abfrage des Kontostandes kostet dabei tatsächlich einen Cent. Nach der Gebührenerhöhung werden sogar zwei Cent dafür berechnet. Dies gilt jedoch nur für eine bestimmte Kontovariante, die nur etwa 10 Prozent der Kunden betrifft und zudem schon seit mehreren Monaten im Angebot ist. Die meisten Kunden nutzen dagegen das Standardkonto, bei dem ein monatlicher Betrag von fünf Euro fällig wird, wobei die Nutzung des Online Bankings vollständig kostenlos ist. Die übrigen Kunden haben sich für das Modell mit einer Gebühr von 3,50 Euro entschieden, bei dem für die Nutzung des Online Bankings gezahlt werden muss. Diese Kunden hätten sich aber nach Auskunft der Sparkasse direkt und bewusst für diese Variante entschieden, wohl in der Annahme, damit günstiger zu fahren.
Welche Möglichkeiten bleiben für die Kunden
Letztendlich kann das Beispiel der Sparkasse Soest wohl nicht dafür herhalten, dass Kunden unverhältnismäßig stark zur Kasse geben oder gar abgezockt werden, denn die Gebühren stehen durchaus im Einklang mit den Konditionen, die derzeit in der Branche üblich sind. Dies heißt aber noch lange nicht, dass Kunden nicht auch die Möglichkeit haben, ein Girokonto kostenlos zu nutzen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie bereit sind, ihre Bankgeschäfte komplett online zu erledigen. Auf den für viele gewohnten Service in einer Filiale muss dann vollständig verzichtet werden. Für Bankkunden, die sich diese Art des Bankings vorstellen können, kann auch der eigentliche Wechsel vom alten zum neuen Institut ausschließlich online abgewickelt werden. Im Prinzip reicht es, bei der neuen Bank das entsprechende Konto zu beantragen und dabei den Wechselservice zu beauftragen. Dieser wird von den meisten Instituten kostenlos angeboten und nimmt den wechselwilligen Kunden einen Großteil der Arbeit ab, die im Zusammenhang mit einem Kontowechsel stehen. Denn um Gebühren mit einem kostenlosen Konto zu sparen, ist es vor allem notwendig, das alte bisherige Konto zu kündigen. Auch dies wird auf Wunsch durch den Wechselservice übernommen, genauso wie die Übertragung des Abschlusssaldos vom alten auf das neue Konto. Vorher ist es jedoch notwendig, alle bestehenden Zahlungsvorgänge des bisherigen Kontos auf das neue Konto umzustellen. Bei Daueraufträgen und Überweisungsvorlagen ist dies noch relativ einfach und wird einfach elektronisch erledigt. Bei Einzugsermächtigungen muss allerdings ein neues Lastschriftmandat erteilt werden. Der Wechselservice informiert dabei zunächst alle Zahlungspartner von der neuen Kontoverbindung. Diese setzen sich dann ihrerseits mit dem Kontoinhaber in Verbindung. Für die neuen Lastschriftmandate muss dann je nach Umfang noch einmal etwas Aufwand eingeplant werden. Die Beauftragung des Wechsels sowie des dazugehörigen Wechselservices selber dauert allerdings nicht viel länger als eine Viertelstunde.
Zwar haben sehr viele Banken ihr kostenloses Girokonto im letzten Jahr vom Markt genommen. Allerdings gibt es immer noch einige Institute, bei denen eine Führung des Girokontos prinzipiell kostenlos möglich ist. Das heißt, neben dem Verzicht auf eine Grundgebühr werden auch keine variablen Kosten für zusätzliche Leistungen verlangt. Unterschiede gibt es allerdings bei der Frage, an welche Bedingungen die Vergabe des kostenlosen Kontos geknüpft ist. Keinerlei Bedingungen gelten etwa bei dem Girokonto der DKB Bank. Das unter der Bezeichnung DKB Cash angebotene Girokonto kann auch ohne das Vorliegen eines regelmäßigen Einkommens eröffnet werden. Zum Leistungsumfang gehört zudem eine Kreditkarte von VISA. Damit hat der Kontoinhaber auch die Möglichkeit, im Ausland günstig an Bargeld zu kommen sowie bargeldlos zu bezahlen. Auch die comdirect hat ein bedingungsloses kostenloses Girokonto im Angebot. Ein Einkommen wird dagegen vorausgesetzt, wenn das kostenlose Girokonto der Ing-Diba genutzt werden soll.
Fazit – Bei neuen Gebührenmodellen sollte genau hingesehen werden
Das aktuelle Jahr war für viele Bankkunden mit der Erhöhung von Gebühren verbunden. Viele Institute sind dabei überaus kreativ geworden, wenn es darum geht, neue Einkommensquellen zu erschließen. Der als besonders dreist dargestellte Fall der Sparkasse Soest, bei dem angeblich für jeden Klick im Rahmen des Online Banking gezahlt werden sollte, erwies sich bei genauerem Hinsehen jedoch als weniger brisant. Tatsächlich handelte es sich um eine nur von wenigen Kunden genutzte Variante, für die sie sich zudem bewusst entschieden hatten. Dabei war die Gesamtbilanz sogar günstiger, als beim Standardkonto für fünf Euro Kontoführungsgebühr. Dieses Beispiel zeigt aber vor allem, dass es sich für Bankkunden stets lohnt, unterschiedliche Kostenmodelle zu vergleichen. Mitunter können bereits Kosten gespart werden, wenn innerhalb des Instituts zu einem anderen Modell gewechselt wird. Kunden, die sich auf das reine Online Banking einlassen, können zudem ohne großen Aufwand zu kostenlosen Modellen wechseln, die es nach wie vor gibt.