• Freitag, 20. März 2026

Unverständliche Preismodelle bei Girokonten

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Das Jahr 2017 wird vielen Bankkunden als das Jahr in Erinnerung bleiben, in denen Gebühren für ihr Konto eingeführt oder deutlich erhöht wurden. Während die Verbraucher es lange Zeit gewöhnt waren, ihr Girokonto kostenlos oder zu einem nur geringen Entgelt zu nutzen, haben viele Institute diese Praxis beendet. Aus Angst vor der Reaktion der Kunden wurden in vielen Fällen jedoch nicht einfach die Gebühren für die Kontoführung erhöht, sondern das komplette Preismodell angepasst, wie es viele Banken in ihren Schreiben beschönigend darstellen. Zumindest für die Banken zahlt sich diese Strategie aus. Viele ihrer Kunden gehen nämlich der Frage gar nicht auf den Grund, wie hoch der Preis für das Konto eigentlich im Endeffekt ist, geschweige denn, aus welchen Kosten und Gebühren sich dieser Preis tatsächlich zusammensetzt. Auf langfristige Sicht erweist sich dies aber als teures Versäumnis. In der Gesamtrechnung kommen häufig Kontogebühren von 70 bis 80 Euro zusammen. Wir zeigen, auf welche Kosten Sie dabei achten sollten und welche Alternativen es gibt.

Preismodelle sind häufig wenig transparent

Das Marktforschungsinstitut Forsa will kürzlich herausgefunden haben, dass etwa zwei Drittel der Bankkunden die Preismodelle für ihr Girokonto für unverständlich halten. Nur 31 Prozent stellen ihren Instituten dagegen das Zeugnis aus, ein ausreichend transparentes Preismodell anzubieten. Dabei bleibt aber offen, ob es wirklich an der Komplexität der Preismodelle liegt oder eher am fehlenden Interesse der Verbraucher. Für die Folgen dieses Umstandes spielt diese Unterscheidung allerdings keine Rolle. Im Endeffekt bezahlen viele Bankkunden deutlich mehr für ihr Girokonto, als es auf Grundlage des Marktangebotes eigentlich notwendig wäre. Auf der anderen Seite liegt schon der Verdacht nahe, dass die Banken diese Gleichgültigkeit vieler Kunden ausnutzen. Kontomodelle werden weiterhin als günstig angepriesen und Preisänderungen als notwendige und unbedeutende Anpassung schmackhaft gemacht. Eine fehlende oder eine günstige Grundgebühr soll dies in aller Regel unterstreichen. Vielfach wird dabei aber außer Acht gelassen, dass auch zahlreiche weitere Leistungen neuerdings mit Gebühren verbunden sind, die bisher vollständig kostenfrei genutzt werden konnten. Während sogenannte beleghafte Überweisungen schon länger mit einer Gebühr verbunden sind, haben viele Institute nun auch Kosten für alle anderen Buchungen eingeführt. Egal ob Geld auf dem Konto eingeht, Daueraufträge eingerichtet und ausgeführt werden, ob Geld auf das Tagesgeldkonto transferiert wird oder Lastschriften eingezogen werden, jedes Mal wird eine zwar geringe Gebühr berechnet, die sich über das Jahr verteilt aber zu beträchtlichen Gesamtbeträgen summieren kann. Girokonten, über die etwa Familien ihre gesamten Finanzen abwickeln, kommen schnell auf 50 Buchungen und mehr je Monat. Selbst eine auf den ersten Blick gering erscheinende Gebühr von nur fünf Cent je Buchung summiert sich dabei auf einen zusätzlichen Jahresbetrag von 30 Euro.

Auch auf Gebühren für Zusatzleistungen achten!

Ebenfalls als Kostentreiber können sich diverse Zusatzleistungen entpuppen. Hierzu können etwa die Kreditkarte, Versicherungsdienstleistungen oder Gebühren für Kontoauszüge gezählt werden. Für eine Kreditkarte, die bisher zum Gesamtpaket gehörte, wird nach einer Neustrukturierung der Gebühren plötzlich eine Jahresgebühr von 30 bis 40 Euro verlangt. Nicht selten werden den Bankkunden noch zusätzliche Versicherungsdienstleistungen verkauft, die sie entweder gar nicht benötigen oder woanders günstiger bekommen könnten. Ein weiteres Ärgernis sind in diesem Zusammenhang auch die Kontoauszüge. Längst nicht alle Banken bieten ihren Kunden die Möglichkeit, diese kostenlos am Automaten in der Filiale abzuholen. Wirklich kostenlos ist in der Regel nur die Versendung über den Online Account. Wird der Erhalt jedoch nicht bestätigt, erhält der Kunde seine Auszüge mitunter postalisch und muss dabei eine stattliche Gebühr entrichten, ob er nun will oder nicht. Der Jahreswechsel sollte daher auch dazu genutzt werden, das aktuelle Preismodell des Girokontos einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei sollte sich jeder Bankkunde zunächst die Frage stellen, welche Leistungen wirklich benötigt werden und welche Kosten prinzipiell vermieden werden können. In vielen Fällen ist es auch denkbar, auf ein günstigeres Konto im gleichen Haus umzusteigen. Ist dies jedoch nicht möglich, stellt auch der Wechsel zu einem günstigeren Kontomodell eine sinnvolle Option dar.

Wechsel des Girokontos als sinnvolle Option

Die deutschen Bankkunden haben sich in den letzten Jahren stets als sehr treu erwiesen. Es ist nicht ganz klar, ob dies aus reiner Gleichgültigkeit oder aus Angst vor dem Aufwand geschieht, den die Kunden bei einem Wechsel befürchten. Doch nicht zuletzt der Gesetzgeber hat dafür gesorgt, dass ein Kontowechsel sehr effektiv bewältigt werden kann. Dabei ist die Bank, bei der das bisherige Konto geführt wird, dazu verpflichtet, den Kunden beim Wechsel effektiv zu unterstützen und mit der neuen Bank zu kooperieren. Hinzu kommt aber, dass auch die Bank, bei der das neue Konto eröffnet werden soll, dem Kunden einen Großteil des Aufwandes abnimmt. Tatsächlich müssen für den Aufwand, der im Rahmen eines Kontowechsels anfällt, nicht viel mehr als zehn Minuten Arbeit investiert werden.

Fazit – Günstige Alternativen gibt es nach wie vor

Auch wenn in diesem Jahr die Gebühren für Girokonten auf breiter Front erhöht wurden, gibt es sie noch: Kostenlose Girokonten, bei denen keinerlei Bedingungen gestellt werden. Ein Beispiel ist das DKB Cash, wo es neben kostenloser Kontoführung auch eine Kreditkarte gibt, mit der im Ausland bezahlt und kostenlos Bargeld abgehoben werden kann. Auch die comdirect bietet nach wie vor ein Girokonto, bei dem keine regelmäßigen Geldeingänge vorausgesetzt werden. Hierbei handelt es sich tatsächlich um konsequent kostenlose Girokonten, was auch als echte Transparenz bei der Gebührenpolitik bezeichnet werden kann. Gerade auf lange Sicht können die Bankkunden dabei eine Menge Geld sparen.

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