Die aktuelle Coronakrise stellt eine Belastung dar. Und zwar in jeglicher Hinsicht. Wichtig also, dass sich alle Teile der Gesellschaft unter die Arme greifen und hier und da ein wenig Entgegenkommen zeigen. Leider ist das bei den meisten Banken in Deutschland aktuell nicht zu erkennen. Während in vielen Branchen Unternehmen ihren Kunden entgegenkommen und zumindest temporär angenehmere Konditionen anbieten, scheint dies die Banken kalt zu lassen. Ein Blick auf den Markt zeigt, dass im Schnitt fast zehn Prozent Dispozinsen kassiert werden. Selber zahlen wollen die Banken Zinsen aktuell aber kaum.
Verbraucher müssen aufpassen: Kontoüberzug kann teuer werden
Viele Menschen in Europa und Deutschland leiden unter der Coronakrise. Nicht nur gesundheitlich oder sozial betrachtet stellt das Virus eine Belastung dar, sondern auch finanziell. Aufgrund von Kurzarbeit oder sogar Arbeitslosigkeit reicht es bei vielen Menschen derzeit nicht, um die Ausgaben eines Monats vollständig zu decken. Das Konto muss überzogen werden – und genau hier schlagen einige Banken laut einer Untersuchung der FMH-Finanzberatung so richtig zu. In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung vom gemeinnützigen Verein Finanzwende.
Ermittelt wurde hierbei, dass sich die Banken derzeit leider weniger solidarisch zeigen als gedacht. Trotz Corona und trotz eines historisch niedrigen Zinsniveaus kassieren die Banken demnach vor alle bei der Überziehung der Girokonten richtig ab. Im Schnitt, so die Untersuchung, würden fast zehn Prozent Dispozinsen erhoben. Analysiert hat die Finanzberatung für die Studie laut eigenen Angaben mehr als 3.400 Girokontenmodell bei 1.250 Kreditinstituten.
Zehn Prozent Zinsen und mehr keine Seltenheit
Wer weiß, dass er in diesen Tagen vor einer großen finanziellen Belastung steht, sollte möglicherweise über einen Kontowechsel nachdenken. Dieser ist seit eines neuen Gesetzes einfach zu realisieren und für die Bankkunden kaum mit Aufwand verbunden. Wechseln kann sich aber auf jeden Fall lohnen. So zeigt die Untersuchung, dass die Gebührenspanne zwischen den Instituten in Deutschland enorm groß ist. Die Sparkasse Nürnberg, die Skatbank und die GLS Bank etwa verzichten auf Gebühren für die Überziehung des Kontos. Anders sieht es hingegen bei der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost aus. Hier verlangt man für die Überziehung des Girokontos satte 13,75 Prozent. Auf einem ähnlichen Niveau bewegt sich die Raiffeisenbank Anger mit 13,25 Prozent.
Weiter hat die Finanzberatung analysiert, dass gut 52 Prozent der untersuchten Banken mindestens ein Kontomodell anbieten würden, bei dem der Dispozins bei mindestens zehn Prozent liegt. Ein Umstand, an dem sich der Verein Finanzwende enorm stört. Der Verein forderte deshalb in einem offenen Brief die drei großen Bankenverbände dazu auf, eine Empfehlung an ihre Mitarbeiter herauszugeben. Hier sollte festgelegt werden, dass angesichts der günstigen Verzinsung und der momentanen Lage keine Zinsen von mehr als zehn Prozent einkassiert werden sollten.
Finanzwende fordert niedrigere Zinsen für Verbraucher
Von Seiten des Vereins heißt es: „Dass diese Forderung umsetzbar ist, haben einige Banken und Sparkassen in den letzten Tagen und Wochen erfreulicherweise unter Beweis gestellt. Sie haben aufgrund der Corona-Krise zumindest für die Bestandskunden die Dispozinsen deutlich gesenkt. Gleichzeitig machen einige Banken, darunter auch Regionalinstitute, bereits seit Jahren vor, dass sie auch mit Dispozinssätzen von deutlich unter zehn Prozent wirtschaften können.“ Die Senkung der Dispozinsen für die Bestandskunden sei zwar ein netter Ansatz, reiche unterm Strich aber nicht aus, erklärte Julian Merzbacher, der Verbraucherschutzexperte von Finanzwende.
Merzbacher erklärt, dass die Banken nicht dazu beitragen sollten, dass die Verbraucher sich weiter verschulden müssten. Zudem würde den Banken derzeit unter die Arme gegriffen werden, zum Beispiel durch gelockerte Kapitalregeln oder eine volle Haftung des Staates für KfW-Kredite, welche aktuell von den Banken vergeben werden. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, wollte sich die Kreditwirtschaft zum Brief von Finanzwende nicht äußern. Es heißt aber, dass die Branche den Ansatz befürworte, dass sich die Zinskonditionen am Markt selbst bilden sollten. Ein großer Konkurrenzkampf würde für einen fairen Wettbewerb und faire Konditionen sorgen. Den Eingriff des Staates, etwa durch eine Preisvorgabe, lehnt die Branche ab, da die Angebote zu unterschiedlich seien und deshalb nicht alle gleichermaßen reguliert bzw. bewertet werden könnten.
Zahlreiche Banken zahlen keine Zinsen mehr
Geht es um das Kassieren der Zinsen, scheinen die Banken derzeit zumindest aktiver denn je zu sein. Ein anderes Bild zeigt sich, wenn es um das Bezahlen der Zinsen an die Verbraucher geht. Zahlreiche Banken in Deutschland bieten ihren Kunden keine Zinsen mehr an. Legen diese ihr Gel dort an, wird kein Ertrag erwirtschaftet. Wie das Vergleichsportal „Verivox“ herausfand, würden aktuell mehr als 500 Banken in Deutschland keine Zinsen mehr auf das Tagesgeldkonto zahlen. Insgesamt wurden für die Untersuchung 825 Tagesgeldkonten überprüft. Das Ergebnis: Bei 525 Produkten können die Sparer keine Zinsen erhalten. Weitere 190 Tagesgeldangebote würden zudem nur mit symbolischen Zinsen von bis zu 0,01 Prozent arbeiten. Schon fast ein Hohn: 64 Institute in Deutschland bieten einen Zinssatz von 0,001 Prozent an. Wer einen Betrag von 10.000 Euro anlegen würde, dürfte sich dann nach ganzen zehn Jahren über einen Zinsertrag von einem Euro freuen. Wobei: Aufgrund der Inflation dürfte dieser kleine Sparbetrag nach zehn Jahren bereits „aufgefressen“ worden sein.
Wie das Vergleichsportal herausfand, würden vor alle lokale Institute oder Sparkassen oftmals kaum mehr Zinsen an die Verbraucher zahlen. Und nicht nur das. Bei einigen Banken wurden mittlerweile sogar Negativzinsen eingeführt, die schon ab dem ersten Euro greifen. Für Verbraucher bedeutet das nichts anders, als dass sie dafür zahlen müssen, ihr Geld auf dem Konto der Bank zu lagern. Der Antrieb hierfür kommt allerdings von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Diese möchte die Inflation unter zwei Prozent halten und stellt hierfür kostengünstiges Geld für Banken zur Verfügung. Diese sollen diese eigentlich günstigen Kredite an ihre Kunden weitergeben, welche dann wiederum die Wirtschaft mit dem günstigen Geld ankurbeln. Wer Geld braucht, hat aktuell eine gute Phase. Wer Geld anlegen möchte, weniger.
Bankkunden sollten sich nach Alternativen umsehen
Sparer sollten sich derzeit also vor allem nach Alternativen zum Tagesgeldkonto umsehen. Zumindest dann, wenn ihre Bank nur geringe oder gar keine Zinsen für die Anlage zahlt. Als deutlich attraktiver haben sich in den letzten Jahren die sogenannten ETFs herauskristallisiert. Oliver Maier, der Geschäftsführer von Verivox Finanzvergleich, erklärte gegenüber „t-online“: „Für den langfristigen Vermögensaufbau sollten Anleger auch über Alternativen im Aktienmarkt nachdenken.“ Und genau das sind die ETFs. Hierbei handelt es sich um Indexfonds, mit denen Anleger quasi in alle Unternehmen eines Index investieren können. Ein DAX-ETF etwa würde alle Unternehmen des deutschen Aktienindex beinhalten. Der Vorteil für Sparer: Die Anlage wird breit gestreut und gilt so als vergleichsweise risikoarm. Die Rendite kann aber, je nach ETF, enorm gut ausfallen. Zahlreiche ETFs können über mehrere Jahre Anlage hinweg einen Zinssatz von fünf, sechs, sieben oder mehr Prozent vorweisen. Allerdings lohnt sich diese Anlageform, anders als das Tagesgeld, vor allem für langfristige Anlagen. Zudem sollte hier, ebenfalls anders als beim Tagesgeld, nur Geld angelegt werden, auf das nicht zeitnah zugegriffen werden muss.